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Die Skaterin Teil 03

byKrystanX©

Eine Explosion zeriss die Welt um ihn herum. Fels wurde zu Pulver zermahlen und fiel als Staub auf das Dach des gepanzerten Truppentransporters. Durch die Wucht der Druckwelle wurde das Fahrzeug zur Seite gerissen und fiel fast in den Graben auf der rechten Wegseite. Einen zweiten Wagen hatte die Explosion vollends erwischt. Das Fahrzeug war mehrere Meter in die Luft geschleudert worden und krachte nun wieder zubogen.

Der vordere Teil des Fahrzeugs war schwer beschädigt worden. Reifenteile schwirrten wie Geschosse durch die Luft. Der Rahmen des gepanzerten Fahrzeugs war verzogen und der hohe Militärtransporter kippte zur Seite.

„Hinterhalt!“, schrie ein Gefreiter überflüssigerweise. Er beschrieb damit die Situation, die allen Soldaten bewusst war.

Ohne irgendeinen Befehl abzuwarten, legte der Fahrer des unbeschädigten Bundeswehrtransportes den Rückwertsgang ein, während unmittelbar nach der Explosion bereits das Trommelfeuer aus den AK-47 Sturmgewehren die beiden Fahrzeuge belegte.

„Die wollen uns alle umbringen!“, schrie einer der jungen Soldaten panisch.

„Weg hier!“, schrie der Fahrer.

Im selben Moment detonierte bereits die Granate einer RPG-7 Panzerfaust in unmittelbarer Nähe des Fahrzeuges, ohne weiteren Schaden anzurichten.

„Wir können unsere Kameraden nicht im Stich lassen!“, brüllte der Gefreite auf dem Beifahrersitz, der durch die gesprungene Frontscheibe des Militärtransporters den stählernen Sarg erblickte. Wenn die anderen Mitglieder ihrer Patrouille die Sprengfalle überlebt hatten, waren sie den vorrückenden Talibankämpfern hilflos ausgeliefert. „Wir müssen ihnen helfen!“

„Nein, die bringen uns um!“, kreischte der junge Soldat auf der Rückbank.

„Ich geh raus! Gebt mir Deckung!“, rief Alex, der neben dem in Panik erfüllten Jungen saß. Er öffnete die Seitentür und sprang aus dem fahrenden Wagen ins Freie.

Die Angreifer deckten das flüchtende Fahrzeug mit einem Hagel von Geschossen ein, welche jedoch keinen wirklichen Schaden anrichteten. Alex nutzte die Ablenkung und ließ sich in den Graben neben der Straße fallen. Die Afghanen hatten die Taktik der plötzlichen Feuerüberfälle und Sprengfallen in 30 Jahren Krieg perfektioniert. Sie griffen die Deutschen von einem kleinen Abhang aus an, und hatten so eine wesentlich bessere Stellung. Alex hatte jedoch den Vorteil einer präzise eingestellten Waffe und unzähliger Stunden auf dem Übungsplatz auf seiner Seite.

Er legte sein G-33 Gewehr an und gab aus gut dreißig Meter Entfernung eine Salve auf einen der Schützen ab. Eine der Kugeln fand ihr Ziel und traf den Mann in die Schulter und riss ihn so von den Beinen. Der Talibankämpfer fiel zu Boden und rollte den felsigen Abhang hinunter.

Der Soldat lächelte zufrieden, doch mit dieser Salve hatte er den Gotteskriegern seine Position verraten. Sofort wechselten sie das Ziel und belegten den Graben mit gnadenlosem Gewehrfeuer. Staub und regneten auf ihn herab und Alex wusste, dass er dieses Inferno nicht überleben würde.

Er schrie auf. Ein Geschoss traf seine Schutzweste und presste ihm die Luft aus dem Körper. Trotz des lärmenden Trommelfeuers glaubte er das brechen mehrerer Rippen vernommen zu haben, und genauso fühlte es sich an. Er biss die Zähne zusammen und drückte sich fester gegen seine natürliche Deckung. Vielleicht hatte ihm seine Weste einmal das Leben gerettet, ein zweites Mal würde er bestimmt nicht so viel Glück haben.

Durch den Schmerz der Ohnmacht nahe, umklammerte er sein Gewehr so fest es ging. Die Taliban hatten ihn hier festgenagelt und der Bundeswehrsoldat verfluchte sich innerlich für seine heroische, aber sinnlose Heldentat. Er würde mit seinen Kameraden im zweiten Fahrzeug sterben, sofern von denen überhaupt noch jemand lebte. Hoffentlich würden sich wenigstens die anderen in Sicherheit bringen.

In dem Moment bellte auf einmal das schwere Maschinengewehr auf dem Dach des Dingo Transporters los. Alex lachte auf und bezahlte die Hoffnung sogleich mit einem stechenden Schmerz im Brustkorb. Die anderen ließen ihn nicht im Stich.

Die Bundeswehrsoldaten hatten sich ungefähr zweihundert Meter zurückgezogen und bekämpften die Afghanen nun aus einer Entfernung, wo die Präzession der Waffen und Schützen einen Unterschied machte. Mehrere Male versuchten die Gotteskrieger mit ihren Panzerfäusten russischer Bauart den Wagen zu treffen, doch sie verfehlten. Die tödlichen Hohlladungen explodierten wirkungslos im Staub Afghanistans.

Nun mischte sich auch Alex wieder in den Kampf ein. Er richtete sich unter Schmerzen auf und blickte durch die Zieloptik in die Augen eines Jungen, der kaum älter als 15 wirkte. Der junge Talibankämpfer hatte seine Kalaschnikow auf Alex gerichtet, und so lösten beide ihren Schuss gleichzeitig aus.

Alex schreckte auf und hielt sich die Schulter. Verwirrt blickte er sich in einem Zimmer um. Das Licht war gedämpft und er blickte auf den knackigen Arsch eines Mädchens, welche neben ihm im Bett lag. Sie hatte eine hübsche Figur und lag nauf dem Bauch, so dass er nur ihr gewelltes, brünettes Haar sehen konnte.

Einen Moment lang konnte er sich nicht an ihren Namen erinner. Sein Herz raste. Seine Gedanken drehten sich immer noch um Afghanistan. Er war noch immer dort, an einem anderen Ort, fern der sicheren Heimat. Schweiß zeichnet seine Stirn und er rieb sich die Augen.

Es dauerte einige Momente, bis die Schleier der Vergangenheit ihn nicht länger quälten. Die Digitaluhr zeigte 4:31. Draußen war es noch dunkel. Wie spät war es jetzt in Afghanistan? Vormittag. Die Sonne Stand bereits hoch am Himmel. Die zierliche Frau neben ihm rekelte sich im Schlaf wie eine Artistin, die eine Schlange nachahmt. Mit jedem Herzschlag kehrte mehr von der Gegenwart in sein Bewusstsein zurück.

Er roch ihr schweres, sinnliches Parfüm. Er roch den Geruch von Sex. Es roch gut, roch nach etwas anderem, roch nach einem anderen Leben, welches Weit weg von den blutgetränkten Wüsten am Hindukusch lag.

Seine kräftige Hand wanderte über ihren makellosen Po und er spürte sogleich seine erwachende Libido. Blut füllte seine Männlichkeit und er rollte sich auf die vor sich hinschlummernde Schönheit in seinem Bett.

Von Müdigkeit benommen reagierte sie erst, als er schon von hinten in ihr bereits vor Stunden erobertes Poloch eingedrungen war, so dass ihr Schmerz erträglich war. Sie keuchte laut auf und vergrub ihre langen Fingernägel tief in das schwarze Laken.

„Der wilde Tiger will mit seiner Katze spielen?“, raunte sie immer noch schlaftrunken. Sie kannte offenbar sein wildes Liebesspiel und wehrte sich nicht dagegen.

Zentimeter um Zentimeter nahm er erneut besitz von ihrem engen Darm. Er drückte sich in ihr zartes Fleisch und trieb ihr den Atem aus den Lungen. Er kannte keine Rücksicht mit der jungen Frau, die sich unter ihm sowohl vor Schmerz, als auch von unterschwelliger Lust wand. Sie warf ihren Kopf in den Nacken und biss sich auf ihre Lippen.

Dann begann er sie mit gleichmäßigen zu Stößen. Er bewegte seinen Riemen rhythmisch in ihren After. Er keuchte und schnaufte von animalischer Lust beseelt. Sie drückte ihm ihr Becken entgegen und ertrug seine wilden Stöße mit immer größerer, eigener Lust. Ihre Pforte war noch vom abendlichen Liebesspiel mit Vaseline eingeschmiert. So konnte sie sich schnell an das pralle Glied in ihrem Darm gewöhnen, welches er auf so brutale Weise in sie trieb.

„Ja, oh, geil, du wilder Tiger!“, keuchte sie um ihn anzuheizen. Er fickte ihr nicht nur den Schlaf aus ihrem Körper, nein, er trieb sie nun langsam selbst zu einem Gipfel der Lust. Alex war ein rauer, wilder Kerl, und sie stand darauf. Sie liebte es, wenn ein Mann sich einfach das nahm, was er begehrte, und nicht wie ein kleines Hündchen darum bettelte. Damit hatte Alex einen Charakterzug, der im politisch korrekten 21. Jahrhundert immer seltener geworden war.

Alex redete nicht mit ihr, sondern beantwortete ihren Wunsch mit noch heftigeren Stößen, welche ihr die Tränen in die Augen trieben. Er fickte sie von hinten in ihren knackigen Arsch. Er rammelte sie, wie ein tollwütiges Tier, welches keinen seiner Triebe mehr unter Kontrolle hatte. Für ihn war sie nichts weiter als ein Stück Fleisch, welches ganz allein seinem Lustgewinn diente.

Als der ehemalige Soldat schließlich mit lautem Stöhnen tief in ihrem Darm abspritze, kreischte die junge Frau ebenfalls laut auf. Sie fühlte, wie sich sein Orgasmus durch ihren zierlichen Körper zog, welcher sie jedoch nur halb so sehr befriedigte, wie er ihr Lust auf mehr machte. Während sein dicker Penis Schübe seines heißen Samen tief in ihren Bauch entlud, sehnte sie sich danach von ihm nun sogleich in ihre feuchte Fotze gefickt zu werden. Aber Alex dachte nicht daran.

Denn er war fertig mit ihr, und so ließ sich der Ganganführer und Fitnesstrainer neben seiner Gespielin wieder in die Kissen sinken. Er hatte von ihr genommen, was er wollte, und dachte nicht daran ihr mehr von sich zu geben. So muss das Mädchen nun selbst Hand an ihre um Erlösung flehende Vulva legen.

Sie streichelte behutsam ihre Scham, während aus ihrer Rosette der Samen des Mannes tropfte. Sie massierte mit ihren Fingern ihre erregte Klitoris, während sie sich laut stöhnend und keuchend auf dem Bett bewegte. Sie hoffte darauf, dass er wieder aufwachte und sich ihrer annahm. Sie sehnte sich danach erneut von ihm bestiegen und besamt zu werden, aber dieser Wunsch blieb ihr verwehrt. So kam sie schließlich durch ihre eigene Hand, während Alex neben ihr ruhig weiterschlief.

***

Kim fühlte sich benommen. Sie saß auf ihrem Skateboard und lehnte müde an dem Geländer, welches zu den oberen Gleisen führte. Normal hätte sie sich nicht soweit in den Bahnhof hinein gewagt, aber draußen war es kalt und nass. Ein Nebel hatte sich über die Stadt gelegt und umgab nun die Welt ihre Welt mit seinen surrealen Schleiern.

Die obdachlose Skaterin streichelte mit ihren Fingerkuppen über die inzwischen fühlbare Wölbung ihres Bauchs. Auf den ersten Blick konnte man vielleicht übersehen, dass die junge athletische Frau in ihren lässigen Jeans und mit ihrem weiten Kapuzenpulli schwanger war. Kim hatte es selbst lange genug selbst verleugnet. Inzwischen konnte sie jedoch deutlich spüren, was eigentlich nicht sein durfte.

Dem Mädchen war zum Heulen zumute, doch sie riss sich zusammen. Die Maske der gelassenen, coolen Kim hatte in den vergangenen Monaten schon genug Kratzer bekommen. Der Ostbahnhof war als Platz für die jungen Skater nicht wirklich optimal. Polizei und privater Wachschutz der Bahn vertrieben die Jugendlichen und manchmal setzte es dabei auch Schläge. Viele der Jugendlichen ihrer Clique kamen deshalb nur noch selten auf den Platz vor dem Bahnhof. Natürlich waren sie immer noch eine Familie, eine Gang, die sich vor allem am Wochenende und wenn es sonnig war, traf.

Aber es war irgendwie anders. Hier am Ostbahnhof waren neben Polizei und Wachschutz auch Dealer und Zuhälter nicht weit. Sie blieben außerhalb des Bahnhofskomplexes, in den Seitengassen und bildeten eine latente Drohkulisse, für die Jugendlichen, für die Kim immer auch so eine Art große Schwester war.

Die Leichtigkeit des Sommers war vorüber und die Schwermut des Herbsts und des herannahenden Winters legten sich über die jungen Menschen. Es kam öfters vor, dass nun, wo die meisten ihrer Freunde wieder in die Schule oder Arbeit gingen, sie fast den ganzen Tag alleine ihre kleinen Kunststückchen auf dem weitläufigen Platz vorführte. Dieses Gefühl des Alleingelassenseins wog für die ansonsten so lebensfrohe Kim schwerer als alles andere. Sie wünschte sich die Nähe ihrer Gang, die sich mehr und mehr auflöste.

„Entschuldigen Sie junge Frau, aber Sie können hier nicht bleiben!“, sprach sie plötzlich jemand mit kräftiger Stimme an.

Kim blickte auf und sah zwei Männer in den Wachschutzuniformen der Bahn. Der eine war recht klein, kleiner als Kim. Der andere war eine hochgewachsene Bohnenstange. Beide waren wohl mehr als doppelt so alt wie Kim und ihre Miene ließ darauf schließen, dass keiner von beiden seinem Traumjob nachging.

„Wieso? Ich sitze hier doch nur“, erwiderte die junge Frau.

„Dies ist ein Bahnhof, hier sitzt man nicht einfach so herum. Hier kommt man her, um in einen Zug einzusteigen, oder ihn zu verlassen. Im Namen der Deutschen Bahn erteile ich Ihnen hiermit Hausverbot. Kann ich mal bitte Ihren Ausweis sehen?“

Kim sprang auf, einen Fuß auf ihrem Skateboard, doch bevor sie losfahren konnte, hielt einer der Männer sie am Arm fest. „Deinen Ausweis, Mädchen.“

„Lasst mich sofort los!“, fauchte das blonde Mädchen überrascht.

„Zuerst deinen Ausweis!“

„Wieso?“, fragte Kim und wollte sich losreißen, doch der kräftige Arm hielt sie gnadenlos fest. „Ich saß hier durch nur rum.“

„Weil du so aussiehst, wie …“ Weiter kam er nicht, denn plötzlich viel ihm eine Frau von der Seite ins Wort und sprach: „Also ich sitze hier auch viel rum. Wollen Sie jetzt auch meinen Ausweis sehen? Sind wir wieder im Dritten Reich?“

Alle drehten sich zu einer älteren, aber rüstigen Dame um, die sich zu ihnen gesellt hatte. Sie hatte schneeweißes Haar und trug ein dunkelblaues Kostüm. Auf den ersten Blick konnte man sie für Anfang 60 halten, aber jeder, der ein wenig in den Gesichtern der Menschen lesen konnte, musste wohl schnell ihr wahres Alter jenseits der 70 erraten.

„Wie meinen Sie?“ Der kleinere der beiden Männer blickte sie mit einem leicht grimmigen Blick an.

„Bei den ganzen Verspätungen der Bahn sitze ich auch viel auf dem Bahnhof herum. Wollen Sie nun meinen Ausweis auch sehen?“

„Ähm, nein“, antwortete der Mann vom Wachschutz leicht verwirrt.

„Gut, dann lass Sie jetzt bitte den Arm meiner Enkelin los, oder Sie können sich auf ein Disziplinarverfahren gefasst machen. Oder werfen Sie meiner Enkelin irgendetwas vor?“

„Ähm, nein, wir dachten nur das …“ Wieder viel ihm die resolute Frau ins Wort und sprach: „Gut. Dann lassen Sie uns jetzt bitte in Ruhe. Ich habe heute schon genug Zeit im ICE verloren.“

Der Mann löste seinen Griff um Kims Arm und die beiden Männer ließen die beiden Frauen ziehen. Kim, die mindestens genauso überrascht wie die Bahnbediensteten war, folgte der Frau, die sich als ihre Großmutter ausgegeben hatte und als sie um die nächste Ecke gebogen waren, sagte sie: „Danke.“

„Bitte.“ Die ältere Frau nickte freundlich und sprach dann: „Du siehst recht abgekämpft aus, Mädchen. Komm lass uns dort drüben hinsetzen und einen Kaffee und etwas Kuchen essen. Ich lade dich ein.“

***

Wenig später saßen die beiden bei Kaffee und Kuchen in einem Bahnhofsbistro. Kim hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Sie war zu verwirrt und hungrig, als dass sie das Angebot hätte ausschlagen können. Ihr Skateboard lehnte neben ihrem Stuhl und sie verdrückte ein großes Stück der leckeren Süßspeise.

„Warum haben Sie mir geholfen?“, fragte sie schließlich.

„Du bist Kim, oder?“

„Äh, ja“, murmelte die junge Frau und blickte unsicher zu ihrer neuen Gönnerin. „Wieso?“

„Ich bin auf der Suche nach dir“, gestand sie.

„Nach mir?“ Ihre Hand glitt an ihr Skateboard. Binnen eines Herzschlags rieten ihr ihre Sinne zur Flucht.

„Du bist doch die Kim, die sich hier auf den Straßen immer mit anderen Kindern und Jugendlichen herumtreibt. Deine Gang nennt sich Thunder Chicken, oder? Keine Angst, Kind. Ich will dir nichts Böses.“ Die Frau legte knochigen Finger auf die der jungen Frau, die sie misstrauisch musterte.

„Was wollen Sie?“, fragte Kim sie nun direkt. Ihre grünen Augen taxierten die ältere Frau genau. Es war ungewöhnlich, dass jemand außerhalb der Skaterszene etwas von den Thunder Chicken wusste und Kim liebte es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Es hatte gute Gründe gegeben, von Zuhause zu verschwinden.

„Ich bin Hanna Scheuring. Du kennst mich vermutlich nicht und das macht nichts, aber ich komme zu dir, weil ich deine Hilfe brauche.“ Die Stimme der Frau klang ernst, professionell, sie klang nach einer Person, die es gewohnt war zu befehlen.

„Meine Hilfe? Sehe ich aus, als könnte ich irgendjemanden helfen?“

„Meiner Enkelin, ja. Kennst du Silvia Prinker?“

„Noch nie gehört. Sollte ich?“, fragte Kim nach. Der Name sagte ihr wirklich nichts.

Die Frau wirkte ein wenig enttäuscht. Sie griff in ihre Handtasche und holte ein Foto heraus und reichte es Kim, die sich inzwischen wieder ein wenig entspannt hatte. Sie nahm es und warf einen Blick auf das Bild einer ca. 15 Jährigen mit braunen Haaren. Neben dem Mädchen stand ein Pferd. Es war offensichtlich auf einem Reiterhof aufgenommen worden. Das Mädchen trug Reitersachen und einen Helm unter dem Arm. Es sah total kitschig aus, aber Kim gefiel es. Zurzeit gefiel ihr sowieso fast alles war romantisch oder kitschig war. Sie wirkte glücklich und so dachte auch Kim zurück an die Zeit, wo Pferde und Reiten für sie ein fernes, Heileweltglück bedeuteten. Das Mädchen auf dem Foto wirkte seltsam vertraut, doch es dauerte einige Momente, bis die Ganganführerin der Thunder Chicken das Bild einer Person zuordnen konnte, denn das Foto war offenbar schon etwas älter. Vielleicht 5 Jahre oder so.

„Shiva, sie nennt sich Shiva“, erklärte Kim. Sie kannte Shiva. Letztes Jahr war die Herumtreiberin eines Tages am Kriegerdenkmal aufgetaucht und hatte einige Monate mit ihnen verbracht.

„Shiva, so hieß ihr Pferd“, erklärte die Großmutter und seufzte.

„Wieso suchen Sie nach ihr?“ Neugier schwang in ihrer Stimme mit.

„Das Bild stammt aus schöneren Zeiten. Vor drei Jahren hat sich meine Tochter mit einem schlimmen Mann eingelassen und diesen geheiratet.“ Sie klang nun seltsam melancholisch.

„Und?“ Fast alle Männer waren irgendwie schlimm, eine Feststellung die Kim jedoch auch für fast alle Frauen zutreffen würde.

„Silvias Stiefvater war ein Trinker und ich fürchte er hat auch Hand an meine Enkeltochter gelegt. Sie ist jedenfalls kurz nach der Hochzeit von zuhause davon gelaufen.“ Die alte Frau wirkte von einem Augenblick auf den anderen um Jahre gealtert. Sie wirkte nun nicht mehr so selbstbewusst und herrisch, sonder wie eine gebrochene Frau, die den Schatz ihres Lebens verloren hatte.

Das würde zu Shiva passen. Als Kim sie kennenlernte, war sie neu in der Stadt und wirkte recht verstört. Die Skaterin hatte Shiva gezeigt, wie man auf der Straße zurechtkommt. Wenn sich ihr Stiefvater wirklich an dem Mädchen vergangen hatte, würde dies bestimmt einige ihrer seltsamen Verhaltensweisen erklären.

„Und was wollen Sie jetzt von ihr? Und was wollen Sie von mir?“, wollte Kim wissen und streifte sich mit den Fingern durch ihr blondes Haar.

„Ich will meine Enkeltochter wieder. Und du sollst mir dabei helfen.“

Der zweite Satz ließ Kim erstaunt das Gesicht verziehen. „Sehe ich vielleicht aus wie die Auskunft?“, fragte sie leicht verärgert. Sie hasste es, wenn jemand von ihr etwas erwartet.

„Nein, aber du kennst die Stadt und die Straßenkinder. Du lebst unter ihnen und nach allem, was man so hört, bist du ein guter Mensch. Du kennst meine Enkeltochter. Silvia oder Shiva, du willst doch auch nicht, dass ihr etwas passiert.“ In den Augen der Frau war nun etwas Flehendes. Kim war versucht auf ihr Board zu springen und einfach davon zu fahren, doch sie tat es nicht.

„Ich bin aber keine gottverdammte Privatdetektivin!“, verteidigte Kim ihre Ablehnung mehr vor sich selbst als vor der alten Frau. „Warum heuern Sie keinen Privatdetektiv an, ich habe wirklich andere Probleme, als mich um Ihre Enkeltochter zu kümmern.“

„Das habe ich bereits. Aber nach sechs Monaten Suche haben die immer noch nichts gefunden. Silvia hat jeden Kontakt zu ihrem alten Leben abgebrochen. Dein Name war alles, was sie herausgefunden haben.“

Plötzlich erinnerte sich Kim an einen Mann von Mitte vierzig, der sie vor ein paar Monaten nach Shiva ausgefragt hatte. Damals hatte sie ihm mit ein paar Lügen auf eine falsche Fährte gelockt, da sie ihm nicht traute und Shiva schützen wollte. „Vielleicht hat sie die Stadt verlassen.“

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