Wellenlinien

byMaitreNuit©

Wellenlinien


Und wieder zeige ich euch eine meiner „Jugendsünden“!

Diese Werk ist so ziemlich genau zehn Jahre alt, und entstand, wie auch beschrieben, eines Morgens nach einem langen, alkohollastigen und kulinarisch opulenten Abend, während ich in meinem damaligen Stammlokal meinen Kater zu kultivieren suchte.

Ich habe es nur abgetippt und formatiert... Ansonsten ist es unverändert seit Juli 2001!

Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen.

Euer MaitreNuit




Verkatert. Frustriert. Von allem ermüdet. Einsam. Sein Denken ein schwarzes Loch. Ein schwarzes Loch, das ihn langsam – quälend langsam – verschlingt. Seine Worte – froh und heiter – verlassen einen weinenden Mund. Dunkle Augen senden helle Blicke. Eine schlanke Gestalt wirft große Schatten. Eine Gestalt, deren Schatten ihn erreichen.

Die Kellnerin steht im Sonnenlicht, und ihr Schatten holt ihn aus finst'ren Gedanken.

„Was kann ich dir bringen? Oh! Du bist es. Hab dich fast nicht wiedererkannt. Wie immer das Übliche?“

Ein Nicken und ein Lächeln. Man kennt ihn hier. Kennt ihn lesend. Kennt ihn schreibend. Kennt ihn denkend... kennt ihn immer nur allein seiend.

Trauriger Engel, lieber Teufel... „Guter Freund“. Worte – auch Ansichten und Einschätzungen – die ihn beschreiben sollen, von Menschen, die ihn schätzen – aber nicht kennen. Seine Geschichten – Offenbarung seiner Träume, seiner Selbst... von Vielen gelesen, von Wenigen verstanden... Facetten und Summe seiner Person.

Schöne Frauen – aufreizende und anziehende Frauen – gehen vorbei. Seine Blicke – leer und verhangen – folgen ihnen kurz. Er kennt die Schönheit. Der Einhornsucher, der Harpyien findet. Der Ruderer in der Wüste. Sohn der Unschuld, ungewollt geboren, aus und in Pflicht erzogen. Der ungeliebte Liebende. Quasimodo unserer Zeit mit gefallendem Äußeren. Im Kern reines Licht, von Zeit und Welt in Lava gebettet und mit der Nacht ummantelt.

Ein letzter Zug an der Zigarette; ein letzter Schluck im Glase noch, die Rechnung schon beglichen. Verlässt das Café mit einem Lächeln, echt wie ein 15-Mark-Schein. Sonne sticht in seine Augen. Eine Sonnenbrille – dunkle, seine Augen und seinen Blick verbergende Gläser – lindern diesen Schmerz. Seine Hände in den Taschen einer alten Jacke. Ein Knistern an seinen Fingerspitzen. Ein Brief, halb vergessen in der Erinnerung, halb vergraben in der Jackentasche. Der Inhalt – unvergessen in seinem Herzen – ein stiller, dumpfer Schmerz.

„Es tut mir leid, daß mir der Mut fehlt, dir bei diesen Worten in die Augen zu sehen. Es ist unverzeihlich, aber ich weiß, du wirst mir verzeihen.“

Der Verzeihende!! Allen hatte er alles verziehen. Beleidigungen mit Herzblut bedeckt; Schmerz mit Freundschaft vergolten.

Ein lautes Kinderlachen!! Seine Lippen teilen sich zu einem echten Lächeln – einem Lächeln der Seele. Auch in der Finsternis leuchtet ein Stern. Er mag nicht hell leuchten, dieser Stern, doch erhellend – erleuchtend! Der Sekundenzeiger drückt die Zeit des Wolfes weg. Die Sonne steht in Flammen, doch ihr Licht verwundet seine Augen nicht mehr. Der Brief in seiner Hand – ein Datum längst vergangen – nur Papier und Tinte. Tempus fugit! Die Zeit ist im Fluss. Alte Götter verdämmern, neue erheben ihren Geist. Phoenix erhebt sich aus seiner Asche. Alte Wunden – alte Narben... nur mehr Asche und Staub... alsbald auch schon längst entschwunden seiend.

Das Kind lacht ihn glockenhell an. Pausbäckig, eine knallbunte Papierwindmühle in der kleinen pummeligen Hand, Schokolade um den Mund – Klischeeüberfrachtet, aber für ihn gut und schön. Seine Schritte sind jetzt leichter und beschwingt. Er wird angepöbelt... ein Lachen seinerseits.

„Fahr zur Hölle du grinsender Wixer!!!“ Schreit der Pöbler. „Da war ich schon. Jetzt will ich mir auch den Himmel erobern.“ Anwortet er.

Vor ihm auf einem Rucksack: Ying und Yang. Über dem Rucksack: langes, schönes Haar. Unter dem Rucksack: schlanke lange Frauenbeine. Er lächelt und spricht sie an.

Alles ist im Fluss

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