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Deus Ex Machina - Komplette Story -

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Und wenn sie sich erst auf der Straße befanden, hatte die Androidin freies Schussfeld.

Da Selens augenblickliche Position allerdings suboptimal war, wechselte sie schnell ihren Standort zu dem des ehemaligen zweiten Scharfschützen.

Von dort hatte sie den Haupteingang des Wohnhauses und die Straße bestens im Visier.

Sie hockte sich hin und wartete. Schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, öffnete sich die Türe und mehrere likianische Männer mit Waffen im Anschlag traten heraus.

Bedauerlicherweise waren es nicht alle sechs, sondern nur vier.

Nun, gut. Um die restlichen Beiden würde sie sich zeitnah kümmern müssen.

Gerade mal drei Sekunden später besaß jeder von den Vieren ein rauchendes Loch präzise in der Mitte der Stirn.

Da sie wusste, dass sie mit ihren Schüssen jetzt ihre Position verraten hatte, duckte sich Selen sofort weg und hechtete zur Seite.

Keinen Augenblick zu spät, denn zwei rote Lichtfinger fauchten durch die Luft und verbrannten Sauerstoff an genau der Stelle, wo sich gerade noch ihr Kopf befunden hatte.

Sie blieb sicherheitshalber erst einmal dort liegen.

Was sie nicht sehen konnten, war nicht zu treffen.

Sie wartete kurz, aber es blieb bei den zwei Schüssen.

Vermutlich würde nun einer, wenn nicht sogar alle beide zum Dach hoch stürmen, um nachzuschauen oder sie anzugreifen, überlegte sie.

Die Androidin hoffte, dass dies geschah, bevor sie auf die Idee kamen, per Funk Verstärkung anzufordern.

Flink spurtete sie zurück zu dem Wohnhaus, in dem sich ihre restlichen Gegner befanden.

Sie erklomm lautlos das Dach über der Türe zum Treppenhaus, hockte sich hin und lauschte.

Den Geräuschen nach schien das Glück ihr hold zu sein, denn sie hörte zwei Paar Stiefel, die die Treppe empor polterten.

Sekunden später wurde die Tür aufgerissen und zwei Männer, mit Schnellfeuergewehren bewaffnet, stürmten hinaus.

Selen sprang.

Im Flug schossen zwei Klingen aus ihren Stiefelspitzen und bohrten sich synchron in die jeweiligen Nacken der Beiden.

Sich nach hinten abstoßend, vollführte sie einen eleganten Rückwärtssalto und landete in der Hocke.

Sie stand bereits wieder aufrecht, als die Körper ihrer Gegner tot auf dem Boden aufschlugen.

Sie hatten nicht einmal die Zeit gehabt zu erkennen, wer oder was sie angegriffen hatte.

Die Androidin fuhr ihre Klingen ein und huschte durch die Türe ins Treppenhaus.

Da sie nicht einschätzen konnte, ob sie nicht doch jemanden übersehen hatte, musste sie, um sicher zu gehen, in der Wohnung nachschauen.

Sie traf aber, wie sie es erwartet hatte, niemanden mehr an.

Nun musste sie sich beeilen, bevor die Stationswache und/oder Verstärkung ihrer Feinde eintraf.

Der Vorfall war mit Sicherheit nicht unbeobachtet geblieben.

Auf der Straße brannte ein Gleiter lichterloh und überall lagen Leichen herum.

Auf geradem Weg durch die Eingangstür zu Simon zu gelangen war im Augenblick undenkbar, daher entschloss sie sich, ihn auf einem etwas unkonventionelleren Weg aufzusuchen.

Sie spurtete zurück auf das Dach, nahm Anlauf, beschleunigte und sprang mit hoher Geschwindigkeit vom Rand in Richtung des Hauses von Simon Pratt.

Da sie jedoch alleine mit dem Sprung nicht die gesamte Straßenbreite würde überqueren konnte, zündete sie für einen kurzen Augenblick die Mikro-Antigravtriebwerke, die sie in ihre Stiefel eingearbeitet hatte.

Dieser Zusatzschub reichte perfekt aus, um sie sicher und sanft landen zu lassen.

Sie sah sich um.

Auch hier gab es eine Türe, die nach unten führte, aber sie war, wie die Androidin feststellte, verschlossen. Das Schloss war allerdings nur mechanisch und nachdem sie es mit ihrem Handlaser auf niedriger Stufe zu Schlacke geschmolzen hatte, vermochte sie den Zugang problemlos zu öffnen.

Sie scannte die Umgebung auf elektronische Überwachungsgeräte, konnte aber keine aktive Alarmanlage feststellen.

Vorsichtig und lautlos betrat sie die Treppe, die nach unten führte.

Sie führte, im Gegensatz zu dem Gebäude gegenüber, direkt hinab in eine große, edel eingerichtete Atelierwohnung.

Es war dunkel, aber das störte sie nicht, da sie ja immer noch ihre Nachtsicht aktiviert hatte.

„Hände hinter den Kopf und keine Bewegung!", hörte sie in diesem Augenblick eine männliche Stimme schräg hinter sich, kurz nachdem sie die letzte Stufe verlassen und den teuren Parkettboden betreten hatte.

Sie verfluchte erneut ihre mangelnde Kampfpraxis und ihre fehlende Vorsicht.

Sie hätte den Bereich erst auf Lebensformen scannen müssen, darauf aber verzichtet, da sie in diesem Gebäude keine Gefahrenquelle erwartet hatte.

Da sie aber das Intercomgespräch ihres Kommandanten mitgehört hatte, erkannte sie den Sprecher.

„Mr. Pratt?", fragte sie, in ihrer Bewegung verharrend und die Hände hebend.

„Ich bin Mae Swanson, die Assistentin von Mr. Dillinger. Entschuldigen Sie bitte mein gewaltsames Eindringen. Es gab leider keinen anderen Weg, um sie zu kontaktieren."

„Drehen Sie sich vorsichtig um und machen sie keine Dummheiten."

Selen erinnerte sich daran, dass ihre Haut- und Augenfarbe noch abgedunkelt waren.

So durfte er sie nicht sehen!

Zum Glück war es noch dunkel.

Schnell versetzte sie sich wieder in ihren Normalzustand und drehte sich anschließend betont langsam zu ihm um.

„Computer - Licht!"

Überall in der Penthouse-Wohnung flammten Leuchtkörper auf.

Selens Rezeptoren, die noch auf Nachtsicht eingestellt waren, brauchten leider einen kurzen Augenblick um sich umzustellen.

In dieser Zeit war sie blind.

Als sie wieder klar sehen konnte erblickte sie Simon den Schönen vor sich.

Er hielt einen schweren Gemini-Blaster in seiner rechten Hand und sah äußerst entschlossen aus, ihn im Bedarfsfall auch zu benutzen.

Diese Waffe war in der Konföderation der vereinten Planeten eigentlich streng verboten, wusste sie aus ihren Datenbanken.

Sie entwickelte einen breit gefächerten Energieimpuls mit knapp 35.000 Joule, der alles bis zu einer Entfernung von zehn Metern buchstäblich pulverisierte.

„Können sie sich ausweisen, Mrs. Swanson?"

„Im Augenblick leider nicht, Sir."

„Und wie soll ich ihnen dann glauben, dass sie sind, wer sie sind?"

„Eine gute Frage. Sir."

Selen überlegte kurz und antwortete:

„Sie haben uns vom Raumhafen von einem ihrer Angestellten abholen lassen, einem rothaarigen Mann namens Oliver. Unser Fortbewegungsmittel war ein goldfarbener Gallardo, der inzwischen leider nur noch ein Wrack ist, da wir auf dem Weg zu ihnen auf einer Schnellspur angegriffen wurden. Das Kennwort, welches sie Mr. Dillinger nannten, lautete Nebula. Reichen ihnen diese Informationen?"

Der Weißhaarige zögerte kurz, ließ dann aber die Waffe sinken.

„Das muss es wohl. Wo ist Greg?"

„Er ist untergetaucht und wartet in der Nähe auf mich. Im Augenblick ist die Lage hier sehr gefährlich."

Der Greis nickte.

„Ja, so scheint es. Was ist aus meinem Chauffeur geworden?"

„Er ist leider verstorben, Sir. Ein Laserschuss unserer Verfolger hat ihn mitten in den Hinterkopf getroffen."

„Verdammt! Er war ein netter Kerl. Zwar nicht der Hellste, aber immer sehr zuverlässig."

„Ja, Sir. Den gleichen Eindruck hatten wir auch."

Simon musterte sie mit seinen stechenden, grauen Augen.

„Und was war da draußen los?" Er deutete mit dem Blaster in Richtung Straße.

„Man hat versucht uns aufzulauern, Sir."

Der alte Mann kicherte.

„Ist anscheinend bei einem Versuch geblieben..."

„Ja, aber sie werden wiederkommen. Dann vermutlich mit noch mehr Männern. Die Stationswache wird vermutlich ebenfalls jeden Augenblick hier eintreffen."

„Also ist es hier nicht mehr sicher, oder?"

„Ich fürchte -- nein, Mr. Pratt."

„Verflucht! Aber irgendwann musste es ja mal so weit kommen. Diese verdammten Fischaugen sind sehr nachtragend."

„Dann werden wir jetzt erst einmal Ihren Brötchengeber abholen und anschließend in mein Geheimversteck fliegen. Können Sie einen Gleiter steuern?"

„Ja, Sir."

„Gut."

Simon griff in seine Tasche, holte einige Magnetkarten hervor, wählte eine aus und warf sie ihr zu.

„Dann kommen Sie mit."

Er ging zu einem Antigravlift, der in eine der Wände integriert war, die Androidin folgte ihm.

„Computer - Sobald wir das Gebäude verlassen haben, riegelst du den Keller hermetisch ab und aktivierst alle aktiven und passiven Sicherheitssysteme des Hauses, auch die Notfallreserven.", sagte der Hausbesitzer laut, während sie nach unten schwebten.

An Selen gewandt, ergänzte er grinsend: „Die werden eine böse Überraschung erleben, falls sie versuchen sollten mein Haus zu stürmen."

Ihre Liftfahrt endete im Tiefgeschoss.

Dort parkten eine ganze Reihe äußerst luxuriöser Gleiter der verschiedenster Bauart.

Offenbar hatte Simon der Schöne eine ausgeprägte Sammelleidenschaft und schien keinerlei Geldsorgen zu kennen.

„Es ist die Dschunke."

Selen schaute in die Richtung, in die seine ausgestreckte Hand deutete.

Dort stand ein riesiges Ungetüm von einem Gleiter. Er war so groß, dass er sage und schreibe ganze drei Parkplätze belegte. Seine Form war bis ins letzte Detail einer chinesischen Dschunke nachempfunden, bis auf die Segel natürlich.

Die Androidin zog eine Augenbraue hoch.

„Sir, ist das klug? Dieses Ding fällt enorm auf und sieht auch nicht besonders schnell und wendig aus. Es wirkt mehr wie etwas, was in ein Museum gehört."

„Gerade weil es auffällig ist, wird niemand vermuten, dass wir uns darin befinden.", erwiderte der hagere, weißhaarige Mann lächelnd und zwinkerte ihr zu.

Sie gingen hinüber und Selen öffnete mit der Magnetkarte das große Einstiegsschott. Es öffnete sich geräuschlos und ein muffiger Geruch schlug ihnen entgegen.

Offenbar war das schiffähnliche Gebilde längere Zeit nicht mehr genutzt worden.

Gemeinsam betraten sie das gewaltige Gefährt. Der alte Mann tätschelte dabei, wie Selen aus den Augenwinkeln feststellte, liebevoll die Hülle.

„Lassen Sie sich nicht vom Äußeren täuschen, Mrs. Swanson. Dieses Baby hat mehr auf dem Kasten, als Sie ahnen. Ich habe es vor etlichen Jahren bei einem Pokerspiel auf der Erde einem berühmten Mitglied der Triaden abgeluchst. Wissen Sie, was die Triaden sind?"

„Ja, Sir. Das ist die Bezeichnung der chinesischen Mafia."

Der Greis begann laut zu kichern.

„Kluges Mädchen! Nicht nur bildhübsch sondern auch noch blitzgescheit. Nur wenige Menschen können mit dieser Bezeichnung etwas anfangen. Jetzt bin ich endgültig überzeugt, dass Sie sind, wer Sie sind. Wo hat Greg jemand wie Sie aufgetrieben?"

„Im Shaolin-Tempel in Luoyang."

„Ah. Sie sprechen chinesisch?"

„Ja, Sir."

„Ich bin hinreichend beeindruckt. Und was hat ein süßes Täubchen wie Sie in einem buddhistischen Tempel verloren?"

„Darüber möchte ich nicht reden, Sir."

„Oh. Ein Geheimnis. Nun gut, ich werde Sie nicht weiter mit meinen Fragen belästigen."

„Danke, Sir."

Im Inneren des Schiffs war alles genauso verspielt, kitschig und pompös wie außen, aber als die Androidin genauer hinschaute sah sie überall versteckt modernste Technik verbaut. In der Tat schien die Dschunke nicht ganz das zu sein, was sie ausstrahlte.

Dieser Eindruck vertiefte sich, als sie das Cockpit betraten. Auch hier herrschten die allgegenwärtigen Farben Rot und Gold vor, die Sitze waren mit Samt bezogen und überall wimmelte es von Verzierungen, Schnitzereien, Troddeln und Quasten.

Die Instrumente aber, die in all dem Kitsch harmonisch eingebettet waren, bestanden aus äußerst hochwertigen Komponenten.

Nachdem sie die Kontrollen und Statusbildschirme überflogen hatte, entdeckte sie sogar Schutzschirme und eine kleine Feuerleitzentrale.

„Ein nettes Spielzeug, Sir.", stellte sie beeindruckt fest.

„Ist das Schiff raumtauglich?"

„Ja, aber es ist nur für Kurzdistanzen geeignet, innerhalb eines Sonnensystems."

Selen nahm auf dem Pilotensessel Platz und startete die Antigraveinheiten ebenso wie die Triebwerke.

Letztere wirkten alleine vom Klang in der Tat ziemlich leistungsstark, stellte sie fest.

Nachdem das Schiff sich sanft erhoben hatte, schwenkte die Androidin es in Richtung Ausfahrt.

„Nein, nein.", insistierte der alte Hehler.

„Drehen Sie um 180 Grad. Wir nehmen besser nicht den Haupteingang. Wer weiß, wer dort auf uns wartet."

Obwohl Selen kein weiteres Tor sehen konnte, wendete sie. Mit fragendem Blick wandte sie sich ihrem Beifahrer zu.

„Fahren Sie einfach vorsichtig auf die hintere Wand zu und stoppen Sie kurz davor, der Sensor erkennt das Schiff."

Die Androidin zuckte mit den Achseln und beschleunigte langsam. Als sich der Gleiter unmittelbar vor der Wand befand, öffnete sich direkt unter ihnen ein großes, geheimes Schott.

Selen ließ das schwere Schiff nach unten sinken. Sie stellte dabei fest, dass die Steuerung sehr feinfühlig und äußerst präzise war.

„Sir, ich möchte Ihnen Abbitte leisten. Ich habe offenbar etwas vorschnell geurteilt. Dieses Gefährt ist grandios."

Der weißhaarige Mann grinste.

„Ich weiß."

Als nächstes gelangten sie in einen riesigen Lüftungsschacht, dem sie eine Zeitlang schnurgeradeaus folgten. Er endete in einem Verteilerknoten, an dessen Decke befand sich ein weiteres Schott.

Nachdem es sich geöffnet hatte, durchquerten sie es und befanden sich anschließend in einem riesigen Lagerraum, in dem sich unzählige Kisten und Container stapelten.

Sie verließen ihn durch ein großes Tor und gelangten nach draußen, direkt in einen Verladebahnhof für Frachtgleiter.

Selen ließ die Dschunke gefühlvoll nach oben steigen und schaute sich um.

Sehr weit weg vom Haus befanden sie sich nicht, aber weit genug, um nicht damit in Verbindung gebracht zu werden.

Über dem Domizil von Mr. Pratt schwebten einige Gleiter mit dem charakteristischen rot/blauem Wechsellicht.

„Was ist, wenn sie uns scannen?"

„Dann werden sie als Eigentümer einen gewissen Chang An-Lo, freier Frachtunternehmer feststellen."

„Perfekt."

Selen steuerte die Dschunke vorsichtig in die Richtung, wo sie ihren Kommandanten zurückgelassen hatte.

Kurze Zeit später sahen sie ihn in einer Seitenstraße, wo er entspannt auf einem Mauervorsprung saß und mit den Beinen wippte.

Anscheinend hatte man ihn ohne Geld nicht sehr lange in der Kneipe geduldet.

Die Androidin leitete einen sanften Sinkflug ein, ließ den Gleiter in seiner Nähe knapp über dem Boden schweben, öffnete das Eingangsschott und winkte ihn zu sich.

„Hallo, Sel!", begrüßte der Kommandant sie fröhlich, stand auf und klopfte sich den Staub von seiner Hose.

„Das hat aber ganz schön lange gedauert. Ich habe mir bereits Sorgen gemacht, da eben Gleiter der Stationswache vorüber geflogen sind. Was ist passiert? Und vor allem: Wo hast Du dieses skurrile Flugschiff her?"

„Steigen sie bitte erst einmal ein, Sir!", entgegnete die Androidin ungeduldig.

„Wir sollten möglichst schnell von hier verschwinden, all ihre Fragen beantworte ich gerne später."

Greg betrat das Schiff und nahm im Wohnbereich auf einem der Sessel Platz. Selen ging wieder ins Cockpit, setzte sich, schloss die Einstiegsluke und startete die fliegende Dschunke.

„Aktivieren Sie den Autopiloten, Mrs. Swanson. Die Koordinaten sind noch eingestellt. Er bringt uns in mein Versteck.", erklärte der weißhaarige Mann auf dem Copilotenplatz.

„Danach setzen wir uns erst einmal alle gemütlich zusammen und plauschen ein wenig bei einem Drink."

„Simon!", rief Greg überrascht, als er die Stimme vernahm.

„Du bist an Bord?"

Der Unternehmer stand auf und kam ebenfalls ins Cockpit.

„Ja, Deine bezaubernde Assistentin war so frei mich einzuladen, euch zu begleiten.", bemerkte dieser sarkastisch, dann aber wurde sein Ton wieder freundlich.

„Greg! Es freut mich wirklich, Dich nach all den Jahren endlich einmal persönlich wieder zu sehen."

Jovial streckte der weißhaarige Mann dem Unternehmer seine Hand entgegen. Dieser grinste und schüttelte sie kräftig.

„Mich auch, Simon. Mich auch."

Nachdem der Autopilot eingestellt war und seine Arbeit aufgenommen hatte, wechselten die drei in den mittleren Bereich des Schiffs. Simon öffnete eine kleine versteckte Bar und bot ihnen Getränke an, die sie dankend annahmen.

Selen erzählte dem Unternehmer im Schnelldurchgang, was geschehen war und wieso sie sich dazu entschlossen hatte, den Hehler direkt aufzusuchen.

Greg ließ sich die aktuelle Situation noch einmal durch den Kopf gehen. Schließlich meinte er:

„Hm, also steckst Du wegen uns reichlich in Schwierigkeiten, Simon. Die Likianer werden vermutlich aus eigenem Interesse Stillschweigen bewahren, aber die Stationswache wird Dich bestimmt bald wegen des Todes Deines Chauffeurs befragen. Sie brauchen nur eins und eins zusammenzählen dann wissen sie, dass der gestrige Angriff auf den Gleiter und die kleine nächtliche Häuserschlacht zusammenpassen."

„Ach." Der Hehler winkte ab.

„Damit komme ich schon klar. Eigentlich wissen die gar nichts. Zudem schulden mir auch einige Leute noch ein paar Gefallen."

„Es wundert mich aber ein bisschen, warum die Likianer auf einmal ganz versessen darauf sind euch gefangen zu nehmen oder sogar zu beseitigen. Der Aufwand, den sie betreiben, ist erstaunlich hoch. Bewaffnete Gleiterangriffe innerhalb einer Raumstation, Assassinenkommandos. Was kommt als nächstes? Das geht über eine Rachefehde weit hinaus."

„Ja. Du hast Recht.", meinte Greg und nippte nachdenklich an seinem Whiskyglas.

„Das ist mir auch schon aufgefallen. Was ist so wertvoll an einem alten religiösen Artefakt?"

„Hast Du den Stein inzwischen untersuchen lassen?"

„Dutzende Male, in allen nur erdenklichen Testszenarios. Die Jungs im Labor haben ihn Energien der verschiedensten Arten ausgesetzt, ihn in allen Frequenzen gescannt, durchleuchtet, ihn mit harter Röntgenstrahlung beschossen und was weiß ich noch alles damit angestellt."

„Und was ist dabei herausgekommen?"

„Im Prinzip nichts, bis auf die Erkenntnisse, dass er irgendeine Art Energiequelle in seinem Inneren besitzt, offenbar unzerstörbar ist und äußerst alt. Sie wissen noch nicht mal, aus welchem Material er besteht."

„Auf welches Alter ist er datiert?"

„Ich habe die Zahl nicht im Kopf, da die Untersuchungen schon einige Jahre her sind, aber auf jeden Fall ist der Stein Jahrmillionen älter als die Zivilisation der Likianer."

„Also stammt er nicht aus ihrer Kultur?"

„Definitiv nicht. Vielleicht haben sie ihn irgendwo gefunden oder gestohlen."

„Und seine Funktion blieb euch verschlossen?"

„Ja. Er will sein Geheimnis offenbar nicht preisgeben."

„Schleppst Du ihn im Augenblick mit Dir herum?"

Greg schaute sein Gegenüber argwöhnisch an.

„Warum möchtest Du das wissen?"

Der Hehler seufzte.

„Nur um herauszufinden, ob sie den Stein vielleicht orten können. Wenn das der Fall ist, dann sind sie nämlich bald wieder hinter uns her, egal, wo wir uns verstecken. Ich vermute sie glauben Du trägst ihn ständig bei Dir sonst würden sie nicht so brachial vorgehen."

„Hm."

„Du trägst ihn doch nicht wirklich am Körper??!"

„Nein. Er ist in der Infinity."

„Okay. Das ist gut. Also ich an Deiner Stelle würde schnellstmöglich mehr Informationen über den Stein sammeln. Ich werde auch mal meine sämtlichen Quellen bemühen. Er scheint offenbar sehr wichtig für sie zu sein."

„Ich habe bereits so ziemlich alles an Informationen über ihn gesammelt, die ich kriegen konnte."

„Und?"

„Den likianischen Legenden nach ist er ein göttliches Geschenk des Titanen Urnus an den Herrscher seines erwählten Volkes. Er soll angeblich mächtige magische Kräfte besitzen und seinem Träger ein drittes Auge und das zweite Gesicht schenken. Der übliche mystische Quatsch."

„Nun, in allen Mythen steckt auch ein Körnchen Wahrheit. Die Titanen sind in abgewandelter Form auf vielen Planeten bekannt. Auf der Erde sind sie die ältesten bekannten Götter in der Frühzeit der Menschheit. Sie sollen die Zivilisation geschmiedet haben. Es gibt Theorien, die sie als eine unglaublich alte, äußerst hochentwickelte Rasse von Weltenbauern und Terraformern sehen, die angeblich unsere gesamte Galaxis und das Leben darin erschaffen haben sollen. Bisher ist es aber noch nicht einmal gelungen ihre Existenz zu beweisen. Das einzige, was es von ihnen noch auf vielen Welten zu bestaunen gibt, sind die Ruinen dieser seltsamen, riesigen Tore."

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