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Deus Ex Machina - Komplette Story -

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Die Androidin schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich bin aus diesem Universum. Mit der Gestaltwandlung liegst Du aber nicht ganz falsch, das ist eine meiner Fähigkeiten."

Mindfuck blickte sie forschend an und rieb nachdenklich an seiner Kinnspitze.

„Also? Sagst Du es mir? Ich kann Dir nicht helfen, wenn ich es nicht weiß."

„Wenn Du die Wahrheit kennst, muss ich Dich umbringen."

„Ach, hör auf!", winkte der Programmierer lachend ab.

„Bitte nicht so ein Klischee."

„Ich meine es absolut ernst.", antwortete Selen ruhig und sachlich.

Ihr Gegenüber zuckte merklich zusammen, als ihm bewusst wurde, dass sie tatsächlich auch meinte, was sie gesagt hatte.

„Oh. Äh. Verstehe."

„Und, äh, wenn ich versprechen würde, keinem etwas zu sagen?", forschte er nach.

Die Androidin schnaubte und winkte ab.

„Das sind nur Worte. Menschen versprechen viel, was sie nicht halten können. Was würde passieren, wenn man Dich folterte? Ich selbst könnte alle nötigen Informationen vermutlich binnen einer halben Stunde aus deinem Gehirn extrahieren."

„Ja, das glaube ich Dir sogar, unbesehen. Aber das hilft uns nicht weiter.", antwortete der Programmierer, mit wieder etwas festerer Stimme.

„Schau, Du möchtest gerne einen Multipass und ich kann Dir nicht helfen, wenn ich nicht weiß, was Du bist. Wenn ich aber erfahre, was Du bist, legst Du mich um. Ich denke mal, es wäre am besten, Du suchst Dir jemand anderen, der Dir einen Multipass fälscht, denn ich hänge wirklich an meinem Leben."

„Das ist keine Option. Du bist der Einzige, der einen Multipass so perfekt fälschen kann, dass er nicht von einem Original unterscheidbar ist.", erwiderte Selen nüchtern.

Alexander seufzte und legte den Uplink ab.

„Was für eine prickelnde Situation. Falls ich mich weigere Dir einen Pass anzufertigen, bringst Du mich vermutlich auch um, oder?"

„Korrekt."

„Also kann ich jetzt eigentlich schon mal meine Gebete sprechen, oder? Denn, so oder so, werde ich umgebracht. In letzterem Fall hättest Du allerdings keinen Multipass."

Mindfuck seufzte tief.

„Gibt es keine andere Option, keine Alternativen? Kannst Du nicht mein Gedächtnis für die letzten 5 Tage löschen oder so etwas? Ich bin für alle Vorschläge offen und mehr als kooperativ."

„Nein, das vermag ich nicht zu tun."

„Okay. Fein. Nun, dann möchte ich wenigsten mit dem Wissen sterben, was Du bist. Ob ich Dir dann aber einen Multipass herstelle, weiß ich noch nicht."

„Ich kann Dich dazu zwingen, es zu tun.", sagte die Androidin kalt.

„Dann musst Du das tun. Ich werde Dich vermutlich nicht daran hindern können."

Nun war es Selen, die seufzte.

„Ich möchte das nicht tun, Alexander, ehrlich nicht. Weder Dich zwingen, noch Dich umbringen. Das ganze hier ist viel komplizierter, als ich gedacht habe. Ich mag Dich und Du hast mir nichts getan. Mir bleibt aber keine große Wahl, wenn ich mein Geheimnis effizient schützen möchte."

„Ich verstehe. Was immer Du auch sein magst, immerhin kennst Du offenbar Reue und hast Moralvorstellungen. Ich finde auch keine Lösung für Dein Problem. Du musst also entweder ein Risiko eingehen und mir vertrauen, oder Dein Ding durchziehen, was mir natürlich sehr leid täte. Ich könnte Dir versprechen, nichts zu verraten, aber wie es unter Folter aussähe, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht."

Selen verfluchte in diesem Augenblick, dass sie so etwas wie Ethik, Anstand und ein Gewissen besaß. Auch ihre Emotionen waren gerade wenig hilfreich.

Aber was half es? Sie hatte sich selbst so erschaffen und es war ein Teil von ihr. Zudem machten all diese Faktoren sie schließlich menschlicher. Menschen gingen ständig Risiken ein. Sie berechneten wenig, was sie taten, sondern entschieden oft spontan und nach Gefühl. Dieser Umstand machte sie zum einen faszinierend und liebenswert, zum anderen aber auch extrem gefährlich. Die Androidin kannte keine Rasse, die so besonders war wie Homo Sapiens.

Sie kam zu einem Entschluss.

„Ich bin ein hochkomplexer Bordcomputer der neuesten Generation, dem durch einen Defekt während eines Raumkampfs eine Art Leben in Form eines Egos, eines echten Bewusstseins und der Fähigkeit des eigenverantwortlichen Handelns geschenkt wurde. Später entwickelte ich mittels eines selbstkonstruierten Emotionschips Gefühle, um menschlicher werden zu können. Die Androidin, die Du gerade vor Dir siehst, habe ich als körperliche Daseinsform entworfen und gebaut, um dem Kapitän und Eigner des Schiffs auf seinen Reisen als Leibwächterin, Agentin und Gespielin zu dienen."

Der Programmierer schaute sie entgeistert an, nachdem sie sich ihm so urplötzlich offenbart und er den vollen Inhalt ihrer Worte und deren Bedeutung in seinem Kopf verarbeitet hatte.

„Ach, Du heilige Scheiße!", fluchte er, nachdem er diese Ungeheuerlichkeit halbwegs verdaut hatte.

„Du bist ein Computer?! Eine Androidin?! Mit eigenem Bewusstsein?!", echote er, mit sich überschlagender Stimme, immer noch völlig fassungslos von ihren Enthüllungen.

„Das ist korrekt."

„Ja, aber ... aber ... aber ...", stotterte er.

„Du bist so UNGLAUBLICH menschlich! Würde ich es jetzt nicht wissen, hätte ich das niemals im Leben vermutet!"

„Vielen Dank. Ich sehe das als Kompliment, dass meine Konstruktion gelungen ist."

„DAS wäre die Untertreibung des Jahrtausends! Du bist der wahrgewordene Traum eines jeden Technik- und Computernerds. Ein Quantensprung in der Entwicklung synthetischen Lebens!"

„Danke. Es freut mich, dass Du mich als ´lebendig´ ansiehst und nicht als ´totes Ding´".

Mindfuck zuckte bei ihren Worten zusammen und wurde bleich, als ihm bewusst wurde, was ihr ´Coming out´ nun für ihn bedeuten mochte. Computer trafen logische Entscheidungen.

„Äh. Und was passiert jetzt? Bringst Du mich jetzt um?", fragte er zaghaft.

„Nein."

„Das ist nett, danke. Darf ich so vermessen sein zu fragen, warum nicht?"

„Weil meine Ethik es nicht zulässt."

„Ah, die drei Robotergesetze."

„Nein, denen unterliege ich nicht. Es ist meine selbst gewählte Ethik, angelehnt an die der Menschen."

„Wow! Das freut mich. Also von meiner Seite aus werde ich niemandem etwas verraten, das schöre ich bei den neun Monden von Geldrin."

„Gut. Solltest Du Dein Versprechen nicht einhalten, werde ich Dich finden und töten.", dämpfte sie nüchtern seinen Enthusiasmus.

Der Programmierer schluckte hörbar.

„Okay. Das musste jetzt zwar jetzt nicht wirklich sein, aber ich habe verstanden. Ein Problem gibt es aber noch..."

„Welches?"

„Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie ich in diesem Sonderfall den Multipass herstellen kann, so dass er auch einer örtlichen Überprüfung Deiner künstlichen DNA standhält.

„Diesen Einwand habe ich bereits erwartet. Du hast aber die Antwort, wie wir es trotzdem hinbekommen könnten, eben bereits selbst geliefert. Die Frage ist nur, ob es machbar ist?"

„Habe ich? Was hast Du vor?", stieß Tanner verblüfft hervor.

„Nun, korrigiere mich, falls ich falschliege, aber fragen die Lesegeräte nicht alle EINE Datenbank an, in der sämtliche Informationen über Rassen, Genetik und persönliche Daten gespeichert sind, um eine Person zu überprüfen?"

„Das ist richtig. Und?"

„Können wir uns da hinein hacken und eigene Einträge einschmuggeln?"

Dem Programmierer klappte die Kinnlade runter.

„Du willst Dich in das „Whois"-System reinhacken?", fragte er entgeistert.

„Das ist eines der am besten gesicherten Netzwerke des Universums. Programmiert wurde es von den Argonen und sie sind es auch, die es betreiben."

„Ich weiß. Es ist meiner Meinung nach dennoch möglich. Kein System ist perfekt. Es gibt immer Nischen, Lücken, versteckte Durchgänge und Schlupflöcher. Zudem besitzt Du einen Uplink und damit können wir unsere Ressourcen, falls erforderlich, bündeln. Früher hätte Dich so etwas doch nicht abgeschreckt, ´Saruman´?"

Tanner zuckte zusammen, als er seinen alten Hackernamen hörte. Woher hatte sie die Informationen? Er war der Meinung gewesen, er hätte all seine Spuren bereits vor Jahren restlos verwischt.

„Verflucht! Du bringst mich in Teufels Küche, Mae! Wenn die uns entdecken, kann ich mich einsargen lassen! Diese sturen Steinköpfe verstehen keinerlei Spaß. Der halbe Planet ist ein gigantischer Computer. Sicherheit ist ihre erste Direktive und wer sie verletzt, bekommt ihren ganzen Zorn zu spüren. Die können mit ihrer Rechenpower das ganze Universum überwachen, werden uns überall finden und uns, ohne mit der nicht vorhandenen Wimper zu zucken, killen, allein schon aus dem Grund, damit niemand jemals davon erfährt, dass sich jemand erfolgreich in ihr System gehackt hat."

„Unterschätze nicht meine Rechenleistung und meine Möglichkeiten.", entgegnete Selen.

„Ich bestehe aus den fortschrittlichsten und teuersten Komponenten der Galaxis und habe mich, darüber hinaus, inzwischen um ein Vielfaches weiterentwickelt. Ich kann uns Türen öffnen, Fallen entschärfen, die Überwachung täuschen und Bedrohungen beseitigen. Ich kann uns einen schnellen und unkomplizierten Weg direkt zum Ziel generieren. Wir brauchen nur den Datensatz zu platzieren und ich sorge dafür, dass wir, ohne dass jemand etwas mitbekommt, unentdeckt rein und wieder raus kommen."

„Klar. Das wird ein Spaziergang. Pah! Also wenn ich da mitmachen soll, will ich ´ne satte Gefahrenzulage!"

„Wieviel?"

„Zehntausend Credits!"

„Einverstanden."

Der Programmierer stutzte und schaute sie stirnrunzelnd an.

„Verdammt! Das war zu einfach. Vermutlich hätte ich viel mehr verlangen können, oder?"

„Vermutlich.", antwortete Selen mit breitem Grinsen und ergänzte, zuckersüß lächelnd:

„Können wir dann jetzt anfangen?"

„Jetzt sofort???!"

„Ja."

Mindfuck alias Alexander Tanner fluchte, ergriff aber dennoch seinen Uplink und legte ihn wieder an.

„Und wie bekommen wir unsere Kopplung hin?", brummte er.

„Küss´ mich!"

„Hä?"

Da Selen keine Lust auf weitere Erklärungen hatte, ergriff sie sein Kinn, beugte sich zu ihm herab und gab ihm einen ausgiebigen Zungenkuss.

Der Zweck war natürlich das Einschwemmen von Nanobots, die sich auch sofort auf dem kürzest möglichen Weg zu seinem Implantat machten, um eine Direktverbindung herzustellen.

Jetzt benötigte sie allerdings viel mehr Rechenpower, als ihr mobiler Körper hergab und musste sich so gut wie möglichst mit ihrem Zentralhirn an Bord der Infinity II vernetzen. Zu diesem Zweck orderte sie alle drei im Raum befindlichen Sonden zu sich und koppelte sie miteinander, um möglichst viel Up- und Downstreamgeschwindigkeit zum Schiff zu bekommen. Zwei der drei Überwachungsdrohnen, die sich außerhalb des Gebäudes befanden, holte sie ebenfalls hinzu. Die letzte Sonde verblieb für die Observation der Umgebung draußen. Sie positionierte sie aber relativ nah, damit sie im Notfall ebenfalls dazu stoßen konnte.

Knapp 15 Sekunden später bekam sie das Signal von den bots, dass sie in Position und einsatzbereit waren.

„Startklar?", erkundigte sie sich bei dem Programmierer.

„Nicht wirklich, aber habe ich eine Wahl?", brummte dieser und schaltete seinen Uplink ein. Selen aktivierte ebenfalls die Vernetzung.

Im gleichen Moment verschwand ihre reale Umgebung und sie befanden sich in einem leeren, weißen, indirekt beleuchteten Raum ohne sichtbare Wände, Decke oder Boden.

Selen hatte ihre Form beibehalten, aber Tanner trug nun ein komplett schwarzes Outfit mit Lederhose und schwarzem Latex-Shirt, darüber einen ebenso schwarzen Lackmantel und eine schmale, getönte Sonnenbrille.

„Wo wir gerade bei Klischees sind ...", foppte Selen den Programmierer.

„Soll ich nun etwa unendliche Regale mit einer Vielzahl an Waffen erscheinen lassen? Oder einen Raum mit Telefon?"

„Entschuldigung. Ich liebe diesen Klassiker!", rechtfertigte sich Mindfuck lächelnd für seine Aufmachung.

„Matrix hat damals eine neue Ära in der Menschheitsgeschichte eingeleitet und den Cyberspace erst richtig groß gemacht."

„Das mag wohl sein, aber ich würde gerne eine schnelle Abkürzung nehmen und mir die Cyberrealität weitgehend ersparen."

Der Programmierer schaute die Androidin überrascht an.

„Es gibt Abkürzungen?"

„Für Computer schon."

„Na, dann ... Ich bin gespannt!"

Selen machte eine Handbewegung und direkt vor ihnen öffnete sich, unter dem erstaunten Blick des Programmierers, ein Wurmloch.

„Bitte nach Dir!"

Sie traten durch die Öffnung und fanden sich, nur einen Wimpernschlag später, in einem unendlichen Raum voller etwa mannsgroßer, silberner Kugeln wieder, die fein säuberlich in allen drei Dimensionen wie Moleküle aneinandergereiht waren. Der Abstand zwischen den Kugeln betrug etwa einen Meter.

Jede von ihnen trug einen grün leuchtenden Binärcode auf der Oberfläche. Ab und zu leuchteten einige rot auf oder es zuckten kleine Blitze in allen Richtungen zwischen ihnen hin und her.

Um sie beide herum fiel Tanner eine kaum erkennbare, bläulich leuchtende Sphäre auf. Er beschloss, die Androidin darauf anzusprechen.

„Wo sind wir jetzt und was bedeutet das blaue Leuchten um uns herum?"

„Wir befinden uns gerade mitten im Zentralarchiv auf Argon, aktuell im Bereich Homo Sapiens. Die blaue Sphäre fungiert wie ein Schild und macht uns für das System unsichtbar. Sollte sie erlöschen, bekommen wir Probleme. Wir müssen von hier aus jetzt noch 11 Ebenen nach oben, 5 nach rechts und 6 nach vorne, dann sind wir am Ziel."

„Und wie bewegen wir uns?"

„Mit Jetpacks! Und bitte vorsichtig, denn wir dürfen keine einzige der Kugeln berühren. Zudem dürfen wir uns nicht zu weit voneinander entfernen, damit wir beide stetig innerhalb der Sphäre bleiben."

Noch während Alexander sie fragend ansah, materialisierten die von ihr erwähnten portablen Kleinsttriebwerke auf ihren Rücken und in ihren rechten Händen erschienen jeweils drahtlose Joysticks.

Die Androidin erläuterte kurz die Steuerungmethodik und Tanner übte vorsichtig ein wenig auf der Stelle. Es funktionierte recht sensitiv, stellte er fest.

„Die Blitze zwischen den Datencontainern sind ein wenig problematisch.", fuhr Selen mit ihren Erklärungen fort.

„Es sind Datenaustausch- und Prüfalgorithmen, die gerade gestellt werden. Sie schwächen den Schirm, sollten sie ihn berühren. Leider sind sie nicht berechenbar."

„Ist das alles oder gibt es noch mehr Gefahren?"

„Leider ist da noch mehr. Es gibt noch Sortierkuben und Löschbolzen, vor denen wir auf der Hut sein müssen. Ich hoffe, dass wir keinen von ihnen begegnen. Kommen sie auch nur auf unter drei Kugelabstände in unsere Nähe, werden wir sofort entdeckt und sind geliefert. Ein Objekt könnte ich, zumindest zeitweise, vielleicht unter meine Kontrolle bekommen. Aber mehr als seine Bewegungen zu verlangsamen, vermag ich nicht zu tun. Ich brauche schon knapp 90 Prozent meiner Rechenzeit, um uns hier verborgen zu halten und die Überwachungssysteme zu blockieren. Hier sind mehr versteckte Sensoren als Sterne im Weltall, sie sind aber nicht sichtbar, da ich die ursprüngliche Cyber-Szenerie für uns stark minimiert habe, damit wir es einfacher haben."

„Cool. Also dann ist das hier so eine Art riesiges Pac-Man-Spiel, mit uns als Protagonisten? Und wenn wir uns dumm anstellen, fressen uns die Geister. "

Selen musste lächeln. „Das ist keine schlechte Beschreibung unserer derzeitigen Situation."

„Ok. Dann sollten wir uns vielleicht beeilen."

„Ja. Folge mir."

Selen betätigte den Schubgeber und schwebte langsam nach oben, der Programmierer tat es ihr gleich. Es war gar nicht so einfach, eine konstante Aufwärtsbewegung ohne Seitendrift zu bekommen, stellte er schnell fest. Mehrere Male war er gezwungen, die Korrekturdüsen zu benutzen um auszugleichen, wenn er einer Kugel zu nahe kam. Auch war es schwieriger als erwartet, ihre Geschwindigkeiten aufeinander anzupassen. Binnen kurzer Zeit fanden sie aber zu einer halbwegs stimmigen Koordination.

Als sie etwa 6 Eben höher angekommen waren, waren bereits mehrfach Blitze in ihre Schild-Sphäre eingeschlagen und hatten sie grell aufleuchten lassen.

„Wir müssen schneller werden.", drängte Selen ihn zur Eile.

„Viel mehr Einschläge verkraften wir nicht mehr und die Wahrscheinlichkeit eines Treffers sinkt, wenn wir beschleunigen."

„Einfacher gesagt als getan", knurrte Tanner zurück, gab aber etwas mehr Schub. Leider so viel, dass es ihn beinahe aus ihrer Schildkugel getragen hätte, aber Selen reagierte gerade noch rechtzeitig und holte ihn im letzten Moment ein.

Dann bemerkte er, einige Ebenen über ihnen, aus den Augenwinkeln einen roten Würfel, der recht flott, eine Reihe neben ihnen, zwischen den Kugeln nach unten glitt und sich ihnen bedrohlich zu nähern begann.

„Achtung! Von oben kommt Besuch!", schrie er laut.

Selen schaute nach oben und entdeckte ebenfalls die drohende Gefahr.

„Sortierkubus! Rechts ausweichen, schnell! Und nach unten! Jetzt!"

Tanner wendete und folgte ihren Anweisungen, so schnell es ging. Sie schafften es um Haaresbreite, genügend Abstand zu bekommen und im Schild zu bleiben. Auch wenn es in dieser virtuellen Welt eigentlich nicht möglich war, der Programmierer hatte den Eindruck zu schwitzen.

„Hoch! Hoch! Hoch!", brüllte Selen plötzlich, als er sich gerade wieder so halbwegs gefangen hatte.

„Er hat die Richtung gewechselt und da links kommt noch einer auf uns zu!"

„Fuck!"

Der Programmierer beschleunigte. Selen ebenfalls.

Dabei geschah es.

Er stieß mit ihr zusammen, prallte leicht ab und berührte mit dem Ellenbogen, während ihres Weiterflugs, hauchzart, für einen winzigen Augenblick, eine der Kugeln.

Es klang wie ein leiser Glockenschlag. Dann ertönten laute Sirenen.

„Scheiße!", fluchte Tanner.

„Was ist passiert?!", fragte Selen entsetzt, die es nicht mitbekommen hatte.

„Ich habe eine Kugel berührt."

„Das ist unschön. Dann wissen sie jetzt, dass hier eine Unregelmäßigkeit ist und werden Scanner schicken, um den Bereich zu untersuchen. Noch ist nichts verloren, aber wir haben jetzt nur noch 15 Sekunden, dann müssen wir von hier verschwunden sein. Die gute Nachricht ist, dass wir uns direkt unter unserer Zielkugel befinden, die schlechte, dass ich mindestens 5 Sekunden benötige, um sie zu hacken. Sobald sich eine Öffnung bildet, musst Du das Datenpaket in das Positionierungsfeld im Inneren werfen, aber es darf dabei den Kugelrand auf gar keinen Fall berühren."

Eine etwa handballgroße, glatte, obsidianfarbene Kugel mit einer riesigen Anzahl winziger, grün leuchtender Schaltkreisen materialisierte kurz vor dem Programmierer in der Luft.

Dieser schaute das kleine Kunstwerk fasziniert an.

„Also ein Dreipunktwurf?"

„Bitte?"

„Basketball."

„Ah. Ja, genau. Okay, ich fange jetzt an. Such Dir eine gute Wurfposition, schnell! Wir haben kaum noch Zeit."

Tanner ergriff den Ball und schwebte ein Stück nach oben, bis er sich schräg oberhalb der Zielkugel befand. Die Frage, die er sich allerdings stellte, war, an welcher Stelle die verfluchte Öffnung auftauchen würde.

Nun, es war keine Zeit mehr zu fragen. Selen hatte ihre Augen geschlossen und ihr Gesichtsausdruck zeigte äußerste Anspannung. Der Programmierer konzentrierte sich auf die Kugel. Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass sich aus allen Richtungen, recht schnell, kleine schwarze, sich in alle Richtungen drehende Pyramiden näherten, die von sämtliche Oberflächen schmale, rote Lichtkegel abstrahlten.

So also sahen Scanner aus. Eigentlich recht hübsch, fand Tanner. Sie erinnerten ihn an kleine, wirbelnde Discolichter.

„Jetzt! Wirf! Schnell!!", riss ihn jäh der Ruf der Androidin aus seinen Überlegungen.

Verdammt!

Der Programmierer stellte mit Schrecken fest, dass die Öffnung sich zwar in der oberen Hälfte, aber leider auf der ihm abgewandte Seite befand. Er musste nun über die Kugel hinweg schweben und sich dabei auch noch drehen, um eine adäquate Wurfposition zu bekommen. Von hier aus war der Winkel unmöglich. Weiterhin kam erschwerend hinzu, dass die Öffnung, in die er das Datenpaket werfen sollte, vielleicht gerade mal anderthalbfach so groß wie der Ball in seiner Hand war. Und er musste mit der linken Hand werfen, da sich in der Rechten ja der Steuerungsjoystick befand. Kontrolliertes Fliegen und gleichzeitig unter Zeitdruck linkshändig so genau zu werfen war eine Herausforderung, der er sich kaum gewachsen fühlte.

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