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Die Schönen Jahre: Episode 01

byC.J.©

Anmerkung des Autors:

Dass ihr mindestens 18 Jahre alt sein müsst, um diese Geschichte lesen zu dürfen, wisst ihr spätestens jetzt.

In dieser Geschichte tauchen einige Personen auf, die aus dem öffentlichen Leben bekannt sind. Die Handlungen, die sie in dieser Geschichte begehen, bzw. die um sie herum geschehen, sind vollkommen frei erfunden. Es gibt einen klaren Unterschied, zwischen dem, was in der Realität passiert, und dem was in dieser Geschichte passiert. Bei dieser Geschichte handelt es sich um reine Fiktion. Nichts von dem hier beschriebenen ist oder wird jemals in Wirklichkeit passieren. Falls doch, so wäre das ein riesiger Zufall, sonst nichts.

Keine der uns bekannten Personen in dieser Geschichte soll durch selbige diskreditiert werden oder in sonst irgendeiner Form Schaden zugefügt werden.

Noch einmal: Die Handlung ist vollkommen frei erfunden und hat mit dem wirklichen Leben nichts zu tun. Die Geschichte dient lediglich der Unterhaltung der Leser und des Autors.

Das Copyright liegt ausschließlich bei mir. Diese Geschichte darf von Niemandem an anderer Stelle veröffentlicht werden.

Viel Spaß beim Lesen.

***

Episode I: Wie alles begann

Es war zwei Uhr morgens an einem Samstag, als sich Kenneth Lange mit einer Flasche Bier in der Hand auf die Straßen von Berlin begab. Es war ein angenehm warmer Abend und er wollte ein wenig die frische Luft genießen, ohne dabei anderen Menschen über den Weg zu laufen.

Nach ein paar Minuten kam er zu einer etwas abgelegenen, dunklen Gasse, die er häufiger für solch ruhige Momente wie diesen aufsuchte. Die nächste Straßenlaterne war etwa zwanzig Meter entfernt und es fiel nur noch ein wenig Licht auf den Eingang der Gasse. Am Ende befand sich eine Parkbank, auf der er Platz nahm.

Er stellte die Flasche zwischen seine Füße, legte seinen Rücken gegen die Lehne der Bank und schloss die Augen. Es waren keine Momente der vollkommenen Stille, die er genießen konnte – immer mal wieder fuhr ein Auto die Straße entlang und auch der Geruch einer nahe liegenden McDonald's – Filiale störten seine Wahrnehmung – zumindest aber boten diese Augenblicke ein wenig Abwechslung zum hektischen Treiben Berlins während des Tages. Seine Hände verschränkt hinter seinem Kopf, genoss er die warme Luft.

Er hörte Schritte auf dem Asphalt, die von einer Frau zu kommen schienen, also öffnete er seine Augen wieder. Ein junges, nicht allzu großes Mädchen, bekleidet mit einer dünnen Jacke und einem Minirock, ging den Bürgersteig entlang.

Kenneth betrachtete sie. „Keine Nutte. Minirock und Straßenlaterne, aber definitiv keine Nutte", sprach er zu sich selbst. Ihre Kleidung war zu fein und in dieser Gegend hatte Kenneth auch noch nie eine Prostituierte gesehen.

Wieder hörte er aus der Entfernung ein Auto heranfahren, dem Motorenlärm zufolge, sogar ein ziemlich großes. Es war ein Van, der relativ langsam in Kenneths Sichtweite kam und dann urplötzlich mit quietschenden Reifen hielt.

Erschrocken über den Lärm machte das Mädchen zwei, drei schnelle Schritte zur Seite, in die Gasse hinein. Im selben Augenblick flog die Schiebetür des Vans zurück. Ein Mann sprang heraus und lief auf das Mädchen zu. Es reagiert, indem es laut schrie und weiter in die Gasse hineinlief.

Die beiden waren etwa acht Meter vom Auto entfernt, als der Mann das Mädchen zu fassen bekam. Er versuchte nun, es zum Van zu ziehen, doch das Mädchen schlug und trat wild um sich, während es immer lauter schrie.

Kenneth war aufgestanden, als er das Mädchen zum ersten Mal hatte schreien hören. Nachdem der Mann es gepackt hatte, war Kenneth losgelaufen und drei, vier Meter von der Autotür entfernt, erreicht er die beiden.

Der Mann sah den Schlag, der ihn an seinem Kehlkopf traf und sein Opfer loslassen ließ, nicht kommen. Er taumelte zwei Schritte zurück und griff sich an den Hals. Kenneth nutzte diese Gelegenheit und trat dem Mann mit voller Wucht in den Magen. Der Fremde schrie laut auf vor Schmerzen, schaffte es aber zum Auto zurückzulaufen, sprang hinein und noch bevor er die Schiebetür schließen konnte, raste der Wagen schon wieder davon.

Kenneth lief dem Van noch einige Schritte hinterher, es war aber zu dunkel, um das Nummernschild zu erkennen. Der ganze Vorgang hatte nicht länger als 15 Sekunden gehen.

Kenneth kehrte zurück und betrachtete das Mädchen. Völlig verängstigt stand es da, ihre Arme umklammerten ihren Oberkörper und sie zitterte am ganzen Körper. Ihr Gesicht war ziemlich hübsch, nur das verlaufene Make-up störte den Anblick und sie wies eine große Ähnlichkeit auf mit... Jeanette Biedermann? Konnte das sein?

„Ähm, bist Du soweit okay?"

Das Mädchen nickte. „Ja, danke."

Kenneth deutete dem Van hinterher. „Ich konnte das Nummernschild nicht mehr erkennen, irgendeine Idee, wer das gewesen sein könnte?"

„Nein... Danke... Ich mein „Danke" für..."

„Naja, kein Problem. Ich meine, was hätte ich denn sonst machen sollen? Ist doch klar, dass man hilft... Du bist Jeanette Biedermann, oder?"

„Ja... Danke."

Kenneth musste lächeln. „Ist okay, ich hab's verstanden."

Jeanette atmete tief durch und beruhigte sich selbst ein wenig.

„Kann ich Dich irgendwo hinbringen? Zur Polizei, zu einem Arzt? Soll ich jemanden für Dich anrufen? Soll ich Dir ein Taxi rufen?"

Sie schüttelte den Kopf. „Ich wohne hier in der Nähe. Eigentlich wollte ich noch schnell was bei McDonald's essen, bevor ich ins Bett gehe. Jetzt brauch ich mindestens eine Stunde um mich zu beruhigen."

Sie atmete noch einmal tief durch und sammelte sich. „Kann ich Dich einladen, quasi als... „Danke schön."" Diesmal musste auch sie über den erneuten Gebrauch des Wortes „Danke" lächeln.

Kenneth nickte. „Klar. Gerne."

„Wie heißt Du?"

„Kenneth. Kenneth Lange."

***

„Das sah ziemlich gekonnt aus, der Schlag und der Tritt vorhin", sagte Jeanette während sie an ihrer Cola nippte.

„Ja, ich habe früher sechs Jahre lang verschiedene Kampfsportarten gelernt. Als ich noch jünger war."

Jeanette schaute Kenneth in die Augen. Sie versucht etwas in ihnen zu erkennen, während Kenneth sich in der Filiale umsah. Die fünf Minuten Fußweg bis hierher hatten die beiden nicht miteinander gesprochen und auch jetzt widmete sich Kenneth ihr viel weniger, als die Jungs in ihrer direkt Umgebung dies normalerweise taten.

Jetzt merkte Kenneth, dass Jeanette ihn wohl schon eine Weile anschaute und lächelte sie an, sagte aber nichts.

„Du bist mehr so der ruhige Typ, oder?"

Kenneth musste lachen. „Wie kommst Du darauf? Weil ich sowenig rede vielleicht?", fragte er eher ironisch. „Ich spreche nicht sonderlich viel, das ist schon richtig. Eigentlich rede ich nur, wenn mir jemand eine Frage stellt", sagte er und ließ es wie eine Aufforderung klingen.

„Ach so, na im Fragen stellen, bin ich ziemlich gut." Jeanette grinste und rieb sich die Hände. „Wie alt bist Du?"

„21."

„Geboren am...?"

„Geboren am 12. April 1982."

„Du hast also in zwei, drei Wochen Geburtstag." Kenneth nickte bedächtig. „Du studierst?"

„Ja." Kenneth nickte erneut.

„Hm, hast Du eine Freundin?"

„Nein."


"Warum nicht?"

„Warum nicht? Naja, ich steh' nicht so auf..." – „auf Mädchen?" – „... Beziehungen, wollte ich eigentlich sagen. Ich wirke doch wohl kein bisschen schwul." Kenneth verzog die Mundwinkel. „Ich bin vollkommen ungepflegt, unordentlich gekleidet und meine Haare liegen auch ganz wild durcheinander."

„Na, jetzt hast Du aber so ziemlich alle Klischees über Schwule aufgezählt."

„Alles positive Klischees."

„Aber Du hast schon Recht, ordentlich siehst Du nun wirklich nicht aus." Jeanette lächelte ihn an und streckte ihm die Zunge raus.

„Okay, weiter geht's. Du machst so einen ruhigen, introvertierten Eindruck, redest nicht viel und bist kein Freund von festen Beziehungen – hast Du denn genug „Kontakt" mit Mädchen?" Jeanette sah ihn herausfordernd an.

„Ach, ich kann mich nicht beklagen." Kenneth fuhr sich mit dem Zeigefinger über seine Augenbraue.

Jeanette legte den Kopf zur Seite. „Na, viel ausweichender hättest Du aber nicht antworten können... Wie alt warst Du bei Deinem ersten Mal?"

„Sie sind aber gar nicht neugierig, Frau Biedermann."

„Antworten."

Kenneth lachte und legte den Kopf in den Nacken. „Ohne konkret zu werden, kann ich Dir versichern, dass ich deutlich jünger war, als ich jetzt bin. Ich war sogar sehr jung, so jung, dass die eine Person, der ich es erzählt habe, so geschockt war, dass ich es wahrscheinlich nie mehr irgendwem erzählen werde." Er lächelte.

Jeanette sah ihn enttäuscht an. „Klare Antworten sind wohl auch nicht Deine Art?"

„Naja, das ist doch schon ein bisschen sehr privat, was Du so wissen möchtest, oder nicht?"

Jeanette schürzte die Lippen. „Erzählst Du mir denn, wer die glückliche war? Ohne konkret zu werden, natürlich."

„Sie hat bei uns zu Hause gearbeitet, als... Hausmädchen. Wir hatten immer mindestens ein, meistens zwei Mädchen bei uns zu Hause. Entweder aus Italien oder... damals noch UdSSR, die blieben dann so ca. ein Jahr bei uns und fuhren dann wieder zurück in die Heimat und wurden durch eine neue ersetzt. Am Anfang waren es halt Kindermädchen, nachdem ich dann zum ersten Mal mit einer geschlafen hatte, waren es eher Hausmädchen als Kindermädchen."

Jeanette sah ihn ungläubig an und schüttelte ihren Kopf. „Ich dachte immer, Kindermädchen hätten eine ganz andere Funktion."

„Naja, sie sollen einem beim erwachsen werden helfen." Kenneth zuckte mit den Schultern. „Insofern."

Jeanette lachte erneut. „Insofern hat sie ihre Sache gut gemacht." Sie schaute ihn an. „Ich seh' schon, es hat Dir gefallen. Wie war es denn?"

„Naja, in erster Linie war es natürlich ziemlich... eh, kurz." Kenneth machte eine Pause. „Ja doch, ich glaube das Wort beschreibt es am Besten."

„Und wahrscheinlich war sie auch nicht die letzte eurer Angestellten, mit denen Du im Bett warst?"

„Richtig. Das passierte dann hin und wieder."

Jeanette Biedermann sah auf die Uhr. „Okay, letzte Frage für heute, meine Lieblingsfrage: Was würdest Du sagen, unterscheidet Dich am meisten von anderen 21jährigen Männern in Berlin?"

Kenneth schaute sie mit großen Augen fragend an. „Meinst Du das jetzt irgendwie tiefenpsychologisch, oder was?"

„Einfach so. Wie auch immer. Was ist der größte Unterschied zu anderen Menschen in Deinem Alter?"

Kenneth zögerte einen Augenblick.

„Wahrscheinlich, dass ich sieben Sprachen spreche."

„Du sprichst sieben Sprachen?" Sie schüttelte nur den Kopf, während Kenneth nickte.

„So richtig werde ich aus Dir nicht schlau." Jeanette warf einen Blick auf ihre Uhr. „Wie auch immer. Für mich wird es Zeit. Wärst Du so freundlich mich zu begleiten. Dafür wäre ich Dir sehr dankbar. Ich würde mich so wesentlich sicherer fühlen", sagte sie, während sie sich erhob."

„Klar. Kein Thema."

Zehn Minuten waren die beiden unterwegs, bis sie Jeanettes Apartment erreicht hatten, kaum ein Wort wurde gesprochen. Vor der Tür blieben sie stehen.

„So, da wären wir, hier wohne ich." Sie schaute Kenneth an. „Ich möchte mich nochmals dafür bedanken, dass Du mich gerettet hast. Ich trau' mich gar nicht darüber nachzudenken, was die mit mir vorhatten." Sie schwieg einen Augenblick. „Naja, morgen Abend gebe ich eine Party und ich möchte, dass Du auf jeden Fall kommst. Da akzeptiere ich keine Ausrede."

Kenneth verzog ein wenig das Gesicht. „Kann ich einen Freund mitbringen?"

Jeanette nickte. „Klar. Warte einen Augenblick hier, ich schreib' Dir die Adresse auf.

***

Etwa zwölf Stunden später fand sich, wie so ziemlich jeden Samstag gegen 15 Uhr, Kenneths Freund Marc in seiner Wohnung ein. Samstagnachmittag, Zeit für die Fußballbundesliga.

„Ist das nicht ein Glück für mich, dass sich mein bester Freund „Premiere" leisten kann?" sagte Marc, als er sich auf dem Fußboden vor dem Fernseher niederließ.

„Wäre schön, wenn Du Dir im Gegenzug vernünftige Klamotten leisten könntest", antwortete Kenneth und deutete auf Marcs HSV-Trikot, er selber trug ein Shirt von Hertha BSC Berlin.

„Hey, wenigstens können wir uns einen vernünftigen Stürmer leisten, während ihr nur den Bobic habt."

„Jaja, hör bloß auf. Wenn ich nur an den Bobic denke, kriege ich so einen Hals. Naja, diese Saison irgendwie die Klasse halten und nächstes Jahr mit Falko Götz wird alles gut... Was trinkst Du?"

„Scheißegal, ich trink, was Du trinkst." Marc nahm sich die Fernbedienung und schaltete durch die Kanäle.

„Wie geht's denn Birgit oder Anja oder Katja oder wie Deine Herzdame diese Woche heißt?" fragte Marc quer durch die Wohnung?"

„Sie hießen Claudia und Elke", rief Kenneth zurück.

„Mein Gott, Dein Glück bei Frauen hätte ich gerne."

„Wieso? Hast Du doch, oder nicht?"

„Ja, doch. Irgendwie schon. Scheiße, warum läuft auf dem DSF eigentlich immer Werbung. Das ist doch albern." Er schaltete weiter, während Kenneth zurück ins Zimmer kam.

„Hm, Eurosport, Frauentennis, das ist doch mal was. Siehst Du die, die jetzt in der Nahaufnahme ist?" Marc zeigte auf den Bildschirm und sah wie Kenneth nickte. „Hübsche Beine."

„Das ist Daniela Hantuchova. Sie wohnt jetzt wegen der Steuern in Monte Carlo, kommt aber ursprünglich aus der Slowakei. Sie spricht sogar ein wenig deutsch und das habe ich ihr beigebracht."

„Du kennst die Kleine aus der Zeit, als Du noch gespielt hast?"

„Yo." Marc kniff seinen Mund zusammen und sagte nach einer kurzen Pause: „„Kennen" ist gut. Sie ist so was wie meine erste große Liebe." Wieder eine kurze Pause. „Gott waren wir verknallt. Auf jedem Jugendturnier haben wir zusammen rumgehangen. Wie... wie bei verliebten Teenagern üblich. Das letzte Mal, das wir uns gesehen haben, war in Rom. 1998. Unter der Tribüne von irgendeinem Nebenplatz. Wir haben rumgeknutscht und ich bin ihr mit meiner Hand unter das T-Shirt gegangen. Fast sechs Jahre ist das jetzt her."

Erneut entstand eine Unterbrechung, da Marc aber keine Anstalten machte, weiterzuerzählen, ergriff Kenneth das Wort.

„Und dann? Wie ging's weiter?"

Marc zuckte mit den Schultern. „Als ich ihr unter den Rock wollte, hat sie meine Hand weg geschoben."

„Nein, Du Punk. Ich meine, warum seid ihr jetzt nicht mehr zusammen. Warum seid ihr nicht verheiratet und habt Kinder?"

„Naja, drei Tage nach dem Turnier in Rom – was ich übrigens gewonnen habe – als ich wieder zurück in Hamburg war, hatte ich den Autounfall. Ein Kreuzbandriss, beide Knöchel gebrochen, Schienbein kaputt. Nach 15 Monaten konnte ich wieder schmerzfrei gehen, aber Tennis hab' ich seitdem nie mehr gespielt. Ist mittlerweile wohl auch so was wie eine Kopfsache bei mir."

„Und Du hattest keine Telefonnummer von ihr, oder ihre Adresse oder irgendwas?"

Marc schüttelte den Kopf. „Nein. Wieso auch? Wir haben uns ja alle zwei, drei Wochen gesehen, irgendwo in Europa. Ein Handy hatte damals kaum jemand und direkt nach dem Unfall hab' ich mich so Scheiße gefühlt, dass ich auch niemanden sehen wollte, der irgendwas mit Tennis zu tun hat. Und danach... keine Ahnung, war's irgendwie vorbei. Ich fühlte mich schlecht, weil ich mich solange nicht bei ihr gemeldet hatte und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie mich schnell vergessen hat. Sie war sehr begehrt bei uns Jungs."

„Scheiße, was für eine traurige Geschichte ist das denn bitte? Jetzt bin ich echt down. DAMN... Der Autounfall war dann auch der Grund, warum Du nach Berlin gezogen bist, oder?"

„Es war einer der Gründe, nicht der einzige, aber es spielte schon eine größere Rolle. Ich wollte einfach raus aus dem Umfeld." Marc schaltete auf „Premiere" und legte die Fernbedienung zur Seite. „Du wohnst doch jetzt seit fast 22 Jahren in Berlin, hast Du noch nie jemanden getroffen, den man auch mal im Fernsehen sehen könnte?"

Kenneth zögerte einen Augenblick. „Gegenfrage: Hast Du heute Abend schon was vor?"

„Mein Schwesterherz hat mich gefragt, ob ich sie wieder zu ihrer monatlichen Regenbogen – Versammlung begleiten möchte, da wo ich letztes Mal mit dabei war. Aber ich habe nicht wirklich Lust. Eine Gay – Convention ist echt ein Scheißort um Frauen aufzureißen. Zumindest, wenn Du ein Mann bist."

„Das glaub' ich ungesehen... Ich bin zu einer Party eingeladen worden?"

„Ja klar." Marc sah zu Kenneth herüber. „Echt? Kein Scheiß?" Kenneth nickte.

„Wer sollte Dich denn zu einer Party einladen?"

***

„Und wie hat sie sich von Dir verabschiedet?"

„Wir haben uns umarmt und sie hat mir einen kurzen Kuss auf die Wange gegeben."

„Hätte sie Dir nicht einfach einen blasen können, schließlich hast Du ja quasi ihr Leben gerettet?"

Kenneth zuckte mit den Schultern. „Wäre mir auch lieber gewesen, aber es sind ja nicht alle so drauf, wie wir."

„Ist klar. Ne, okay, dann komme ich um neun vorbei und wir fahren da gemeinsam hin. Kein Problem." Marc zögerte einen Augenblick. „Was mir gerade einfällt, wenn Jeanette Biedermann eine Party schmeißt, sind da vielleicht noch ein paar andere Mädels aus der Szene? Was meinst Du?"

Kenneth legte die Stirn in Falten. „Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Das könnte natürlich sein." Er zuckte mit den Schultern. „Aber jetzt ist erstmal Fußball."

***

Ein paar Kilometer weiter saßen Jeanette Biedermann und Yvonne Catterfeld zusammen und hatten dasselbe Gesprächsthema.

„Hättest Du ihm nicht einfach einen blasen können, schließlich hat er ja quasi Dein Leben gerettet?"

Jeanette nickte wissentlich. „Ja, Yvonne, ich wusste, dass Du das sagen würdest. Ich bin mir sicher, dass Du ihm einen geblasen hättest, bevor er seinen Namen hätte sagen können. Aber ich bin nun mal nicht so wie Du."

„Als wenn Du das noch nie gemacht hättest?"

Jeanette rollte mit den Augen. „Natürlich mache ich so was auch, aber nicht mit jedem und nicht am ersten Abend."

„Doch hast Du. Auch schon am ersten Abend."

„Ja, aber... ich weiß auch nicht. Vielleicht wenn er ein bisschen mehr Interesse an mir gezeigt hätte. Natürlich, er hat mich gerettet, vor was auch immer, aber er war irgendwie so komisch. Ich hab' ihn tausend Sachen gefragt und er mich überhaupt nichts. Er spricht sieben Sprachen... Und er war irgendwie so unnahbar, so uninteressiert, so anders."

„Du klingst wie eine frustrierte Hausfrau." Yvonne legte ihre Hände auf Jeanettes Hüften und zog sie zu sich heran. „Vielleicht brauchst Du auch nur ein wenig Abwechslung. Männer können ganz schön nerven, manchmal."

Jeanette kniff die Augen zusammen, dann nahm sie Yvonnes Hände und löste sie von ihrem Körper. „Yvonne, Du weißt, dass ich das nicht mag. Ich bin nicht so wie Du."

„Na, das habe ich aber ganz anders in Erinnerung", entgegnete Yvonne und formte ihren Mund zu einem schelmischen Grinsen.

Wieder rollte Jeanette mit den Augen. „Wie lange willst Du mir diese eine Nacht eigentlich noch vorhalten. Ich war total betrunken und Du hast das schamlos ausgenutzt."

„Das ist nicht wahr und das weißt Du genau." Für einen Augenblick schien es, als hätte Jeanette Yvonne mit dieser Bemerkung verletzt. „Naja, vielleicht ist dieser Kenneth ja was für Dich."

„Mal schauen, Du wirst ihn heute Abend kennen lernen."

„Apropos, wer steht denn so auf der Gästeliste?"

„Fast alle."

***

Gegen 21 Uhr fanden Marc und Kenneth die Adresse, die Jeanette ihrem Retter zuvor aufgeschrieben hatte. Sie stiegen aus dem Auto und machten sich auf die Suche nach der Eingangstür.

„Kannst Du Dich überhaupt noch an Deine letzte Party erinnern?", fragte Marc.

„Natürlich. Sehr gut sogar, " lautete Kenneths Antwort. „Ich bin damals bei „Reise nach Jerusalem" bis ins Finale gekommen."

„Na allerhand, das muss ja ein ganz schöner Achtungserfolg für Dich gewesen sein." Marc klopfte ihm auf die Schulter. „Da hinten, wo die Musik herkommt, da muss die Tür sein. Lass uns mal dahin gehen."

Die beiden erreichten die Tür und traten ein. Hinter dem Eingangsbereich war auf der linken Seite des Raumes die Theke aufgebaut, hinter der zwei junge Männer und eine junge Frau standen und die Gäste mit Getränken versorgten. Dahinter stand ein DJ-Pult, an dem ein Junge mit Kopfhörer stand und offensichtlich seiner Arbeit nachging. Der Theke und dem DJ gegenüber war die Tanzfläche, auf der sich ein Großteil der Anwesenden befand.

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