tagSchwuleDunkel ist nur die Nacht 05

Dunkel ist nur die Nacht 05

byLysyana©

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Eine fremde Wärme pulsierte in gleich bleibendem Herzschlag an seiner Wange. Ein Körper, sich hebend und senkend in flacher Atmung hob seinen Kopf an und wieder ab, regelmäßig. In seine Nase stieg ein einzigartiger Geruch und ein Lächeln huschte über Matts Gesicht. Er hatte keine Ahnung, wie spät es war, wie lange er geschlafen hatte, aber er wusste, ob der Nähe des anderen Mannes in seinem Bett. Matt atmete einmal tief ein, ließ seine Hand unter der Decke hervor gleiten, über den Baumwollstoff des T-Shirts. Er spürte die feinen Konturen der Muskeln, die sich unter diesem abzeichneten, als er den Bauch erreichte. Einen überaus flachen Bauch. Matts Hand glitt höher, erreichte den Brustkorb, erklomm ihn langsam, strich die einzelnen Rippen nach, die er darunter fühlte und erreichte schließlich einen kleinen Knopf. Die Brustwarze. Er ließ einen Finger darüber gleiten, fühlte, dass sie härter wurde, ließ sie aber links liegen. Er rutschte mit seinem Kopf von dem Brustkorb herunter und legte ihn sanft auf die Schulter, mehr auf den Arm seiner lebenden Wärmflasche.

Seine Finger glitten langsam hinauf zum gegenüber liegenden Schlüsselbein, malten die Knochen nach, und wanderten zum Hals. Er fühlte die Mulde zwischen den Schlüsselbeinen, ging höher, strich um den Adamsapfel herum, der nicht sehr groß war. Seine Finger fanden die Halsschlagader, verweilten kurz. Nun hörte er das leise Schlagen des Herzens nicht nur, er fühlte es auch in seiner Hand. Diese ließ von der empfindsamen Stelle und umkreiste suchend die Konturen des Kinns. Ein rauer Grund hatte sich gebildet, doch nur am unteren Kinn. Die Wangen waren frei von jedem Anflug von Bartwuchs. Er strich sanft die Umrisse des Gesichtes nach, bis er jede einzelnen Quadratzentimeter berührt hatte. Seine Hand ließ widerwillig von dem Gesicht mit der unglaublich weichen Haut und sprang wieder zu dem flachen, aber muskulösen Bauch.

Wieder atmete Matt tief ein, hielt die flache Hand auf den Muskeln, die andere unter seinem eigenen Körper eingeklemmt und wartete. Er zählte nicht die Zeit. Es könnten Stunden gewesen sein oder auch nur fünf Minuten, als er spürte, wie die Muskeln im Bauch sich anspannten, der Brustkorb sich höher hob, als zuvor und einen tiefen Lufthauch in den Körper sog. Die Muskeln bewegten sich, er spannte sie an, ließ sie locker und atmete langsam aus.

Eine Hand kam und legte sich auf Matts nackten Rücken, strich langsam daran herunter, hielt sich aber oberhalb seines Steiß. Die ander Hand seines Schlafgefährten fand Matts auf dem Bauch. Er legte sie auf die dort wartende. Ein leichter Stromstoß ging durch die beiden Körper.

„Hallo Matt.", hörte er die vertraute Stimme singen. Er hob den Kopf von der Schulter, suchte mit den Lippen das raue Kinn, hauchte einen sanften Kuss darauf.

„Selbst Hallo, Sam."

Sie rückten noch näher aneinander, nahmen den anderen in den Arm, hielten ihn fest umschlungen.

„Ich könnte ewig hier mit dir liegen, aber die Natur ruft.", sagte Sam nach einer Weile und ließ Matt allein im warmen Bett liegen. Er zog sich de Decke über den nackten Oberkörper und hörte Sam ins Bad gehen. Er lehnte sich zurück in die Kissen, atmete ein, genoss den schwindenden Duft nach dem Körper, der so lange in seinen Träumen war, so lange seine Phantasie beflügelt hatte. Nun endlich Realität war. Es beflügelte seine Sicht der Singe, ließ das ungute Gefühl in der Magengegend klein und kleiner werden. Sie würden so zusammen sein, wie er es sich immer gewünscht hatte. Zusammen Weihnachten feiern, wie gestern. Zusammen Essen, wie gestern. Zusammen Leben, wie seit Wochen.

'Verdammte Scheiße.', hallte es in Matts Kopf wieder. Was war hier überhaupt los? Hatte er seinen Kopf völlig aus geschaltet? Er konnte nicht einfach mit Sam etwas anfangen. Er konnte nicht mit dem einzigen Menschen zusammen sein, den er wirklich brauchte. Was, wenn er es total versaute? Was, wenn es nicht funktionieren würde, wie schon bei Jo? Oder bei den anderen. Nie hatte es funktioniert, je mehr er es wollte, umso mehr hätten sie ihm weh getan. Er konnte das nicht. Jetzt verstand er auch, warum Sam am Abend erst fort gegangen war. Aber warum ist er zurück gekommen? Es ist ja nicht so, dass Matt es sich nicht wünschen würde. Nach all dem Bösen in den letzten Wochen, hätte er gerne wieder etwas Gutes im Leben, nur für ihn ganz alleine.

'Ich hatte das Gute. Eine Nacht. Und das muss genug sein, Idiot! Du kannst nicht deinen Pfleger bumsen. Wer soll dir helfen, wenn er mehr will. Wenn er überhaupt will. Und du es nicht kannst, weil du einfach zu bescheuert dafür bist? Hum? Idiot. Lass es.'

„Wir müssen reden.", wurde Matt aus seinen Gedanken gerissen.

„Ja, das müssen wir.", er setzte sich im Bett auf, zog die Decke wie einen Schild vor sich. Er fühlte, wie er langsam eine blasse rosa Färbung der Wangen bekam. Das war so peinlich. Und auch Sam fühlte die schwere der Tat in der Luft. Seine Zweifel waren wieder da, jetzt, wo seine Gedanken nicht von Eierpunsch vernebelt waren, konnte er wieder denken.

„Ich ... Matt, ich ..."

„Du kannst das nicht. Ich weiß. Das ist falsch. Ich kann das auch nicht."

Sam fielen tausende Tonnen Last von den Schultern. Er atmete tief ein, ließ sich auf den Stuhl nieder, da da am Bett stand. Den, auf dem Matts Klamotten lagen, fein säuberlich gefaltet, damit er sie wieder finden würde. Das erste, das sie gemeinsam gelernt hatten, als sie zusammen nach Hause gekommen waren. Eine der Grundzüge, die ein Blinder lernen muss, war Ordnung. Und in Matts Zimmer herrschte sie penibel vor. Es gab kein Glas, das irgendwo herum stand, keine Schuhe im Weg. Alles war sauer und ordentlich. Anders als bei Sam, in seinem Bereich war es unordentlich. Aber das störte ihn nicht und Matt erst recht nicht. Er betrat Sams Zimmer nie.

„Ich meine, du bist mein Pfleger. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass du ... dass das gestern ein Versehen war."

„Wir waren betrunken, Matt."

„Nein, das ist keine Entschuldigung. Es tut mir leid."

„Ich hätte nicht wieder kommen dürfen, aber ... ach, nicht so wichtig.", Sam ließ den Kopf sinken, wischte sich über die Wange. Eine Träne. 'Wie kommt die denn dahin?'

„Aber was?", fragte Matt mit rauer Stimme. Ihm war die Enttäuschung, der Schmerz in Sams Stimme nicht entgangen, auch wenn er sie gut zu verstecken suchte. Seine eigene Sehnsucht stach ihn immer wieder ins Herz, ballte die Hand zur Faust darum und umschloss es fest. Das selbe geschah mit seinem Magen und jedem anderen Organ, das in irgend einer Art Unwohlsein auszudrücken weiß. Doch das wohl schlimmste war das Brennen in seinen Lippen. Das Flehen eben dieser nach den Lippen des anderen, die Sehnsucht nach seiner Zunge, seinem Geschmack, dem Geschick.

„Ich wollte so unbedingt."

Matts Herz machte einen Aussetzer, als Sam das kaum wahrnehmbar mitteilte.

„Ich auch. Aber es wird nicht funktionieren, Sam."

Sam fühlte sich mindestens genauso schlecht, wie Matt. Nur, dass bei ihm zwei Parteien miteinander im Zwist standen. Die eine Seite rief ihm immer wieder ins Gedächtnis, dass sich lange Zeit nichts so gut angefühlt hatte, wie die letzte Nacht, wie das Aufwachen mit Matt im Arm, wie die Küsse, alle unschuldigen Berührungen. Die andere Seite zeigte ihm auf, dass es absolut unethisch ist einem Patienten ins Bett zu gehen, dass er eh schon zu weit gegangen war. In seinem Kopf gab es nur ein Szenario: Er sah sich kündigen. Weg gehen. Denn er konnte auf keinen Fall bleiben, die Szene in seinem Herzen würde sich dann wieder abspielen. Dieses wollte Matt an sich ziehen, seine Lippen berühren, ihn empfangen, so sehr es nur ginge und mit ihm wieder einschlafen. Jeden Abend.

Jetzt war es der Trotz der die Zügel in die Hand nahm, wie schon am vergangen Morgen, war seine Zunge schneller, als jeder zurückhaltende Gedanke: „Warum nicht?"

Matt war der Frage wegen zu überrascht, als er antwortete, um zu wissen, dass eine Antwort eine durchdachte hätte sein sollen: „Weil es nie funktioniert. Früher oder später würden wir an einen Punkt kommen, an dem ich nicht weiter gehen kann. Einen Schritt, den ich nicht gehen kann, ohne dir und vor allem mir weh zu tun."

„Was redest du denn da? Ich würde dir nie weh tun!", Sam war aufgebracht und verwirrt.

„Vielleicht nicht mit Absicht.", murmelte Matt.

Sam stand von dem Stuhl auf, setzte sich gegenüber von Matt hin. Er nahm ihn bei der Schulter, Matt hatte diese Berührung nicht erwartet, schreckte zurück, was auch Sam dazu veranlasste die Hand wieder fort zu nehmen. Vielleicht fühlte er sich tatsächlich dabei unwohl.

„Nein, niemals. Matt, selbst wenn wir hier nicht weiter gehen musst du mir glauben, dass ich alles versuchen werde, um dir jede Art von Schmerz zu ersparen, jedenfalls jede Art, die ich dir zufügen könnte. Niemals, hörst du?"

Matts Kopf nickte langsam. „Und warum quälen wir uns so?", fragte er leise.

„Ich weiß es nicht. Matt, ich will so gerne. Du glaubst gar nicht, wie sehr mein Herz danach schreit. Aber ich kann nicht. Ich bin dein Pfleger, ich kann nicht mit dir zusammen sein.", er schaute auf seine Füße, konnte Matt nicht ansehen.

„Aber, ... ich möchte so gerne mit dir zusammen sein. Und nicht nur, wenn ich meine Übungen mache. Immer."

„Matt, sag das nicht. So machst du es nur noch schlimmer, bitte."

„Sam, sei still. Ich will dein Gejammer nicht mehr hören. Ich will mit dir zusammen sein. Jetzt, hier. Was immer noch kommen mag, ich will, dass wir das zusammen erleben. Und zwar zusammen zusammen, nicht nur zusammen. Sam, verstehst du denn nicht? Ich glaube gestern Abend war das beste, das mir seit langem passiert ist und als du mich geküsst hast ... Du küsst so wundervoll, Sam. Ich war so alleine, Sam. So alleine."

„Bist du nicht.", hauchte Sam leise, „Ich bin bei dir."

„Bist du nicht. Ich will nicht nur bei dir sein, ich will dein sein. Ich will dir gehören. Du hast schon angefangen ein Loch ein mein Herz zu bohren. Du kannst es nicht so offen blutend liegen lassen."

Sam saß da, starrte auf seine Füße. Er dachte nach. 'Was soll ich machen? Ich will ihn jetzt und hier. Sofort. Aber ich kann mich nicht immer so schuldig fühlen.'

„Matt, können wir einen Kompromiss machen? Ich besorge dir einen anderen Pfleger."

„Ich will niemand anderen.", unterbrach ihn Matt.

„Warte.", er legte einen Finger auf seine Lippen, um ihn zum Schweigen zu bringen. Die Überraschung über diese unerwartete Geste, ließ Matt sofort in seinem Widerspruch einhalten. „Einen, der deine Übungen mit dir macht. Einen, der kommt, um die medizinischen Aspekte kümmert, die ich nicht machen kann, wenn ich mit dir zusammen bin."

„Heißt das ja?", fragte Matt ungeduldig. Seine Stimme war eine Spur höher, ein Fitzelchen schneller.

Sam antwortete nicht. Er sah Matt an. Sah die feinen Konturen seines Gesichts, die braunen Haare, die in leichten Locken um sein Gesicht rankten, es einrahmten. Er sah die braunen Stellen auf der Wange und am Kinn, dort, wo langsam ein rauer Bart wuchs, er sah die Lachfalten in den Wangen und um die Augen. Die Augen, die er noch immer geschlossen hielt. Er erinnerte sich an ihr tiefes Braun.

„Tust du mir einen Gefallen?", fragte Sam mit leicht bebender Stimme, Sam nickte, „öffne deine Augen für mich."

„Sam, ich ... aber.", Matt brach ab, atmete ein. Dann öffnete er sie, es fiel ihm merklich schwer. Er blinzelte. Sein Blick ging ins Leere, das sah Sam sofort, er hatte die Pupillen zwar auf Sam gerichtet, aber sie sahen in der Tat durch ihn hindurch. Doch es lag so viel mehr in diesem Blick. Es war ihm egal, ob Matt ihn sehen konnte. Alles was er sich wünschte,w as dieses tiefe Braun immer sehen zu können. Er sah darin Matts Seele, die Sehnsucht darin, die Angst. Und ein bisschen Scham. Sam betrachtete das Gesicht, sah, wie sich die Wangen leicht, kaum merklich, rot färbten, als Matt bewusst wurde, dass Sam ihn musterte.

„Was ist dir peinlich?", fragte Sam.

„Ich kann deinen Blick fühlen. Ich fühle mich absolut nackt."

„Na, sehr viel hast du ja eh nicht an. Und hast du nicht vorhin mein Gesicht gesehen? Gesehen, wie nur du es sehen kannst?", jetzt war Matt vollkommen verlegen.

„Ich dachte du schläfst.", murmelte er. Seine Augen starrten noch immer in Sams Richtung, sahen nichts, und sagten doch so viel.

„Du hast wundervolle Augen."

„Aber hier ist es dunkel.", Matt tippte sich an den Kopf.

Sam rückte näher an ihn heran, sein Gesicht so nah an Matts. Er konnte jede Lachfalte, jede Pore erkennen, als er sich noch weiter an ihn heran wagte. Ihre Lippen berührten sich beinahe, als Sam leise etwas auf Matts Lippen hauchte: „Dunkel ist nur die Nacht, und selbst in dieser Leuchten die Sterne." „Dann sei mein Stern."

Ihre Lippen berührten sich. Es war, als küssten sie zum ersten Mal. Als wäre nichts, was vor nicht einmal zehn Stunden geschehen war, jemals geschehen. Es war wie der erste Kuss, einzigartig, in gewisser Weise unbeholfen. Nur ihre Lippen berührten sich, niemand wollte anscheinend den ersten Schritt tun, um diesen unschuldigen Kuss, etwas dieser Unschuld zu berauben. Gleichzeitig, wie nach einer Absprache, öffneten sie die Lippen. Die Zungen verfingen sich in einem sanften Tanz. Nach stundenlangen Sekunden trennten sie sich voneinander. Matt öffnete seine Augen wieder, Sam sah in ihnen nur noch zwei Dinge: Sehnsucht und Hingabe.

Es war Matt, der die Stille durchbrach und mit seinen Fingerspitzen Sams Gesicht berührte.

„Welche Farbe haben deine Augen?", fragte er, nah an Sams Gesicht.

„Blau. Sehr helles blau."

„Wie sehen deine Haare aus?", er fasste in den Haarschopf. Matt konnte sagen, dass sein Gegenüber kräftige Haare hatte, viele Haare, glatt, durcheinander. Etwa vier bis fünf Zentimeter lang.

„blond. Hellblond"

„Hast du Sommersprossen?"

„Nein. Aber eine helle Haut. Das erste, das mir der Sommer schenkt, ist ein Sonnenbrand."

Matts Finger wanderten wieder in Sams Gesicht.

„Und hier, woher ist die Narbe?", er strich sanft über eine kleine Narbe, die man so nicht sah, an Sams Schläfe.

„Sally und eine Frisbee. Ich war sechs und wollte unbedingt mitspielen. Tom konnte es. Ich habe die Scheibe direkt an den Kopf bekommen."

„Sechs Stiche.", murmelte Matt und strich noch einmal darüber.

„Deine Finger sind kalt."

„Tschuldigung."

Er ließ von Sams Gesicht, strich ein letztes Mal durch seine Haare, versuchte sich sein Gesicht vor zu stellen. Er lächelte kurz bevor er seine Lippen wieder in einen Kuss tauchen ließ.

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