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Erinnerungen 02

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Er erkannte ihre Absicht und löste sich ein wenig von ihr.

„Ich glaube, das ist mitten auf dem Dorfplatz keine gute Idee..."

Sein Lächeln entschädigte sie beinahe vollständig, aber ihre Sehnsucht blieb. Sie hatte lange Zeit beinahe in klerikaler Keuschheit gelebt, wenn man von einigen schwachen Momenten, in denen sie allein gewesen war, absah. Nun jedoch, nachdem die Erinnerung an die Schönheit der körperlichen Vereinigung nach Vorbild von Mutter Natur noch frisch war, dürstete sie danach wie ein Verdurstender nach Wasser.

Quinn stand auf und klopfte sich den Dreck aus einem Gewand.

„Ich sehe noch einmal nach den Verletzten."

Er machte einen Schritt von ihr weg, drehte ich dann jedoch noch einmal um:

„Ich glaube, dass wir nach all dem was hier passiert ist in der Taverne ein Zimmer bekommen. Einen Moment wirst du jedoch noch warten müssen, bevor wir alleine sind."

Damit ging er endgültig, um sich seiner Aufgabe zu widmen.

Sie blieb noch eine Minute liegen, um ihre Muskeln zu entspannen. Im Gegensatz zu Quinn hatte sie keine Decke gehabt und entsprechend fühlte sie sich im Moment, aber das würde sich hoffentlich wieder von selbst erledigen. Es war nicht das erste Mal, dass sie auf hartem Boden übernachtete hatte, bisher hatte sie es auch ohne erkennbare Schäden überstanden.

Schließlich stand auch sie auf, um sich im Hellen ein Bild von der Lage zu machen. Erstaunlich viele Dorfbewohner standen bereits schon wieder oder waren jedenfalls erkennbar wach. Soweit sie es erkennen konnte, gab es nur noch ein paar wenige, die definitiv noch bewusstlos waren. Sie ging zu einem jungen Mann, der von ihr aus gesehen am nächsten war: Einer derjenigen, die noch nicht aufgewacht waren. Beinahe aus Gewohnheit fühlte sie nach seinen Puls, doch sie fand ihn nicht. Er würde nicht mehr aufwachen.

„Mama, Mama. Das ist die Frau, die mir heute Nacht geholfen hat!"

Sie blickte auf und sah das kleine Mädchen aus der Nacht auf sich zu rennen, diesmal zog es ihre noch ziemlich erschöpft wirkende Mutter mit sich, welche ihr dennoch freundlich die Hand entgegen streckte.

„Danke, dass sie auf meine Tochter aufgepasst haben. Sie kann manchmal ganz schön aufdringlich sein. Ich bin Vahya."

„Daria", stellte sie sich vor, als sie die Hand schüttelte. Wenigstens dieses Leben war verschont worden.

„Ihr Mann ist definitiv ein Held, er hat uns mehr geholfen, als sie es sich vorstellen können."

Sie lächelte ob der Tatsache, dass Vahya Quinn für ihren Ehemann gehalten hatte. Es war vollkommen ungewohnt für sie, man hatte sie noch nie als eine verheiratete Frau angesehen. Es fühlte sich aber ausgesprochen gut an.

„Das müssen sie ihm schon selbst sagen", gab sie immer noch lächelnd zurück,

„Quinn ist nicht mein Mann. Aber ein Held, damit haben sie vielleicht mehr Recht, als sie glauben."

„Oh, Entschuldigung. Ich dachte nur, weil sie beide..."

„Das Leben hat viel Gesichter", antwortete sie vielsagend. So freundlich Vahya auch war, es war nicht notwendig, ihr bis ins Kleinste zu erläutern, in welchem Verhältnis sie und Quinn zueinander standen. Im Grunde genommen wusste sie es selbst noch nicht einmal so genau.

„Dann will ich sie nicht weiter von der Arbeit abhalten", sagte Vahya schließlich und zu ihrer Tochter gewandt:

„Sag Daria Auf Wiedesehen, Cylia."

„Auf Wiedersehen, Daria!", rief ihr die Kleine schon im Wegrennen zu und verschwand hinter einem der Häuser.

„Kinder sind etwas ganz Besonderes, oder?"

Ohne, dass sie es gemerkt hatte, war Quinn hinter ihr aufgetaucht und hatte beide Arme um ihre Taille gelegt.

„Ja... Es ist wunderschön in ihre unschuldigen Gesichter zu sehen, ihrem Lachen zuzuhören, wenn sie mit ihren Freunden spielen. Sie erinnern mich immer wieder daran, dass das Leben etwas unschätzbar Wertvolles ist."

Sie genoss es, seine Wärme spüren zu können, wie hatte sie allein dieses Gefühl aufs Spiel setzten können?

„Fast alle haben überlebt, du hast außerordentliche Arbeit geleistet. Hast du den Magier bekommen?"

Sie spürte, wie er sich an sie drückte, kuschelte sich beinahe in seine Arme. Er war ihr Retter und Beschützer, niemals wieder würde sie ihn gehen lassen.

„Nein, Raqash ist wieder entkommen", antwortete er mit plötzlicher Bitterkeit in der Stimme,

„Aber er wurde offensichtlich unterbrochen. Lass uns ihn fürs Erste vergessen, in Ordnung?"

Sie nickte leicht zu Bestätigung, auch sie wollte ihn nicht wieder darauf ansprechen. Deshalb hatte sie sich vergewissern wollen, dass der Paktmagier für immer unter der Erde lag, musste nun jedoch erfahren, dass dem nicht so war. Sie wusste, dass Quinn ihn wieder mit allen Mitteln versuchen würde aufzuhalten, sollten sie wieder von seinem Zeichen hören oder es sehen. Ihr blieb nur die Hoffnung, dass Raqash sich außerhalb ihrer Reichweite herumtreiben würde.

In der letzten Zeit war viel zu viel passiert, als dass sie sich auch noch mit einem außer Kontrolle geratenem Magier beschäftigen wollte. Eigentlich wollte sie nichts weiter, als in Quinns Nähe zu sein, aber sie hatte das Gefühl, dass die Zukunft für sie beide noch eine Menge bereithielt, viele schöne Momente aber auch mindestens so viele Prüfungen. Nicht alle würden sich innerhalb eines einzigen Tages wieder erledigen.

Irgendwoher spürte sie, dass schon sehr bald etwas viel Gewaltigeres bevorstand, als sie sich im Moment vorstellen konnte. Sie hatte einmal davon gehört, dass es Auserwählte gibt, die einen Eindruck von der Zukunft in Form von Visionen haben. Hatte sie im Grunde genommen nur Angst, oder stand wirklich etwas Großes bevor? Etwas so Wichtiges, dass sie es spüren konnte? Letztendlich blieb die Zukunft ein Mysterium, das sich erst dann löste, wenn es zur Gegenwart wurde.

*****

Der Tag war anstrengender gewesen, als er erwartet hatte. Obwohl beinahe alle den Überfall überlebt hatten, waren die meisten nach wie vor noch etwas wackelig auf den Beinen, klagten über starke Kopfschmerzen oder fühlten sich im Allgemeinen elend. Seine einzige Zeit zum Ausruhen waren hier und dort ein paar Minuten mit Daria alleine gewesen, die ihm zwar nach Kräften geholfen hatte, aber natürlich längst nicht so eine gute Ausbildung in Heilkunde erlangt hatte.

Es hatte mehrere Stunden gedauert, bis er herausgefunden hatte, dass die meisten mit Pulverstaub betäubt wurden, welcher sich in der Luft verteilt hatte. Atmete man zu viel davon ein, fiel man zuerst in eine Art Rauschzustand, bevor man für die nächsten sechs bis zwölf Stunden völlig bewusstlos wurde. Das Pulver bestand aus den Sporen einer bestimmten Pilzart, welche mit dem Blütenstaub des sogenannten Todeskelchs vermischt werden. Beides war nicht überaus schwer zu bekommen, da sogar der Staub selbst in etwas anderer Mischung als Droge in den Städten verkauft wird. Mit ein wenig Geduld und der richtigen Ausrüstung entstand daraus ebenjenes Pulver.

Der Vorteil war nicht nur eine relativ kurze Zeit, bis zum Eintreten der Wirkung, sondern auch die Schwierigkeit, diese wieder zu neutralisieren. Es handelte sich theoretisch um ein simples Nervengift, welches jedoch aufgrund der Tatsache, dass es zwar bei fast allen Menschen, aber keiner Tierart Wirkung zeigte, noch nicht sehr weit erforscht war. Mehr als die üblichen Behandlungsmethoden für die Symptome konnte er nicht tun und dies war als quasi einziger Heilkundiger für ein ganzes Dorf entsprechend anstrengend.

Der Wirt hatte ihnen freundlicherweise sein einziges Gästezimmer überlassen und sich noch mehrmals für die äußerst simple Einrichtung entschuldigt, aber er hatte ihm wahrheitsgemäß gesagt, dass ihnen das Bett vollkommen ausreichen würde. Es war bereits mehr, als sie in den letzten Tagen gehabt hatten. Mit einem vielsagenden Lächeln hatte er schließlich genickt und sie alleine gelassen.

Nun hatte er endlich ein wenig Ruhe, er saß auf der Bettkante und wartete auf Daria, die ihre Sachen zum Zimmer trug. Er hatte ihr helfen wollen, aber sie hatte ihm die klare Anweisung gegeben, hier sitzen zu bleiben. Dieser war er schließlich gefolgt und nun saß er hier. Dafür, dass sie nur die beiden Rucksäcke und eine Decke herholen wollte, brauchte sie ein wenig zu lange, aber was sollte schon passiert sein? Wahrscheinlich redete sie noch kurz mit einem der Dorfbewohner, die sie beide schon beinahe mit in ihre kleine Gemeinde aufgenommen hatten.

Fünf Minuten später war sie immer noch nicht da, langsam begann er sich wirklich zu fragen, was sie aufgehalten hatte. Er wollte schon aufstehen und nach ihr sehen, ließ sich dann jedoch wieder zurücksinken. Sie hatten sich gegenseitig versprochen, dem anderen zu vertrauen, egal was passierte. Sie waren sich einig gewesen, dass sie sich wegen Nebensächlichkeiten, wie gestern, als sie das Zeichen entdeckt hatte, nicht mehr auseinander bringen lassen würden, die gemeinsame Zeit war viel zu wertvoll, um sie mit derartigen Dingen zu verschwenden.

Es wurde immer schwerer, die Augen noch offen zu halten, obwohl er noch nicht einmal etwas zu Abend gegessen hatte. Trotzdem, noch wollte er nicht schlafen, nachdem er quasi den ganzen Tag darauf gewartet hatte, endlich ein wenig Zeit mit Daria verbringen zu können, die nicht daraus bestand, einen Kranken zu versorgen. Es war eine gute Aufgabe, ohne Frage, aber sie hatten es vermieden, mehr als ab und zu einen kurzen Kuss in vermeintlich unbeobachteten Momenten auszutauschen, er wollte nicht, dass Dorfbewohner anfingen sich zu fragen, was ein Heiler in Kriegsausrüstung und eine Waldläuferin zusammengeführt hatte. Es hätte nur zu Misstrauen geführt.

Schlagartig wurde er wieder hellwach, als er vor der Tür Schritte hörte. Langsam senkte sich die Klinke der schweren Holztür, bis im Türrahmen als erstes zwei vollgepackte Rucksäcke erschienen, über die ihre Decke gelegt war.

„Mach die Augen zu", hörte er Darias zuckersüße Stimme, deren Tonfall ihn mehr als nur ein wenig irritierte.

Er hatte ihr geschworen, ihr zu vertrauen und hatte nun eine scheinbare Ewigkeit auf sie gewartet, also leistete er ihrer Aufforderung Folge.

Er hörte, wie sie die schweren Rucksäcke in einer Ecke abstellte, die Decke herunternahm und scheinbar zusammengelegt wieder darauf. Er hörte das Knarren der Holztür und ein leises Quietschen der Klinke, offensichtlich hatte sie die Tür geschlossen. Beinahe vorsichtig schien sie zu ihm zu gehen, ihre Schritte waren leise und behutsam. Immer noch hielt er seine Augen geschlossen, darauf wartend, was sie vorhatte.

Schließlich blieb sie stehen, soweit er das beurteilen konnte in etwa vor ihm. Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Stirn, bevor er jedoch reagieren konnte, entzog sie sich ihm wieder. Leises Rascheln von Kleidung war zu hören, dann merkte er, wie sie scheinbar einen Schritt zurück trat, sodass sie nun in etwa eine Handbreit von der Wand entfernt stand. Auch wenn er es nicht sehen konnte, fühlte er, dass sie lächelte, was ihn automatisch dazu brachte, ebenfalls zu lächeln.

„Nun darfst du die Augen aufmachen", hörte er wieder ihre zuckersüße Stimme.

Nach wie vor war sie ein Stück zu weich, als dass er es als bloße Erlaubnis auffassen konnte. Sie hatte etwas Bestimmtes vor, ohne Frage. So kannte er sie nicht.

Den Moment, als er die Augen öffnete hätte er am liebsten für immer behalten, als Bild für die Ewigkeit. Für Zeiten, in denen er kein Licht mehr sah, oder einfach, um das Schönste, was er in seinem Leben jemals gesehen hatte, immer wieder betrachten zu können. Es gab nichts, mit dem man es hätte vergleichen können, weil jeder Vergleich das Gesamtbild zerstören würde, wie als würde man sein Lieblingsbild im Nebel betrachten.

Daria hatte es geschafft, innerhalb weniger Minuten etwas zu finden, wovor selbst die Götter neidisch werden würden: Sie hatte ihr waldgrünes Gewand und die Laufhosen abgelegt und gegen ein rotes Kleid ausgetauscht, welches jeder Hofschneider als sein Werk verkaufen könnte. Es fiel ihr gerade über die Knie, die von dem feinsäuberlich mit Meisterhand genähtem Stoff umspielt wurden. Allein dies hatte sie dadurch betont, dass sie barfuß vor ihm stand und so der sich bei jedem noch so kleinem Luftzug wiegende Saum des Kleids ihre nackten Beine umspielte.

Es war so genäht, dass an ihrer Taille kleine Falten angelegt waren, die nach unten hin weiter wurden und so ein luftiges, verführerisches Bild erzeugten. Sie hatte das rechte Knie im Stehen leicht angewinkelt, sodass der rote Stoff leicht über ihr Knie strich und bei jeder Bewegung nur um Zentimeter nicht das Bein hochzurutschen schien. Egal, wie sehr es ihren Anblick verändert hätte, so wie es im Moment war, würde er sie am liebsten nie mehr aus den Augen lassen.

Sie zeichnete das Bild von der schönsten Frau dieser Welt, wie sie verführerisch mit ihm spielte, sich ihrer Wirkung aufs Genauste bewusst. Es war eines dieser Bilder, die um ein vielfaches verführerischer wirkten, weil

Die Wirkung allein durch die eigene Vorstellungskraft erzeugt wurde. Ihre Taille und die Beine wurden meisterlich betont, jedoch so, dass es der eigenen Fantasie überlassen war, was sich wirklich unter dem Kleid befand.

Nur langsam schaffte er es den Blick auch ein wenig höher gleiten zu lassen, bis sein Blick für einen Moment auf ihrer Brust zur Ruhe kam. Das Kleid war hier in einer Art sehr schmalen V ausgeschnitten, welches ihren Brüsten bis nach unten folgte, jedoch so geschickte platziert, dass man wieder einmal nur erahnen konnte, was sich unter dem Stoff befand. Die Brüste wurden zwar so gut wie überhaupt nicht durch das Kleid gestützt, aber auch dies betonte nur, dass Daria dies nicht im Geringsten nötig hatte.

Die meisten Königskleider waren mit ausladendem Schmuck und Goldrändern ausgestattet, dieses hier hingegen, obwohl es die Ansprüche für eines dieser Kleider mehr als übertraf, bestand ausschließlich aus rotem Stoff, welcher wie der Sonnenaufgang leuchtete. Die Schultern waren beinahe schlicht bedeckt, es betonte aber Darias schmale, trainierte Gestalt außerordentlich gut.

Im Kontrast zu alldem standen ihre langen, pechschwarzen Haare, die ebenfalls nur einfach über die Schultern fielen und bis zum Ansatz ihrer Brust reichten. Wie immer schienen sie irgendwie zu glänzen, als wäre selbst dieses kleine Detail die Hauptsache. Er hatte sie noch nie in etwas anderem als ihren Laufhosen und dem grünen Gewand gesehen, alles andere wäre für den Weg einfach unpraktisch gewesen. Aber auch in der Taverne, als er sie kennen gelernt hatte, war sie bereits praktisch gekleidet gewesen. Er musste aber zugeben, dass ein solches Kleid eigentlich an jedem Ort herausstechen würde, wie ein Engel am Himmel.

Passend zu seiner sich scheinbar stundenlang hinziehenden Betrachtung hatte sie ein schiefes Lächeln auf den Lippen, die Augen fast demütig niedergeschlagen. Wüsste er nicht, dass sie nicht ewig dort stehen bleiben würde, er hätte alles dafür getan.

„Ich hoffe, es gefällt dir?"

Ihre zuckersüße Stimme hatte sie abgelegt, ihre plötzlich wundervoll weiche und warme Stimme schien sich direkt den Weg zu seiner Seele zu suchen.

Als Antwort nickte er nur, alles andere wäre peinlich geworden. Langsam erhob er sich von der Bettkante, auf der er die ganze Zeit gesessen hatte und zog sie an sich zu einem unendlich scheinenden Kuss. Er hoffte, dass seine Umarmung dabei nicht zu fest war, doch er wollte ihre Schönheit so nah wie möglich an sich spüren. Er küsste nicht mehr die einsame Waldläuferin, sondern eine noch unbekannte Göttin, für die jeder Name der Welt nur eine Beleidigung wäre.

Es fühlte sich an, als wäre es dies sein erster Kuss. Sie schien viel zu wertvoll, viel zu kostbar, um einfach darauf zu vertrauen, dass sie ihn genauso liebte, wie er sie. Als ihre Münder sich trafen, wäre er beinahe wieder zurückgeschreckt, so weich und wundervoll waren ihre Lippen. Jeder einzelne Kuss mit ihr war stets etwas Besonderes gewesen, aber nun schien sie beinahe ein anderer Mensch zu sein.

Mit jedem ihrer Atemzüge spürte er, wie sich ihre Brust mit aller Gewalt an seine presste, jeder einzelne Pulsschlag von ihr war wundervoller als die schönste Musik. Er spürte, wie ihre Zunge vorsichtig anzuklopfen schien, als müsste sie erst darum bitten, aufgenommen zu werden. Dennoch ein wenig zögerlich öffnete er die Lippen, bis sich ihre Zungenspitzen berührten.

Erst noch ein wenig scheu umspielten sie sich, wie ein wildes Tier, welches sich erst langsam an die neue Präsenz eines anderen gewöhnen muss. Es dauert lange, bis man ein solches Tier an sich gewöhnt hat, bis man ihm allein mit der Sprache der Taten und des Willens klargemacht hat, dass man ihm nichts Böses will. Ähnlich war es bei ihnen, nur dass sie beide dem Reh glichen, welches sich erst an den neuen Freund gewöhnen muss.

Langsam wurden die Rehe zutraulicher, beschnupperten sich. Es war Daria, die das vorsichtige Beschnuppern beendete und nun Alles in ein aufregendes Spiel verwandelte. Es war aufregend, ihre Zunge bei sich spüren zu können, aufregend, sie schmecken zu können, aufregend, sich gegenseitig zu umkreisen, miteinander zu spielen wie Kinder. Der einzige Unterschied bestand darin, dass sich all dies in nur einem einzigen Kuss abspielte, den sie dafür umso länger hielten.

Er umfasste sie mit dem linken Arm an der Taille und rückte sie noch ein wenig fester zu sich. Sie war keine unerreichbare Göttin oder eine vornehme Hofdame, sondern Daria, seine Geliebte, sie gehörte zu ihm. Niemand anderes konnte etwas derartig Schönes erleben, weil sie ihn ausgewählt hatte. Allein er war dazu bestimmt, ihre Vollkommenheit erleben zu dürfen, die Kraft ihres Feuers zu spüren. Er schien innerlich zu brennen, wie ein heißer Stern zu glühen, aber es war wunderschön, jene Form der Magie zu spüren, die man niemals alleine erlernen kann. Nur Daria war dazu auserkoren, dieses Gefühl mit ihm zu teilen. Nur sie und er, niemand Anderes. Niemand.

Behutsam löste er den Kuss, es schien, als würde ein Stern am Himmel verglühen. Doch er würde wieder neu entstehen, solange sie bei ihm war. Egal was noch bevorstand, er würde ihr bis in den Tod folgen. Nicht sprichwörtlich, wie man es oft einfach dahin sagte, sondern wirklich. Würde sie ins Feuer gehen und verbrennen, würde sie im Wasser ertrinken würde er ihr folgen, nur um bei ihr sein zu können. Bis in den Tod. Alles was danach kam, konnte er nicht mehr beeinflussen.

„Womit habe ich das verdient?", fragte er noch ein wenig atemlos.

Er war seinen eigenen Rachegelüsten gefolgt, nicht sie. Für einen kurzen Moment hatte er sie verloren und hatte sich gefühlt, als würde ihm eine Hälfte seines Herzens herausgerissen werden. Nun war sie hier, als wäre nichts gewesen, überraschte ihn mit dem schönsten Kleid dieser Welt. In seinem Kopf drehte sich alles, er war noch immer nicht in der Lage, all dies zu erfassen.

„Damit, dass du mir etwas gezeigt hast, das wertvoller ist, als alles Gold der Welt: Vertrauen und Liebe. Nicht die Art von Liebe, die man bei den leicht bekleideten Frauen in der Stadt bekommt, sondern die, die selbst einen Tiefpunkt übersteht. Die, die unerträgliche Schmerzen bereitet, wenn man glaubt, sie zu verlieren. Die, die ich nur mit einem einzigen Menschen jemals erleben werde.

Ich kann nicht genug tun, um allein das Geschenk deiner Liebe zurückzugeben, damit hast du das verdient."

„Du gibst mir bereits mehr als genug."

Zur Bekräftigung gab er ihr einen weiteren Kuss, den sie bereitwillig erwiderte. Vor wenigen Tagen hatte er sie kennengelernt, sie hatten sich geliebt, waren beinahe wieder getrennt worden und nun wieder zusammen. Jeder einzelne Tag mit ihr erzählte eine längere und schönere Geschichte als die vorherigen Jahre seines Lebens zusammen. Er würde sie niemals ganz erzählen können, weil sie sich schneller entwickelte und veränderte, als irgendjemand außer Daria es hätte bestehen können. Das Buch des Lebens kannte keine Pause, nun wurde es zu ihrem gemeinsamen Buch.

Er spürte, wie sie während des Kusses langsam über seinen Rücken strich und dabei zielgerichtet auf das untere Ende seines Gewandes zusteuerte. Er wusste, was sie wollte, viel zu lange hatten sie schon nicht mehr beieinander gelegen. Seit dem Morgen, an dem sie ihre Liebe zueinander endlich gefunden hatten, hatte sich irgendwie nie der richtige Moment gefunden.

Erelyn
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