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Erinnerungen 02

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Erelyn
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Richard und Rashiq standen durch ihre Eskapaden kurz vor dem Rauswurf und die restlichen meiner Altersgenossen schafften es nicht einmal annähernd mit mir auf geistiger Ebene mitzuhalten, auch wenn ich meine Freizeit immer mehr damit verbrachte, mich rein auf die Magie zu konzentrieren. Sie waren in meinen Augen unreif, während sie sich in Gruppen laut lachend durch die Akademie bewegten, versuchte ich zu verstehen. Zu verstehen, wie die Welt funktioniert, zu verstehen, wie die Magie die Welt formte und es immer noch tut.

Ausgerechnet Aileen war diejenige, die mir trotz meiner jahrelangen Ablehnung immer wieder zeigte, dass sie ähnlich empfand. Versteh mich nicht falsch, wir unterhielten uns in diesen zwei Jahren kaum miteinander, jedoch wurde unser Unterricht oft dahin gelenkt, in die Gedanken unseres Gegenübers einzudringen, seine Handlungen und Gefühle zu erkennen, ohne dass dieser es merkte.

Es kam vor, dass wir über mehrere Stunden einfach nur in einem leeren Raum alleine gelassen wurden, mit der Aufgabe herauszufinden, was der andere an diesem Abend am liebsten essen wollte. Sollte es einer von uns schaffen, dies herauszufinden und den anderen daran zu hindern, würde er genau dies auch bekommen.

Es ist schwierig zu erklären, wenn man sich nicht mit Magie und deren Anwendung beschäftigt hat, man kann es mit einem geistigen Fechtkampf umschreiben, glaube ich. Ein Fechtkampf jedoch, bei dem man noch lange nicht gewonnen hat, wenn man den anderen getroffen hat, sondern erst über eine Art Mauer springen muss und dann in einem riesigen Labyrinth den Weg finden. Um dies zu können, muss man seine eigene Verteidigung fallen lassen, wie bei einem Fechtkampf eben.

Um sozusagen den richtigen Weg zu finden, probiert man alles aus, was einem hilfreich erscheint, liest sozusagen jede vorhandene Information, um sich eine Karte zeichnen zu können. Das Lieblingsessen ist nicht gleich dem Frühstück und so weiter, es kann Tage, sollte er talentiert sein auch Wochen, dauern, auf diese Weise in dem Geist eines Fremden die richtige Information zu finden.

Genau diese Aufgabe stellten sie uns schließlich, zwei Monate nach meinem sechzehnten Geburtstag. Wir wurden in einen großen Raum geführt, indem es alles gab, was das Herz begehrte. Für das körperliche Wohl würde auf Anfrage gesorgt werden, jedoch würden wir ihn nicht verlassen dürfen, bis einer von uns die Aufgabe gelöst hatte, herauszufinden, was der andere an diesem Abend am liebsten essen wollte.

Wie gesagt, wir waren beide durchaus begabt und unsere vorgestellten Wünsche wurden von Tag zu Tag umfangreicher, sodass wir weit davon entfernt waren, am Ziel anzukommen. Eine Woche wurde zu zwei, mit der Zeit wurde der Raum, indem wir uns befanden beklemmend, obwohl er so groß war, dass man von einer Ecke zur gegenüberliegenden etwa 150 Schritte benötigte, mit einer riesigen Kuppel in der Mitte, die von einem Dutzend Säulen gestützt wurde.

Trotzdem verändert die Zeit, in der man auf diese Art und Weise zusammenlebt zwangsläufig die gegenseitigen Ansichten über den anderen. Wir hatten die Möglichkeit, beinahe jede Bewegung und jeden Atemzug des anderen zu beobachten, unsere geistigen Duelle über den gesamten Tag trugen nicht gerade dazu bei, bei körperlich gutem Zustand zu bleiben.

Dennoch brauchte es noch eine besondere Nacht, die etwas in mir wie einen Schalter umlegte, von einem Tag auf den anderen war ich wie ausgetauscht. Aileen erging es auch nicht viel anders, wie sie mir später erzählte.

Wir waren in unseren persönlichen Kampf vertieft, über eine viel zu lange Zeit saßen wir uns in der Mitte des Raumes einfach nur gegenüber und versuchten, uns im Geist des anderen zurechtzufinden. Unsere Verteidigung war vor mehreren Stunden der Erschöpfung zum Opfer gefallen, doch niemand wollte aufgeben. Das Feuer ging aus, sodass es immer kälter wurde, doch wir machten weiter. Die ganze Nacht über und auch noch am nächsten Tag.

Erst nach über 50 Stunden hörten wir in beiderseitigem Einvernehmen auf, kaum einen Schritt waren wir noch in der Lage zu tun, so steif waren unsere Muskeln geworden, so erschöpft waren wir. 50 Stunden quasi ohne sich zu bewegen, es war einer der qualvollsten Momente, an die ich mich noch erinnern kann. Mein Kopf fühlte sich an, als wäre er vollkommen leer, mir war es ein Rätsel, wie darin überhaupt noch jemand etwas finden sollte außer einer großen verstaubten Kammer ohne Einrichtung.

Jeder einzelne meiner Knochen schien laut zu schreien, als ich mich wie ein Betrunkener in Richtung meines Bettes begab, das in einer Ecke des Raumes aufgestellt war. Ich ließ mich, vor Kälte und Anstrengung zitternd, darauf fallen, hatte jedoch keine Kraft mehr, das Feuer wieder zu entfachen. Schlaf war das Einzige, an das ich noch denken konnte.

Ich muss innerhalb von Sekunden eingeschlafen sein, ich bekam von meiner Umgebung nichts mehr mit. Mitten in der Nacht wachte ich auf, jedenfalls war es draußen dunkel, wie ich durch die Glasfenster in der Kuppel sehen konnte. Ich fühlte mich, als hätte ich Jahrhunderte geschlafen, es fiel mir schwer, mich an die letzten wachen Stunden zu erinnern.

Ich wollte aufstehen, um meine viel zu lange unbewegten Muskeln zu dehnen, doch nach kurzer Strecke stieß ich an ein Hindernis. Es war nicht kalt und hart wie ein Bettpfosten, sondern es fühlte sich vollkommen anders an. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, was es sein konnte, bis ich meinen Blick von der Decke auf die Stelle drehte, an der ich auf das Hindernis gestoßen war.

Dort lag ein Mensch in meinem Bett und hatte sich so in meine Richtung gedreht, dass er mich im Schlaf wohl an mich geschmiegt haben musste. Mein Schlaf war zu tief gewesen, um davon etwas mitzubekommen. Langsam begann mein Verstand nun auch wieder mit der Arbeit, eigentlich war ich hier doch alleine, bis auf...

Neben mir lag Aileen, im Gegensatz zu mir noch schlafend. Ihre Brust hob und senkte sich gleichmäßig, parallel zu ihrem Atem, ihre Arme hatte sie an ihren Körper gepresst. So wie sie da lag, friedlich und vollkommen ruhig, war sie wunderschön, zart verletzlich. Ich hätte in diesem Moment unser Duell beenden können, doch ich tat es nicht. Irgendetwas hielt mich davon ab..."

Er schwieg. Daria hatte die ganze Zeit ohne eine Reaktion einfach nur zugehört, ließ sich in seine Erzählung mit hineinziehen, als wäre sie selbst wie er damals in dem Zimmer eingesperrt, ohne eine Möglichkeit des Entkommens. Er hatte einfach aufgehört, doch sie blieb weiterhin ruhig und lief mit gleichmäßigen Schritten neben ihm her.

Die Sonne wanderte spürbar dem Horizont entgegen, sie liefen weiter schweigend nebeneinander her. Schließlich fasste sie sich ein Herz und durchbrach die Stille:

„Wie ich gesagt habe: Du musst nichts erzählen. Vor allem nicht, weil ich bis jetzt beinahe überhaupt nichts erzählt habe..."

„Es wird dunkel, wir sollten uns nach einem Lagerplatz umsehen."

Er schien überhaupt keine Notiz davon genommen zu haben, dass sie etwas gesagt hatte, doch ein durchdringender Blick von ihm bewies das Gegenteil. Er würde weiter erzählen, wenn er wollte und er verlangte dafür keine Gegenleistung.

*****

An diesem Abend gab es keine Mulde oder Ähnliches, nur die große Ebene lag still und einsam vor ihnen. So bauten sie ein Zelt mit ein paar Decken ein wenig abseits von der Straße auf, auf ein Feuer mussten sie jedoch verzichten, da es kein Holz dafür gab.

„Kannst du nicht mit ein wenig Magie Feuer machen?"

In stiller Absprache hatten sie sich einfach gegenüber vor dem Zelt auf den Boden gesetzt und aßen ihre kalten Rationen. Die letzten Strahlen der Sonne beleuchteten sein Gesicht mit einem goldenen Schein, sodass erbeinahe wie eine eigene Sonne schien, wäre nicht eine Hälfte im Schatten.

„Könnte ich schon, aber auch mit Magie kann man nichts tun, was den Gesetzen der Natur widerspricht, jedenfalls nicht mit meiner. Von dämonischen, nekromantischen oder Zaubern zur Geisterbeschwörung abgesehen, ist die Magie letztlich nichts anderes, als ein Lenken der Geschehnisse auf einer anderen Ebene.

Sieh mal: Als ich dich geheilt habe, habe ich nichts anderes getan, als deinem Körper Kraft zu geben. Ich habe sozusagen deinen Organismus dabei unterstützt, Kraft für die Heilung aufzubringen, etwas, was er auch ohne meine Hilfe getan hätte, wenn auch deutlich langsamer, wodurch andere Verletzungen hätten entstehen können. Es war die Beeinflussung eines natürlichen Prozesses.

Würde ich nun versuchen Feuer zu entfachen, müsste ich auf dieselbe Weise handeln. Wenn man davon ausgeht, dass ich ein gewöhnliches Lagerfeuer entzünden will, so muss ich dafür sorgen, dass der Brand Nahrung bekommt. Habe ich einen Haufen brennbares Holz vor mir, kann ich die Wärme der Umgebung in einem bestimmten Punkt konzentrieren, wodurch das Holz anfängt zu brennen. Da es sich nur um einen winzig kleinen Punkt handelt, ist die Auswirkung nicht spürbar, jedoch vorhanden. Ohne Holz braucht das Feuer trotzdem etwas als Nahrung, ich müsste enorme Veränderungen durchführen, was nach einem ganzen Tag auf der Reise extrem anstrengend wäre. "

Es war das erste Mal, dass ihr jemand etwas über die Funktionsweise von Magie erzählte. Für sie war es bisher immer nur ein Mysterium gewesen, eine übernatürliche Fähigkeit einiger Ausgewählter, mit der man viel Schaden verursachen konnte. Er hatte recht gehabt, als er nach ihrer Heilung gesagt hatte, dass Magier einen schlechten Ruf hatten.

„Wie schaffen es dann andere, Feuerbälle durch die Luft zu schießen, Blitze aus klarem Himmel zu erzeugen? Was ist dann mit den Dämonen, die erschaffen werden oder riesigen Kriegsgolems? Und wenn du Feuer machen kannst, warum tust du es dann nicht?"

Ihr Interesse an dem Thema war echt, vor allem war es ein Teil von Quinn. Sie wollte verstehen können, was er dort tat, vielleicht konnte sie von ihm sogar den einen oder anderen Trick lernen, es klang zwar bisher alles ziemlich kompliziert, aber erlernbar.

„Das sind jetzt aber gleich drei Fragen auf einmal, die alle einer eigenen Erklärung bedürften...", lächelte er.

Sie mochte sein Lächeln, jedenfalls wenn es so ehrlich war wie jetzt. Es war kein Ausdruck der Höflichkeit oder hatte einen bitteren Unterton, um irgendwelche Erinnerungen oder Emotionen zu verstecken, sondern es galt allein ihr. Ihrer Seele, weil er sie liebte.

„Welche willst du zuerst beantwortet haben? Der Rest muss dann noch ein wenig warten."

„Die Letzte, mir ist kalt...", antwortete sie, außerdem war dies etwas, was sie gerade in diesem Moment interessierte.

Der Rest bezog sich mehr auf Magie im Allgemeinen.

Statt ihr jedoch sofort zu antworten, packte er schnell die Reste seiner Essensration in den Rucksack, um dann an ihre Seite rutschen zu können. Zärtlich zog er sie an sich, sie spürte die Wärme seines Körpers deutlich an sich. Sie schloss die Augen, legte den Kopf auf seiner linken Schulter ab und horchte für einen Moment einfach nur nach dem Rhythmus seines Atems. Sie spürte, wie sich feine Härchen in ihrem Nacken aufstellten, als er sanft darüber strich und sie mit der anderen Hand an sich drückte.

„Geht es so besser?", fragte er nach einigen Minuten, in der sie sich einfach nur hatte halten lassen.

Dabei strich er mit beiden Händen fest über ihren Rücken, beinahe fühlte es sich an, als würde er sie massieren, doch er stoppte nachdem er wieder am Ansatz ihres Nackens angekommen war. Zur Antwort gab sie ihm einen langen Kuss, versuchte sich zu erinnern, ob in ihrem kurzen Leben bisher sie schon einmal auf diese Weise gewärmt worden war.

Er hatte es nicht nur geschafft, ihr mit seiner Nähe physische Wärme zu geben, sondern hatte sie außerdem von innen heraus gewärmt, sodass sie sich fühlte, als säße sie an einem warmen Kaminfeuer, nur dass das Feuer nicht vor ihr im Kamin brannte sondern tief in ihr. Etwas Derartiges hatte sie noch nicht erleben dürfen, es von Quinn zu bekommen, steigerte noch einmal ihr Glücksgefühl.

„War das Magie?", fragte sie, als sie sich wieder von ihm trennte, nun jedoch bis in jeden Winkel ihres Körpers gewärmt. Allein sein warmes Lächeln war bereits Magie, auf eine gewisse Weise war alles magisch an ihm. Eigentlich hätte sie ihre Frage sofort mit einem „Ja" beantworten können.

„Deine Frage ist falsch gestellt. Es ist wahrscheinlich keine, wie du sie dir vorstellst, aber dennoch würde ich es mit einem Ja beantworten. Die Liebe von zwei Menschen ist ein so starkes Band, dass man es nur schwer durchbrechen kann, es ist im Prinzip eine eigene Form der Magie. Ihre Kräfte sind stärker und beständiger als alles andere, ich würde daher sogar sagen es ist die mächtigste Form. Aileen..."

Er schluckte, es war ihm deutlich anzusehen, dass er nicht geplant hatte, sie jetzt anzusprechen. Aus diesem Grund blieb sie auch still und ließ ihm Zeit, sich wieder zu sammeln. Das Einzige, was sie tat, war seine Hand mit ihrer fest zu umschließen, eine stumme Botschaft, die besagte: „Ich bin bei dir!"

„Sie hat einmal gesagt, Liebe wäre ein dickes Seil, gewoben aus den Fasern des Lebens. Es strahlt so hell, dass man sein Wesen nicht begreifen kann, ohne es zu spüren. Jeder hält ein Ende dieses Seils, wie fest, ist seine Entscheidung. Je fester man es hält, desto deutlicher wird jede Emotion über das Seil in einer Welle an den anderen übertragen, je fester der andere es hält, desto deutlicher spürt er diese Emotionen.

Dieses Seil ist beinahe unzerstörbar, nur mit dem Ende des Lebens selbst lösen sich die Fasern und verlassen unsere Welt. Dämonen ernähren sich von Hass und Neid, sie können diesem Band nichts anhaben, Geister ernähren sich von Furcht, auch dies ist in dieser Verbindung nicht enthalten. Die einzigen verwundbaren Punkte sind die beiden, die das Seil halten, denn wenn einer von ihnen loslässt, wird er es nicht mehr wieder aufheben können.

Verwundbar ist nur unser Körper, unsere Gedanken können manipuliert und ausgespäht werden. Unsere Gefühle jedoch kann man nicht direkt sehen oder beeinflussen, sie gehören nur dem eigenen Ich. Wir können glauben, sie hätten sich verändert, obwohl sie dies nicht getan haben, dies ist der Trick von Geistern. Sie manipulieren unsere Gedanken und bewegen sie dazu, unsere Gefühle zu ignorieren. Einfach töten kann sie jedoch nichts. Wenn wir also mit unserem Gefühl das Seil festhalten, dann wird das Band der Liebe unzerstörbar, wir müssen uns nur noch daran erinnern, dass es sie gibt."

„Sie war eine kluge Frau", sagte sie sanft, als sie sie merkte, dass er nicht mehr weiter erzählen wollte.

Sie wusste immer noch nicht, warum Quinn nicht bei ihr war, offensichtlich hatte er Aileen wirklich geliebt. Nicht nur so, wie man es manchmal schnell sagt, sondern wirklich, wie er es eben beschrieben hatte. An welcher Stelle seiner Geschichte tauchte sie auf? Sie wollte nicht, dass er so schmerzvolle Erinnerungen mit sich tragen musste, andererseits wäre er ansonsten wahrscheinlich nicht hier bei ihr.

Wie um sich zu versichern, dass er nun hier war, umschloss sie seine Hand noch etwas fester, er würde ihr den Rest der Geschichte erzählen, wenn er bereit dazu war. Egal was sie enthalten würde, sie würde ihn nach wie vor lieben, als ihren Retter. Seine Geschichte, im Grunde genommen auch Aileens Geschichte interessierte sie, aber längst nicht so stark, als dass sie ihm in irgendeiner Weise weh tun wollte, damit ihre Neugier befriedigt wurden.

In ihren Träumen war sie mit ihm vereint, bis auf alle Zeiten. Krampfhaft versuchte sie Aileen in dieses Bild einzuordnen, auf eine gewisse Art war sie jemand, der die Harmonie zwischen ihr und Quinn erheblich störte. Doch sie konnte sie nicht hassen, obwohl sie es wollte. Er hatte sie geliebt, sie musste etwas Besonderes gewesen sein. Vielleicht würde sie sie eine Tages treffen, auch wenn sie sich nicht vorstellen konnte, wie dieses Treffen ablaufen sollte.

Ihr kam die Erinnerung an die letzten beiden Tage in den Sinn, wie sie Quinn erst vorgestern in einer Taverne getroffen hatte, wie sie ihn mehr aus einem Traum heraus denn bei klarem Verstand gefragt hatte, ob er sie begleitete, die Zusage und schließlich der heutige Morgen. Und nun waren sie ... Was waren sie eigentlich?

Ein Paar? Nein, mit ihrer Lebensgeschichte würden sie nie ein Paar werden. Ein Paar waren Mann und Frau, die eine Familie gründeten, einer Arbeit nachgingen, um ihre Familie zu versorgen. Ein Paar begab sich nicht auf eine Reise, bei der jeder Schritt den Tod bedeuten konnte. Es war das Abbild des bürgerlichen Lebens.

Gefährten? So hätte sie sie vielleicht vor 2 Tagen bezeichnet, als er ihr Angebot angenommen hatte, doch spätestens nach dem heutigen Tag waren sie mehr. Sie hatte schon oft von Leuten gehört, die eine Verbindung mit ihren Reisegefährten eingegangen waren, die langen Tage auf der Straße verlangten nach einem Ausgleich, das wusste sie, hatte es selbst erlebt.

Doch von Anfang an war ihr Sex mehr gewesen, als das. Für sie und für ihn, es war intensiver, umfassender, mehr als ebenjener Sex, den Reisegefährten hin und wieder hatten. Dafür war seit heute Morgen ihre emotionale Abhängigkeit viel zu stark, es hatte etwas in ihr ausgelöst, was sie nicht beschreiben konnte.

Freunde? Sie wusste, dass in einigen Städten sehr offene Freundschaften zelebriert wurden, die im Grunde genommen Alles umfassten, auch die körperliche Liebe. Aber Quinn als Freund zu bezeichnen kam ihr mehr als abwertend vor, auch dafür war er ihr mittlerweile zu wichtig. Freundschaften dieser Art entstanden über lange Zeit, sie hingegen hatte sich wirklich in ihn verliebt.

Vielleicht war ihre Verbindung zu Quinn etwas einzigartiges, was sich nicht mit Worten beschreiben ließ, sich nicht in einen einfachen Begriff zwingen ließ. Für sie würde es jedenfalls niemand anderen mehr geben.

*****

„Du wolltest wissen, warum ich kein Feuer mache, oder?"

Seine Frage zerstörte die vorherige Stimmung vollständig, ließ sie in tausend Teile zersplittern, unwiederbringlich verloren. Doch sie nahm es ihm nicht übel, auch wenn sie es nicht selbst erlebt hatte, sie fühlte sich in solchen Momenten, als spürte sie denselben Schmerz wie er und sie verstand ihn. Mit einem kurzen Kopfnicken bestätigte sie seine Frage.

„In Ordnung, mach es dir ruhig ein wenig bequem, es dauert wahrscheinlich länger als du glaubst."

Mit diesen Worten rückte sie so auf ihn zu, dass sie sich seitlich an ihn lehnte. Ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter, sodass sie jede seiner Bewegungen spürte. Quinn hatte einen Arm um sie gelegt und sorgte dafür, dass ein Feuer für die Nacht unnötig wurde. So saßen sie zu zweit in der Dunkelheit, vor dem Lauf der restlichen Welt versteckt.

Seine Stimme schuf eine wohlige Atmosphäre, sodass sie bald nur noch mit geschlossenen Augen seinen Worten lauschte, die ihr nicht nur die Magie erklärte, sondern ihn ebenfalls als etwas Magisches erscheinen ließen, ein nur für sie sichtbarer Stern, das rettende Ufer in einem sonst endlosen Meer.

„Als Erstes sollte ich dir erklären, dass man mit Feuer etwas viel zu ungenaues ausdrückt. Es erscheint in unzähligen Formen, keins ist wie ein Anderes wie kein Mensch einem Anderen gleicht. Man spricht nicht umsonst von der Seele des Feuers, es ist etwas Einzigartiges.

Dennoch kann man drei Arten von Feuer unterscheiden, die in ihrem Wesen so unterschiedlich sind, dass nur ein Laie sie verwechselt, wie er ein Kaninchen mit einem Hasen oder eine Maus mit einer Ratte vergleichen würde. Eins haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie brauchen einen Nährstoff, eine Grundlage auf der sie brennen können und einen Auslöser, sozusagen eine Mutter, die ihnen das Leben schenkt. Ist es einmal ausgelöst ist es nur dadurch wieder zu vernichten, wenn ihm der Nährstoff geraubt wird, der jedoch unterschiedlicher nicht sein könnte.

Die erste Art ist die Konventionelle, ein Lagerfeuer, wenn du es so nennen willst. Ausgelöst durch einen Funken brennt es so lange, wie man ihm genügend Nahrung bereitstellt, die gesammelten Holzstücke. Es ist die am weitesten verbreitete Art und ist den meisten hinreichend bekannt, sodass sie, wenn sie Feuer meinen, diese Art meinen.

Erelyn
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