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Click hereErst verwundert, ob er etwas falsch gemacht hatte, sah er sie an, doch wieder lächelte sie und zog ihn zu sich, um ihm einen unglaublich intensiven Kuss zu geben. Er fühlte sich wie berauscht, als er ihre Hand an seinem Glied spürte, vorsichtig führte sie es zu ihrem Eingang. Sanft drückte sie ihn mit der anderen Hand auf den Rücken und schaffte es so, wieder über ihm zu knien.
Wieder küssten sie sich, er spürte ihren intensiven Blick, als sie ihm dabei direkt in die Augen sah. Sein Einverständnis erteilte er, indem er mit seiner Zunge ihre umschlang und sie so symbolisch einlud, ganz nah zu ihm zu kommen, ihn in sich aufzunehmen.
Etwas schien in seinem Kopf zu explodieren, als er spürte, wie seine Spitze ihre Schamlippen teilte und langsam in sie eindrang. Es war mit nicht zu vergleichen, mit nichts zu überbieten oder auch nur in die Nähe zu kommen, Wellen der Erregung wurden durch jede Faser seines Körpers geschickt, die ihn beinahe erzittern ließen. Fühlte es sich so an, wenn man im Himmel ankam? Vielleicht, denn etwas Schöneres konnte es nicht mehr geben.
Es schien ihm, als wären mehrere Minuten vergangen, als er vollständig in sie eingedrungen war. Es war, als würden ihn zwei Engelsflügel umarmen, Engelsflügel, die ihn mit Wärme und Geborgenheit versorgten, ihn dabei an den Rand des Wahnsinns bringend. Irgendwo in seinen Gedanken hörte er einen lauten Seufzer von Aileen, anders konnte er die Mischung zwischen unterdrücktem Stöhnen und tiefem Atemzug nicht beschreiben.
Er wusste nicht, woher sie die Kraft nahm, ihr Becken anzuheben, ihm schickte es weitere, nicht enden wollende Wellen durch seinen Körper. Es dauerte einen Moment, bis er sich wieder vollständig unter Kontrolle hatte, er schaffte es sogar, bei klarem Verstand zu bleiben, als sich Aileen wieder senkte.
Langsam wurden ihre Bewegungen schneller, ihr Atem ging mittlerweile nur noch in heftigen Stößen. Er wollte sie unterstützen, ihr genauso die Sinne rauben wie sie ihm, doch bevor er dazu kam, brach sie beinahe unter heftigem Zucken über ihm zusammen und fiel in seine Arme. Ihr ganzer Körper schien völlig außer Kontrolle zu geraten, wie zuvor schon hielt er sie einfach fest an sich gepresst und teilte ihren Höhepunkt mit ihr.
Ihre Säfte schienen sich in einen Sturzbach verwandelt zu haben und überschwemmten seine Erregung. Allein die Gewissheit, dass sie gerade einen extrem intensiven Orgasmus erlebte, brachte ihn seinem eigenen Höhepunkt näher, als er vertragen konnte, gewaltige Schübe wurden durch sein Becken geschickt und ließen seinen eigenen Liebessaft in ihr zurück.
Er spürte, wie ein Teil davon an ihm wieder herablief und letztendlich von dem Laken unter ihm aufgesogen wurden. Er nahm einen tiefen Atemzug, er konnte förmlich schmecken, was er eben mit Aileen geteilt hatte. Ein Winkel seines Verstandes fragte sich, welche Erklärung sie den Lehrern für ihr gemeinsames Fortbleiben vom Unterricht geben würden, doch er verdrängte diesen Gedanken wieder. Keine Lehrstunde der Welt würde es mit diesem Gefühl aufnehmen können.
Behutsam versuchte sich Aileen von ihm zu lösen, doch er entließ sie nicht und sie rutschte nur neben ihn. Ihre beiden Körper waren von einer dünnen Schweißschicht überzogen, die er gestern vielleicht noch abstoßend gefunden hätte. In diesem Moment war Aileens Duft das Schönste auf der Welt und ein weiterer Beweis, wie intensiv dieser Morgen gewesen war. Von nun an teilten sie alles, was man miteinander teilen konnte.
VIII.
Woher nahm sie die Selbstsicherheit, die Legitimation, Quinn über seine Vergangenheit auszufragen? Er war jetzt hier bei ihr, was interessierten sie vergangene Zeiten? Ihre eigene Geschichte war ebenfalls alles andere als ruhmvoll. Im Gegensatz zu Quinn, der es leichtfertig akzeptierte sein Leben vor ihr auszubreiten, hatte sie bisher geschwiegen. Sie hatte Angst, er würde sie dann in einem anderen Licht sehen, Angst, er könnte sie trotz allem verlassen.
Ihr fiel auf, dass Quinn aufgehört hatte zu reden, sie wusste nicht, was er zuletzt gesagt hatte, war mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt gewesen. Hatte er deshalb aufgehört, weil er gemerkt hatte, dass sie ihm nicht mehr zuhörte? Sie schämte sich dafür, nur für sie erzählte er ein Kapitel seines Lebens, welches ihn definitiv noch heute verfolgte, sie hingegen hörte gar nicht erst hin.
Das letzte, was sie in Erinnerung hatte war, dass seine Erzählung manchmal Jahre kurz zusammen gefasst, manche Momente jedoch detailreich wiedergegeben hatte. Diese Momente waren ausnahmslos von Emotionen geprägt gewesen, sie handelten davon, wie er seine erste Liebe gefunden hatte. Und seine letzte, bevor sie gekommen war, wie ihr bewusst wurde. Das hatte er nie gesagt, aber irgendwoher wusste sie es.
„Tut mir leid, ich wollte nicht einfach aufhören..."
Hatte er sich gerade eben wirklich bei ihr entschuldigt, dass er nicht weiter erzählt hatte? Sie war es gewesen, die von ihren eigenen Gedanken abgelenkt worden war, war sie nicht eigentlich diejenige, die ihn ignoriert hatte, nicht er sie?
„Manche Teile der Vergangenheit sind schwerer zu ertragen, wenn man sie wieder in die Gegenwart holt. Dennoch, ich will, dass du die ganze Geschichte hörst."
Sie wollte widersprechen, doch sie kam nicht weiter, als ihren Mund aufzumachen, bevor ihr auffiel, dass sie ihn hier nicht unterbrechen sollte. Es war seine Vergangenheit, nicht ihre, er hatte zu entscheiden, wann er sie erzählen wollte. Dieser Zeitpunkt war jetzt, also war sie an der Reihe einfach nur zuzuhören.
„Kann ich sagen, wir haben an diesem Tag die Liebe entdeckt? Nein, ich glaube, es wäre nicht wahr. Ich glaube, ich habe sie seit dem Tag geliebt, an dem sie neben mir aufgewacht ist, mit 16... Ich will nicht für Aileen sprechen, aber ich weiß, dass es ihr ähnlich ging.
In meinen Jahren in der Söldnerkompanie habe ich viele Menschen gesehen, die dem Tod ins Auge geblickt haben. Selbst wenn wir ein Dorf befreit haben, hatten sie oft Alles verloren, das Einzige, was sie noch hatten, war ihr Leben. In diesen Momenten tendiert man dazu, alle aufgestauten Emotionen, alle versteckten Gefühle nach außen zu schleudern, all die Dinge, die man lange in sich verschlossen gehalten hat, mit dem Versprechen an sich selbst, sie am richtigen Zeitpunkt in der Zukunft freizulassen.
Mit einem Mal scheint einem jedoch die Zeit genommen zu werden, sie scheint zwischen den Fingern zu zerrinnen. Plötzlich ist jeder Zeitpunkt gut genug, das, was man dann sagt, sind oft Worte aus dem Herzen, denn Verstand hat bereits mit sich abgeschlossen. Es mag unterbewusst geschehen, doch mit der Angst, der richtigen Zeitpunkt könnte nie mehr kommen, fallen die inneren Blockaden. Man erzählt Dinge, über die man niemals reden wollte, weil die Furcht, es könnte bald zu spät sein größer wird als die Furcht vor der Reaktion der Anderen.
Ich habe erst später erfahren, was Aileen damals solche Angst gemacht hatte, doch als ich in ihr Zimmer kam, meinte sie jedes einzelne Wort ernst. Wir haben uns nicht an diesem Tag ineinander verliebt, das war viel früher geschehen.
Wir haben nur erst dann gemerkt, was wir wirklich fühlten."
Er ließ eine lange Pause, beinahe hätte sie gedacht, er würde aufhören. Wartete er auf eine Reaktion von ihr, erwartete er, dass sie ihn dafür verachtete, dass seine Erzählung außer Frage ließ, dass seine Gefühle von damals noch nicht vergangen waren?
„Hast du... Habt ihr miteinander...?"
Ihre Frage war taktlos, doch es war ein Punkt, den er geradezu auffällig ausgelassen hatte.
Sie wusste nicht, was für eine Antwort sie erwartet hatte, aber sein direktes „Ja" war keine davon. Vielleicht hätte sie nun enttäuscht sein sollen, ihr wurde bewusst, dass sie ihn seit gerade einmal einigen Tagen kannte und er erzählte davon, dass er mit jemand anderem geschlafen hatte. Aber hatte sie nicht auch ihre eigene, viel dunklere Vergangenheit? Wie sollte sie ihn dafür verurteilen können, auch früher schon geliebt zu haben?
In seinen Worten lag mehr Wahrheit, als er vielleicht selbst ahnte. Die Umstände, wie sie die Liebe zu ihm gefunden hatte, waren alles andere als gewöhnlich. So verschieden seine Vergangenheit auch von ihrer war, so hatte sie doch eines mit ihrer gemeinsam: Sie hatten beide alles verloren, ihre Gefühle zueinander waren letztendlich eine direkte Konsequenz.
Es war eine aus der Not geborene Liebe. Ihre Bindung war deshalb so stark geworden, weil sie niemand Anderes hatte, nicht einmal jemanden, mit dem man reden konnte. Quinn war die Heilung für ihre Einsamkeit gewesen, als sie sich ihm bereitwillig hingegeben hatte, nicht weniger, aber auch nicht mehr, wie ihr bewusst wurde. Sie war natürlich davon überzeugt gewesen, dass sie ihn liebte, doch eigentlich war es nichts weiter als Verzweiflung gewesen, sie hatte Nähe, Vertrauen gebraucht und er hatte es ihr gegeben. War sie nun im Gegenzug bereit, dasselbe für ihn zu tun?
Seine Worte hatten sie nachdenklich gemacht: Wie echt war das, was sie sich gegenseitig gaben? Spielte sie sich nicht nur wieder selbst etwas vor, weil sie nicht akzeptieren wollte, dass sie für immer die einsame, suchende Waldläuferin bleiben würde? Was sollte sie überhaupt glauben, wenn sie nicht einmal sich selbst glauben konnte, wenn sie nicht einmal ihre eigenen Gefühle deuten konnte?
Wieder war sie abgeschweift, war ihren eigenen Gedanken gefolgt, ohne ihm wirklich zuzuhören. Die letzten Worte seiner Geschichte schienen zu schweben, sie einzufangen, vielleicht nur um ihr zu zeigen, dass sie nicht nur auf ihre Zweifel hören sollte.
„Ja, wir hatten etwas mehr als zwei Jahre zusammen, dann musste es enden. Ich hatte meinen Abschluss, bekommen, meine Zeit an der Akademie war vorüber. Weißt du wie es ist, sich über etwas freuen zu müssen, was eigentlich alles zerstört, was man bis dahin hatte?
Noch heute sehe ich meine Meister vor mir: Einer nach dem anderen schüttelt mir die Hand, gratuliert mir zu einem sehr guten Ergebnis, jeder mit einem guten Ratschlag, welchen ich in meinem zukünftigen Leben beachten sollte. Der Einzige, der anscheinend Verständnis für mich hatte war Heralion, ab diesem Zeitpunkt war er nicht länger mein Meister:
„Das Leben beinhaltet viele schwere Entscheidungen, immer wieder gibt es einen Punkt, an dem du glauben wirst, es geht nicht mehr weiter. Als ich damals meinen Ausbildungsort verlassen musste, war ich vielleicht ein wenig älter als du jetzt, aber im Grunde genommen macht dies bei einer Zeitspanne von über zwei Jahrzehnten keinen Unterschied. Du kannst die Zeit nicht aufhalten, aber merke dir eins: Alles, was sie dir nimmt, wird sie dir auch wieder zurückgeben, du darfst nur nicht deine Augen verschließen."
Die schmerzhaftesten Worte hingegen kamen von Aileen, als ich in mein Zimmer kam. Es hat lange gedauert, bis ich sie akzeptieren konnte, aber jetzt weiß ich, dass sie mich wirklich geliebt hat, auch wenn ich es damals nicht verstanden habe. Selbst mit 20 war sie bereits weise:
„Ich möchte, dass du, wenn du in 2 Wochen die Akademie endgültig verlässt, dir eine Frau suchst und mit ihr glücklich wirst. Auch wenn du es nicht verstehen kannst, ich flehe dich an. Wenn du es nicht für dich tust, tu es für mich. Ich will, dass du glücklich bist, dass du jemanden hast, der dich zum Lachen bringt, weil ich dir das dann nicht mehr bieten kann."
Ich konnte es nicht, habe so lange gehofft, mir so lange eingeredet, wir würden uns wieder sehen, bis ich selbst die Hoffnung vergessen hatte und nur noch der Verlust übrig blieb. Es gab Zeiten, da glaubte ich sie hinter jeder Ecke auf mich warten zu sehen, bis ich hinrannte und in die Leere starrte. Es hat lange gedauert, bis ich nicht jedes Mal, wenn ich eine Frau in ihrem Alter sah, einen Stich in der Magengrube spürte.
Gerade hatte ich wieder alles verloren, war nach dem Ende der Söldnertruppe selbst am Ende angelangt. Wieder sah ich die Trümmer meines Lebens vor mir, in dem wieder einmal alles, was ich hatte, in wenigen Wochen zu Staub zerfallen war. Dann bist du aufgetaucht."
Sie konnte nicht anders, als ihn zu umarmen, ihm das zu geben, was ihm so lange gefehlt hatte. Nun wusste sie es, nun wusste sie also, wer Aileen gewesen war. War es das, was sie gewollt hatte? Hatte sie wirklich wissen wollen, warum er mit ihr gekommen war, als sie selber auf der Suche nach einem Halt in ihrem Leben gewesen war?
Noch gestern Morgen hatte sie sich gefragt, warum er einfach alles aufzugeben schien, was er hatte und sie begleitet hatte. Nun wusste sie, dass er nichts aufgegeben hatte, weil es nichts zum Aufgeben gegeben hatte.
Nun wusste sie, dass er genau wie sie wahrscheinlich nach jedem Grashalm gegriffen hätte, sollte er auch nur einen Hauch von Hoffnung verströmen. Im Grunde genommen war sie nichts weiter als dieser Grashalm gewesen, den er ergriffen hatte.
Als wollte sie ihre Zweifel ersticken, küsste sie ihn, es schickte ein wunderbares Gefühl der Wärme durch ihren Körper. Nein, sie war nicht nur ein zufällig ausgewählter Grashalm, sie war tausendmal mehr als das, das ließ er sie mehr als deutlich spüren. Die Umstände waren anfangs vielleicht etwas ungewöhnlich gewesen, aber nun war es an der Zeit das zu sehen, was sie gewonnen hatte.
Es war egal, warum er sie begleitet hatte, oder warum er sie gestern einfach geküsste hatte, völlig entgegen ihrer Erwartung. Sein Verlust würde sie in ein tiefes Loch stürzen, warum arbeitete sie dann beinahe fieberhaft darauf hin? Quinn war alles, was sie hatte, sollte sie es nicht glücklich machen, dass es umgekehrt genauso war?
*****
Noch immer war ihnen niemand begegnet, die Umgebung schien beinahe furchteinflößend still. Hin und wieder zog am Himmel ein Greifvogel seine Kreise, mit wachen Augen nach Beute Ausschau haltend. Die Strecke wurde nicht sonderlich viel genutzt, aber es war trotzdem ungewöhnlich, nicht einmal Reisende anzutreffen. Es verbreitete in ihr ein ungutes Gefühl, das ihr sagte, sie solle vorsichtig sein.
„Wir sollten eine kurze Pause machen, sonst müssen wir uns gleich zwei Tage in Arensfurt ausruhen..."
Sie nickte, bereits nach einer geeigneten Stelle Ausschau haltend. Doch außer der großen Wiese war nichts zu sehen.
„Ich glaube, es ist am einfachsten, einfach direkt neben der Straße Halt zu machen. Es kommt wahrscheinlich sowieso niemand vorbei."
Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, es verschwand jedoch sofort wieder, als sie genauer hinsah.
„Solange kein Bach mit Kies vorhanden ist, ist jeder Platz gut, oder wie?"
Seine Bemerkung spielte eindeutig auf die etwas peinliche Situation vor zwei Tagen an, bei der sie wie ein zehnjähriges Mädchen auf den nassen Steinen ausgerutscht war. Es war das erste Mal gewesen, dass er ihr näher gekommen war, jedenfalls wenn man das so bezeichnen konnte. Sie erwischte sich dabei, dass sie seine Dienste als Heiler gerne wieder in Anspruch nehmen würde. Seine Berührung war ohne Zweifel magisch gewesen.
Zur Antwort lief sie demonstrativ ein paar Schritte neben den Weg und setzte sich ins hohe Gras. Lachend kam er zu ihr und setzte sich neben sie, nicht ohne ihr jedoch vorher einen Kuss in den Nacken zu geben. Würden kleine Dinge wie dieser kurze Kuss fehlen, ihre Zweifel hätten neue Nahrung bekommen. Doch so bestätigte er ihr immer wieder, dass sie nicht nur im wahrsten Sinne eine Notlösung war, vielleicht gab es ja doch ein Schicksal und es hatte gewollt, dass sie sich trafen.
Etwas umständlich kramte sie aus ihrem Rucksack den Wasserschlauch heraus, obwohl es nicht warm war, spürte sie kleine Schweißperlen auf ihrer Haut. Es war nichts Ungewöhnliches, sie waren zusammen beinahe so schnell, wie wenn sie alleine reiste, aber sie benötigten große Mengen an Wasser. Wenn sie nicht spätestens morgen in Arensfurt ankamen, würden ihr die Vorräte ausgehen.
Sie sah zum Himmel, die Sonne vom Morgen versteckte sich mittlerweile hinter einer dicken Wolkenschicht. Sie erinnerte sich daran, dass sie bereits gestern mit Regen gerechnet hatte, es dann jedoch trocken geblieben war. Eigentlich hatte sie lange genug im Wald gelebt, um einigermaßen zuversichtliche Voraussagen machen zu können, aber den Wind konnte auch sie nicht beeinflussen.
„Woran denkst du?"
Er hatte sie dabei beobachtet, wie sie den Himmel angestarrt hatte, die Wolken hatten etwas Faszinierendes für sie. Regen und Sonne waren der Lauf der Natur, sie war damit aufgewachsen. Als Kind hatte sie den Regen geliebt, bis sie einmal starke Halsschmerzen bekommen hatte, weil sie mehrere Stunden draußen geblieben war. Den Fehler hatte sie nicht wiederholt, aber immer noch mochte sie den Regen. Er wusch den Wind und hinterließ einen wunderbaren Duft, der sie an ihre Kindertage erinnerte. Es war eine der seltenen schönen Erinnerungen, deshalb wollte sie sie nicht aufgeben.
„Ich versuche herausfinden, wann es anfangen wird zu regnen...", antwortete sie schließlich.
„Du solltest dich beeilen", sagte er mit einem Lächeln und genau in diesem Moment traf sie der erste Regentropfen auf die Nase. Sie wollte ihn wegwischen, doch er hielt sie davon ab, sodass der erste Tropen langsam bis hinunter zu ihrer Nasenspitze lief und von dort aus ins Gras fiel.
„Es ist wunderschön..."
„Ja..."
Eine Windböe strich über ihr Gesicht, die Spur, die der Regentropfen gezogen hatte wurde zu einer kühlen Linie, doch sie war vollkommen rein. Rein von Einsamkeit oder Gefühlen, sie war einfach da.
„Wir sollten uns wieder auf den Weg machen, es wird sonst heute Abend im nassen Gras etwas ungemütlich."
Sie nickte, hob wieder ihren Rucksack auf die Schultern und verstaute den Rest ihrer Essensration.
„Du hast recht, wenn wir uns ein wenig beeilen, schaffen wir es noch vor Anfang des Sonnenuntergangs."
*****
Mit diesen Worten lief sie wieder in Richtung der Straße, die unter den noch vereinzelten Regentropfen ein interessantes Muster aufwies. Sie wusste, dass es nichts bedeutete, aber es schien, als hätte der Regen ein Zeichen auf den Boden gemalt: Ein Kreis mit einem dicken Kreuz in der Mitte. Normalerweise war dies die unmissverständliche Anweisung, ab hier nicht weiter zu gehen, aber wahrscheinlich bildete sie es sich nur ein. Der Regen konnte nicht zeichnen, oder?
„Ich glaube, in Arensfurt könnten wir auf einige Probleme stoßen."
Sie hatte nicht gemerkt, dass er sich hinter sie gestellt hatte, erst als sie seine Stimme hörte, fuhr sie herum. Er blickte auf dieselbe Stelle, die sie eben betrachtet hatte.
„Es ist nur Regen, der Regen zeichnet keine Symbole, er hat kein Bewusstsein. Es ist nur Zufall, weiter nichts."
Sie wusste nicht, inwieweit sie sich selbst beruhigen wollte, schließlich war Quinn immer noch ein Magier und hatte in diesen Dingen um einiges mehr Erfahrung als sie.
„Der Regen nicht, das stimmt. Das Symbol hat ein Anderer gezeichnet, siehst du?"
Während er dies sagte kniete er sich neben der Stelle auf den Boden, vollführte eine fremdländisch aussehende Bewegung mit seiner rechten Hand und murmelte ein paar unverständliche Worte. Die Regentropfen, die um das Symbol herum auf die Straße gefallen waren, schienen sich auf einmal auf das Symbol zu bewegen, bis sich darüber eine dünne Wasserschicht gebildet hatte. Das Kreuz und der Kreis waren nach wie vor deutlich sichtbar.
„Was hast du gemacht?"
Erst einmal hatte er sie geheilt und Magie gewirkt, davon hatte sie auch schon gehört. Noch nie jedoch hatte sie gehört, dass ein Magier den Regen steuern konnte, noch dass er Magie für so einfache Zwecke einsetzte, nur um ihr etwas zu verdeutlichen, was er längst gesehen hatte.
„Ein keiner Jahrmarktstrick, nichts besonderes. Fest steht, dass es nicht der Regen war, der das Symbol auf die Straße gemalt hat, es war ein Mensch."
Quinn stand wieder auf und lockerte demonstrativ die beiden schweren Streitkolben links und rechts von seinem Gürtel. Genau wie sie ihren Bogen legte er sie normalerweise nur nachts ab.