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Click here„Jemand, der definitiv nicht will, dass wir nach Arensfurt kommen", fügte er grimmig hinzu und drehte sich wieder in Richtung der Straße.
Irgendetwas hatte ihr heute Morgen gesagt, sie solle ihren Bogen spannen, nun stellte sich heraus, dass sie Recht gehabt hatte. Das Einzige, was sie ein wenig irritierte, war die absolute Selbstverständlichkeit, mit der Quinn eventuell in eine Falle lief, woher konnte er wissen, dass er überhaupt eine Chance gegen das hatte, was in Arensfurt auf sie wartete? Von einer Sekunde auf die nächste war er wie ausgewechselt gewesen, als interessierte ihn diese Frage nicht einmal.
Er lief mit langen Schritten die Straße entlang, sie hatte keine andere Wahl als ihm zu folgen, wenn sie hier nicht alleine im Regen stehen bleiben wollte. So lief sie ihm hinterher, nicht wissend, was sie erwartete. Es war lange her, seitdem sie das letzte Mal gezwungen gewesen war, Menschen zu töten, eigentlich hatte sie sich geschworen, dies nie mehr zu wiederholen.
Leicht keuchend holte sie ihn endlich ein und konnte neben ihm nun etwas langsamer laufen. Sein Blick war starr nach vorne gerichtete, wie bei einem Raubtier, dass seine Beute bereits gewittert hat.
„Was ist vor uns? Ich will dich nicht jetzt auf einmal verlieren..."
Sie hatte sich vorgenommen, selbstsicher zu klingen, um ihn nicht auch noch zu verunsichern, versagte dabei jedoch vollständig. Heraus gekommen war mehr ein leises Weinen, das ihr beinahe die Tränen in die Augen getrieben hätte.
So kannte sie ihn nicht, auch wenn das zugegebenermaßen noch nicht lang war. Was war los, dass er scheinbar vollständig den Verstand verloren zu haben schien? Sie hielt ihn an der Schulter fest und blieb stehen, sodass er unweigerlich herumfuhr und ihr mit demselben Blick in die Augen sah, den er beim Laufen aufgesetzt hatte.
„Was ist los?", stammelte sie, der Ausdruck in seinen Augen war beinahe furchteinflößender als ein Sommergewitter in der Ebene.
„Ich will dich doch nur verstehen können!"
Ihre Stimme war zu einem hellen Schrei geworden, der laut über die Ebene schallte.
Seine Gesichtszüge wurden weicher, er wich ihrem Blick aus. Sie versuchte ihn an sich zu ziehen, ihm einen Kuss zu geben, um ihm zu zeigen, dass sie bei ihm war, doch er wehrte sie ab. Als er sprach, hielt er seinen Blick auf den Boden fixiert, als wollte er sie nicht sehen.
„Natürlich... Es tut mir leid.
Ich weiß, was du jetzt denken musst, ich bin quasi vor dir weggelaufen. Es hat nicht mit dir zu tun, glaub mir bitte. Nur... mit unendlicher Wut und dem unbändigen Wunsch nach Rache. Ich weiß, dass solche Gefühle nicht zu kontrollieren sind und dass sie den Tod schneller bringen können, als man erwartet. Sie untergraben jegliche Fähigkeit des logischen Denkens, ich habe es selbst erlebt."
Trotzdem setzte er daraufhin seinen Weg wieder fort, unaufhaltsam wie eine Bärenmutter, die auf der Suche nach ihren Kindern ist. Immerhin passte er seine Geschwindigkeit so an, dass sie nicht neben ihm her rennen musste. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass er zwar wusste, was er eben gesagt hatte, es jedoch gezielt ignorierte.
„Das heißt, du bist dir sicher, dass du das Kreuz mit dem Kreis schon einmal gesehen hast? Ich verstehe nicht viel von solchen Dingen, aber es ist nicht sonderlich komplex, jeder könnte es verwendet haben."
Immer noch flehte sie ihn mehr an, als dass sie es schaffte, ihre Stimmlage zu normalisieren. Was er gesagt hatte, hatte keineswegs die Angst genommen, es hatte sie vielmehr bestätigt.
„Nein, nicht dieses Kreuz. Ja, ich habe es schon einmal gesehen. Es ist quasi der Fußabdruck eines einzelnen Mannes, der bereits das ganze Dorf auf dem Gewissen haben könnte, wenn wir uns nicht beeilen. Er setzt seine Zeichen stets kurz bevor er mit der „Arbeit" anfängt, und das, was du entdeckt hast, roch beinahe noch nach ihm. Noch habe ich Hoffnung, dass ich diesmal nicht zu spät kommen könnte."
„Woher kennst du ihn und wie willst du gegen ihn ankommen, wenn er ein ganzes Dorf vernichten kann? Bitte sag mir nicht, dass du dir das erst überlegst, wenn er vor dir steht und dich mir auf welche Weise auch immer wegnimmt!"
Nach wie vor schaffte sie es nicht, ihre Stimme weder schreiend noch flehend klingen zu lassen, sie unternahm aber auch keinen Versuch mehr, es zu ändern. Es hätte so oder so keinen Zweck.
„So wird es nicht ablaufen."
Seine Stimme war wieder grimmig und entschlossen geworden, mittlerweile dämmerte ihr, dass sie ihn nicht von seinem Vorhaben würde abbringen können. Vielleicht konnte er ihn wenigstens dazu bringen den Grund dafür zu verraten.
„Sag mir wenigstens, warum..."
„Als ich noch der Söldnerkompanie angehörte...", begann er, ließ dann jedoch eine längere Pause, bevor er weitersprach.
„Nun ja, wir haben uns nicht durchgehend mit Ruhm bekleckert. Wir waren damals schon länger auf der Reise, unsere Vorräte wurden knapp und wir hatten nur noch ein paar Goldstücke, um unsere Vorräte aufzufüllen. Das klingt vielleicht viel, eine Armee von beinahe tausend Männern damit zu versorgen ist jedoch schlicht unmöglich. Ein Dorf wie Arensfurt lag vor uns, wir nahmen uns vor, den Bauern dort ein wenig unter die Arme zu greifen, um einen Teil ihrer Ernte zu bekommen.
Eigentlich war von vornherein klar, dass wir sie niemals würden bezahlen können, aber wir marschierten unaufhaltsam in Richtung des Dorfes. Wer sollte uns schon aufhalten, in einem kleinen Dorf? Wie gesagt, auch diese Zeiten gab es, in denen man alles tut, um am Leben zu bleiben. Manchmal bleibt dann keine Gelegenheit mehr, das Leben eines anderen zu schützen.
Das Dorf hieß Hügelfelde, es war im Grunde genau das, was der Name schon sagte: Inmitten von Getreide und Maisfeldern einige Hügel mit Bauernhäusern und einer einzigen Taverne. Etwa zwei Marschstunden vor dem Dorf war genau dieses Zeichen, wir haben es erst genau wie du ignoriert. Als wir ankamen war beinahe jedes Leben ausgelöscht, nur ein kleiner Junge hatte sich mit seiner Schwester in einer Kellernische versteckt. Auf der Straße, die weiterführte, flüchtete ein einzelner Mann.
Ein schrecklicher Zufall, ein Bauer, dem nichts anderes geblieben war, als das Dorf zu verlassen? All diese Fragen gingen uns durch den Kopf, nachdem wir jedoch in den folgenden Monaten durch drei weitere dieser Dörfer kamen, in denen sich dasselbe Bild bot, war die Sache klar: Vermutlich ein Paktmagier streifte durch das Land, alle paar Wochen auf der Suche nach neuen Opfern. Wir haben ihn nie einholen können, nun ist er in greifbarer Nähe. Ich muss ihn zur Strecke bringen, es darf nicht noch weitere Opfer geben."
Seine Stimme blieb die ganze Zeit über seltsam ruhig, auch wenn sie ihm ansah, wie schwer es ihm fiel. Nur ein hasserfüllter Unterton klang kurz an der Stelle durch, als er den anderen Magier erwähnte. Sie hatte schon einmal von einem Paktmagier gehört, man erzählte sich viele Geschichten über sie, sie hatte es bisher jedoch immer als Schauermärchen für kleine Kinder abgetan.
„Ein Paktmagier? Warum bist du dir so sicher? Haben sie nicht einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, wie willst du ihn dann besiegen? Sind das nicht nur irgendwelche Gruselgeschichten, die sich die Leute in den Dörfern erzählen?"
Die ganze Geschichte glitt ihr ein wenig zu weit in die Welt der Fantasie ab, sie unterhielt sich gerade mit ihm über Figuren aus Geschichten, für die sie schon als Siebenjährige nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig gehabt hatte.
„Nun, dass sie einen Pakt mit dem Teufel oder etwas noch Schlimmeren geschlossen haben ist tatsächlich nur eine Gruselgeschichte. Vielmehr sind sie normalerweise von einem simplen Dämon befallen, einen Pakt schließen sie nicht wirklich ab. Sie bekommen nur eingeredet, dass sie um am Leben zu bleiben dem Dämon dienen müssen und nicht andersherum."
Langsam begann sie an seinem Verstand zu zweifeln. Ein simpler Dämon? Sosehr sie ihn liebte, allein diese Formulierung ließ bei ihr ein mehr als ungutes Gefühl zurück. Dämonen waren mächtige Wesen aus anderen Sphären, die die Kraft hatten mit einem einzigen Fingerzeig eine ganze Stadt dem Untergang nahe zu bringen. Man erzählte sich Heldengeschichten, wie die Erzmagier erbitterte Kämpfe gegen solche Wesen in den Anfangstagen dieser Welt ausgetragen hatten, aber auch das hatte sie beinahe restlos für Kindergeschichten gehalten. Wie konnte ein erwachsener Mann an solche Wesen glauben und wie konnte er annehmen, es besiegen zu können?
„Es tut mir leid, ich fürchte, du hast wie alle nur die größtenteils frei erfundenen Geschichten gehört...
Ich weiß, wie sich meine Geschichte gerade anhören muss... Wahrscheinlich hältst du mich gerade für einen achtjährigen Jungen, der begeistert eine Gruselgeschichte erzählt..."
Sie nickte bereits, als er seinen letzten Satz noch nicht einmal zu Ende gesprochen hatte, am liebsten hätte sie es sofort wieder zurückgenommen. Seine Stimme war leise, beinahe traurig gewesen, er erzählte die Wahrheit, dass wusste sie.
Wieder versuchte sie, ihn zu umarmen, doch er wehrte sie nun schon zum zweiten Mal ab. Warum wollte er nicht verstehen, dass sie Angst um ihn hatte, dass sie ihn nur in Sicherheit wissen wollte? Doch das konnte sie ihm so nicht sagen, es würde wie ein frisch verliebtes Mädchen klingen, er würde sie für verrückt und paranoid halten.
Die Straße war unter dem immer stärker werdenden Regen zu einer dunklen Hölle geworden, ihre Kleidung war durchnässte und ließ sie zu einer klebrigen Hülle werden.
„Es tut mir leid... Ich hätte vorher nachdenken sollen, bevor wir...", er brach ab, sah ihr endlich in die Augen und begann von Neuem.
„Ich hätte dir keine Hoffnungen machen dürfen, es war falsch, ich weiß.
Ich jage diesen Magier nun bereits seit mehreren Jahren, aber immer wieder ist er mir entwischt. Das letzte Mal habe ich sein Zeichen vor einem halben Jahr gesehen, ich habe nicht damit gerechnet, es ausgerechnet hier wiederzufinden. Es ist vielleicht das letzte Stück Ehre, was noch übrig geblieben ist."
Er ließ eine Pause, sie traute sich nicht, etwas zu sagen oder ihm zu widersprechen. Sie wusste nun, warum er so sonderbar reagierte, auch wenn er immer noch nicht all ihre Fragen beantwortet hatte, wie die, woran er so zweifelsfrei zuordnen konnte, dass es wirklich das Zeichen jenes Magiers war. Selbst wenn er sicher war, was hatte der Kreis mit einem Kreuz in der Mitte für eine Bedeutung?
„Wahrscheinlich ist es eine aussichtslose Jagd, aber ich bin ihm erst einmal so nahe gekommen wie jetzt, als ich das erste Mal das Zeichen gesehen habe, mit der Kompanie.
Es war das einzige Ziel, das ich über die letzten Jahre noch hatte, aber jetzt..."
„...bist du dabei dem Tod in die Arme zu springen und mich hier einfach zurück zu lassen", ergänzte sie.
Die Bitterkeit in ihrer Stimme war nicht zu überhören gewesen, vielleicht hätte sie doch auf ihre Zweifel hören sollen. Sie war sich gerade darüber klar geworden, dass er den Rest ihres Lebens bei ihr bleiben sollte, nun war er dabei, die letzten Tage einfach so wegzuschmeißen, als wäre nichts passiert. Sie verstand ihn, oder versuchte es zumindest, aber ihr wollte nicht einleuchten, wie er alles, was passiert war einfach ignorieren konnte...
Sollte sie ihn unterstützen, auf seinem Weg in die Hölle? Noch immer war sie der Meinung, es würde ihren sicheren Tod bedeuten, aber vielleicht konnte sie ihn so davon abbringen. Sein eigenes Leben war ihm offensichtlich nichts mehr wert, aber eine Hoffnung wollte sie noch nicht aufgeben: Sie wusste, dass seine Liebe nicht gespielt war, wenn sie ihm nun folgen würde...
„Ich komme mit dir und bringe diesen Magier um!"
Es war mehr Hilflosigkeit, als alles andere, aber was konnte sie schon tun?
„Nein."
Seine Stimme war ungewohnt hart, es klang, als hätte er die Rolle eines Generals angenommen, der gerade einen einfachen Soldat für ein Vergehen zur Rechenschaft zieht. Sie war nie in einer Armee gewesen, aber genau so stellte sie es sich vor.
„Ich gehe dahin, wo du hin gehst. Eine Stammesführerin der Waldläuferinnen lässt sich nicht den Weg verbieten."
Der letzte Satz war ihr gerade eben eingefallen, es war ihr wie eine gute Idee erschienen, um ihren Worten mehr Nachdruck zu verleihen. Wie als hätte er noch über ihre Worte nachdenken müssen, blieb er ein paar Sekunden regungslos, dann zuckte er auf einmal zurück und ging einen Schritt rückwärts, sodass er nun etwas weiter als eine Armeslänge von ihr entfernt stand.
Sie setzte zu einer Entschuldigung an, doch er drehte sich mit einer steifen Bewegung und setzte dazu an, den Weg nach Arensfurt fortzusetzten.
„Natürlich nicht. Du ... Ihr könnt dorthin gehen, wohin ihr wollt. Das Einzige was ich tun kann, ist euch zu warnen, ob ihr den Rat beherzigt ist natürlich nicht meine Entscheidung. Ich werde nicht noch einmal versuchen, einer Stammesführerin wie ... euch etwas vorzuschreiben."
Wünschte sie es sich nur, oder schien es wirklich, als würde er vor ihr davonlaufen?
Seine letzten Worte schienen wie ein Dolchstoß direkt in ihr Herz, am Ende war sie es gewesen, die mit einem einzigen unüberlegten Satz Alles zerstört hatte. Sie war so dumm gewesen, er liebte sie ... hatte sie geliebt. Die ganze Situation kam ihr mehr als vertraut vor, vor zwei Tagen noch hatte sie ihn weggeschickt, mit Worten, die sie nie gemeint, aber doch ausgesprochen hatte. Der einzige Unterschied war nun, dass er nicht stehenblieb, auf etwas zu warten schien. Diesmal ging er einfach fort, vielleicht für immer. Wahrscheinlich würde er den Tod finden, doch sie konnte es nicht verhindern.
Sie erinnerte sich daran, wie sie ihm noch am Morgen erklärt hatte, dass ein Wort tödlicher werden kann, als ein Dolch, erinnerte sich schmerzvoll daran, wie schön es gewesen war, wie selbstverständlich mit ihm zu reisen. Nicht einmal sie beherzigte ihre eigenen Warnungen, wie konnte sie dies dann von ihm erwarten? Ihre für einen Moment perfekte Welt war innerhalb weniger Minuten einfach weggefegt worden.
Gibt es eine Möglichkeit, das Schicksal zu ändern? Eine der Frauen aus dem Ältestenrat, mit denen sie aufgewachsen war, hatte stets behauptet, es sei Nichts zu spät, solange man die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Was aber war, wenn man hoffte, die Hoffnung nicht zu verlieren?
IX.
Was hatte er sich eigentlich gedacht, als er angenommen hatte, Raqash sei tot? Er hatte lange nichts mehr von ihm gehört oder gesehen. Er hatte fest angenommen, der Paktmagier wäre irgendwann seinem eigenen Wahnsinn zum Opfer gefallen, oder er hätte einfach irgendwann den Fehler gemacht, ein Dorf anzugreifen, in dem sich die Menschen mit mehr als nur Heugabeln, Küchenmessern und vielleicht ein einzelner mit einer Holzfälleraxt verteidigten.
Auch wenn er nie rechtzeitig dagewesen war, wenn Raqash sich eines Dorfes bemächtigte, so hatten ihn doch die Aussagen der wenigen Überlebenden und die vielen Geschichten, die Abends in den Tavernen der umliegenden Dörfer erzählt wurden, eine Menge Informationen beschert. Wenngleich diese nicht immer als glaubhaft bezeichnet worden konnten, schließlich war das Meiste nur Hörensagen, so war es doch recht wahrscheinlich, dass ein Detail der Wahrheit entsprach, wenn viele verschiedene Leute aus verschiedenen Dörfern das Gleiche erzählten.
So hatte er herausfinden können, dass der Paktmagier höchstwahrscheinlich wirklich einen echten Pakt eingegangen war, jedoch nicht mit dem Teufel, wie die Leute gerne erzählten, sondern mit einem simplen, niederen Dämon. Sie zu beschwören war nicht außergewöhnlich kompliziert, es dauerte nur seine Zeit. Normalerweise wurden Wesen dieser Art für Spionagezwecke oder Hilfsarbeiten eingesetzt, ein paar wenige jedoch waren durchaus auch als Unterstützung im Krieg geeignet.
Die Form, die Raqash beschworen hatte, war eine dieser Sorte, wenn auch eine harmlose, die ein einzelner Schwertstreich in alle Himmelsrichtungen verteilen würde. Sie konnte jedoch noch etwas außerordentlich gut: Andere Wesen manipulieren und sie zu Dingen überreden, die völlig gegen die Natur ihrer Rasse ging. Starb ein Beschwörer eines Dämons, war dieser frei und darauf spekulierte diese Art.
Der Dämon hatte anscheinend nur die Macht seines Herren unterschätzt, als er ihn überredet hatte, für ein wenig mehr Macht mordend und brandschatzend durch die Dörfer zu ziehen. Durch je mehr Dörfer er kam, desto mächtiger wurde Raqash. Er müsste jedoch nur den Dämon töten, alles andere würde sich von selbst erledigen. Der Paktmagier war ohne Frage mittlerweile so von seinem Begleiter abhängig, dass ihn dessen Tod mit in dessen Sphäre ziehen würde, dort hätte nur noch eine außerordentlich kurze Lebensspanne.
Aus diesem Grund setzte er auch penibel vor jedem Angriff das Zeichen vor die Siedlung. Nicht als Warnung, sondern weil es die Bannform für den Dämon war, ihn noch ein wenig länger hier in dieser Welt zu halten. Das Kreuz war im Grunde genommen nichts weiter als eine effektive Tarnung, die sich zufällig gut in die Formel selbst einfügte.
Sein Zeichen war unverwechselbar, er hatte das Wesentliche, die Inschrift, vorsorglich mit seinem Wassertrick vor Daria verborgen. Nein, nicht vor Daria, vor der Stammesführerin, verbesserte er sich selbst. Sie hatte ihm unmissverständlich klargemacht, dass sie nach wie vor eine durchaus beachtliche Position bekleidete, egal wie die äußeren Umstände gerade waren.
Vielleicht war es besser so, vielleicht würde sie jemanden finden, der besser auf sie aufpassen konnte als er. Womit sollte er sie überhaupt ernähren können? Er konnte ihr nicht das Geringste bieten, er war ein einfacher Tagelöhner, alles andere wäre gelogen. Für ihn selbst hatte es stets gereicht, die Suche nach Raqash hatte ihm ein Ziel gegeben, einen Grund, sein Dasein nicht als sinnlos zu bezeichnen.
Er hatte keine Minute seinen Verstand benutzt, als er sie geküsst hatte. Er hatte mit ihr geschlafen, ohne eine Sekunde daran zu denken, was das für sie bedeutete. Natürlich, er hatte sie wirklich geliebt, tat es immer noch, das gab ihm aber noch keinen Grund, sein Handeln damit zu rechtfertigen. Er hatte überlebt, weil er tötete, weil er andere Leben zerstörte. Das war bestimmt nichts, was er ihr antun wollte. Alles, was er tat, schien selbstverständlich notwendig, das war das Einzige, worauf er noch achtete, aber gerecht war es nie. Jede Handlung forderte seine Opfer, entweder sichtbar, wie ein ausgelöschtes Leben, oder unsichtbar in der Seele eines Anderen, wie die Heilung von Darias Hand, die ihr am Ende nur falsche Hoffnungen eingebracht hatte.
Er bestimmte über das Leben eines anderen, als wäre er der Tod selbst, vor diesem Hintergrund konnte er kaum hoffen, jemals gut genug für eine Frau zu sein. Zwei ganze Tage lang hatte er es geschafft, all das zu ignorieren, sich selbst einzubilden, sie könnte ihm helfen. Nun sah er, wie naiv er gewesen war, niemand würde an ihm etwas ändern können.
Ein bitteres Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Als sie vorhin gesagt hatte, Paktmagier hätten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, hatte ihn das an eine Geschichte erinnert, die ihm einer seiner Lehrmeister erzählt hatte. Sie handelte von einem Helden in schillernder Rüstung, endlosem Mut und dem Herz eines wahren Helden:
Thorald war der jüngste Sohn des Königs. Sein ältester Bruder Fugal würde einmal das Königreich übernehmen, sein zweiter Bruder Lajen hatte die Tochter von Frejon, geheiratet. Die Tochter war Frejons einziger Nachkomme, so würde Lajen mit ihr zusammen die Herrschaft über den Handel in der Stadt übernehmen, welcher im Moment noch der Aufsicht von Frejon unterlag.
Er hingegen hatte zu seinem 18.Geburtstag eine Ritterrüstung von seinem Vater bekommen, um seine Ausbildung abzuschließen. Von seinem eigenen Vater war er zum Ritter geschlagen worden, später würde er unter seinem eigenen Bruder dienen. Immerhin war er als Königssohn stets der Ehrengast an der Tafel, würde mit einer wunderschönen Frau verheiratet werden und für sein Vaterland kämpfen.