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Click hereAn dem Tag, an dem die Geschichte beginnt, stand Thorald am Haupttor Wache. Normalerweise war dies keiner seiner Aufgaben, aber Prevel hatte sich heute krankgemeldet und die meisten Wachen begleiteten seinen Vater auf einem offiziellen Besuch in das benachbarte Königreich. In der Ferne kam ein einzelner Mann im Galopp auf das Haupttor zugeritten. Wie es seine Pflicht war, ging er diesem etwas entgegen, um nach seinem Begehr zu fragen.
Es war ein Bote, der aus vollem Galopp knapp vor ihm abbremste und er überbrachte eine Schreckensnachricht: Die schöne Prinzessin von Truven war von einem Mann entführt worden, der mit dem Teufel im Bunde stand. Er hatte mit seiner verderbten Magie alle Wachen getötet und war mit der Prinzessin in sein Versteck südlich von der Stadt geflohen.
Natürlich veranlasste Thorald sofort alles Nötige, um die Prinzessin zu retten und stellte eine Truppe aus den Eliterittern zusammen, die den bösen Magier töten sollten und die Prinzessin zurückbringen. Er selbst kleidete sich in die silberne Rüstung und rüstete sich mit einem kleinen Metallschild und einem mächtigen Stahlschwert.
So ritten er und die zehn besten Krieger seines Landes dem Versteck des Teufels entgegen, nicht ahnend, was sie dort erwarten würde. Nach zwei Stunden waren sie an der Höhle angekommen, die der Bote beschrieben hatte, die zehn Krieger warteten nicht eine Sekunde und stürmten mit erhobenen Schwertern und einem Kriegsschrei hinein.
Kurze Zeit später hörte Thorald den eindeutigen Todesschrei einer der Krieger, wenige Sekunden später einen zweiten. Bevor er nachsehen konnte, was dort in der Höhle vor sich ging, rannten die verbliebenen acht so schnell sie konnten wieder heraus und verschwanden über alle Berge. „Niemals werde ich mich mit dem Teufel persönlich anlegen!", rief ihm noch einer zu, dann war er allein.
Erst unschlüssig, was er tun sollte, stieg er von seinem Pferd ab, als er von drinnen ein leises Wimmern hörte. Es musste sich um die Prinzessin handeln! Ohne zu überlegen rannte er nun selbst in die Höhle, um die Prinzessin vor dem Ungeheuer zu bewahren. Kaum hatte er ein paar Schritte getan, da hörte er schon eine dunkle Stimme, es klang, als würde der Donner mit ihm sprechen:
„Ha! Wer ist immer noch dumm genug, mich besiegen zu wollen? Ich bin allmächtig, du kannst nichts dagegen tun, dass ich die Prinzessin zu meiner Frau nehme!"
Unbeirrt stürmte Thorald in die Höhle, auf einmal stand das Monster direkt vor ihm. Es war weder Mensch noch Tier, am ehesten würde man es wohl als übergroßen Stier auf zwei Beinen beschreiben, welcher mit seinem brennenden Schwanz keine Fliegen sondern Menschen zerquetschte oder verbrannte, je nachdem, was schneller ging.
Mit einem einzigen Hieb seiner Vorderpranke schlug das Untier ihm den Helm vom Kopf.
„Damit ich dich wenigstens sehen kann, wenn ich dich töte!", lachte es und ließ sich ein Stück nach vorne fallen.
Im Augenwinkel erkannte Thorald die Prinzessin, sie war mit einem dicken Seil gefesselt worden und blickte ihn mitleidig an.
Flammen umzüngelten ihn, als er sein Schwert zog, mit seinem Schild blockte er einen Hieb des Monsters. Er führte eine Finte aus, stach das Schwert bis zu Anschlag in die Brust des Ungeheuers, doch es lachte nur, zog es mit beiden Pfoten wieder heraus und schmiss es in die Ecke, in der die Prinzessin gefangen gehalten wurde, während sich die Wunde vor seinen Augen verschloss.
„Armes Menschlein, glaubt doch wirklich, es könnte mich töten. Ich bin unsterblich! Ich bin allmächtig!"
Ein einziger Prankenschlag beförderte Thorald neben die Prinzessin, sodass er mit der linken Hand wieder sein Schwert zu fassen bekam.
„Ja genau, such nach deiner Waffe! Du bist amüsant, ich lasse dich noch ein wenig am Leben. Es ist lange her, seitdem mich jemand so gut unterhalten hat! "
Thorald achtete nicht auf den Spott des Monsters und schlug mit seinem wiedererlangten Schwert unermüdlich auf es ein. Doch sosehr er sich bemühte, jede Wunde schloss sich vor seinen Augen in Sekundenschnelle, er hatte nicht den Hauch einer Chance. Für einen kurzen Moment hatte er es sogar geschafft, eine Pranke abzutrennen, doch mit der zweiten hielt sich das Untier diese wieder an die verletzte Stelle und ebenso schnell wie der Rest heilte auch diese Wunde.
Doch Thorald dachte nicht daran aufzugeben und so kam ihm eine Idee: Er täuschte einen Frontalangriff an, wich dann jedoch zur Seite aus und durchtrennte eine der Fußfesseln der Prinzessin.
„Was machst du denn? Du sollst mit mir spielen und nicht mit meiner zukünftigen Frau!", polterte es, stapfte zur Prinzessin und wollte die Fesseln wieder anlegen.
Kaum war die Höllenkreatur abgelenkt, griff Thorald sein Schwert mit beiden Händen und schlug ihr mit einem mächtigen Hieb den Kopf ab.
Und fortan regierte er mit der klugen und schönen Prinzessin an der Seite das Land Truven. Er wurde ein weiser König, denn er war derjenige, der nicht aufgegeben hatte, als die Lage noch so aussichtslos erschienen war. Er war derjenige, der todesmutig das Leben der Prinzessin gerettet hatte.
Dies ist die Legende von Thorald Teufelsschlächter. Lass niemals dein Ziel aus dem Auge und verliere nie die Hoffnung. Glaube an dich selbst, dann kann selbst der Teufel persönlich dir nichts anhaben!
*****
Sooft er auch darüber nachdachte, er würde Raqash nun endlich gegenübertreten und den Schrecken beenden. Die Legende hatte ihn gelehrt, nicht aufzugeben, so würde er auch seine Suche nicht aufgeben. Er würde ihn besiegen, für all die ausgelöschten Leben, die durch das Wirken des Paktmagiers vor ihrer Zeit diese Welt verlassen mussten. Für seine ehemalige Kompanie, die bis zum Ende ihr Ziel nicht erreicht hatte. Für ihn, um endlich Ruhe zu finden.
Er zwang sich, nicht noch einmal über die Schulter zurück zu sehen, als er mit schnellen Schritten auf Arensfurt zulief. Es würde ihn nur ablenken, er durfte jetzt nicht an Daria denken. Vielleicht hätte er früher etwas daran ändern können, dass er sie nun wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen würde, aber nun war es zu spät. Sie hatte Recht gehabt, sie hatte sosehr Recht gehabt, als sie auf ihre Position als Stammesführerin verwiesen hatte.
Dass sie die letzte Überlebende ihres Stammes war, jedenfalls, soweit sie es ihm erzählt hatte, spielte bei dieser Frage nur eine untergeordnete Rolle. Er hatte es vorher gewusst, die Vernunft ignoriert und bekam am Ende die Quittung dafür. Er hatte kein Recht sich zu beschweren, er würde die Zeit in Erinnerung behalten, als sie zusammen glücklich gewesen waren. Fiel ein Abschied schwer, so bedeutete dies immer, dass die Zeit davor schön gewesen war. Warum also nur den schweren Abschied im Gedächtnis behalten?
Weil dieser die Zeit davor zu früh beendet hatte, beantwortete er sich seine Frage. Egal, was er sich vornahm, die letzten Minuten und Sekunden würden immer diejenigen sein, die sich in sein Gedächtnis einbrennen würden. Noch war die Erinnerung frisch, doch schon in ein paar Monaten würde der Gedanke an Daria nur noch ihre letzten Worte wieder hervorrufen: Sie war eine Stammesführerin, er war ihr nicht gewachsen.
Mit einem kurzen Kopfschütteln versuchte er, seine Gedanken endlich zu vertreiben. In Selbstmitleid verfallen konnte er auch noch später, jetzt war Raqash seine Aufgabe. Wenn er nicht wieder zu spät kam, würde heute endlich alles enden. Sein Lebensziel wäre erreicht, was gab es dann noch zu tun? Nichts, so wie in den Tagen, bevor er Daria getroffen und Raqash für tot gehalten hatte.
Automatisch beschleunigte er seine Schritte, als würde er vor etwas davonrennen wollen. Wenn er so weiter machte, würde er bereits völlig erschöpft in Arensfurt ankommen. So ausgelaugt der Paktmagier auch von seinem Ritual sein sollte, er würde ihn vielleicht noch auslachen, bevor er ihn gleich mit umbrachte. Vor was lief er davon? Hinter ihm war nichts mehr, nur die Vergangenheit.
Rannte er vor Daria davon? Sie war für immer aus seinem Leben verschwunden, sie würde ihm nicht folgen. Selbst wenn, sie bedeutete nichts mehr, sosehr dieser Gedanke auch schmerzte. Sie war der Schatten der letzten Tage, er musste sie nicht fürchten. Sie jagte ihn nicht, warum rannte er also? Er wusste es nicht, fest stand nur, dass er zwischen dem, was hinter ihm lag und ihm selbst möglichst schnell möglichst viel Abstand bringen wollte.
Mit schwerem Atem rannte er die Straße entlang, es dauerte lange, bis er sich zwingen konnte, langsamer zu gehen. Am Horizont kamen kleine Rauchsäulen in Sicht, endlich, sein Ziel war in Sichtweite. Von hier sah alles noch normal aus, die kleinen Rauchsäulen stammten höchstwahrscheinlich aus den Schornsteinen der Häuser, Holz zum Heizen gab es hier in der Gegend wieder genug. Noch war nichts zu sehen, aber wusste, dass kurz hinter dem Dorf einer der größten Wälder des Landes begann.
Nun wieder mit normalem Tempo näherte er sich dem Dorf, der Weg bildete nur noch eine schmale Schneise zwischen zwei Feldern hindurch. Langsam kam das erste Haus in Sicht, es stand etwas abseits, wahrscheinlich der Hof, der die Felder neben der Straße bewirtschaftete. Etwas vorsichtiger näherte er sich dem Haus, manche Bauern waren etwas vorschnell mit einer Axt zur Hand, wenn sich ein allein reisender Mann mit kampfgeeigneter Ausrüstung näherte. Im Allgemeinen war es nicht allzu schwer, sie davon zu überzeugen, dass sie gegen einen ausgebildeten Soldaten keine Chance hätten, aber Vorsicht war stets geboten.
Etwa zweihundert Schritte weiter ging ein kleiner Feldweg von der Straße ab, der geradeaus zum Haus führte. Bis jetzt war er noch niemandem begegnet, also beschloss er, dort einmal anzuklopfen. Bei einem etwas abgelegenen Bauernhof war es nicht zu unwahrscheinlich, dass Raqash ihn links liegen gelassen hatte, vielleicht konnten die Bewohner ihm ein paar Informationen geben und wenn nicht, so wusste er wenigstens sicher, ob sie noch lebten.
Der Feldweg endete nach etwa 150 Schritt am Stall, ein paar Meter daneben befand sich eine Tür zum Haus. Er klopfte an und wartete einen Moment. Niemand öffnete ihm, so versuchte er es noch einmal etwas kräftiger. Das Holz knackte ein wenig, aber immer noch gewährte ihm niemand Einlass. Leise versuchte er die Tür zu öffnen, doch diese nahm jeden Sinn aus dieser Aktion, indem sie mit einem unüberhörbaren Quietschen aufschwang.
„Hallo, ist hier jemand?", rief er laut in das Haus hinein.
Wieder antwortete ihm niemand, also trat er ein und schloss die Tür hinter sich. Sollte der Paktmagier doch...? In den letzten Dörfern hatte er sich an der Dorfmitte ausgelassen, die Bauernhöfe am Rand jedoch verschont. Mehr aus Routine überprüfte er, ob seine beiden Streitkolben locker in der Halterung saßen, nach kurzem Zögern nahm er schließlich den linken in die Hand.
„Hallo!", rief er noch einmal, wieder hörte er keine Antwort.
Er betrat den Raum, den man wahrscheinlich als Wohnzimmer bezeichnen würde, faktisch war es ein relativ kleiner Raum mit einem Holztisch in der Mitte und einer Kommode unter einem kleinen Fenster gegenüber des Tisches. Es wirkte beinahe, als wäre es am Morgen ganz normal verlassen worden, nur ein einziges Detail passte nicht zu dieser Theorie: Noch nicht mal eine Decke, ein Bild oder ein Teller lag in diesem Raum, es gab nur die Möbel, nichts weiter.
Probeweise öffnete er ein Fach der Kommode, auch dieses war komplett leer.
„Gib's auf, heute Morgen war schon 'n anderer da. Du wirst hier nich'mal 'ne Ameise finden, weil selbst die hier verhungern würd'..."
In einer blitzschnellen Bewegung fuhr er herum, entspannte sich jedoch sofort wieder, als er einen Mann im mittleren Alter mit müdem Gesichtsausdruck im Türrahmen lehnen sah.
„Ich bin kein Dieb -- sonst hätte ich wohl kaum mehrmals laut gerufen", verteidigte er sich.
Im Inneren freute er sich sogar, trotz seiner kurzzeitigen Befürchtung war dieser Mann noch am Leben und wenn der Mann noch am Leben war, so war es relativ wahrscheinlich, dass dasselbe für seine Frau und die Kinder galt, auch wenn er nach wie vor keine Ahnung hatte, wo diese sich befanden. Auf dem Feld hatte er niemanden gesehen.
„Wärst erstaunt auf welche Ideen dieses Gesindel manchmal kommt", antwortete der Mann, während er sich vom Türrahmen abstieß und mit ausgestreckter Hand auf ihn zuging.
„Ich bin Warren, was verschlägt dich in diese einsame Gegend?"
„Quinn", stellte er sich einsilbig vor und reichte Warren ebenfalls die Hand, die dieser mit festem Griff schüttelte.
„Wie ich hier herkomme ist eine lange Geschichte..."
„Nun ja, alles kann man kurz machen, oder? Aber jeder hat seine Geheimnisse, ich versteh' schon, wenn du nich' jedem Fremden deine Herkunft verrätst. Ich wüsst' trotzdem gern, was du in meinem Haus machst."
Warrens Stimme war kräftig, obgleich sein wettergegerbtes Gesicht verriet, dass er den Großteil des Tages der Sonne ausgesetzt war. Vom Auftreten her, hätte er dem typischen Bauer nur noch näher kommen können, wenn er etwas weniger muskulös wäre.
„Ich vermute, dass sich ein mächtiger Magier auf den Weg nach Arensfurt gemacht hat, der eventuell vorhat, fast die gesamte Dorfgemeinschaft in das nächste Leben zu führen... Habt ihr einen einzelnen, vermutlich etwas gebrechlich aussehenden Mann die Straße langkommen sehen?"
So wertvoll es war, vielleicht ein paar Informationen zu bekommen, so musste er doch aufpassen, was er Warren erzählte. Mit seiner Aussage hatte er sich schon weit aus dem Fenster gelehnt, viele Menschen reagierten bereits misstrauisch, wenn man überhaupt nur einen Magier, egal welcher Sorte, erwähnte. Mal davon abgesehen, dass er Warren gerade eröffnet hatte, der Großteil des Dorfes könnte sterben oder bereits gestorben sein.
„Hm, lass mich 'nen Moment überlegen..."
Warren war zum Glück keiner von dieser Sorte, aber irgendetwas war an diesem Mann merkwürdig. Wo war seine Familie, warum schien er so unbekümmert, obwohl er geradezu nichts mehr zu besitzen schien?
„Ach, bevor ich's vergesse: Du fragst dich wahrscheinlich, warum ich mit Dieben so unbekümmert umgehe, oder?"
Konnte der Mann Gedanken lesen? Eigentlich hatte er immer gedacht, dass man ihm nicht so einfach ansehen konnte, was er dachte, wie dies gerade geschehen war. Vielleicht war es aber auch einfach nur Zufall. Langsam wurde er ein wenig paranoid. Er nickte schließlich als Antwort auf Warrens Frage.
„Sag'n wir, ich bin dran gewöhnt. Wenn meine Familie mit mir tagsüber auf dem Feld arbeitet oder so wie heute mit dem Karren in der Stadt ist, lass'n wir normalerweise nix im Haus zurück. Wenn ich einen erwisch', steht der dann normalerweise mit leeren Händen da und bekommt eins mit der Mistgabel übergebraten."
Der Mann schien wirklich seine Gedanken zu lesen wie ein offenes Buch, obwohl er wahrscheinlich noch nicht einmal lesen konnte. Wie selbstverständlich hatte er auch die Zweifel über den Verbleib seiner Familie ausgeräumt, mittlerweile waren das seiner Erfahrung nach ein bisschen zu viele Zufälle.
„Un' wegen dem alten Mann:", fuhr Warren unbekümmert fort,
„N' einziger kam hier heut' noch nich' vorbei. Aber einer, der auf die Beschreibung passen könnte, mit 'nem Jüngeren, wahrscheinlich sein Sohn oder so."
„Wie lange ist das etwa her?"
„Hm, 's hat grad' angefangen zu regnen, ich würd' sagen ein oder zwei Stunden. Wie'n Magier sah mir der alte aber nich' aus. Hat für mich 'nen bürgerlichen Eindruck gemacht."
„Danke, Warren. Ich mache mich dann jetzt besser auf den Weg ins Dorf."
Er steuerte geradewegs auf die Tür des Bauernhauses zu und wollte seine Ankündigung in die Tat umsetzten, aber Warren hielt ihn fest.
„Was willst'e denn von dem alten Mann? Ihn umbringen, oder was? Dann komm' ich mal besser mit, nich', dass du noch irgendwelchen Unsinn machst."
„Ich glaube, das ist keine gute Idee. Ihr könntet sterben!"
Ein Bauer, der den Kampf beinahe sucht? Er hatte ihm von einem Magier erzählt und diesem Mann fiel nichts Anderes ein, als ihn dabei zu begleiten, diesen zu töten? Warren war kein Bauer, soviel stand fest. Vielleicht gehörte ihm jetzt der Hof, aber so reagierte niemand, der bei klarem Verstand war darauf, dass er sterben könnte. Es wäre vielleicht noch erklärbar gewesen, würde Warren blindlings in das Dorf rennen wollen, aber er blieb viel zu ruhig, als dass es in irgendeiner Form normal war.
Es könnte noch schwierig werden, schließlich hatte er vor gehabt, selbst Magie einzusetzen. Wenn Warren dabei in Sichtweite war, konnte das seinen Tod bedeuten, irgendwie hatte er das Gefühl, dass Warren nicht zum ersten Mal auf die Jagd nach einem Magier ging. Es war die einzige halbwegs plausible Erklärung, die ihm für Warrens Verhalten einfiel. Er schien einen ausgeprägten Hass auf Magier aller Art zu haben, zeigte diesen jedoch nicht, sondern tötete sie kaltherzig. Es könnte jedoch diesmal böse enden, er hatte ihm nicht erzählt, dass Raqashs Begleiter wahrscheinlich eine Illusion des Dämons war, um sich zu tarnen.
Warren war kurz in einem Hinterzimmer verschwunden und kam nun mit einem mächtigen Zweihandschwert in den Händen wieder zurück. So etwas besaß kein Bauer. Zu seiner Verwunderung schien es auch außerordentlich gut gepflegt, wenngleich man die eine oder andere Scharte an der Schneide erkennen konnte.
„Los geht's."
Mit schweren Schritten ging er an ihm vorbei durch die Eingangstür, als hätte er in seinem Leben noch nie etwas anderes getan.
Ein paar schnelle Schritte genügten, um zu Warren aufzuschließen, sodass er nun neben ihm lief.
„Wer in aller Welt seid Ihr? Jedenfalls kein Bauer."
Vielleicht war es unklug, ihn damit zu konfrontieren, aber wenn schon jemand an seiner Seite kämpfte, war es hilfreich zu wissen, wer dieser jemand überhaupt war. Besonders, wenn man den Verdacht hatte, dass dieser jemand nicht nur den Tod der Feinde, sondern auch seinen eigenen verursachen könnte.
„Und wer bestellt dann die Felder, wenn nicht ein Bauer?"
Er spielte mit ihm, aber in den wenigen Minuten, bis sie das Dorf erreichten, musste doch etwas zu machen sein.
Bevor er jedoch weiter nachhaken konnte, formten sich Warrens Mundwinkel zu einem breiten Lächeln.
„Na gut, hast recht. Bin vor 'n paar Jahren aus der Armee ausgetreten. Hab meine Dienstzeit mehr als erfüllt und den Hof von meinem alten Herrn übernommen, der dann kurz drauf gestorben is'. Hier hab ich jetzt 'n Haus und 'ne Frau, was will ich mehr?"
„Vielleicht dein Leben noch ein paar Jahre genießen und nicht an einen alten Mann verlieren?", schlug Quinn vor. Seine Geschichte klang im Groben einigermaßen plausibel, jedenfalls soweit, dass er beschloss, ihn nicht bei jedem Schritt beobachten zu müssen.
„Glaub mir, ich hab schon mehr von der Sorte in die Hölle gebracht, als du dir vorstellen kannst. Ich brauchte so wie so mal wieder was zu tun. Wie steht's mit dir? Warum is' dir dein Leben nix mehr wert?"
Dass nicht Quinn sondern Warren derjenige war, der sich die Anzahl der Getöteten nicht vorstellen konnte, würde er ihm nicht unbedingt direkt auf die Nase binden. Genauso wenig, wie er ihm erzählen konnte, dass er ebenfalls ein Magier war, wenn auch eher einer, der sich der Heilung und weniger der Zerstörung verschrieben hatte. Aber dieser Unterschied würde Warren wohl kaum interessieren, bevor er ihn mit seinem Zweihandschwert köpfte.
„Ich war ebenfalls ein Soldat. Dieser Magier ist extrem gefährlich, er hat schon mehrere Dörfer ausgelöscht, deshalb will ich ihn töten", antwortete er trocken. Dass er Soldat gewesen war, stimmte nicht ganz, aber das musste Warren ja nicht wissen. Über Raqash hatte er auch den Großteil weggelassen, aber es war für den Moment wahrscheinlich besser so.
Er war beinahe froh, endlich den Dorfeingang zu erreichen, Warren war Meister darin, unangenehme Fragen zu stellen. Wäre da nicht der beißende Geruch von verbranntem Fleisch gewesen, hätte das Dorf friedlich gewirkt. So allerdings verhieß es nichts Gutes.