Swipe, um zu sehen, wer jetzt online ist!

Erinnerungen 03

Story info
Erotische Geschichte mit viel Fantasy und Sex.
40k words
4.59
10.8k
0

Part 3 of the 3 part series

Updated 03/18/2021
Created 04/19/2013
Share this Story

Font Size

Default Font Size

Font Spacing

Default Font Spacing

Font Face

Default Font Face

Reading Theme

Default Theme (White)
You need to Log In or Sign Up to have your customization saved in your Literotica profile.
PUBLIC BETA

Note: You can change font size, font face, and turn on dark mode by clicking the "A" icon tab in the Story Info Box.

You can temporarily switch back to a Classic Literotica® experience during our ongoing public Beta testing. Please consider leaving feedback on issues you experience or suggest improvements.

Click here
Erelyn
Erelyn
14 Followers

Erinnerungen 3 -- Fire

XI.

Jeder Schritt trieb ihr einen schmerzverzerrten Ausdruck ins Gesicht, jeder weitere Atemzug fühlte sich an, als würde sie Feuer trinken. Zu einem normalen Gedanken war sie schon lange nicht mehr fähig, ihr Kopf schien durch eine riesige Eisenkugel ersetzt, von der Sorte, wie man sie Gefangenen an die Füße band, damit sie nicht auf die Idee kamen zu fliehen. Eine beinahe unerträgliche Last, die sie nicht ablegen konnte.

Mit dem linken Fuß stieß sie an etwas Hartes, stolperte und konnte sich nicht mehr halten. Ihre Muskeln schienen ihr den Dienst zu verweigern, als würden sie abstreiten, noch länger ein Teil von ihr zu sein. Eine schier unglaubliche Kraftanstrengung verwendete sie für den Versuch, ihren Fall abzufangen, es brachte ihr jedoch nichts ein, außer ein paar weitere Schürfwunden an ihren Händen und Unterarmen.

Sie spürte, wie etwas Warmes über ihr Bein floss, als sie versuchte sich aufzurichten, über Fußgelenk und nackte Füße den Boden erreichte. Als sie es schließlich geschafft hatte, wieder zum Stehen zu kommen, betrachtete sie es geistesabwesend. Eine Blutspur war daran zu erkennen, doch sie spürte keine Schmerzen. Jedenfalls nicht mehr als an ihrem restlichen Körper. Für einen Moment fragte sie sich, woher das offensichtlich frische Blut stammte, dann fiel ihr Blick auf das Hindernis, über das sie gestolpert war. Es war das Bein eines Menschen, auf eine Weise vom dazugehörigen Körper abgeknickt, die alles andere als natürlich war. Wahrscheinlich war er tot, obwohl es natürlich immer sein konnte, dass er einer der unsäglichen Pechvögel war, die überlebten und mit nur noch der der Hälfte ihrer Körperteile aus dem Krieg zurückkehrten. Sie hatte nicht die Kraft, um sich von Ersterem zu überzeugen. Stattdessen schleifte sie sich einfach weiter, Hauptsache weg von diesem Ort.

Hinter sich hörte sie eine Stimme, die ihren Namen rief. Es klang erschöpft und ein wenig heiser, bemühte sich jedoch deutlich, es zu überspielen. Es war eine tiefe, männliche Stimme, die sie entweder Cyril oder Vural zuordnete. Die beiden gehörten wie sie zur Kompanie von General Sygol, einem grobschlächtigen Mann mit einem befehlsgewohnten Auftreten, doch seine Führungsqualitäten waren unumstritten. Auch wenn sie sich nicht sicher war, ob es nicht besser gewesen wäre, er hätte sie in den Tod geschickt und so das Elend ein für alle Mal beendet.

Ein bitteres Lächeln überspannte ihre Lippen, dabei riss eine Wunde an der Wange wieder auf und begann zu bluten. In Zukunft würde Sygol sie nicht mehr anführen, dergleichen taten Tote nicht. Sie hatte gesehen, wie er gefallen war, seine Leiche, falls sie überhaupt noch als solche zu identifizieren war, würde für alle Zeiten sein einziges Überbleibsel bleiben.

Die Stimme hinter ihr rief abermals ihren Namen, endlich blieb sie stehen, ohne jedoch nachzusehen, ob es sich wirklich um Cyril oder Vural handelte. Sie stand einfach nur da, wie ein kleines Mädchen, das den Weg nach Hause nicht mehr kannte. Mit dem Unterschied, dass kleine Mädchen nicht den gesamten Körper mit Blut bedeckt hatten, von dem sie nicht einmal sagen konnten, ob es sich um ihr eigenes handelte.

Nein, sie war kein Mädchen mehr, diese Zeit war schon lange vorbei. Zu lange. Die Ereignisse der letzten Jahre hatten sie gezeichnet, sie war nicht mehr die schöne, zerbrechliche Frau von damals, als sie die Akademie verlassen hatte. Sie war zu dem geworden, was sie immer verabscheut hatte.

Würde sie sich selbst begegnen, sie hätte Angst. Angst vor ihrer eigenen Erscheinung, dem Ausdruck in ihren Augen, welcher den Tod geradezu herbeizurufen schien. Und ihren Fähigkeiten, die einen schmerzvolleren Tod verhießen, als Alpträume zeigen konnten. Einen schnelleren, als ein auf sie herabfahrender Blitz es könnte. Das Licht des Lebens einfach wegwischte, als wäre es Dreck. Die gnädigste Variante von allen.

Zum dritten Mal hörte sie ihren Namen, nun war die Stimme direkt hinter ihr. Sie vernahm den rasselnden Atem, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. Die dunkle Haut war mit Blut überdeckt, einige Finger ließen sich offensichtlich nur noch unter großen Schmerzen bewegen. Geduldig wartete sie darauf, dass Cyril etwas sagte.

„Warte ..."

Seine Stimme klang brüchig, es war nicht zu überhören, dass ihm das Sprechen Schmerzen bereitete.

„Warum? Es gibt nichts, was mich an diesen Ort bindet und ich möchte ihn nicht länger sehen ..."

Sie erschrak beinahe über ihre eigene Stimme. Es klang wie eine alte Frau, die bereits unzählige Jahre hinter sich hatte. Ihre Stimme war kraftlos, ohne ein Anzeichen von Hoffnung oder überhaupt irgendeines Gefühls. Es war genau die Stimme, mit der ein Henker die letzten Worte vor der Vollstreckung des Urteils verkündete.

Kurz ließ sie ihren Blick über das Schlachtfeld streifen. An einigen Stellen stachen selbst in diesem Schreckensbild schwarze Flecken hervor, die eindeutig keinen natürlichen Ursprung hatten. Näherte man sich ihnen, bekam man unweigerlich den Geruch von restlos verbrannten Knochen in die Nase: So beißend, dass selbst sie sich immer wieder anstrengen musste, ihre Übelkeit zu überwinden.

„Du weißt, dass du uns heute gerettet hast."

Cyril warf sie damit aus ihren Gedanken, was wahrscheinlich auch besser so war.

„Gerettet? Nein. Ich habe euch vielleicht die Chance auf ein wenig mehr Zeit auf dieser Welt gegeben, aber gerettet habe ich euch damit alle nicht. Eure Seelen waren an dem Tag verloren, als ihr das erste Leben geraubt habt."

Mit einem leichten Kopfschütteln drehte sie sich zu ihm um, sie wollte ihm noch ein letztes Mal in die Augen sehen. Cyril konnte nichts für sein Schicksal, doch sie musste es tun. Es gab keine andere Möglichkeit, andernfalls würde man sie innerhalb weniger Wochen finden. Niemand durfte wissen, dass sie noch lebte. Sie hatte sich entschieden.

„Was ist? Ihr seht merkwürdig aus, selbst, wenn man die letzten Stunden bedenkt", sagte er mit einem fragenden Unterton.

„Das hier war meine letzte Schlacht. Jemanden so zu töten, wie ich das getan habe, bringt gewisse Dinge mit sich. Ich trage jede einzelne Seele der Toten mit mir, ich kann ihre schmerzerfüllten Schreie hören. Mittlerweile sind es so viele, dass ich sie nicht einmal zu zählen vermag. Es müssen Tausende, Zehntausende sein. Die Natur findet immer einen Weg, solche Taten wieder auszugleichen. Es ist besser für alle, wenn ich alleine bin, wenn dieser Fall eintritt."

Cyrils Blick wurde unsicher, es schien ihr, als ahnte er, was gleich passieren würde.

„Warum erzählt ihr mir Dinge, die ... über die ihr niemals geredet habt? Die Natur findet immer einen Weg? Was soll ..."

Er ließ den Satz unvollendet.

„Es tut mir leid, aber meinen Weg kann ich nur alleine beschreiten. Niemand sollte wissen, dass ich noch lebe.

Es tut mir so unendlich leid..."

Mit ihren Worten hatte sie ihre rechte Hand angehoben und ihre Handfläche auf Cyrils Brust gelegt. In seine Augen trat ein ungläubiger Ausdruck, doch er wehrte sich nicht. Das Schlagen seines Herzens begann mit einem Mal immer schwächer zu werden, als müsste es eine unvorstellbare Masse bewegen. Schließlich sank er sanft zu Boden, als würde er sich nur schlafen legen wollen. Der einzige Unterschied bestand darin, dass er in dieser Welt nicht mehr aufwachen würde.

Sie beugte sich zu ihm herunter und strich ihm mit einer Bewegung über die Augen, sodass sie nicht mehr vor Überraschung geweitet in den Himmel starrten. Seine Seele würde sich zu den vielen anderen in ihr gesellen, und es würde bestimmt nicht die Letzte sein. Ohne seine würden es jedoch noch viel mehr werden.

Langsam stand sie auf und wendete sich in Richtung der untergehenden Sonne. Von nun an würde eine Magierin frei herumlaufen, die weder Tod noch Schmerzen fürchtete. Eine Magierin, die genug Macht besaß, eine ganze Stadt der Verderbnis zuzuführen. Wohin sie unterwegs war, wusste sie nicht. Sie folgte einem uralten Ruf, der sie dazu veranlasste zu gehen.

*****

„Danke für eure Hilfe, ich kann gar nicht in Worte fassen, was ihr für mich getan habt! Wäre es vielleicht trotzdem möglich, nach meinem Sohn zu sehen? Er hat schreckliche Kopfschmerzen, ich weiß, dass ihr ihn heilen könnt!"

Die Stimme der Dorfbewohnerin, Quinn hatte sich ihren Namen nicht gemerkt, klang zwar noch ein wenig schwach, aber das würde sich in den nächsten Tagen legen. Er sagte ihr nicht, dass er nichts weiter getan hatte, als ihr mit kühlem Wasser zum Trinken einen klaren Kopf zu geben. Es würde weder ihr noch ihm etwas bringen.

Er hatte wieder zusammen mit Daria den ganzen Tag über die Kranken versorgt. Es hatte sich zum Glück herausgestellt, dass nur etwa jeder Zweite unter so starken Schmerzen litt, oder angab, dies zu tun, dass er behandelt werden musste. Diese zogen sich jedoch oft über mehr als zwanzig Minuten und mussten teilweise mehrmals am Tag wiederholt werden. Noch mehr Verletzte, ihre Aufgabe wäre nicht einmal ansatzweise zu schaffen gewesen.

Mit ihrer rechten Hand winkte die Dorfbewohnerin ihren Sohn herbei, als ob er schon zugestimmt hätte. Er hatte zwar einmal geschworen, einem Hilfesuchenden diese nie zu verweigern, solange es in seiner Macht stand, doch mittlerweile überlegte er sich ernsthaft, wie er eine Ausnahme rechtfertigen würde, ohne abfällig über das Dorf und deren Bewohner zu sprechen. Sie wussten es nicht besser, es wäre nicht fair, sie zur Verantwortung zu ziehen.

„Mir tut mein Kopf weh! Ich weiß nicht einmal, wie ich es beschreiben soll, vielleicht, als ob man gegen eine Hauswand gelaufen ist, nein so was kennt jemand wie du nicht, du bist viel zu klug, um so etwas Dummes zu tun, es fühlt sich an, als würde ich laufen und dabei meine Kopf ganz heftig immer hoch und runter..."

„Schon gut, schon gut, ich kann es mir vorstellen", unterbrach er den Jungen.

Mittlerweile unternahm er noch nicht einmal den Versuch, etwas gegen seinen müden und ein Stück weit genervten Tonfall zu unternehmen.

Das Heilen war sein Handwerk, welches er ursprünglich sogar einmal studiert hatte. Doch mit jeder weiteren Stunde musste er mehr gegen einen inneren Widerstand ankämpfen. Eigentlich machten ihm weder die unzähligen, viel zu detailreichen und oft nur schwer verständlichen Beschreibungen der Dorfbewohner, was ihnen fehlte, machte ihm etwas aus, noch dass er über die Mittagszeit nicht mehr als ein trockenes Brot zu sich genommen hatte. Dergleichen war er gewohnt, und wenn es nicht zu oft geschah, im Allgemeinen gut ertragbar.

Dennoch war es ihm anfangs schwergefallen, die Ursache dafür zu finden, bis ein langer Blickwechsel mit Daria sein kleines Problem auflöste, auch wenn es ihm mitnichten leichter fiel, sich immer wieder für jeden neuen Patienten zu überwinden. In ihren Augen hatte er Angst gesehen. Nicht von der Sorte, die jemanden schreiend davon rennen lassen würde, sondern Angst vor etwas, was tief in ihr Selbst lag.

Die vielen zu Behandelnden verhinderten jeglichen Kontakt, der länger als ein Blinzeln dauerte. Er wusste, dass es ihr nicht gut ging und konnte nichts dagegen tun, noch nicht einmal fragen, worum es ging. Immer wenn sich ihre Blicke für den Bruchteil einer Sekunde trafen, sah er wieder den dunklen Schimmer, der über ihren Augen lag, wie ein Dämon, der Besitz von ihr ergriffen hatte.

Zu wissen, dass es jemandem, den man liebt, schlecht geht, ist um ein Vielfaches bedrückender, als alles andere. Genau genommen ist noch nicht einmal das der Kern des Problems, sondern die Gewissheit, nichts dagegen tun zu können. Sosehr sich Quinn auch wünschte, sich wenigstens selber nichts anmerken zu lassen, er wusste, dass er vor ihr nichts verstecken konnte. Sie würde sich nur noch schlechter fühlen, aber auch dagegen konnte er nicht das Geringste tun. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich von Grund auf machtlos.

Dem Jungen strich er letztlich ein paar Mal über den Kopf, als würde dies etwas helfen und gab ihm etwas Tee, welchen er alle halbe und volle Stunde über einem kleinen Feuer erhitzte. Er enthielt einige leicht bekömmliche Kräuter und ein Pulver, welches den Tee bitter machte. Es bewirkte nichts, aber es ließ die Dorfbewohner glauben, der Tee wäre besonders wirkungsvoll. Der Großteil gab sich damit auch zufrieden. Der Tee, den er dem Jungen gab, war beinahe schon eine halbe Stunde alt und wohl nur noch etwas mehr als lauwarm. Er wusste, wie scheußlich er schmeckte und es war ihm egal.

Die Sonne neigte sich langsam dem Horizont entgegen und endlich behandelte er den Letzten für diesen Tag. Wenn er gewollt hätte, er hätte ewig weiter machen können, doch in der letzten Stunde hatte er bereits für die Meisten nicht mehr getan, als ihnen einige Horinienblätter zu geben. Vorausgesetzt natürlich, es war wirklich etwas Ernsteres, andernfalls bekamen sie Tee. Im Grunde genommen waren die Blätter ein einfaches Nervengift, jedoch eines, welches Schmerzen dämpfte. Je nach Menge stärker oder weniger, länger oder kürzer. Er war ausgelaugt und spürte, wie er sich wieder nach der vertrauten Berührung von Daria sehnte.

Die Zeit über im Dorf hatten sie oft nur einzeln geschlafen. Einige Schwerverletzte hatte er die ersten beiden Wochen nicht unbeobachtet lassen wollen und die Bewohner waren zwar größtenteils nett, aber vollkommen unfähig, auch nur einen Verband zu wechseln oder die Wunden so zu reinigen, dass sie sich nicht sofort wieder entzündeten. Wer auch immer diese Aufgaben hier sonst erledigt hatte, er war nicht aufzufinden.

*****

In einem seinerseits äußerst knappgehaltenen Gespräch mit dem Schmied hatte er es arrangieren können, gemeinsam mit Daria einige Holzvorräte aus dem nahe gelegenen Wald für das Feuer der Toten heute Nacht zu holen. Es würde ihnen einen kleinen Moment bescheren, den sie alleine sein konnten. Etwas, was sie trotz des Vorteils nachts - zumindest theoretisch - ein richtiges Zimmer und ein Bett teilen zu können nur sehr selten hatten genießen dürfen.

Sie hatten ausgemacht, sich am Dorfausgang zu treffen, weil sich Daria vorher noch kurz etwas anderes anziehen wollte. Verständlich, denn den ganzen Tag über hatte sie Kranke versorgt, nach ihrer Aussage wollte sie das Gefühl des Leidens ablegen. Erst hatte er Anstalten gemacht, sie zu begleiten, doch Daria hatte ihm erklärt, dass es wenig produktiv wäre. Letztendlich wussten sie beide, dass eine einzige Minute zusammen in ihrem Zimmer reichen würde, um ihre Aufgabe für die nächste Stunde zu vergessen. Außerdem würde es auffallen, wenn sie beide fehlen würden, mittlerweile wurden sie im Dorf als Helden gefeiert. So schön es war, von einem ganzen Dorf wie Halbgötter verehrt zu werden, sie hatten scheinbar keinerlei Verständnis für sehr menschliche Bedürfnisse.

Nach einer für ihn endlosen Zeit kam sie endlich auf ihn zu, wie immer, oder nach dem gestrigen Abend beinahe immer, in einem waldgrünen Gewand und dazu passenden Laufhosen aus Leinenstoff. Beinahe schien es, als hätte sich nichts verändert, nur die staubigen Flecken waren verschwunden. Und noch etwas fiel ihm auf, als sie näher kam: Zum ersten Mal, seit er sie kannte, hatte sie sich eine Kette um den Hals gelegt. Sie war so dünn, dass er sie erst erkennen konnte, als sie nur noch drei Schritte von ihm entfernt war, dafür jedoch aus reinem Silber bestand. Natürlich hätte es auch mit Silber überzogenes Eisen sein können, doch allein die Art, wie Daria ihren Hals leicht nach oben gestreckt hielt, um ihn das Schmuckstück sehen zu lassen, strafte ihn Lügen überhaupt daran gedacht zu haben, sie könne nicht echt sein.

Er öffnete den Mund um sie zu fragen, wie sie an etwas derart Wertvolles gekommen war, ein kaum merkliches Kopfschütteln ihrerseits ließ ihn jedoch verstummen. Beinahe hatte er den dunklen Schimmer in ihren Augen vergessen, als sich ihre Blicke trafen, erinnerte er sich umso schmerzvoller daran. Er nahm sich vor, sie zu fragen, zu mehr kam er jedoch nicht, bevor sie ihm nach einem ganzen Tag den ersten Kuss gab. Die Leute hatten bereits begonnen unangenehme Fragen zu stellen, es war ihnen kaum etwas anderes übrig geblieben, als jegliche Zärtlichkeit vor den Augen aller vorerst zu vermeiden. Hier jedoch konnte sie im Moment niemand sehen.

Müsste er das Gefühl, Daria endlich spüren zu können, endlich in ihrem Kuss schweben zu können jemandem beschreiben, er würde es wohl am ehesten damit vergleichen, an einem kalten Wintertag nach Hause zu kommen. Draußen hat man sich zwar größtenteils an die Kälte gewöhnt, aber das Unbehagen, die Ungewissheit, vielleicht in einem plötzlich aufkommenden Schneesturm zu erfrieren bleibt. Tritt man nun in einen geheizten Raum, vielleicht eine stickige Taverne, ein, scheint eine beinahe unerträgliche Hitze entgegen zu kommen. Im Kopf scheint sich etwas zu drehen, was sich erst nach einiger Zeit wieder beruhigt.

Dennoch ist es für diesen Moment das schönste Gefühl auf der Welt. Weil man die Geborgenheit und die Vertrautheit dieses Ortes spürt. Weil man endlich den kalten Wintertag hinter sich lassen kann. Weil Wärme von ihm ausgeht, die man lange vermisst hat, als hätte man etwas verloren Geglaubtes endlich wieder gefunden.

Er hätte nicht sagen können, wie lange er sie umklammert gehalten hatte und den endlosen Kuss genossen hatte. Das Einzige, was er wusste, war, dass sie sich ebenfalls mit aller Kraft an ihn gedrückt hatte, als würde er davon laufen wollen. Sosehr er sich bemüht hatte, die Angst in Darias Augen war zwar schwächer geworden, er konnte sie aber immer noch sehen. Als wollte er sie mit seinen Blicken durchbohren versuchte er die Ursache dafür zu finden, kam aber nicht dahinter, bevor sie seinem Blick auswich.

„Lass uns gehen..."

Ihre Stimme klang vollkommen normal, selbstbewusst und fest. Sie klang zu normal, um echt sein zu können. Es wäre falsch gewesen zu behaupten, dass er sie lange genug kannte, um dies behaupten zu können, erst eine Woche war der Abend in der Taverne her. Noch immer schienen die letzten Tage unecht, noch immer konnte er nicht begreifen, wie viel sie in diesen wenigen Tagen zusammen erlebt hatten. Er konnte sich dadurch jedoch mindestens hinreichend sicher sein, dass er sie gut genug kannte, um die Angst in ihren Augen auch in der Stimme zu erkennen. Sie versteckte sie gut, aber dadurch ließen ihre Worte die Wärme vermissen, die sie normalerweise wie eine zweite Haut umgab.

„Was hast du? Ich wollte dich schon am Tag fragen, aber du warst genauso wie ich zu beschäftigt. Ich dachte erst daran, dass ich dir vielleicht genauso gefehlt habe wie du mir, aber das ist es nicht, oder?"

Im Nachhinein gesehen hatte er viel zu lange geredet, weil er selbst nicht wusste, was er sagen sollte. Für diese Dinge waren einfache und vor allem wenige Worte die Richtigen, er hingegen versuchte mehr seine eigenen Probleme in Worten zu verhüllen, als sich einfach auf sie einzulassen.

Er versuchte wieder, ihren Blick aufzufangen, doch sie wich ihm erneut aus. Immerhin ließ sie seine vorsichtige Umarmung zu, doch sie erwiderte sie nicht. Beinahe teilnahmslos hing sie in seinen Armen, als stünde sie alleine auf der Straße. Vielleicht gehörte auch das zu der schnelllebigen Beziehung, die sie führten dazu. Er selbst hatte vor einigen Tagen beinahe alles zerstört, er würde alles tun, um sie nun bei sich zu behalten. Egal was passierte. Das hieß aber noch lange nicht, dass er es akzeptieren würde, wenn sie mehr oder weniger offensichtlich etwas bedrückte.

Vorsichtig löste Quinn die Umarmung wieder, darauf achtend, sie nicht einfach zu Boden fallen zu lassen. Nach wie vor wich sie seinem Blick aus, als Daria ohne ihn eines Blickes zu würdigen loslief. Mit zwei schnellen Schritten war er neben ihr, sah, wie schwer es ihr fiel, die Fassung zu wahren. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schien es sich jedoch kurz davor anders zu überlegen und schloss ihn wieder.

Etwa eine Minute gingen sie schweigend nebeneinander her. Wie ein altes Bauernpaar, oder die verzogenen Kinder von Adligen. Sein Blick blieb an einem kleinen Vogel hängen, folgte seiner Flugbahn eine Weile, dachte darüber nach, wie es wohl wäre, so frei wie er leben zu können. Die durch die Luft gleiten zu können, wie durch Wasser, ohne Grenzen.

Erelyn
Erelyn
14 Followers