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Click here„Und was ist mit euch? Was habt ihr verbrochen, dass ihr nun bis zum Ende euer Tage meine Begleitung ertragen müsst?"
„Ich dachte, wir hatten bereits darüber geredet, dass wir unsere Vergangenheit ruhen lassen?"
Er grinste sie an, als hätte er einen Witz erzählt.
„Allerdings", fügte er hinzu,
„Bin ich mir relativ sicher, dass wenn wir auf dieser Straße bleiben in ein paar Tagen Bekanntschaft mit unserem Ziel machen sollten. Aus verlässlicher Quelle weiß ich, dass er auf dem Weg nach Lanan ist, uns also direkt entgegen reist."
Wenn seine verlässliche Quelle Luarek war, dann war davon besonders viel zu halten. Oder auch nicht.
„Die Quelle bin ich übrigens selbst", fuhr er nicht ohne einen unverkennbar hochnäsigen Unterton fort, als könnte er ihre Gedanken lesen.
Er sah sie mit einem abschätzigen Blick an, betrachtete sie beinahe so, wie man eine Hure ansieht. Angesichts dessen befand sie es für besser zu schweigen, wer wusste schon, welche Märchen ihm noch einfallen würden. Sie beschleunigte ihre Schritte ein wenig, sodass Warren unweigerlich ein kurzes Stück hinter ihr herrennen musste, bis er sie wieder einholte. Wenigstens eins schien sie ihm vorauszuhaben: Sie war Laufen gewohnt. Der Gedanke daran, dass er spätestens übermorgen mit schmerzenden Füßen und Beinen darum betteln würde, dass sie langsamer lief, trieb ihr ein schmales Lächeln auf die Lippen.
*****
Sie schlugen ihr Nachtlager ein wenig abseits der Straße so auf, dass es unnötig war, über die Nacht Wachen aufstellen zu müssen. Obwohl das wahrscheinlich so oder so die versteckten Begleiter übernehmen würden, selbst wenn sie auf offener Straße schliefen. Kein Grund also, sich Sorgen machen zu müssen, dass man mit einem Messer an der Kehle oder mit nichts außer den Kleidern aufwachte, solange die Räuber so nett waren, wenigstens diese an ihren Besitzern zu lassen. Sie hatte schon erlebt, dass dies nicht so selbstverständlich schien, wie es sich anhörte. Als Frau war das Folgende dann auch alles andere als angenehm.
Leider hatte Warren darauf bestanden, sich sein eigenes Essen zuzubereiten. Nun gut, alles andere wäre auch schlicht dumm gewesen. Das Gift war quasi vorbereitet, aber ohne eine Möglichkeit es in ausreichender Menge einzusetzen, war es hinfällig. Zuviel war ebenso schlecht, sie wollte ihn nicht umbringen. Eine leichte Magenverstimmung, die ihn auf längere Ausflüge in den Wald verbannte, war vollkommen ausreichend und zielführender. Sie hatte aber auch nicht wirklich damit gerechnet, es zum Einsatz bringen zu können, einen Versuch war es dennoch wert gewesen.
Früher oder später würde er unvorsichtig werden, solange er ihr eine ausreichend lange Zeitspanne gab, um zu verschwinden, würde sie die nutzen. Sie konnte dann zwar immer noch von einem Dolch überrascht werden, aber dann ging es wenigstens schnell. Mit diesen Gedanken rollte sie sich ihren Schlafsack neben der kleinen Feuerstelle aus und schlief einige Sekunden später ein. Warren sollte für heute Abend doch der Hölle persönlich eine geruhsame Nacht wünschen, morgen konnte sie immer noch den Boten machen.
*****
Gerade als sich die ersten Sonnenstrahlen am Horizont zeigten stand sie auf und packte die wenigen Habseligkeiten zusammen. Kurz überlegte sie, ob sie Warren einfach liegen lassen sollte und ohne ihn losgehen, doch er hatte bestimmt dafür gesorgt, dass sie nachts bewacht wurde. Bevor sie sich darüber Gedanken machen konnte, wie sie daraus entkommen konnte, schlug er die Augen auf, nickte ihr kurz zu und machte sich dann wortlos daran, ebenfalls seinen Rucksack zu packen.
„Nicht einmal einen Schluck Wasser?", fragte sie ein wenig spöttisch, als er fünf Minuten später fertig war.
„Sehe ich so aus, als könnte ich nicht auf mich selbst aufpassen?"
Er klang aggressiver als sie erwartet hatte, weshalb sie einen weiteren Kommentar dieser Art für sich behielt. Vielleicht wäre es wirklich klug, sich nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit ihm anzulegen, andererseits war er für nichts anderes zu gebrauchen. Ob er sich seine Position nun ausgesucht hatte oder nicht.
„Los geht's", kommandierte er und schlug einen schnellen Schritt Richtung Straße an.
Ohne Mühe hielt sie seine Geschwindigkeit, konnte sich aber ein immer breiter werdendes Lächeln nicht verkneifen, als er nach nicht einmal einer Stunde anfing zu schnaufen wie ein alter Ackergaul. Er ignorierte es gekonnt und wurde keinen Schritt langsamer, immerhin das musste sie ihm zu Gute halten. Dennoch war es wohl bloß eine Frage der Zeit, bis er eine Pause brauchen würde, sie würde jedenfalls nicht diejenige sein, die darum bettelte.
Kurze Zeit später tauchten vor ihnen einige Rauchsäulen auf, sie konnte sich jedoch nicht mehr daran erinnern, welches Dorf sie nun bald erreichen würden. Als sie noch mit ihrem Trupp unterwegs war, hatten sie immer Karten dabei gehabt, um Marschrouten besser planen zu können. Auf einer Karte fand sie sich zurecht, aber bisher hatte nie die Notwendigkeit bestanden, sich solche Informationen über längere Zeit merken zu müssen. Sosehr sie auch nachdachte, es wollte ihr nicht mehr in den Sinn kommen.
Stattdessen tauchten Bilder vor ihrem Auge auf, wie ein Dorf teilweise in Flammen aufging. Sie hörte Stimmen in ihrem Kopf, die um Hilfe schrien, Gesichter, die mit weit aufgerissenen Augen auf einen einzigen Punkt starrten. Andere hatten die Augen geschlossen, das Gesicht zum Himmel gewendet, die zusammengefalteten Hände über sich hebend. Das Bild schwenkte einmal kurz nach rechts und links, die Szenerie blieb die Gleiche.
„Holt an Vorräten, was noch zu gebrauchen ist, ladet sie auf die Wagen, der Rest macht sich marschbereit. Und lasst verdammt noch mal die Leute in Ruhe, jeder bekommt ein Brot, wir sind ja keine Unmenschen."
Der stämmige Mann, der eben gesprochen hatte, wendete sich zu ihr.
„Es war nicht notwendig, ihre Häuser anzuzünden, klar? Das hier sind Zivilisten, wenn ihr überhaupt noch wisst, was das heißt. Die Zerstörung hier habt ihr allein euch zuzuschreiben!"
Wie lang würde es wohl dauern, bis sie den Krieg jemals vergessen würde? Sie hatte darüber nachgedacht, dass es vielleicht für alle besser wäre, wenn sie ihr Leben selbst beendete, um mit der Zerstörung aufzuhören. Doch irgendwas in ihr hatte sie immer wieder zurückgehalten, als hätte sie auf dieser Welt noch etwas zu erledigen. Also war sie weitergezogen und hatte mehr Menschen getötet. Bis sie vor einigen Wochen die Kompanie verlassen hatte. Je länger diese Zeit zurücklag, desto deutlicher wurden die Narben, die sie hinterlassen hatte.
„... unsere Vorräte auffüllen."
Warrens Stimme durchdrang nur langsam ihre Gedanken, es dauerte eine Weile, bis sie den Sinn davon erfasst hatte.
„Was?"
„Ich hatte vorgeschlagen, in dem Dorf vor uns Pferde zu kaufen und uns eine anständige Mahlzeit zu besorgen, aber anscheinend wart ihr gerade mit wichtigeren Dingen beschäftigt."
Sie lächelte. Also doch Pferde und das auch noch kostenlos, für sie jedenfalls. So tonlos wie möglich antwortete sie:
„In Ordnung"
Das Dorf war größer als sie erwartet hatte. Die Rauchsäulen, die sie gesehen hatten, erwiesen sich als die mehrerer Handwerksbetriebe, dabei hatte die Schmiede einige beeindruckend aussehende Schilde an den Türsturz genagelt. Direkt daneben befand sich offenbar ein Rüstungsbauer, wie sich an einem Schild darüber ablesen ließ. Sie kamen an mehreren Gasthäusern vorbei, bis sich Warren für ein beeindruckend großes Haus entschied, welches zu ihrer Überraschung komplett aus Stein gemauert und ganze vier Stockwerke hoch war.
Der Gastraum bestand aus einem einzigen Raum, der dafür einen recht gepflegten Eindruck machte. Die Tische waren fast alle sauber, die massiven Holzstühle sahen zwar durchaus gebraucht aus, jedoch fehlte der dunkle Schimmer, die einige Schichten ausgelaufenes Bier und dreckige Kleidung über viele Jahre hinweg normalerweise hinterließen. Im Gesamten gab es wohl Platz für über einhundert Mann, im Moment saß aber nur eine kleine Gruppe links in einer Ecke.
Bevor sie sich weiter umsehen konnte, wurde sie von Warren zur Theke gezogen, hinter der ein müde wirkender Mann gerade ihre Ankunft bemerkt hatte und sich ihnen zuwendete. Er hatte kurze, braune Haare, die ihm unordentlich ins Gesicht hingen, sein bartloses Gesicht war hingegen so makellos weiß, dass sie bezweifelte, dass er öfter als einmal in der Woche die Sonne zu Gesicht bekam. Sie schätzte ihn auf nicht ganz dreißig Winter, womit er unmöglich der Besitzer sein konnte.
Warren schien all dies nicht zu stören und deutete auf einen Kessel hinter dem Mann, aus dem es leicht dampfte.
„Was gibt's heute?"
„Kartoffelsuppe. Ist der Rest von gestern Abend."
Ohne auf ihr Einverständnis zu warten, orderte Warren zwei Portionen mit je einer Scheibe Brot.
„Bevor ich es vergesse: ", fragte er, als der Mann gerade sie Suppe in die beiden Schalen füllte,
„Ich und meine Frau haben noch einen weiten Weg vor uns, gibt es hier eine Möglichkeit, Pferde zu erstehen?"
„Zwei Bronzestücke."
Der Wirt machte nicht den Eindruck, als hätte er die Frage mitbekommen, die Warren eben gestellt hatte, wirkte aber irritiert, als dieser ihn fragend ansah und keine Anstalten machte, das Essen zu bezahlen. Dabei schielte er beinahe verängstigt zu ihr herüber, als ob er es vermeiden wollte, ihren Blick auch nur zufällig zu kreuzen.
„Das macht dann zwei Bronzestücke", wiederholte er seine Aussage.
Seufzend griff Warren in seine Tasche und händigte ihm das Geld aus. Er öffnete den Mund, um seine Frage zu wiederholen, doch kaum hatte er das Geld in Empfang genommen, floh er regelrecht in einen Hinterraum.
Sie nahmen die Schalen und steuerten einen Tisch an der rechten Wand an, als sie einer Männer, die noch mit im Raum saßen, zu sich herüber winkte.
„Setzt euch neben uns, Willem ist manchmal ein bisschen komisch. Ich kann euch über alles Auskunft geben, was ihr müssen müsst."
Achselzuckend kam sie seiner Aufforderung nach, sie erschrak beinahe, als Warren sie auf halbem Weg am Arm zurückhielt.
„Ich rede, ist das klar?", zischte er ihr zu.
Bevor sie widersprechen konnte, drängte er sie auch schon weiter, sodass man seine Bewegung auch für eine fürsorgliche Geste hätte halten können. Offensichtlich bestand er wirklich darauf, die Rolle als Mann und Frau zu spielen und das so konservativ wie nur möglich.
„Also, wo gibt es hier Pferde?"
Ungeachtet des eigentlich freundlichen Angebots des Anderen legte Warren eine kalte Zielstrebigkeit an den Tag, die nicht nur sie, sondern auch ihren Gegenüber überraschte.
„Da wo ich herkomme, schüttelt man sich erst einmal die Hand und stellt sich vor, ihr hattet doch nicht vor, zu gehen, bevor das Essen in euren Bäuchen gelandet ist?"
Er streckte Warren die Hand hin, die er jedoch nicht sofort ergriff.
„Ich bin Roland", sagte er, wie um seine Worte noch einmal zu bekräftigen.
„Warren", reagierte er schließlich einsilbig ohne den kleinsten Anflug von Freundlichkeit.
Roland drehte sich ein wenig zu ihr und deutete im Sitzen eine kleine Verbeugung an.
„M'lady?"
„Elven", lächelte sie und ergriff die ihr angebotene Hand.
„Es tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen, aber ich kann mitnichten von mir behaupten, eine Lady zu sein."
Warum Warren auch immer so unfreundlich war, so viele Gründe sie auch gehabt hätte, Roland mit ein wenig gesundem Misstrauen zu begegnen. Wann immer sich die Möglichkeit bot, Warren ein wenig in die Parade zu fahren, würde sie diese ergreifen.
„Es ist mir dennoch eine außerordentliche Freude einer so schönen Frau hier zu begegnen. Darf ich erfahren, woher ihr kommt?"
Sein zuckersüßer Unterton hätte sie normalerweise zur Weißglut getrieben, der Letzte, der sich so plump an sie herangemacht hatte, war am nächsten Morgen nicht mehr aufgewacht. Er hatte es jedoch auch noch ein wenig weiter getrieben, wozu Roland nicht mehr kommen würde, wenn sie Warrens Körpersprache neben sich richtig deutete.
Einen Moment dachte sie darüber nach, ihm die Wahrheit zu sagen und den Standort ihrer alten Akademie zu nennen, einfach nur, um Warren noch ein wenig weiter zu reizen. Sie entschied dann aber zu ihrer eigenen Sicherheit dagegen.
„Von überall und nirgendwo wisst ihr?"
Sie beobachtete aus dem Augenwinkel, wie Warren neben ihr die Schale mit Suppe ankippte und die offenbar noch sehr heiße Flüssigkeit so schnell zu sich nahm, wie es möglich war.
„Ach kommt schon, ihr müsst doch ein Zuhause haben? Ist es ein bekannter Vogt hier in der Nähe, dass ihr mir eure Herkunft nicht nennen wollt?"
Im Hintergrund sah sie das unterdrückte Lachen der Begleiter Rolands. Sie verstummten, als sie ihnen einen missbilligenden Blick zuwarf. Währenddessen legte Roland seine linke Hand auf ihr rechtes Knie, seine Position eindeutig deutlich überstrapazierend. Seine Finger ruhten gerade ein wenig zu hoch auf ihrem Oberschenkel, sodass sie die Geste unmöglich missverstehen konnte.
„Nein, das nicht ..."
Sie schenkte ihm ein scheues Lächeln, woraufhin er seine Hand ein paar Zentimeter höher rutschen ließ.
„Ihr seid doch wohl nicht etwa aus königlichem Hause?", fragte er mit gespielter Überrschung.
Warren stopfte sich währenddessen seine Brotscheibe komplett in den Mund, was seinen Kopf rot anschwellen ließ. Das oder der Umstand, dass sie so scheinbar einfach auf Rolands nicht vorhandenen Charme hereinfiel.
„Ich bin schon so lange auf Reisen, wie ich denken kann und außerdem ..."
Sie stand auf, nicht ohne Rolands Hand auf ihrem Knie so zu umfassen, dass er sie nicht wegziehen konnte, selbst, wenn er es versuchen würde. Ihr Griff wurde fester, sodass er ihr verwundert in die Augen sah. Für den Bruchteil einer Sekunde erblickte er darin puren Hass, der Grundstein für ein Feuer, das sich mit der Hölle hätte messen können. Ein schriller Schrei drang aus seiner Kehle, als sie seine Hand plötzlich freiließ. An der Stelle, an der ihre Hand gelegen hatte, war eine unverkennbare Verbrennung zu sehen, als hätte er seine Hand direkt ins Feuer gehalten.
„Ich würde euch empfehlen, einer Frau, die euch ihre Herkunft nicht verraten will, nicht zu nahe zu kommen. Sie könnte Kenntnis über Dinge haben, von denen ihr noch nicht einmal wusstet, dass sie existieren. Ich würde euch jetzt empfehlen, meinem Mann jede Frage, die er stellt, zu seiner vollsten Zufriedenheit zu beantworten, ansonsten könnt ihr eure Hand vielleicht nicht mehr gebrauchen. In Ordnung?"
Er hatte keine andere Wahl als zu nicken. Als wäre nichts passiert, setzte sie sich zu ihrem nun abgekühlten Mittagsmahl und aß in Ruhe ihre Mahlzeit, während Warren alles über die Möglichkeit zu Pferden, neuen Vorräten und den neusten Gerüchten erfragte. Worin er erstaunlich routiniert vorging, das musste sie ihm lassen, wenngleich es unnötig war.
„Ich hatte euch strengstens angewiesen, jegliche Form von Magie in meiner Anwesenheit zu unterlassen!", zischte er sie wütend an, als sie das Gasthaus verließen.
Sie zuckte betont desinteressiert mit den Achseln.
„Nun, ihr habt gesagt, ihr würdet reden und wart dann still, als Roland anfing, mit mir zu flirten. Also habe ich mich darum gekümmert und dafür gesorgt, dass wir ehrliche Antworten bekommen. Schätze, wir sind quitt."
Außerdem war es wunderbar, in ein paar Minuten zwei Affen gleichzeitig zu zeigen, wo sie in dieser Welt standen: ganz weit unter ihr.
„Ihr habt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ihr macht euer Versprechen wahr, mich töten zu lassen oder tut das selber. Dann ist es aber wahrscheinlich an euch, eurem König das Scheitern nach nur zwei Tagen zu erklären. Oder ihr lasst es und seht ein, dass ihr nicht in der Position seid, restlos über mich zu bestimmen. Nur weil Luarek mich in eine unausweichliche Lage gebracht hat und für eine gewisse Zeitspanne mir Anweisungen erteilen kann, heißt das noch lange nicht, dass ihr dieselbe Macht genießt. Geschweige denn den Respekt. Entscheidet euch weise."
„Wir können uns hier nicht wieder sehen lassen, diese Leute werden über euch reden, als hätten sie einen Dämon mit eigenen Augen gesehen!"
Während er sprach, fuchtelte er mit den Armen herum, als würde er durch einen Schwarm Mücken laufen. Sie konnte mitnichten von ihm erwarten, dass er seine Niederlage eingestand, aber er hatte sich wie erwartet für die zweite Möglichkeit entschieden. Wie sie gedacht hatte, war seine Angst vor König Luarek noch größer als die vor ihr.
Ausnahmsweise war es an ihr, ihm ein hässliches Grinsen zuzuwerfen, bevor sie antwortete.
„Genau genommen kann nur ich mich hier nicht mehr blicken lassen, was demnach nicht euer Problem ist. Zweitens kann ich auf mich selbst aufpassen und drittens wolltet ihr Pferde kaufen und keine neuen Freunde gewinnen, richtig?"
Er schnaubte, nickte dann jedoch.
„Meldet euch einfach, solltet ihr wieder meine Hilfe benötigen", fügte sie noch hinzu. Sein Blick hätte töten können, als er sie zur Erwiderung anstarrte, als wäre sie der Teufel persönlich. Dennoch setzte er sich in Bewegung, sie folgte ihm lächelnd.
XV.
Der Weg vor ihnen führte geradewegs über eine karge Ebene, nur einige Vögel am Himmel waren zu sehen. Er wurde das Gefühl nicht los, dass er und Daria bald selbst zur Beute werden würden, trotz der Kälte brannte die Sonne unerbittlich am Himmel und trocknete die Luft aus. In einer Stunde würde es dunkel werden, doch sie hatten schon jetzt, am ersten Tag ihrer Abreise, anfangen müssen, die Wasservorräte zu portionieren.
Sie hatten die Schläuche nicht wie geplant im Dorf aufgefüllt, dafür war zuerst keine Zeit und dann keine Möglichkeit mehr gewesen. Diese Nachlässigkeit bezahlten sie nun, in der Hoffnung bald wenigstens auf einen kleinen Bach zu stoßen. Eine Karte wäre hilfreich gewesen, aber wer hätte diese anfertigen sollen in einem kleinen Bauerndorf? Mal abgesehen davon, dass sie bei einem derart frostigen Abschied so wie so keinen Blick darauf hätten werfen können, selbst wenn es dergleichen gab.
Und dann war da noch dieser Traum. Oder wie auch immer man es nannte, wenn jemand Bilder von einem anderen Ort sah, ohne selbst dort zu sein. Halluzinationen wäre vielleicht eine treffendere Beschreibung. Begann er in einen Wahnsinn zu verfallen? Wer sonst sah sonst völlig fremde Magierinnen, die ohne eine Regung hunderte töteten?
Er selbst war als Truppenheiler viele Jahre durch die Länder gezogen -- hatte den Krieg von allen Seiten gesehen. Magier wurden in großen Schlachten seines Wissens dazu eingesetzt, um den Feind zu beobachten und die eigenen Truppen zu schützen. Was diese Frau hingegen getan hatte ... Sie hatte nicht nur hunderte, wahrscheinlich tausende getötet, sondern ihnen auch noch durch das Feuer einen der schmerzhaftesten Tode von allen zugefügt. Ein paar Glückliche hatte es sofort erwischt, viel mehr hatte es hingegen erst viele Stunden später durch unheilbare Verbrennungen dahin gerafft.
Doch dann hatte er ihr noch einmal in die Augen gesehen und darin etwas seltsam Vertrautes erkannt. Ein benommen machender Kopfschmerz breitete sich aus, als er versuchte, sich zu erinnern. Das Bild der Magierin begann langsam zu verschwimmen, aus den blutverschmierten Armen wurden die zitternden Arme eines Mädchens, die dunkel verfärbte Kleidung zu einem weißen Nachthemd. Das Schlachtfeld änderte Form und Farbe zu einem kleinen Zimmer in der Akademie. Das Einzige was blieb, war der verzweifelte Ausdruck in ihren Augen. Verdammt, nein. Sie würde so etwas nicht tun. Er hatte Wahnvorstellungen.
Als wollten seine eigenen Gedanken ihn verhöhnen, kam ihm ein Soldat wieder in den Sinn, den er vor vielen Jahren behandelt hatte. „Meine Mutter ist gerade gestorben", hatte er an einem Tag plötzlich gesagt, als er mit ihm zusammen am Feuer gesessen hatte. Er hatte gelacht und war dann von seinem todernsten Blick zum Schweigen gebracht worden. Eine Woche später erfuhren sie durch einen Boten, der losgeschickt wurde, dass der Soldat offenbar Recht gehabt hatte. Wie eine Vision. Ja er hatte davon gehört, es jedoch immer als purer Zufall und Aberglaube abgetan.