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Click hereAußerdem konnte er dergleichen gerade nicht gebrauchen. Daria hatte sich zum Glück schon wieder ein wenig erholt, doch ihre Verfassung am gestrigen Abend hatte ihm wieder einmal klar gemacht, dass sie Hilfe offensichtlich noch mehr nötig hatte, als er selbst. Er liebte sie dafür, weil sie ihn verstand. Sie urteilte nicht über einen Heilmagier, der mit voller Bewaffnung reiste. Sie hörte ihm zu und gab ihm Halt.
Nur langsam, wenn man angesichts der wenigen gemeinsam verbrachten Tage davon sprechen konnte, begann er wirklich zu begreifen, dass sie sich vor ihrer eigenen Vergangenheit, so gut es ging, verschloss, dabei jedoch immer wieder scheiterte. Sie hatte einmal erwähnt, selbst mehr Menschen auf dem Gewissen zu haben, als sie zählen konnte. Er hatte nie nachgefragt, sich immer nur daran gehalten, dass sie ihm zuhörte. Wer war diese Frau, die ihn mit einem einzigen Blick in sich zusammenschmelzen ließ?
„Alles in Ordnung?"
Ihre klare Stimme unterbrach seine Gedanken und wischte sie fort, als wären sie nie da gewesen.
„Ja, ja, geht schon. Ich bin nur noch ein wenig erschöpft."
Er rang sich ein Lächeln ab, was er nicht ganz ehrlich hinbekam. Er hoffte, dass sie es nicht merkte.
„Wir sollten uns einen Platz für die Nacht suchen, es macht keinen Sinn noch viel weiter zu gehen. Wir werden in der nächsten Stunde weder Holz noch Wasser finden, also sollten wir es, so weit es geht, einteilen. Es hilft nicht, wenn wir heute Abend vor Erschöpfung die Hälfte eines Wasserschlauchs austrinken."
Er nickte zur Bestätigung, es würde ein karges Mahl werden. Nur ein wenig Dörrfleisch aus den Vorräten und keine Wärme außer einem Zelt.
Mangels einer besseren Möglichkeit lagerten sie nur ein wenig abseits des Weges, wenn es dunkel wurde, war das Zelt auch aus einigen Schritt Entfernung schon nicht mehr auszumachen. Seitdem hatten sie nicht ein Wort gewechselt, jeder hing während des Essens seinen eigenen Gedanken nach, sodass mit der hinter dem Horizont verschwindenden Sonne eine wohlige Stille einherging. Bis auf einen kreischenden Vogel in der Ferne war kein Laut mehr zu vernehmen.
Er blickte hoch in den wolkenverhangenen Himmel, nur an einigen Stellen ließen sich einige Sterne ausmachen, die jedoch keinerlei Licht spendeten. Wie schon in so vielen Nächten zuvor beobachtete er, wie sich die Wolken weiterschoben und neue Formen bildeten, neue Sterne freigaben und alte verdeckten. Er versuchte einige Sternbilder zu erkennen, doch in diesem Teil der Welt sah der Himmel anders aus. Bestimmt hatte darüber in einigen Büchern an der Akademie etwas gestanden, doch für dergleichen hatte er nie viel Zeit gefunden. Was würde er dafür geben, noch einmal zurück zu können, vielleicht um diesmal ein wenig über Sternbilder in anderen Teilen der Welt zu erfahren.
Er spürte eine warme Berührung an seiner Schulter, so leicht wie ein Vogel, der sich hier bei ihm wohlfühlte. Beinahe erwartete er das leichte Stupsen eines kleinen Schnabels, ob er nicht ein wenig Futter übrig hatte, doch dann war der Moment auch schon verstrichen.
Darias Hand streichelte sanft über seinen Kopf, als ob sie ihm bedeuten wollte, dass sie auch noch da war. Wenn er ehrlich war, wusste er nicht, wie viel Zeit verstrichen war, seitdem sie gegessen hatten, es war jedoch schon eine Weile dunkel.
„Geh schlafen, ich halte Wache."
Ihre Stimme war so ruhig, dass sie beinahe einem Windhauch glich, geradeso laut, dass er sie noch verstehen konnte.
Er schüttelte sanft den Kopf.
„Wir sind beide erschöpft, du brauchst den Schlaf."
Bei ihren Worten strich sie sanft durch seine Haare, als wollte sie ihn dazu überreden, noch eine Weile hierzubleiben. Es war schon beinahe vertraut.
„So gerne ich das tun würde, aber ich kann im Moment noch nicht schlafen. Ich übernehme die erste Wache heute, in Ordnung?"
„Ich auch nicht ..."
Bei diesen Worten wurde ihre Stimme noch leiser als zuvor, als ob nur der Wind ihm etwas ins Ohr flüstern würde.
So sanft es ging, rückte Daria an ihn heran und lehnte sich gegen seine Schulter, sah ihm in die Augen, wie nur sie das konnte.
„Ich schätze, dann halten wir beide die erste Wache?"
Er konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen, als sie sanft über seine Hüfte strich, in einer eindeutigen Bewegung nach unten. Er küsste sie sanft, beließ es jedoch dann dabei, als sie ihn zwar liebend, aber nicht fordernd erwiderte.
„Denkst du noch oft an sie?"
Ihre Frage kam so unerwartet, dass er eine Weile brauchte, um zu verstehen, was sie meinte. Eine Weile zu lang.
„Hör mal, glaubst du ehrlich, mir wäre nichts aufgefallen, als du mir von Aileen erzählt hast? Ich ..."
Sie brach ab. Ihre Stimme war hart geworden, es war jedoch deutlich herauszuhören, dass sie es nicht so meinte.
Um sie und sich selbst ein wenig zu beruhigen streichelte er ihr sanft durch durchs Haar, doch sie drehte sich weg. Vorsichtig legte er einen Arm um sie und zog sie zu sich, was sie zum Glück zuließ. Beinahe scheu küsste er ihren Nacken, erst jetzt bemerkte er ihren schwer gewordenen Atem.
„Tut mir leid ... Ich will dich nur nicht auch noch verlieren ... Nicht wie all die anderen ..."
Er spürte eine einzelne feuchte Träne, als er über ihre Wange strich.
Manchmal war es so schwer, die richtigen Worte zu finden, dass es einfach keine gab. Manchmal ist selbst ein „Ich liebe dich" zu viel und gleichzeitig viel zu wenig, um das auszudrücken, was nach außen will. Alles scheint auf einen zu stürzen, keine Möglichkeit zu entkommen. Alles ist zu viel, weil man selbst nicht genug ist. Und dann beginnt man in Worte zu packen, was niemals dort hingehört hätte. Weil man nicht mehr weiß, was man sagen soll, aber irgendetwas tun muss. Und wenn es nur für einen selbst ist. Bis man dann alleine ist.
„Woran denkt man am Strand, wenn die Welle auf einen zukommt? Allein im brennenden Haus, niemanden, der die Schreie hört? Welcher Person schenkt man seinen letzten Gedanken, wenn man ein Messer in der Brust hat? Zieht das Leben wirklich wie an einem Film vorbei? Sieht man wirklich ein Licht am Ende des Tunnels?
Weiß du, wie Heiraten in einer Stadt ablaufen? Der Vater der Tochter spricht mit jemandem, dem er vertraut und einen Sohn im Mannesalter hat. Wenn sie sich nach viel Bier und eventuellen Versprechungen in beide Richtungen nach einer Woche noch einmal wiedersehen und alles beim Besprochenen bleibt, werden die Nachkommen miteinander bekannt gemacht und mit folgenden Worten verheiratet: ‚So möget ihr euch lieben und beistehen, wo ihr nur könnt, bis dass der Tod euch scheidet.'
Jeder Einzelne von ihnen lügt, wenn er zustimmt. Was ist solch ein Versprechen wert, wenn man nicht weiß, ob man es auch halten kann? Es ist, als ob man einem Kranken verspricht, es würde ihm morgen besser gehen. Natürlich wird man alles dafür tun, dass es auch so ist, aber der Kern des Versprechens, die Krankheit, liegt außerhalb dessen, was wir beeinflussen können. Manchmal hilft selbst die beste Versorgung nichts mehr. Was ist dann Liebe wert, wenn sie ebenfalls mit solch einer Lüge anfängt?
Ich habe Menschen in meinen Armen sterben sehen, kein Einziger wäre froh darüber gewesen, wenn ich ihm erzählt hätte, es würde alles gut werden. Ich habe jahrelange Freundschaften gesehen, aus denen Liebe wurde und dann innerhalb eines Jahres zerbrochen sind. Wären sie Freunde geblieben, so wären sie das wohl Heute noch. Freundschaft ist das Versprechen, füreinander da zu sein, sich nach bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen, Halt zu bieten. Man kann vielen Halt bieten, von vielen unterstützt werden. Immer dann, wenn es gerade passt. Weil Leben Veränderung bedeutet.
Ich kann dir nur versprechen, dass ich alles tun werde, um, solange es geht, mit dir zusammen sein zu können. Ich liebe dich. Mehr kann ich dir nicht geben."
Sie versuchte, sich von ihm zu lösen, doch er hielt sie zurück. Zu gerne hätte er nun gewusst, was sie dachte, ihr in die Augen gesehen. Vielleicht sagte ihre Haltung, den Kopf direkt nach unten gerichtet, die Arme kraftlos auf den Schoß gelegt, alles aus, was er wissen musste. Er versuchte, sie sanft zu streicheln, sie schnappte nach seiner Hand und hielt sie fest, sodass er sie nicht mehr bewegen konnte. So fest, dass er spürte, wie sich das Blut in den Fingerspitzen staute.
„Du machst es mir nicht gerade einfach ... Wie stellst du dir das vor, wenn wir in einer knappen Woche in Lanan ankommen? Ich gehe meinen Bruder suchen und du deine Aileen? Als wäre nie etwas geschehen? Glaubst du wirklich, ich kann jetzt noch einfach loslassen? Es geht nicht nur um dein Schicksal!"
Aileens Erwähnung versetzte ihm einen Stich in der Magengrube, was sie aber hoffentlich nicht bemerkt hatte. Immerhin ließ sie seine Hand endlich etwas lockerer, wenngleich noch ein leichtes Kribbeln zu spüren war. Er hätte sich schlagen können dafür, sie jemals vor ihr erwähnt zu haben. Wieder einmal wurde ihm unmissverständlich gezeigt, wie unterschiedlich sie beide eigentlich waren. Die anstrengende Zeit im Dorf hatte mehr Wunden wieder aufgerissen, als er wahrhaben wollte. Diesmal würden sie nur nicht einfach mit einer netten Geschichte wieder verschwinden.
„Ehrlich gesagt habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn unsere Reise bis auf weiteres endet. Ich denke aber, in einer Hauptstadt sollte es genug Möglichkeiten geben, meinen Lebensunterhalt zu verdienen ..."
Es klang nicht so überzeugend, wie er beabsichtigt hatte. Davon abgesehen, dass es Jahre her war, seitdem er das letzte Mal längere Zeit in einer Stadt verbracht hatte. Er liebte die Wildnis und die Unabhängigkeit auf Reisen, verabscheute die stinkende Stadtluft. Warum hätte er dahin zurückkehren wollen?
„Ich weiß nicht, ob ich meinen Bruder überhaupt sehen will. Vielleicht ist er auch schon tot oder hat woanders sein Glück gefunden ..."
Sie ließ lange Pausen zwischen den Wörtern, ihre Stimme klang niedergeschlagen, als müsste sie unendlich große Lasten bewegen.
„Lanan ist nicht dafür bekannt, Magier länger als nötig am Leben zu lassen. Bisher habe ich noch nicht daran gedacht, aber ich fürchte, es ist keine gute Idee, wenn du mit mir kommst. Andererseits wärt ihr dann völlig umsonst den ganzen Weg mit mir gegangen ..."
Er spürte die Hoffnungslosigkeit in ihrer Stimme, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Für sie musste es so aussehen, als würde alles, was gestern noch nach einer wunderbaren Zukunft ausgesehen hatte, einfach verschwinden. Das Problem war, dass sie Recht hatte. Lanan war für Magier anderer Länder kein sicherer Ort, auch wenn er gelernt hatte, seine Fähigkeiten unter Verschluss zu halten. Die Wahrscheinlichkeit einen Mann zu finden, von dem sie weder mit Sicherheit seinen Namen noch sein genaues Alter wusste, geschweige denn, ob er sich überhaupt noch hier aufhielt, grenzte an ein Ding der Unmöglichkeit. Und dann war da noch Aileen, von der er nicht einmal selbst wusste, was sie mit einem Mal wieder in seinen Gedanken zu suchen hatte. Wie musste das erst für sie wirken?
„Vor ein paar Tagen wusste ich noch nicht einmal, woher ich heute mein Essen bekommen sollte. Seitdem ich die Akademie verlassen habe, bin ich viel gereist. Und dabei durch Gebiete gekommen, in denen ich hätte umgebracht werden sollen. Vielleicht gab es einen Gott, der der Meinung war, es wäre zu früh. Weißt du, es fühlt sich so an, als sollte ich hier sein. Bei dir. Du hast mir in wenigen Tagen das geschenkt, was mir mehrere Jahre nicht geben konnten: Vertrauen. Wirf es nicht einfach weg ..."
Für einen Augenblick dachte er daran, wie sie ihn in Hügelfelde gerettet hatte, wie nah er dem Schicksal gewesen war, von einem abergläubischen Dörfler einfach dahingerafft zu werden. Allein sie hatte es verhindert. Er hoffte, dass sie sich nicht daran erinnerte, nicht jetzt.
Sie befreite sich aus seiner Umarmung, was er diesmal ohne Widerstand zuließ. Es war so wie so zu spät. Für einen Moment wunderte er sich, dass sie sich direkt neben ihm niederließ. Dann spürte er, wie sie ihn sanft an der Schulter fasste und zu sich drehte. Er hatte keine andere Wahl, als in ihr Gesicht zu sehen, es wirkte wie das einer alten Statue. Versteinert, ausgewaschen und gezeichnet von vielen vergangenen Jahren der Misshandlung durch die Menschen.
Im spärlichen Licht der wenigen zu sehenden Sterne funkelten ihre Augen wie die eines Neugeborenen. Feucht glänzend blickten sie ihn an, als könnte sie allein in seinem Blick alles erkennen. Nicht wissend, sondern neugierig, aufgeschlossen und vielleicht ein kleines bisschen traurig, die gewohnte Umgebung verlassen zu haben. Unsicher, was nun passieren sollte. Gleichzeitig so zerbrechlich, dass man keine andere Chance hatte, als sich in diesen Menschen zu verlieben. Noch ein wenig mehr, als vorher.
„Es verläuft immer gleich, eine Zeit lang, jeden Moment, jeden Atemzug teilt man ... doch was dann?"
Ihre Worte hörten sich an, als würde sie auf einem dünnen Baumstamm balancieren, unaufhörlich damit beschäftigt, nicht herunterzufallen.
„Wer bin ich, über dein Leben entscheiden zu können? Wie soll ich dir erklären, dass es keinen besseren Ort gibt, um Trauer zu spüren, als bei dir? Ich sollte glücklich sein, doch spüre nur Tränen, du siehst mich an, sagst mir, was meine Augen erzählen ..."
Sie schüttelte den Kopf, als hätte sie mitten im Satz entschieden, ihn nicht aussprechen zu wollen.
„Tut mir leid, ich sollte dich nicht dafür verurteilen, was einmal war. Du bist hier und erzählst mir dein Leben. Vertrauen? Ich höre nur zu und schweige. Alles, was du kennst, sind die guten Teile. Du bist ein Heiler Quinn, jemand, der Menschen vor dem Tod rettet. Ich ... kann nichts anderes, als töten! Ich töte Tiere, um zu überleben, hast du eine Ahnung, wie viel Menschen ich getötet habe? Welche Lügen habe ich dir erzählt, dass du mir überhaupt noch in die Augen sehen kannst?"
Ihre Stimme wurde schwächer, bei ihren letzten Worten hatte sie die Augen geschlossen, als ob sie wirklich daran glaubte, dass er ihr nicht in die Augen sehen konnte. Es dauerte einen kleinen Moment, bis er bemerkte, dass sie meinte, was sie sagte. So sanft wie nur möglich legte er ihren Kopf auf eine Schulter und hielt sie fest, bis sich ihre Brust wieder gleichmäßig bewegte. Vielleicht hatte er genau darauf gewartet, als er noch vor eineinhalb Wochen in der Taverne gesessen hatte. Auf jemanden, der sich nicht über einen schwer bewaffneten Heiler wunderte, weil er selbst kein besseres Bild abgab.
Ihre Nähe fühlt sich wunderbar an, wie ein lange vergessener Teil, den er endlich wiedergefunden hatte. Er verwünschte sich für den Gedanken, aber es war unendlich befreiend, dass er nicht der Einzige war, der mit sich selbst kaum zurechtkam. Es war gut, jemanden zum Reden zu haben. Viel besser war es jedoch, dass er für den Kern seiner Erzählungen keine Worte brauchte, damit Daria ihn verstand. Und obwohl sie sich immer wieder vorwarf, ihm nichts zurückgeben zu können, war es nicht wichtig, dass sie etwas preisgab. Vielleicht würde sie das noch tun, vielleicht auch nicht. Bis dahin genoss er mit jeder Faser seines Körpers, dass er sie gefunden hatte. Sie ihn gefunden hatte, verbesserte er sich gedanklich.
Sanft zog er sie zu einem Kuss, er war beinahe überrascht, dass sie es ohne Widerstand zuließ. Sein Kuss wurde fordernder, sein Griff fester, je länger er sie hielt. Für einen Moment wurde er unsicher, als sie versuchte, sich zu befreien, jedoch sofort wieder aufgab. Sie ließ es geschehen, blieb jedoch teilnahmslos. Ein wenig enttäuscht ließ er sie los, sie blickte ihn mit weit geöffneten Augen an, die unverkennbar feucht glänzten.
„Warum?"
Sie ließ ihre Frage im Raum stehen, als wäre sie eine Wand, die sich gerade zwischen ihnen errichtete. Er zuckte zur Antwort entschuldigend mit den Schultern. Es gab keine Antwort auf solch eine Frage.
„Wenn ich das beantworten könnte, dann wäre ich nicht hier."
Und genauso wenig hätte er eine so platte Antwort geben müssen.
Selbst, wenn sie alles andere als fröhlich war, einfach wunderschön blieb sie. Im diffusen Licht der Nacht zeichnete sich ihre Silhouette unscharf ab, ihre ohnehin schon schwarzen Haare sahen aus wie ein dunkler Schatten, der ihren Kopf halb verdeckte. Ihr Gesichtsausdruck war kaum zu erkennen, nur, dass ihr sonst so erfrischendes Lächeln fehlte. Nur ihre Augen blitzen ihn an, wie zwei eigene Sterne.
Sie machte eine Bewegung mit dem Kopf, die er nicht einordnen konnte. Ruckartig nickte sie, ohne ihn dabei anzusehen. Ein einziges Mal, ohne Wiederholung. Er traute sich nicht, zu reagieren. In diesem Augenblick kam ein leichter Windhauch und blies ihm ein Sandkorn ins Auge. Zwang ihn, zu blinzeln, bis er wieder sehen konnte. Als er die Augen wieder öffnete, sein rechtes noch ein wenig gerötet und die Sicht verschwommen, stand sie über ihm.
Irritiert blickte er nach oben, sie bot ihm ihre Hand an. Er ließ sich aufhelfen, sodass sie nun direkt vor ihm stand. So dicht, dass er ihren warmen Atem spüren konnte und keine andere Wahl hatte, als ihr direkt in die Augen zu sehen. Sie glänzten noch immer, aber die Schutzlosigkeit in ihrem Blick war verschwunden. Sie umfasste seine Schultern und zog ihn noch fester zu sich, er spürte ihre Brüste fest an seine gedrückt. Nicht liebevoll, ernst, wie es die Situation hergab.
Irritiert suchte er in ihrem Gesichtsausdruck nach einem Hinweis darauf, was sie vorhatte, doch fand nicht das Geringste.
„Du gehörst mir, klar?"
Sie versuchte, streng zu klingen, und versagte dabei. Er musste lachen.
„Jedenfalls für heute Abend", antwortete er. Bilder tauchten in seinem Kopf auf.
Froh darüber, dass sie einfach nur ein paar Minuten gebraucht hatte, um sich zu sammeln, versuchte er es erneut mit einem Kuss, noch ein wenig fordernder als zuvor. Die Bilder wurden zu Szenen, in einer Stadt. Einer großen Stadt.
„Für heute", flüsterte sie, als sie sich für einen Augenblick voneinander lösten. Es hatte einen leicht traurigen Unterton, sie hielt ihn jedoch davon ab, darüber nachzudenken, indem sie ihn ohne Umwege von seinem Umhang und dem Hemd darunter befreite. Vor seinem inneren Auge explodierte etwas.
Sie war direkter, als er es von ihr kannte. Zu direkt, als dass sie ihn ablenkte, darüber nachzudenken. Erinnerungen wachzurufen. An die falschen Momente. An eine Zeit, als er versucht hatte, jemanden mit allen Mitteln zu vergessen. Frauen für diese Art von Direktheit bezahlt hatte, damit sie nicht darüber nachdachten, wer er war oder was er tat, um sie bezahlen zu können. Erinnerungen an jemanden, der exakt dieselben Worte wie Daria verwendet hatte. Und einen Augenblick später ein Messer im Rücken gehabt hatte.
Er sah Daria abermals in die Augen, sie senkte jedoch sofort den Kopf, wich seinem Blick aus. Wie selbstverständlich entfernte sie seine restliche Kleidung und begann damit, ihm sanft über den Bauch zu streichen, in Richtung seines noch nicht einmal vollständig erhärteten Glieds. Er reagierte kaum merklich, als sie es berührte, doch dass schien sie nicht zu stören. Liebevoll begann sie damit, ihn zu massieren, doch ihre kalten Hände fühlten sich seltsam an.
Zu seiner Überraschung spürte er, wie ihm langsam warm wurde, ohne es wirklich zu wollen. Natürlich konnte der Tag nicht besser beendet werden, als auf diese Weise. Am Ende gab es keine schönere Vorstellung, als mit ihr zu schlafen. Sie war attraktiv und die beste Frau, die er sich an seiner Seite vorstellen konnte. An seiner Seite, nicht unter ihm. Was auch immer sie ihm beweisen wollte, es bewirkte das Gegenteil.
Endlich sah sie ihn an, mit denselben Augen, wie immer, wenn sie zusammen waren. Sie erwartete, dass er glücklich war, ihr eventuell durch die Haare strich, sie zu einem Kuss heranzog, damit begann, ihre Brüste zu massieren. Zufall oder nicht, an ihrem Gewand hatte sich der oberste Knopf gelöst und gab ihm von oben einen noch tieferen Einblick, als ohnehin schon. Sie war perfekt, er konnte sehen, dass ihre Nippel hart waren. Die schönste Frau der Welt kniete vor ihm, bot alles an, was er sich vorstellen konnte.