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Click hereAls er schließlich antwortete, musste er sich zusammenreißen. „Nein, schon gut. Ich...ich habe es schließlich völlig aus freien Stücken erzählt, oder?" Wieder war seine Pause länger als nötig und der letzte Schluck Bier fiel dieser zum Opfer. „Danke. Danke dafür, dass du es einfach so akzeptiert hast, wie ich es erzählt habe, auch wenn... ich einige Teile ausgelassen habe. Du bist der erste Mensch, dem ich begegne, der mir einfach zugehört hat, ohne mich mit Vorwürfen und Argumenten, wie ich mich anders hätte verhalten sollen, zu unterbrechen." Den Teil, wie groß seine anfängliche Skepsis gewesen war, hatte er verschwiegen, doch es war nicht mehr wichtig. Es war egal, woher sie kam oder was sie einmal getan hatte, sie hatte ihm zugehört und ihn akzeptiert, mindestens derselbe Respekt gebührte ihr und er war gerne bereit, diesen zu gewähren.
Ohne ein Wort zu sagen stand sie auf und verschwand im Gedränge der Taverne. Sie hatte ihn einfach mit seinem leeren Bierkrug zurückgelassen. Mit ihr war auch die Geborgenheit verschwunden, die er geglaubt hatte bei ihr zu finden. Dennoch, es war erlösend gewesen, jemanden zum Reden zu gehabt zu haben. Dass eine Waldläuferin unnahbar war, hatte er von Anfang an gewusst und es war ihm egal gewesen. Nichtsdestotrotz löste ihr Verschwinden ehrliches Bedauern bei ihm aus, ihre Gesellschaft hatte gut getan.
II.
Gerade als er sich zum Gehen aufmachen wollte, tauchte sie wieder auf, mit zwei vollen Bierkrügen in der Hand. Er hatte bereits halb gestanden, ließ sich jedoch sofort wieder fallen, als Daria unbeirrt und mit einem ehrlich wirkenden freundlichen Lachen auf ihn zukam. Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er seinen Blick nicht von ihr losreißen können, sie übte eine fast schon magische Anziehungskraft auf ihn aus.
„Du denkst doch nicht etwa, ich würde einfach ohne ein Wort verschwinden? Glaub mir, wenn ein Mensch bereit ist mir so viel von sich zu erzählen, werde ich bestimmt nicht so taktlos sein und ich dachte, ich sollte mich wenigstens ein wenig revanchieren, oder?" Mehr als ein Nicken brachte er nicht zu Stande, als sie einen der beiden Krüge vor ihm abstellte.
„Also, ab welcher Stelle hast du vorhin nicht mehr richtig zugehört?" Obwohl sie ihn beinahe vorwurfsvoll ansah, war ihre Stimme weiter hell und freundlich. Sie war ihm nicht böse, sie akzeptierte es einfach als gegeben und war völlig uneigennützig bereit, sich ihm genauso zu öffnen wie er es zuvor getan hatte.
Ein weiteres Mal ließ er seine Augenlider bei einem Blinzeln länger als nötig geschlossen um sich von ihrem Anblick losreißen zu können. Sie weckte Begierden in ihm, die er um jeden Preis unterdrücken würde, sie waren noch mit zu schmerzhaften Erinnerungen beladen, an Aileen...
Kaum merklich schüttelte er den Kopf, um auch sie aus seinen Gedanken zu vertreiben. Aileen war für alle Zeiten in seiner Vergangenheit, er musste sich endlich dazu durchringen, das hier und jetzt zu genießen und den Moment weder durch seine Vergangenheit noch durch pubertäre Begierden zu zerstören. Daria war ihm wichtig geworden, so wichtig, dass er sie mit diesen Dingen auf keinen Fall konfrontieren würde.
„Du kannst die Augen ruhig aufmachen, oder ist mein Anblick dermaßen abstoßend?" Er hatte die Augen immer noch zugepresst gehabt, nun riss er sie beinahe erschrocken wieder auf. „Nein, bestimmt nicht. Im Gegenteil..." Seine Antwort kam schnell, die Folge war, dass er sich nun eigentlich am liebsten die Zunge abbeißen würde. Der Vorsatz, sich bloß nicht von seinen Gedanken in die Irre führen zu lassen, hatte im wahrsten Sinne des Wortes nicht mal einen Augenblick lang gehalten...
Auf ihr lautes Lachen zur Antwort drehten sich sogar einige der anderen Gäste zu ihnen um, wendeten sich zum Glück aber kurz darauf wieder ihren eigenen Gesprächspartnern zu. „Schön zu erfahren, dass ihr wenigstens in der Hinsicht gewöhnlich geblieben seid!" Sie hatte laut gesprochen und war unbewusst wieder vom DU abgewichen, einen Moment lang zweifelte er ob sein letzter Satz nicht für seinen Untergang gesorgt hatte. Als sie ihre Stimme wieder senkte, verpufften diese Bedenken jedoch.
„Ich hatte schon gedacht, dass der Krieg alles genommen hätte..." Es war nicht ihre Aussage, die seine Zweifel zerstreute, sondern vielmehr ihr beinahe unbewusst scheinendes Glattziehen ihrer Kleidung. Für einige wenige Sekunden während dieser Tätigkeit verschwanden die verhüllenden Falten und offenbarten ihm zwei perfekt geformte Brüste, die sich durch den Stoff drückten, sie schien sie ihm durch ein leichtes Strecken sogar zu präsentieren. Sie waren wohl etwas größer als seine Hände, allerdings in der Form zweier perfekter Halbkugeln, inklusive kleiner Erhebungen darauf, die sich ebenso deutlich durch den Stoff abzeichneten.
Wieder glitten seine Gedanken ab, stellten sich vor, wie es wäre, mit seinen Händen um ihre Brustansätze herum zu streichen, in immer kleiner werdenden Kreisen sich den Rubinen darauf zu nähern und diese schließlich mit heißen Küssen zu bedecken. Er sah ihren entblößten Körper förmlich vor sich, der Ursprung der Schönheit und Verführung.
Langsam fuhr er mit seinen Händen ihren Bauch entlang, stoppte kurz vor ihrem Venushügel und ließ sie über ihren Rücken wieder nach oben wandern. Er drückte ihren zarten Körper an sich, spürte jeden einzelnen Pulsschlag und wie ihr Puls immer schneller wurde. Langsam trafen sich ihre Lippen und er wurde in den Himmel gehoben, an einen Ort der puren Lust.
Er schien zu fliegen, in einem Traum der Unendlichkeit. Sie begannen einen zarten Tanz, zur Musik der Leidenschaft ihrer Seelen. Der Takt wandelte sich von einer anfangs noch erwartungsvoll-ruhigen Lage zu einem Staccato ihrer Herzen, das seine Brust zu sprengen drohte.
Langsam ließ er seine linke Hand wieder tiefer wandern, strich dabei noch einmal über ihre sich heftig hebende und senkende Bauchdecke, bis er an ihrem Lustzentrum angelangt war. Vorsichtig ließ er einen Finger über den Eingang zum Paradies gleiten, sich seiner ebenfalls zum äußersten aufgerichteten Erregung bewusst. Sie würde noch einen Moment warten müssen, er wollte ihr einen unvergesslichen Moment schenken.
*****
Sie sah ihn an, als hätte sie nichts getan, musste jedoch erkennen können, wie unglaublich schwer es ihm fiel, seinen Blick wieder auf ihr Gesicht zu zentrieren. Während eines ausgiebigen Schluckes aus ihrem Bierkrug legte sie den Kopf in den Nacken und brachte so ihren Oberkörper erneut gekonnt zu Geltung, der nun jedoch wieder ein wenig bedeckter war. Es verhinderte dennoch effektiv, dass er ihren Anblick in den nächsten Stunden würde vergessen können.
Zum nun zweiten Mal an diesem Abend begann sie damit, auch ihn ein wenig in ihre Vergangenheit blicken zu lassen. Er war jedoch so krampfhaft damit beschäftigt, seinen Blick nicht nach unten abgleiten zu lassen, dass nicht mehr als ein paar Wortfetzen bei ihm ankamen. In diesem Moment fühlte er sich wieder in die Zeit zurückversetzt, in der er von der Akademie abgegangen war und verfluchte sich innerlich für derartige Gedanken, dennoch fühlte es sich auf eine zwar falsche, aber schöne Art und Weise gut an.
Er wusste nicht, wie lange sie so dagesessen hatten, als sie mit einem leicht ironischen Kopfschütteln abbrach, es konnte jedoch nicht allzu lange gewesen sein, denn weder von ihrem noch von seinem Bier fehlte etwas, seitdem sie angefangen hatte. Ihre Stimme wurde zu einem leisen Flüstern, worum er ihr in diesem Moment sehr dankbar war. „Abgesehen davon, dass ich deinen Anstand wirklich nobel finde, ist es dir mehr als deutlich anzusehen, wie krampfhaft du mich ansiehst. In deinem Fall wäre es glaube ich unauffälliger, wenn du es einfach lassen würdest..."
Es gab Momente, da würde man am liebsten im Boden versinken, in diesem Moment jedoch hielt er ernsthaft nach einem Dolch oder ähnlichem Ausschau, um diese Folter endlich beenden zu können. Es war nicht genug damit, dass er es nicht schaffte, seine Triebe im Zaum zu halten, sondern sie wies ihn auch noch voller Schadenfreude darauf hin. Vielleicht wäre es wirklich einfacher, er würde, jedenfalls was das betraf, nachgeben, doch irgendetwas in ihm sperrte sich noch dagegen.
Daria war die erste Frau seit Jahren die ihm so etwas wie Vertrauen schenkte und die Tatsache, dass er einer Waldläuferin gegenübersaß, durfte er auch nicht außer Acht lassen. Er durfte, wollte sie nicht durch seine banalen Gedanken wieder in die Flucht schlagen, wollte, dass sie länger als nur für eine halbherzige Nacht bei ihm blieb, die mehr in ihm zerstören würde, als er verkraften würde. Sie war zu einer Freundin geworden, der er mehr erzählt hatte, als er vorgehabt hatte, nun wollte er sie nicht als Geliebte für eine Nacht in Erinnerung behalten müssen.
„Bevor du noch auf die Idee kommst dich möglichst schnell von mir zu entfernen, sollte ich mich glaube ich bei dir entschuldigen, ich wollte dich nicht unter Druck setzen." Ihr Tonfall hatte wieder eine normale Lautstärke angenommen, allerdings glaubte er in ihren Worten mehr mitschwingen zu hören, als sie aussprach, wahrscheinlich entsprang dies jedoch nur seinem Wunschdenken. Mit einem großen Schluck aus seinem Krug versuchte er seine Gedanken wieder klar zu bekommen, das Gefühl jedoch blieb.
„Ich weiß nicht wie viel du letztendlich mitbekommen hast, aber als ich gesagt habe, dass unsere Vergangenheit gar nicht so verschieden ist, habe ich das ernst gemeint und... dass ich ähnlich wie du schon mehr Leben auf dem Gewissen habe als ich zählen kann leider auch. Ich kann jedoch niemanden vorweisen, den ich geheilt hätte, bis auf mich selber, um weitere Leben zu nehmen." Sie ließ eine kurze Pause, zuletzt hatte ihre Stimme einen leicht traurigen und schweren Unterton bekommen, den sie aber sofort wieder verschwinden ließ.
„Ich glaube es wäre fair, wenn ich einfach für Fragen offen bin, oder?" „Was macht eine Waldläuferin wie ... wie du in einer Taverne wie dieser hier?", platzte es ihm ziemlich direkt heraus, eine Frage die ihn schon die ganze Zeit beschäftigte. Egal wie viel Vertrauen er mittlerweile zu ihr geschöpft hatte, dieser Umstand entzog sich nach wie vor seiner Logik.
Bei ihrer Antwort schien ihre Stimme wie getragen, sie bemühte sich sichtlich um einen normalen Tonfall, konnte jedoch ihre wahren Gefühle nicht ganz verbergen. „Reicht es, wenn ich einfach sage ich bin hier? Nein, es wäre nicht gerecht, ich weiß..." Er setzte zu einem leichten Kopfschütteln an, wollte sie auf keinen Fall zu irgendetwas gegen ihren Willen drängen, doch sie fuhr ungerührt, aber im selben schwermütigen Tonfall fort.
„Die Waldläuferinnen die du getroffen hast, waren wahrscheinlich ohne Ausnahme angesehene Frauen, die den ihnen gebührenden Respekt auch eingefordert haben. Es waren wahrscheinlich Frauen, die innerhalb meines Volkes eine höhere, also offizielle Position bekleidet haben. Der Rest bleibt normalerweise unter sich, innerhalb ihres Stammes."
Ein bitteres Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie ließ einige Atemzüge verstreichen, bevor sie fortfuhr. „Genau genommen könntest du mich wahrscheinlich sogar als Stammesführerin betrachten." Sie sah, wie er leicht zusammenzuckte, was ihr bitteres Lächeln, welche sie wie eine Maske aufgelegt haben zu schien, noch eine Spur tiefer werden ließ. „Eigentlich habe ich jedoch keinen Stamm mehr, den ich führen könnte. Ich bin die letzte ... Jedenfalls aus meiner Familie, meinem ehemaligen Stamm."
„Oh...Tut mir leid...". Zu einer anderen Reaktion war er im Moment nicht fähig. Er unterhielt sich mit einer Stammesführerin der Waldläuferinnen als wäre sie eine der Söldnerinnen aus seiner Kompanie, sogar noch um einiges tiefgängiger, und fragte sie über ihre Vergangenheit aus. Es gab wirklich Dinge, die waren unwahrscheinlich und widerfuhren ihm trotzdem regelmäßig, aber das...
„Muss es nicht, es ist meine Vergangenheit und nur ich allein muss damit fertig werden, kein Anderer. Du würdest mir einen Gefallen tun, wenn du mich nicht wie eine Königin bedauern würdest, die gerade ihren Sohn verloren hat, sondern einfach so weiterredest wie bisher, vielleicht noch ein wenig offener... Behandele mich einfach wie eine normale Frau, die du in einer Taverne triffst. Bitte." „Nein!", widersprach er vehement. Einen Moment überlegte er, wie er es formulieren sollte, dann entschied er sich dafür, ihr gegenüber genauso offen zu sein, wie sie ihm.
„Ich werde deinen ... Stand meinetwegen außer Acht lassen, wenn du es willst, aber ich werde dich nicht wie eine normale Frau behandeln, die ich in der Taverne getroffen habe, weil..." Beinahe hätte er ihr gesagt, dass sie dafür zu bereits zu viel wusste, entschied sich dann aber gerade noch für eine bessere Formulierung, jedoch nicht ohne vorher noch einmal tief durchzuatmen. „Weil du die erste bist, der ich so viel erzählt habe. Weil ... ich durch dich wieder etwas gespürt habe, was ich seit Jahren ignoriert habe. Weil ... bei allen Göttern die ich kenne, weil ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder weiß, was Vertrauen heißt..."
Er wusste, dass er sich eben höchstwahrscheinlich um Kopf und Kragen geredet hatte und wie unglaubwürdig es klingen musste, wenn man eine quasi-Liebeserklärung von jemandem erhält, den man erst seit gut zwei Stunden kennt, aber er konnte nicht mehr. Sie hatte ihm mehr Vertrauen geschenkt, als er je von einer Person bekommen hatte und ... er fühlte sich aus seinem tiefsten Inneren heraus geborgen, wenn sie ihn ansah, ihn einfach nur mit einem Blick behütete, der sämtliche Stellen seines Körpers zu erreichen schien.
Zum ersten Mal an diesem Abend war nun Daria diejenige, die sichtlich Probleme hatte, das eben gehörte richtig einzuordnen. Ihr beruhigender Blick war einem beinahe erschrockenem gewichen, ihn direkt fixierend. Sie hatte ihre Augen für den Bruchteil einer Sekunde weit aufgerissen, besann sich jedoch schnell darauf, dass eine derartige Reaktion sehr leicht missverstanden werden könnte.
„Weißt du, was du eben damit gesagt hast?", fragte sie mit einem Gesichtsausdruck, der sehr genau vermuten ließ, was gerade in ihr vorging, auch wenn er nicht erkennen konnte, ob diese Gedanken ihm wohlgesonnen waren oder nicht. „Ja...ich sollte jetzt glaube ich gehen.", antwortete er mit tonloser Stimme, sich darüber im Klaren, dass er seine Grenze überschritten hatte.
*****
Mit einer etwas zu schwungvollen Bewegung stand er auf und blieb mit seinem Bein am Tisch hängen. Ein blitzartiger Schmerz durchzuckte seinen gesamten Körper und ließ ihn beinahe wieder zurücksinken. „Ich wünsche euch einen angenehmen Abend.", brachte er gepresst hervor, der Schmerz in seinem Bein ließ sich jedoch nicht ganz verstecken. Ohne sie noch einmal anzusehen machte er sich auf den Weg in Richtung Tür, sich innerlich beinahe für seine Fähigkeit beglückwünschend, ein Gespräch so effektiv völlig zu ruinieren.
Auf halber Strecke spürte er, wie ihn eine Hand an der Schulter festhielt. In der Erwartung, es handele sich um einen betrunkenen Gast, versuchte er genervt die Hand abzuschütteln, hatte jedoch keinen Erfolg. Mit einem missmutigen Gesichtsausdruck und ein paar scharfen Worten auf der Zunge drehte er sich um, bereit sich gegen einen dieser Trinker zu wehren, die anscheinend jeden Abend eine Schlägerei anzuzetteln versuchten, dabei zum Glück aber nur selten von Erfolg beschieden waren.
Der Anblick von Darias Gesicht kam dermaßen unerwartet, dass sämtliche Reaktionen, die er sich bereit gelegt hatte mit einem Schlag ehrlicher Überraschung wichen. Ihre Lippen formten das Wort „Bleib" und er ließ sich völlig überrumpelt von dieser Situation ohne ein Wort wieder zu dem Tisch zurückziehen, an dem sie gesessen hatten. Er hatte vielleicht damit gerechnet, dass sie ihn mit einem ordentlichen Schlag ins Gesicht verabschiedete, aber bestimmt nicht damit, dass sie ihn dazu aufforderte zu bleiben. Dass sie sich nicht wie vorher gegenüber hinsetzte, sondern neben ihm auf der Bank platznahm registrierte er nur noch am Rande.
Erst als sie einen Arm um seine Schultern legte, begann sein Verstand wieder zu arbeiten, schrie ihn jedoch lautstark an, dass er so viel Glück definitiv nicht verdient hatte. „Warum...?" war das einzige Wort, was er mit ein wenig Konzentration herausbrachte.
„Weil du der erste bist, der wirklich ehrlich zu mir war. Und weil du eine besondere Gabe hast, die du nicht einfach ignorieren solltest: Verständnis. Ich bin in den Augen der meisten Menschen eine Ausgestoßene ohne Volk, eine Mörderin, aber du verurteilst mich nicht sondern gibst mir etwas, was auch ich sehr lange nicht mehr erleben durfte. Dein Vertrauen bedeutet mir mehr als du dir vielleicht vorstellen kannst. Du...wir sind uns auf eine groteske Weise ähnlich, bitte..." Ihre Worte schienen zu schweben, und legten sich ganz sanft um ihn. Sie sagte die Wahrheit, das wusste er.
Jedes weitere Wort hätte die Magie des Augenblicks zerstört, die sie im Moment wie ein Umhang umgab. Also blieb er einfach still und versuchte eine logische oder wenigstens nachvollziehbare Erklärung dafür zu finden, was in den letzten beiden Stunden passiert war. Einerseits war es viel zu schnell gegangen, andererseits konnte er nicht genug bekommen und sie hatte ihn mehrmals dazu bewegt weiter zu gehen, als er zu hoffen gewagt hatte. Er sah sie nicht an, als er sprach, dafür hätte er im Moment nicht die Kraft gehabt.
„Meinst du wirklich, es ist richtig, wenn wir..." Der Satz benötigte keine Fortführung, es war auch so eindeutig, worüber er sprach. „Was richtig oder falsch ist weiß ich schon lange nicht mehr..." Sie ließ ihm keine ernsthafte Möglichkeit zu antworten, Daria hatte sich so zu ihm gedreht, dass ihre Lippen sich nur noch Millimeter vor seinen befanden, beinahe ungeduldig auf sein Einverständnis wartend.
Er zögerte einen kurzen Moment, ihr Angebot anzunehmen. Noch immer hatte er sich nicht entschieden, ob es klug war, sich voll und ganz auf Daria einzulassen und was genau hatte sie damit gemeint, als sie gesagt hatte, sie wüsste schon lange nicht mehr, was richtig oder falsch sei? Dennoch, der Schrei seiner Seele sich endlich zu öffnen war stärker als sein innerer Widerstand, mehr als enttäuscht werden konnte er nicht und wenn er mit einem Dolch in der Brust aufwachen würde, müsste er sich darum auch keine Gedanken mehr machen.
Sie hatte ihn die ganze Zeit genauestens beobachtet und als er seinen Blick hob und ihr in die Augen sah, interpretierte sie das folgerichtig als sein Einverständnis. Zum ersten Mal seit Jahren küsste er eine Frau wieder, weil sie ihm etwas bedeutete, nicht nur weil er mit ihr schlafen wollte.
Vorsichtig trafen sich ihre Lippen, erkundeten scheu den Anderen. Ihre Lippen waren ein wenig rau, und dennoch war ihre Berührung sanfter als alles andere. Er spürte ihren Arm in seinem Rücken, der ihn immer fester zu umklammern schien, ihr heißer Atem in seinem Gesicht umhüllte ihn und hob ihn in eine andere Welt, in der nur sie und er existierten.
In einem Winkel seines Verstandes fragte er sich immer noch, ob es nicht nur ein weiterer Traum war, eine Wahnvorstellung, die ihn in der echten Welt einfach nur mit einem leeren Blick in sein Bierglas starren lies. Wünschte er sich diese Situation einfach nur stark genug herbei, sodass es wie die Wirklichkeit erschien? Er hatte schon von Krankheiten gehört, bei denen sich Leute nicht existente Dinge vorstellten, auch wenn es beinahe unmöglich war, dass sie dies wirklich erlebt hatten. Er hatte jedoch nie derartige Halluzinationen gehabt, es war also unwahrscheinlich, dass sie gerade jetzt auftraten.
Ihre Zunge bat zärtlich um Einlass, welchen er ihr diesmal ohne Zögern gewährte. Sie schien um seine Lippen und seine eigene Zunge herumzutanzen und ließ ihm keine andere Wahl, als sich ihr vollkommen hinzugeben. Sie umspielten einander wie zwei junge Hunde dies tun würden: Ein wenig unbeholfen aber liebevoll und voller Leidenschaft.
Behutsam löste er den Kuss nachdem ihm immer weniger bewusst war, wie viel Zeit vergangen war. Es war beinahe schmerzhaft mit einem Mal wieder die Umgebung auf sich einstürzen zu spüren, nachdem er sich wie auf einer Wolke im Himmel schwebend gefühlt hatte, doch hier war nicht der richtige Ort, um weiter zu gehen. Die Frage nach der richtigen Zeit hatte er mittlerweile beantworte: Sie war gekommen, solange sie bei ihm war gab es keine falsche Zeit, nicht mehr.