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Erinnerungen 01

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Erelyn
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War es Schicksal? Ich habe mich an den Gütern eines Toten bereichert, denn der Sohn bestand darauf, dass ich einen Teil des ehemaligen Besitzes seines Vaters behalte. Ich hätte ihm schließlich ein freies Leben geschenkt. Wahrscheinlich hält er mich für den Mörder seines Vaters und hat mich dafür bezahlt und ich unternahm nichts um diesem Eindruck entgegen zu wirken.

Ein ausgelöschtes Leben für das Glück von zwei anderen. Ist das Gerechtigkeit?"

„Nein.", beschied sie, ihre Stimme hatte jedoch einen traurigen Unterton und er verfluchte sich bereits dafür, ihr dies erzählt zu haben. Es war genug, wenn er mit diesen Problemen zu kämpfen hatte, sie hatte mit all dem nichts zu tun.

Sie wünschte sich bestimmt einen Gefährten, der sie glücklich machte, der ihr die Freude des Lebens zeigen konnte, ihr das geben konnte, was ihr gebührte. Er hingegen tat nichts weiter als Geschichten aus seinem ohnehin bereits verwirkten Leben zu erzählen. Das Einzige, wozu er im Moment die Möglichkeit hatte, war sie zum Lächeln zu bringen, ihre Reise erträglich zu machen. Sein erster Versuch war gründlich misslungen.

„Nein, es ist nicht gerecht. Es ist aber der Lauf des Lebens, den sich der tote Händler ausgesucht hat, ob nun freiwillig oder nicht. Wir können Vergangenes nicht rückgängig machen. Du musst nur vor dir selbst Rechenschaft ablegen, der Tod des Händlers wurde nicht durch deine Hand verursacht. Gerechtigkeit existiert nur dort, wo wir sie uns wünschen und alles Andere vergessen."

Sie sah ihn mit einem müden Lächeln an. Ohne dass er etwas getan hätte, verschwand jedoch der müde Unterton und wurde zu einem fröhlichen. „Akzeptiere die Gegenwart wie sie ist und sieh das Schöne in ihr, die Vergangenheit sollte auch vergangen bleiben."

Ihr Selbstvertrauen war bewundernswert. Sie hatte davon gesprochen beinahe jeden verloren zu haben, schaffte es aber dennoch dem vor ihr liegenden mit Hoffnung entgegen zu treten. Diese Kraft hätte er auch gerne gehabt, doch im Gegensatz zu ihr brachte er es nicht fertig, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Sie verfolgte ihn Tag und Nacht, bei Gelegenheit würde er sie vielleicht fragen, woher sie ihre Selbstsicherheit nahm. Für den Moment aber war es wahrscheinlich besser das Thema auf sich beruhen zu lassen.

Ihm fiel ein, dass er immer noch nicht viel Genaueres über Darias Vergangenheit wusste, außer dass sie ebenso wie er viel getötete hatte und das sie nun auf der Suche nach ihrem Bruder war. Er musste sich jedoch eingestehen, dass es nicht ihre Schuld war, dass er so wenig wusste, am Vorabend hatte sein Verstand einige Aussetzer gehabt.

Auch er hatte ein wichtiges Detail ausgelassen, als er ihr seine Vergangenheit erzählt hatte, obwohl sie allein dadurch, dass er auf einer Akademie den Beruf des Heilers gelernt hatte eventuell eine Ahnung habe könnte. Er würde es ihr nicht auf die Nase binden, es war im Laufe der Reise aber vermutlich unvermeidlich, dass sie davon erfuhr. Früher oder später würde es notwendig werden.

Bei dem Gedanken daran, wie sie wohl die erste Nacht verbringen würden begann sein Herz ein wenig schneller zu schlagen, obwohl seine Hoffnungen unbegründet waren. Wahrscheinlich würde jeweils einer Wache halten, während der andere im Zelt schlief, dies wäre das Sicherste für beide und würde einen ruhigen Nachtschlaf bedeuten. Jedenfalls für sie, ob er würde schlafen können, wusste er nicht.

Wie lange es wohl dauern würde, bis sie in Lanan eintrafen? Sofern sie weiter den Weg zu Fuß bestreiten wollten, würden mehrere Wochen ins Land ziehen, bevor sie ihr Ziel erreichten. Er hatte schon früher lange Reisen unternommen, im Prinzip war sein ganzes Leben nach dem Akademieabschluss eine einzige Reise, dabei war er jedoch entweder in Begleitung der Söldnerkompanie gewesen oder war immer mal wieder für ein paar Tage bis hin zu einigen Wochen an einem Ort geblieben, sofern es dort genug Möglichkeiten gab, um Geld zu verdienen.

Die Sonne war beinahe am Zenit angekommen und durch den anstrengenden Marsch begann sich langsam ein Hungergefühl in ihm auszubreiten, es war so wie so Zeit für eine Pause. Wenn sie ununterbrochen ohne angemessene Pausen laufen würden, könnten sie spätestens nach einer Woche keinen Schritt mehr laufen, also hielt er nach einer Stelle Ausschau, an der sie für die Zeit der Rast von der Straße nicht zu sehen waren. Aus seiner Erfahrung wusste er, dass es nie praktisch war, während seines Mittagsmahles einen Händler oder ähnliches zu treffen, diese Leute hielten einen nur auf und sorgten allenfalls dafür, dass man ihnen etwas abkaufte um sie wieder loszuwerden.

Ein Stück entfernt lief ein kleiner Fluss entlang, der von einer kleinen Baumgruppe umgeben war, das musste reichen, außerdem war die Möglichkeit auf frisches Wasser immer ein Vorteil. Mit einem Arm deutete er in die Richtung, bevor er etwas sagen konnte nickte Daria und lenkte ihre Schritt herunter vom Weg zu der Baumgruppe.

„Wie ich sehe bist du es gewohnt, einen Marsch wie diesen zu absolvieren. Eine kleine Pause sollte helfen, dass wir unser Tempo auch in den nächsten Tagen halten können." Ihre Stimme bekam einen spöttischen Unterton. „Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass du mit mir mithältst. Ich bin es gewohnt lange Strecken zu laufen, die meisten machen nach zwei oder drei Stunden schlapp, aber du scheinst beinahe als wären wir gerade eben erst aufgebrochen."

„Ich bin mehrere Jahre in kompletter Rüstung marschiert und habe zusätzlich zu meiner eigenen Ausrüstung noch einen Teil des Truppenbesitzes tragen müssen. Über die Zeit bekommt man eine gewisse Disziplin anerzogen..." Dass sein wirklich außergewöhnlich leichtfüßiger Gang noch andere Gründe hatte, verschwieg er.

Ebenso wie sie hatte er damit gerechnet, dass sie deutlich schneller und ausdauernder wäre wie sie, jedoch aufgrund der Annahme, sie hätte nicht viel Gepäck außer ihrem Bogen und einem kleinen Rucksack, der jedoch zu seinem Erstaunen dieselbe Größe hatte wie seiner. Seine Annahme war jedoch noch auf der Basis von Erinnerungen getroffen worden und er sah ein, dass es unmöglich war, eine längere Reise ohne die nötige Ausrüstung anzutreten. Deshalb hatte er auch am Morgen noch einige Vorbereitungen getroffen, es hatte sich jedoch herausgestellt, dass sie größtenteils unnötig gewesen waren und nun war er dementsprechend ausgeruht.

Mit einem herausfordernden Lächeln blickte er sie an, während sie sich nach einer provisorischen Sitzmöglichkeit am Flussbett umsahen. Nein, er würde ihr nicht den wahren Grund seiner Leichtfüßigkeit verraten, sie würde es früh genug erfahren, außerdem tat es gut, dass auch er gegen sie eine Art Trumpf hatte, gegen ihn reichte schon ihre bloße Anwesenheit. Immerhin hatte er es geschafft, bisher nicht zu abgelenkt allzu wirken.

Schließlich hatte sie einen größeren trockenen Stein gefunden, der Zugang zum Wasser bot. Trotz allem erleichtert, wenigstens für einen Moment die Last seines Rucksacks loszuwerden, ließ er sich darauf sinken und kramte in einer der vorderen Taschen nach ein wenig Brot und einem Becher, mit dem man Wasser aus dem Fluss holen konnte. Der Wasserschlauch war noch voll und blieb am besten so, solange sie die Möglichkeit hatten, Wasser aus einem Fluss zu holen.

Als er den Becher gefunden hatte stieg er hinunter zum Wasser, direkt hinter Daria, sodass er die Möglichkeit hatte jede ihrer Bewegungen genau zu studieren. Egal wie sehr er sich anstrengte, sie schien seinen Blick wie ein Magnet anzuziehen und er schaffte es nicht, seinen Blick von ihr zu lösen, auch nicht, als er sich schließlich bückte, um ein wenig Wasser aus dem Fluss zu schöpfen.

Ob es nun Glück war oder nicht, jedenfalls sah er so, dass sie auf einem glatten Stein ausrutschte, als sie sich gerade wieder aufrichten wollte. Geistesgegenwärtig hielt er sie mit seiner linken Hand, in der er keinen Becher hielt am Oberarm fest, schaffte es jedoch nicht mehr ihren Fall zu bremsen und wurde selbst mit umgerissen, da auch er nur auf einem kleinen Kiesstück stand, welches keinen sonderlich guten Halt bot. Er selbst konnte sich abfangen, sie sich jedoch nicht mehr, da er ja einen Arm von ihr festgehalten hatte.

In ihr Gesicht trat ein schmerzverzerrter Ausdruck, als sie sich auf ihrer rechten Hand abstützte um aufzustehen und sie strafte ihn mit einem vorwurfsvollen Blick. „Einer Frau in Not hilft man auf, oder lernt man so etwas auf der Akademie nicht?" Sie versuchte hörbar anklagend zu klingen, konnte einen leicht belustigten Unterton jedoch nicht verbergen. „Wenn es für eine Belehrung reicht, kann die Frau nicht zu sehr in Not sein...", entgegnete er im selben Tonfall, zog sie jedoch gehorsam auf die Beine, als er aufgestanden war. Dabei versuchte sie sich erneut auf ihrer Hand abzustützen, unterließ es aber sofort, als es sichtlich schmerzte.

„Was ist mit der Hand? Lass mich das am Ufer bitte einmal genauer ansehen." Bei den meisten Menschen, hätte er wahrscheinlich nicht so besorgt reagiert, sie war eben auf die Hand gefallen, da war es ganz natürlich, dass sie ein wenig schmerzte und in ein bis zwei Stunden würde sich das wahrscheinlich wieder gelegt haben. Bei ihr fühlte er sich jedoch irgendwie verantwortlich. Eine einigermaßen rationale Erklärung dafür war vielleicht, dass er es nicht geschafft hatte, sie aufzufangen, er wusste jedoch, dass seine Fürsorge andere Gründe hatte.

„Ist nicht schlimm" , winkte sie ab und ging die paar wenigen Schritte zu ihrem Rastplatz. Auch wenn er sich damit nicht zufrieden geben wollte, schwieg er für den Moment und folgte ihr, nicht dass sie ebenfalls bemerkte, dass seine Fürsorge nicht nur rein rationalen Ursprungs war.

Eine Zeit lang saßen sie schweigend nebeneinander und aßen ihre jeweilige Essensration. Sie ärgerte sich offensichtlich über sich selbst, dass sie sich so unvorsichtig angestellt hatte und schien das Brot in ihrer Hand beinahe mit Blicken töten wollen. Ihm fiel auf, dass sie zum Essen ausschließlich die linke Hand benutzte, es schmerzte demnach mehr, als sie zugab.

Nachdem er mit seiner Portion fertig war, starte er einen neuen Versuch, wieder ein lockeres Gespräch in Gang zu bringen, wurde jedoch bei dem ersten Laut, der aus seinem Mund kam unterbrochen. „Ich habe mich angestellt wie ein kleines Mädchen, so etwas ist mir seit meiner Kindheit nicht mehr passiert!" „Und deshalb will ich mir auch deine Hand einmal kurz ansehen. Ich kenne mich damit aus und will ebenso wie du nicht, dass es dir Unannehmlichkeiten bereitet."

„Ich will aber nicht, dass ich irgendeinen Verband oder Ähnliches angelegt bekomme, ich bin Verletzungen gewohnt, deutlich schlimmere als ein schmerzendes Handgelenk. Außerdem habe ich dich nicht gebeten mitzukommen, damit du dich um jede kleine Wunde kümmern musst." Bei ihren Worten musste er beinahe lachen, sie klang wie ein trotziges Kind, dem man sein Lieblingsspielzeug weggenommen hatte. „Bitte", versuchte er möglichst ernst zu bleiben, scheiterte dabei jedoch.

Zum Glück stimmte sie nun doch mit einem ergebenen Nicken zu, ansonsten hätte er nicht mehr gewusst, wie er ihr verständlich machen konnte, dass er sich um sie sorgte. Er legte vorsichtig eine Hand auf ihren rechten Unterarm und zog ihn so zu sich, dass ihre Hand knapp über seinem Knie zum liegen kam. Vorsichtig strich er mit seinen Fingern über ihr Handgelenk, dabei bemerkte er, dass es leicht angeschwollen war. Als er auf der Rückseite über den Knochen strich, zuckte sie kurz zusammen.

Sie sah ihn mit einem fragenden Blick an, er ließ sich jedoch nicht beirren und tastete leicht den Bereich darum ab, es schien jedoch längst nicht so schmerzhaft zu sein. Ein leichter Seufzer verließ seine Kehle, das vergessene Detail bei seiner Erzählung kam schneller zum Einsatz, als er gehofft hatte. Er konnte nicht beurteilen, ob der Knochen wirklich gebrochen war, dafür war eine weitergehender Untersuchung vonnöten, es handelte sich dennoch ohne Frage um eine Verletzung an diesem oder einem der zentralen Muskel, welche in den nächsten Tagen nicht ohne Schmerzen bleiben würde.

„Mach die Augen zu.", sagte er ruhig und blickte ihr fest in die Augen. „Warum?" Sie verstand offensichtlich nicht, woher auch? Er unterband einen halbherzigen Versuch, ihren Arm wegzuziehen und ließ seinen Blick auf ihr ruhen. „Tu es einfach, Fragen kannst du danach stellen." Sie sah ihn weiter verständnislos an und schien nicht gewillt, sich ihm einfach so auszuliefern. Sein Blick wurde flehend und seine Stimme bekam einen leicht verzweifelten Unterton: „Ich will dir wirklich nichts Böses, dafür hätte schon viel bessere Gelegenheiten gehabt. Bitte vertrau mir."

Wieder hatte er Glück, dass sie seiner Aufforderung schließlich doch nachkam, auch wenn er noch nicht genau wusste, wie er es nachher erklären sollte. Trotzdem zufrieden begann er mit der Arbeit.

Vorsichtig umschloss er mit beiden Händen die verletzte Stelle und suchte ihren Puls. Er machte ihren Rhythmus zu seinem, ließ sich vollständig auf den Fluss ihres Lebens ein. Er fühlte das Blut in ihren Adern, wie es durch die Venen gepumpt wurde, verfolgte dessen Verlauf, bis er die verletzte Stelle auf diesem Weg gefunden hatte.

Uralte Worte kamen über seine Zunge, Worte der Wahrheit und der Magie. Sie waren der Ursprung allen Lebens, sie waren der Kern dieser Welt. Er spürte, wie das Pulsieren in ihren Adern stärker wurde, er übertrug die Kraft des Lebens in ihren Körper. Zielgerichtet schien vor seinen Augen ein Lichtstrom aus purer Energie die gebrochene Stelle zu umschließen, sammelte sich dort und begann nun selbst im Rhythmus ihres Herzschlages zu pulsieren.

Als das Licht wieder schwächer wurde enthüllte es eine vollkommen gesunde Stelle, langsam verschwand das Licht und ihr Puls nahm wieder ein normales Maß an. Vorsichtig zog er seine Gedanken zurück und überließ die geheilte Hand wieder ihrer Kontrolle. Langsam löste er seinen Griff und entspannte sich. Eine gebrochene Hand zu heilen war nichts außergewöhnlich Schwieriges, doch egal was er tat verlangte es dennoch ein hohes Maß an Konzentration.

Nun wusste Daria ohne Frage, dass er kein gewöhnlicher Heiler war, sondern einer mit magischen Fähigkeiten. Magier waren in den meisten Teilen dieser Welt selten und ihnen gegenüber wurde ein großes Maß an Misstrauen entgegen gebracht, da diejenigen, die im gemeinen Volk bekannt waren, über überaus mächtige Kräfte verfügten. Dennoch wusste er, dass er das Richtige getan hatte, eine gebrochene Hand, wie er nun gesehen hatte, hätte ihr zweifelsohne über Wochen Probleme bereitet. Gespannt auf ihre Reaktion legte er ihre Hand wieder auf ihren Schoß zurück, als Zeichen, dass er fertig war.

„Sie sollte nun wieder zu gebrauchen sein", sagte er, als er sich langsam zurückzog. „Du solltest sie trotzdem vorerst nicht zu sehr belasten, dein Körper muss sich erst daran gewöhnen." Vorsichtig öffnete sie ihre Augen, in ihnen lag wieder ein besonderer Glanz, der sie zu etwas ganz Besonderem machte.

„Schon gut, es ist nicht das erste Mal..." Seine Überraschung war ihm wohl ins Gesicht geschrieben, denn sie fügte hinzu: „Ein einziges Mal... Damals wäre ich jedoch beinahe gestorben. Nur durch die Hilfe der Magie habe ich überlebt, du brauchst dir keine Sorgen machen, ich würde dir nun nur noch mit Misstrauen begegnen. Auch wenn ich nicht damit gerechnet hätte, jemals wieder einem Magier zu begegnen, der sich nicht nur der Beeinflussung oder dem Töten verschrieben hat, sondern der Heilkunst. Warum hast du es die ganze Zeit über verschwiegen?"

Ein verlegenes Lächeln legte sich auf sein Gesicht, er hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass sie so ruhig regieren würde. „Vertrauen ist nicht unbedingt die erste Eigenschaft, die Magiern entgegen gebracht wird. Ich habe gelernt, meine Gabe solange geheim zu halten wie möglich, es hat sich schon oft als klug herausgestellt." Vor allem hatte er nicht gewollt, dass sie ihn wie alle anderen auch als Erstes als gefährlich und schlecht ansah. Er hatte es verschwiegen, weil er ihr Vertrauen, nicht einfach verschwinden sehen wollte, er wollte sie nicht verlieren. Dies blieb jedoch unausgesprochen.

Mit einem verständnisvollen Blick sah sie ihn an, dies war genau der Ausdruck, den er unter keinen Umständen aufs Spiel setzen wollte. „Ich muss zugeben, dass du deine Rolle gut gespielt hast, auch wenn so natürlich erst die lange Ausbildung Sinn ergibt. Früher oder später hätte ich es herausgefunden, aber ich verstehe deine Beweggründe..."

Ihre Stimme war unglaublich sanft, immer wieder schaffte sie es, ihm Wärme zu schenken. Beinahe hätte er sie geküsst, formte seine Lippen dann aber noch rechtzeitig zu einem „Danke". Lange Zeit war er ziellos gewesen, sie gab ihm wieder eines. Er wollte sie an sich drücken, ihre Nähe spüren und gehalten werden, ihren Duft einatmen können, in der Gewissheit, dass er geborgen war.

Es wirkte wie eine Droge, die ihn alles um sich herum vergessen und nur noch Platz für sie ließ. Für ihr Vertrauen, ihr Verständnis und nicht zuletzt ihre fast magische Anziehungskraft. Während er sie geheilt hatte, hatte er sie spüren können, so intensiv wie eine Geliebte, wenn auch auf eine andere Art.

Der Vorgang des Heilens auf magische Weise funktionierte über den Grundsatz des Lebens, die Verbindung zwischen allen Lebewesen. Der Zauber verstärkte diese Verbindung zwischen zwei Individuen und ließ die Kraft des einen in den anderen übergehen. Das Gefühl der Nähe war etwas Besonderes, es war jedoch schwer, aus diesem immer wieder herausgerissen zu werden, mit der Gewissheit, diesem Menschen wahrscheinlich nie mehr wieder so nahe sein zu dürfen.

Auf dieselbe Art und Weise hatte er sie gespürt, ihr Pulsschlag hallte noch immer in ihm nach, wie ein Ton, der niemals vergeht. Der Vorgang des Heilens hinterließ etwas, das die Meisten wahrscheinlich als Sehnsucht, vielleicht auch Wahnsinn bezeichnen würden. Er selbst hatte kein Wort dafür, er kannte nichts, was seinen Zustand angemessen beschrieben hätte. Mit jedem Mal schien es schlimmer zu werden. Diesmal, als er Daria geheilt hatte, füllte es beinahe sein ganzes Wesen aus, Schmerz, die Sehnsucht nach Liebe und Leidenschaft begleiteten jeden seiner Schritte.

Ein einziges Mal wollte er sie an sich spüren, nur um für einen Moment dieses Gefühl vergessen zu können. Sie vollkommen spüren zu können, ihre Nähe erfahren zu dürfen schien wie der Himmel. In seiner Sehnsucht konnte er sie beinahe so sehen, wie sie sich an ihn schmiegte, ihre weichen Lippen auf seinen, für alle Zeiten eine Verbindung schmiedend. Ihre Brust, die sich an seine presste und die Augen, die mit einer klaren Botschaft auf ihn gerichtet waren: „Ich will dich!"

Im Traum fuhr er mit seinen Händen über ihren kräftigen Rücken, fühlte nach jedem einzelnen Muskel und Knochen, der sich dort befand, bis er langsam seine Hände tiefer wandern ließ. Vorsichtig tastete er nach ihren Hüftknochen und fuhr ihre Kontur nach. Seine linke Hand streifte ihre Bauchdecke, die sich in einem ungleichmäßigen Rhythmus bewegte.

Die Berührung hinterließ eine weitere Ahnung ihres trainierten Körpers und der ausgebildeten Muskeln, der Takt ihrer Atmung jedoch schien ein klein wenig schneller zu werden, als seine rechte Hand über ihren Oberschenkel streichelte. Immer noch hielten sie den Kuss aufrecht, nichts hätte sie in diesem Moment trennen können.

Seine Hände wanderten wieder ein wenig höher, stoppten kurz vor dem Ansatz ihres Gewands, um dessen Kante ausmachen zu können. Behutsam hob er es ein klein wenig an, um Platz für seine Hand zu haben, die er nun darunter wieder an ihrem Rücken entlang nach oben wandern ließ.

Als er an ihrem Nacken angekommen war, fuhr er mit den Fingern über ihre Schultern wieder nach unten, bis er ihren Brustansatz berührte. Ihre Brüste lagen vollkommen frei, er hätte nun einfach seine so lange angestauten Begierden befriedigen können, wie er es sonst auch immer getan hatte. Doch diesmal war es anders, er beließ es bei der Möglichkeit, sie zu berühren und strich mit seinen Handflächen wieder über die Schultern zu ihrem Nacken.

Erelyn
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