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Click hereEin durch den nicht enden wollenden Kuss unterdrücktes, kurzes enttäuschtes Schnauben war zu hören, worauf seine Augen für einen noch kürzeren Moment aufblitzten. Er hatte lange auf diesen Moment warten müssen, nun musste sie ebenfalls warten, jedenfalls noch ein wenig. Er wusste, dass sie seine Erregung spürte, welche überdeutlich an sie gepresst war, doch sie dachte nicht daran, ihren Griff zu lockern. Mit jedem Atemzug rieb sie sich ein klein wenig daran, sodass seine Erwartung unerträglich zu werden schien.
An seiner Brust spürte er ihre mit zwei mittlerweile deutlich aufgerichteten Knospen. Wie zwei ungeschliffene Diamanten schmiegten sie sich an ihn, ein unschätzbarer Wert, der für die Meisten nicht erkennbar war. Für ihn hingegen waren sie der Beweis für einen niemals zu erfüllenden Traum.
All dies schien beinahe unmöglich. Allein der Umstand, dass er sie begleiten durfte grenzte an ein Wunder, er sollte seine Möglichkeiten nicht überstrapazieren. Für sie war er ein Gefährte, nicht und nicht weniger. Wie lange würde es wohl dauern, bis er sich endlich damit abfinden würde?
*****
„Wir sollten uns wieder auf den Weg machen, wenn wir bis zum Sonnenuntergang noch ein paar Meilen schaffen wollen." Er hatte das Gefühl, dass sie dies beinahe bedauerte, als ob sie hier den Rest des Tages bleiben wollte. Er hatte Zeit, es gab niemanden, der auf ihn wartete, aber sie wollte ihren Bruder suchen. Wahrscheinlich war es nur Einbildung gewesen.
Langsam hob er seinen Rucksack wieder vom Boden auf und zog ihn über die Schulter. Sie tat es ihm gleich und war nun ebenfalls bereit, den Weg fortzusetzen. Nach ein paar Schritten drehte er sich nach ihr um, weil er keine Geräusche hinter sich gehört hatte. Mit einem verlorenen Blick starrte sie zum Himmel, etwas Unsichtbares beobachtend. Sie musste gespürt haben, dass er sie fragend angesehen hatte, ruckartig löste sie ihren Blick und folgte ihm. Fast hätte er sie gefragt, woran sie gedacht hatte, unterließ es dann aber. Seine neue Position auszunutzen war das Letzte, was ihm in den Sinn gekommen wäre. Sie war dankbar, dass er sie geheilt hatte, mehr war nicht zu erwarten gewesen und das war alles, was er sich hatte erhoffen dürfen.
Wieder breitete sich ein Schweigen während ihres Weges zwischen ihnen aus, aber es war ein angenehmes Schweigen, eines von der Sorte, in dem die bloße Anwesenheit des Anderen vollkommen ausreicht. Auch wenn sie noch nicht einmal einen Tag lang zusammen reisten, sie kannten sich noch nicht einmal einen ganzen Sonnenzyklus, war ihm ihre Gesellschaft überaus angenehm. Es war ganz anders als auf den vielen Reisen, auf denen er alleine unterwegs war. Sie als Gefährtin zu haben gab ihm Sicherheit.
Um diese Tageszeit trafen sie ein paar mehr Händler und andere Reisende, als noch am Morgen, doch es blieb stets bei einem freundlichen Nicken, bevor man einander passiert hatte. Jeder wollte bis zum Sonnenuntergang noch eine möglichst große Wegstrecke zurücklegen, es gab nur wenige, die sich ebenso wie sie auf einer größeren Reise befanden und nur mit einem Rucksack der all ihren Besitz beinhaltete unterwegs waren. Die meisten waren Händler mit ihrem Begleitschutz oder größere Gruppen Reisender mit einem Wagen.
Mit der Zeit waren einige kleinere Wolken aufgezogen, die immer öfter die sich dem Horizont nähernde Sonne verdeckten. Unzählige Schatten huschten über den Boden, jedes Tier hinterließ ein riesenhaftes Abbild, welches in dem abgedeckten Licht der untergehenden Sonne beinahe echt wirkte. Ohne große Eile begann er sich nach einem Lagerplatz für die Nacht umzusehen, er war erfahren genug, auch im Dunkeln eine geeignete Stelle zu finden.
Bevor er jedoch etwas Vielversprechendes entdeckt hatte, bog Daria vor ihm vom Weg ab in eine Richtung, die nichts außer einer großen Wiese zu bieten schien. Ihre Schritte waren zielgerichtet und sie hielt ihr konstantes Tempo, also folgte er ihr ohne sie nach dem Grund zu fragen. Trotz allem war sie die Führerin auf dieser Reise, sie würde wissen, was sie tat.
Etwa zehn Minuten liefen sie durch das hohe Gras und er musste aufpassen, nicht mit dem Fuß eine Tierhöhle oder Ähnliches zu erwischen, ansonsten erwies sich die Wiese jedoch als einigermaßen trittfest. Daria folgte unbeirrt weiter dem unsichtbaren Weg, bis sie schließlich überraschend anhielt.
Vor ihnen befand sich eine Art Mulde, die etwa 30 Schritte im Durchmesser maß. In ihrer Mitte war sie wohl zwischen ein und zwei Mannshöhen tief. Über die gleichmäßige Wiese war sie nicht zu erkennen, bis man sich direkt davor befand, der ideale Lagerplatz. Er sah sie mit einem anerkennenden Blick an, konnte sich jedoch nicht erklären, wie sie diese Stelle hatte finden können.
Sie erwiderte seinen Blick mit einem wissenden Lächeln und setzte den kurzen noch verbliebenen Weg bis in die Mitte der Mulde fort, wo sie schließlich anhielt und ihren Rucksack absetzte. „Ich war in diesem Gebiet cvor ein paar Jahren schon einmal, Orte wie diesen hier merke ich mir", erklärte sie schließlich, da er sie weiterhin fragend angesehen hatte. Auch er ließ seinen Rucksack von den Schultern gleiten und begann damit, seinen Schlafsack vom Rucksack zu lösen.
„Wie kannst du einen Ort, den du vor Jahren einmal gesehen hast, so genau in Erinnerung behalten? Mir gelingt dies bereits schon nicht mehr an Plätzen, die ich vor wenigen Monaten oder Wochen gesehen habe." Sie schmunzelte leicht und begann ebenfalls damit, ihre Ausrüstung vom Rucksack zu lösen. „Kann ich nicht, es gibt hier mehr als eine dieser Mulden..."
„Das heißt, es war reiner Zufall, dass du so genau auf eine von ihnen zugesteuert hast?", fragte er nun doch etwas ungläubig. An ihrem Gesichtsausdruck sah er, dass seine Frage eigentlich mit einem „Ja" hätte beantwortet müssen, aber er konnte ihr Schweigen nachvollziehen. Sie sah aus wie ein bei einer Dummheit ertapptes Kind, welches nun versuchte zu beteuern, dass es nicht wusste, was es angerichtet hatte.
Es war einer dieser Reaktionen, die er an ihr mochte. Sie war natürlich und ehrlich, zugleich aber verlieh es ihr Menschlichkeit und ein klein bisschen von dem, was ihm teilweise wie das verlorene Spiegelbild seiner selbst vorkam. Sie hatte schreckliche Dinge erleben müssen, im Gegensatz zu ihm hatte sie es jedoch geschafft, die Traurigkeit und die Melancholie soweit zu verdrängen oder zu akzeptieren, dass sie das Geschenk des Lebens weiter zu schätzen wusste.
„Müssen wir hier Wache halten?", fragte er, um ihr ein wenig aus der etwas unbequemen Situation herauszuhelfen. Er freute sich, dass sie ihm nicht so weit überlegen war, wie er zuerst angenommen hatte, wollte sie jedoch nicht in Bedrängnis bringen. Sein kleiner Erfolg war gut, noch wichtiger war es jedoch, ihre Verbindung weiter zu stärken. Egal wie unwahrscheinlich es war, noch hatte er die Hoffnung nicht aufgegeben.
„Es wäre wahrscheinlich besser. Auch wenn dieser Platz relativ versteckt liegt, ich will nicht schon in der ersten Nacht nur noch mit dem aufwachen, was ich am Leib trage oder von dem hungrigen Knurren eines Wolfes geweckt werden. " „In Ordnung, dann reicht es, wenn wir einen Schlafplatz aufbauen." Wieder lächelte sie und schaffte es diesmal sogar, ihn anzustecken, auch wenn er versuchte, ihr dies nicht zu zeigen. Ihre Ausstrahlung war etwas ganz Besonderes, das wurde ihm immer deutlicher.
„Darum geht es dir also, du hast keine Lust, dein Zelt aufzubauen und morgen dann wieder einpacken zu müssen. Ist schon in Ordnung, ich weiß wie aufwändig es ist, alles so zusammenzupacken, dass man damit noch laufen kann. Hilf mir wenigstens." Nun musste er doch lachen, daran hatte er wirklich nicht gedacht, konnte den Vorteil jedoch nicht leugnen. Ergeben half er ihr, das kleine Zelt aus ihrem Rucksack zu befreien und es so im Boden zu verankern, dass es einen sicheren Schutz vor Wind und Kälte bieten würde.
Dabei ließ es sich nicht vermeiden, dass er ab und zu ihren Arm streifte, bei jedem Mal schien ein kleiner Blitz durch seinen Körper zu fahren. Sie schien von alledem keine Notiz zu nehmen, für ihn wurde es jedoch zunehmend schwerer, noch genug Konzentration für den Zeltaufbau aufzubringen.
„Übernimmst du die erste oder die zweite Wache?", fragte er um sich ein wenig abzulenken. „Die Erste, wenn du nichts dagegen hast. So kann ich mich noch ein wenig um meinen Bogen kümmern, das habe ich in den letzten Tagen etwas vernachlässigt." Er nickte zur Bestätigung und war froh, dass sie endlich fertig waren, ihren Lagerplatz herzurichten. Im Schlaf würde er hoffentlich auf ein paar andere Gedanken kommen.
Sie setzten sich vor den Zelteingang auf den Boden, um ihr kaltes Abendmahl einzunehmen. Hier gab es keine Möglichkeit, ein wenig Feuerholz aufzutreiben, so blieb ihnen nichts anderes übrig. Es bereite ihm keine Probleme, es war nur das endgültige Signal, dass er für die nächsten ein bis zwei Monate ein anderes Leben führen würde, als er es in letzter Zeit getan hatte.
„Leg dich schlafen, ich wecke dich zur Hälfte der Nacht", sagte sie, als er gerade geendet hatte und unterband damit jede Möglichkeit auf ein Gespräch. Er sah aber ein, dass es vernünftig war, denn die Nacht war nicht allzu lang, wenn man die Wache unter zwei Personen aufteilte. Mit einem auffordernden Blick schickte sie ihn in ihr Zelt, während sie sich ihren Bogen auf den Schoß legte und vorsichtig die Sehne entspannte. Ob er würde schlafen können, wusste er nicht, trotzdem legte er sich hinein und schloss versuchsweise die Augen. Einige Atemzüge später hatte ihn der Schlaf eingefangen.
IV.
Zum x-ten Mal strich sie über das Holz ihres perfekt geschliffenen Bogens, gedankenverloren fuhr sie sie feinen Gravuren nach, die sich geheimnisvoll über die ganze Länge erstreckten. Diese Waffe hatte eine magische Ausstrahlung für sie, wenn sie ihn benutzte schien sie wie durch Magie gelenkt. Es war ihre persönliche Waffe, jene, die sie schon ihr ganzes Leben begleitete. Jede einzelne Scharte hatte ihre eigene Geschichte, in diesem Bogen verbarg sich ihre gesamte Erinnerung.
Der Vorwand, dass sie sich um ihren Bogen kümmern musste, weil er in den letzten Tagen vernachlässigt worden war, war falsch gewesen, das wusste sie. Es gab nichts auf der Welt, was sie sorgfältiger und mit mehr Hingabe behandelte, in Wahrheit hatte sie nur einen Moment für sich gebraucht, einen Moment in dem sie nachdenken konnte.
Wusste sie eigentlich, was sie hier tat? Sie hatte Quinn gebeten, sie auf der langen Reise nach Lanan zu begleiten, um die Einsamkeit der letzten Wochen zu bekämpfen. Nichts war verheerender als die Gewissheit, dass es niemanden auf der Welt gab, dem man wichtig war, niemanden zu haben, der sich überhaupt für einen interessierte.
Interessierte sich Quinn für sie, was waren seine Motive sie zu begleiten? Obwohl er erst abgelehnt hatte, war seine Zustimmung danach unerwartet plötzlich gekommen. Tief in ihrem Herzen hoffte sie darauf, dass er vielleicht zu mehr als nur einem einfachen Begleiter werden könnte, doch dies war unrealistisch.
Dieser Mann hatte Schreckliches erlebt und die Narben seines Lebens hatten ihn gezeichnet, ob nun sichtbar oder unsichtbar in seinem Inneren verborgen. Seine Persönlichkeit war ungewöhnlich, für viele wirkte er wahrscheinlich merkwürdig, doch deshalb interessierte sie sich für ihn und seine Geschichte. Er war keiner der Trinker, die sich jeden Abend in der Taverne vergnügten. Seine Vergangenheit hatte etwas Einzigartiges aus ihm gemacht und die Tatsache, dass er ein Magier war, vervollständigte ihr Bild von ihm, es war genau der Teil, der ihr nach der Erzählung am letzten Abend gefehlt hatte. Er hatte unzählige kleine Geheimnisse, immer wieder enthüllte er einen weiteren bisher unerkannten Aspekt seiner Persönlichkeit.
Seine Motivation, sie als ihr Gefährte zu begleiten, war ihr noch nicht vollkommen klar. Auf ihrer Reise hatten sie beide lange Zeit geschwiegen, die ganze Zeit über hatte sie darauf gehofft, dass er ein Gespräch anfangen würde. Es hatte lange gedauert, aber sie hatte ihn nicht stören wollen, wahrscheinlich kämpfte er mit der Last seiner Erinnerungen.
Als er schließlich nach dem Grund für ihr Ziel gefragt hatte, hatte sie gelacht. Sie hatte gelacht, weil er mit dem wohl neutralsten Thema von allen angefangen hatte und sich dabei erwischt, dass sie auf etwas Persönlicheres gehofft hatte. Sie konnte es ihm aber nicht zur Last legen, es war natürlich, dass er sich für die Umstände ihrer Reise interessierte, bei allem anderen hätte sie wahrscheinlich überrascht reagiert. Eine andere Frage wäre zu viel verlangt gewesen.
Ihr war ebenfalls nicht entgangen, dass er wieder diese Distanz zwischen ihnen schuf, indem er sie wieder mit einem höflichen SIE ansprach. Ihm gegenüber hatte sie sich amüsiert gezeigt, hatte versucht, ein lockeres Gespräch in Gang zu bringen. Wie gut sie diese Rolle gespielt hatte wusste sie nicht, doch er hatte sich jedenfalls nichts anmerken lassen.
In ihrem Inneren aber war sie enttäuscht gewesen, immer wieder versuchte sie möglichst unverfänglich ein wenig mehr Nähe zwischen ihnen zu schaffen. Dass er dem immer wieder entgegen wirkte versetzte ihr einen kleinen Stich, nach außen hin versteckte sie ihn jedoch unter einem Lächeln.
Immer wieder hatte sie sich eingeredet, dass sie stark war, ihr Schicksal lag allein in ihrer Hand. Sie spielte stets die selbstbewusste Frau, die sie sein wollte, aber nie gewesen war. In Wahrheit war sie schwach und nun begann alles auf sie einzustürzen.
Sie blickte zum Himmel hinauf zu den Sternen, die nicht durch die Wolken verdeckt waren. Sie spendeten nahezu kein Licht, der Mond war ebenfalls verdeckt. Sie hatte gelernt, auch in der Nacht zu sehen, so legte sich die Dunkelheit wie eine schützende Decke um sie und hüllte sie ein, alleine und einsam.
Wie lang war es her, dass sie das letzte Mal eine halbe Nacht lang Wache gehalten hatte? Es mussten Jahre sein. Die letzten Monate war sie allein gewesen, jede Nacht war ein Spiel mit dem Tod gewesen. Obwohl sie sich im Wald gut zurechtfand, das Risiko entdeckt zu werden war allgegenwärtig.
Ihren eigenen Atem anhaltend horchte sie nach den Atemzügen von Quinn, sie gingen gleichmäßig und ruhig, er hatte demnach Schlaf gefunden. Sie hoffte, dass ihr dies ebenfalls gelingen würde, obwohl ihre Müdigkeit wahrscheinlich nicht zu verbergen war. Ihre Gedanken kreisten unaufhörlich um ihre Reise und vor allem um ihn.
Was würde diese Reise bringen, was würde geschehen, wenn sie sich in Lanan schließlich wieder trennten? Das Gefühl, jemanden bei sich zu haben war unbeschreiblich schön, auch wenn es die meisten Menschen wahrscheinlich nicht nachvollziehen konnten. Sie sahen die unbegrenzte Freiheit, wenn man alleine war, nur man selbst war wichtig. Die Unabhängigkeit war größer wie nirgendwo sonst, die Zeit richtete sich nach einem selbst.
Sie selbst hatte ebenfalls gelehrt bekommen, dass die Freiheit, die Möglichkeit nur seinem eigenen Gewissen folgen zu müssen, etwas war, für das man kämpfen musste und es um jeden Preis zu verteidigen hatte. Über die Zeit jedoch hatte sie gelernt, dass unbegrenzte Freiheit auch unendliche Einsamkeit bedeutete, die Monate, in denen sie alleine durch das Land gereist war, waren immer unerträglicher geworden.
Gestern hatte sie auf einmal die Möglichkeit gesehen, ihre Einsamkeit jedenfalls für einen Abend zu beenden, deshalb hatte sie sich für eine interessante Geschichte zu Quinn gesetzt. Dabei war ihr bewusst geworden, dass er in einigen Teilen gar nicht so unähnlich von ihr war und hatte eine kleine Chance gesehen, mehr aus der Situation zu herauszuholen, als diese eigentlich hergab. Deswegen hatte sie ihn gefragt, ob er sie begleitete, ohne sich jedoch große Hoffnungen zu machen. Dass er zugesagt hatte, war unerwartet gewesen, eine Hoffung auf mehr war nach wie vor naiv.
Wie es an den nächsten Tagen weitergehen sollte, wusste sie nicht. Eigentlich war sie stets alleine zurechtgekommen, doch nachdem Quinn ihre Hand geheilt hatte, wurde sie das Gefühl nicht los, dass sie einen Gefährten nötiger hatte, als sie bisher angenommen hatte. Nicht, dass ein leicht schmerzendes Handgelenk sie sonderlich behindert hätte, wahrscheinlich war es nur ein wenig geprellt gewesen, trotzdem war sie ihm dankbarer, als sie gezeigt hatte.
Eine schwerwiegendere Verletzung in der Schusshand bedeutete, dass sie in der nächsten Zeit nicht hätte jagen können, sich zu verteidigen wäre ebenfalls deutlich risikoreicher. Sie hatte ihn fragen wollen, was sie sich wirklich verletzt hatte, es jedoch dann vergessen, weil sie sich geborgen gefühlt hatte. Das Gefühl von ihm geheilt zu werden war im ersten Moment ungewohnt gewesen, dann jedoch hatte sie die innere Nähe zugelassen, die er ihr aufdrängte.
Es war, als wäre ihr gesamter Körper von einer übernatürlichen Kraft erfüllt gewesen, in dem Moment der Heilung wurde nicht nur die Hand geheilt, sondern eine unzählige Anzahl weiterer Wunden in ihrem Inneren. Als er schließlich seine Arbeit beendet hatte, hatte sie sie sich mit einem Mal leer gefühlt, als fehlte etwas Selbstverständliches. Erst später war ihr bewusst geworden, dass es seine Nähe war, die ihr fehlte. Seine Berührung war wirklich magisch gewesen, auf mehrere Arten.
Wieder erwischte sie sich dabei, wie sie den Atem anhielt und nach seinen Atemgeräuschen horchte, als wollte sie sich versichern, dass er noch da war. Mit leerem Blick starrte sie in die Dunkelheit, noch nicht mal ein Tier war zu sehen. Nur ein leichter Wind strich durch das hohe Gras und zeichnete unheimliche Figuren. Egal wie sehr sie sich einen Gefährten wünschte, tatsächlich war sie genauso einsam wie zuvor.
Bedächtig wanderte der Mond über das Firmament, jeder einzelne Atemzug brachte ihn ein Stück weiter voran. Ihre Herzschläge gaben einen unaufhörlichen Takt vor, in dem sie die Zeit verstreichen ließ. Bis auf zwei Vögel hatte sie kein Lebewesen bemerkt, nun war es beinahe so weit, bis sie die Wache wechseln konnte.
Die Wolken am Himmel waren dichter geworden, morgen würde es Regen geben. Als sie aufstand, um zu ihrem Zelt zu gehen, zeigte sie für die Dauer eines Lidschlages ein bitteres Lächeln. In ihrer Kindheit hatte sie den Regen gemocht, sie hatte sich immer frei gefühlt, wenn der Regen ihre Kleidung durchtränkte. Das Wasser wusch die Sorgen jedenfalls für einen Moment davon und hinterließ Reinheit, die Reinheit einer unbedarften Kinderseele.
Obwohl sie wusste, dass sie müde war, fühlte sie sich nicht so. Sie benötigte keinen Schlaf, um Ruhe zu finden, sondern einen Ausweg aus der mit jedem Abend schwerer wiegenden Einsamkeit. Sie war die letzte aus ihrem Stamm und genau so fühlte sie sich, die letzte Verbliebene, dazu verdammt, ihrem Ende völlig auf sich gestellt entgegen zu treten.
Mit diesen Gedanken beschäftig schlug sie vorsichtig den Eingang des Zeltes auf. Kurz dachte sie daran, dass es wahrscheinlich besser wäre, in den nächsten Tagen stets nur ein Zelt aufzubauen, es würde ihnen ein Feuer ersparen, allerdings konnten die Nächte sehr kalt werden. Sie verwarf diesen Gedanken jedoch wieder, trotz allem waren sie einfache Gefährten und es war nicht sehr bequem, sich zu zweit in ein Zelt dieser Größe zu legen, besonders weil sie beide versuchen würden, dem anderen möglichst viel Platz zu geben und außerdem war Quinn ein einfacher Wegbegleiter, die Nähe, die sie während der Heilung gespürt hatte und nicht mehr vergessen konnte war durch Magie verursacht, es war nichts.
Als sie schließlich einen Blick in das Zelt hinein warf, war sie beinahe überrascht in zwei offene Augen zu blicken. „Ich habe Schritte gehört und wusste nicht sofort, ob es deine sind", erklärte er ihr und beantworte damit ihre unausgesprochene Frage. „Ist irgendetwas passiert?"
„Nein, bis auf ein paar Vögel gab es keine Besucher. Du bist dran mit der Wache." Er nickte, stand jedoch nicht sofort auf. „Meinst du, es ist wirklich notwendig? Der Heilzauber hat mich mehr Energie gekostet, als ich gedacht hatte, ich würde den morgigen Tag gerne ausgeruht angehen..."