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Click here„Wir haben nur dieses Zelt aufgebaut..." Ihre Stimme war leise geworden, beinahe zögerlich. Ihr Herz schrie danach, ihre Sehnsucht zu erfüllen, am liebsten hätte sie sich auf der Stelle zu ihm gelegt, nur um seine Wärme spüren zu können, um ihre eigene Kälte zu vertreiben.
Sie spürte, wie sich eine kleine Träne aus ihrem rechten Auge löste und eine kühle Spur über ihre Wange zog. War nicht genau diese Gelegenheit das, was sie sich gewünscht hatte? Warum konnte sie sich nicht einfach treiben lassen, für einen Moment dem Schrei ihrer Seele zuhören? Doch ihr Verstand schien ihr tonnenschwere Steine in den Weg zu legen, dessen Logik war unbestreitbar. Quinn war ein Reisegefährte, nicht mehr und nicht weniger, dafür sollte sie sich glücklich schätzen. Würde sie dies jemals akzeptieren können?
„Alles in Ordnung?", hörte sie seine besorgte Stimme, er hatte wohl ihre Träne gesehen. „Nein, nichts ist in Ordnung!", wollte sie ihm entgegen schreien, sah er nicht, wie sehr sie litt? Nein, natürlich nicht, beantwortete sie sich ihre Frage. Wie auch? Sie tat alles, um sich nichts anmerken zu lassen, auch jetzt nickte sie nur und antworte mit einem gelogenen „Natürlich."
In seinen Augen blitze kurz ein ungläubiger Ausdruck auf, doch als sie genauer hinsah, war er jedoch einem vollkommen ausdruckslosen gewichen. War sie ihm dankbar, dass er nun endlich aufstand und aus dem Zelt kroch, um ihr Platz zu machen? Sie wusste es selber nicht. Wie in Trance schloss sie den Zelteingang und ordnete sich ihren Schlafplatz, der Bogen lehnte nun an der Innenwand, er war ihr einziger Begleiter.
Vorsichtig schloss sie die Augen, sie schienen wie glühende Kohlen zu brennen. Sie war eine Verlorene, das Schicksal hatte es so entschieden. Akzeptanz war das einzige, das ihr noch übrig blieb. Zum ersten Mal seit Jahren weinte sie, stumm und alleine. Die Tränen zogen feuchte Spuren über ihr Gesicht, als sie langsam versiegten, spürte sie ihre verklebten Wimpern, die sie in einen unruhigen Schlaf zwangen.
*****
Sie drehte sich auf die Seite, wie man es im Schlaf hin und wieder tut. Doch diesmal war etwas anders: Bevor sie unbewusst ihre gewünschte Position erreicht hatte, wurde sie von irgendetwas aufgehalten. Sie war alleine im Zelt, normalerweise hätte sie alarmiert hochschrecken müssen, doch das tat sie nicht. Das, was sie aufhielt war nicht bedrohlich, es war sanft und warm.
Es war eine einzelne Hand, woher sie kam war im Moment nicht wichtig, wichtig war nur, dass sie bei ihr war. Sie umschloss ihr Herz und hielt es geborgen, wie eine stummer Begleiter, der ihr sagte: „Ich beschütze dich!" Sanft legte sie sich um den Ursprung ihres Lebens und hielt sie einfach nur fest, um ihr zu zeigen, dass sie nicht alleine war. In dieser Berührung konnte sie alles teilen, ohne dass sie etwas fürchten musste, sie musste sich nicht verstecken, da der andere sowieso bereits alles über sie wusste.
Stumm schmiegte sie sich an die Hand, bewegte sich ein paar Millimeter in die Richtung, aus der sie kam. Sie spürte einen sanften Luftzug an ihrem Körper, der sie dazu veranlasste, noch ein wenig weiter in seine Richtung zu rücken, bis sie beinahe überrascht stoppte.
Hatte sie sich nicht vollkommen bekleidet schlafen gelegt, zum Schutz vor der Kälte? Nun spürte sie, wie ihre entblößte Brust mit den Spitzen einen anderen Körper berührte. Erwartungsvoll streckten sich die kleinen Erhebungen dem Anderen entgegen, dessen weiche Haut sie bei jedem ihrer Atemzüge streichelte.
Sanft drückte sie sich ihm noch ein wenig weiter entgegen, bis ihre Brust an ihn gepresst war. Seine Berührung war kühl und dennoch wurde sie dadurch aus irgendeinem Grund spürbar erregt. Ihre Atemzüge sorgten nun dafür, dass sie sich immer wieder ein wenig an seinem Körper bewegte, erwartungsvoll spürte sie, wie der Körper des anderen kaum oder nur sehr flach atmete, seine kräftige Brust bewegte sich kaum merklich, doch das war nicht wichtig.
Ihr Verstand schien auszusetzen, als sie sich erregt an seiner Brust zu reiben begann, immer kräftiger und immer schneller, seine sanfte Haut bot einen weichen Widerstand, den sie ohne zu fragen benutzte. Unbewusst war eine ihrer Hände an ihre Brüste gewandert, mit dieser nahm sie denselben Rhythmus auf, den ihr mittlerweile deutlich schnellerer Atem vorgab.
Der Andere war das, was sie lange gesucht und nie gefunden, er beschützte sie und erlaubte ihr zu leben, gleichzeitig gab er ihr ein Geschenk, das sie seit sehr langer Zeit nicht mehr erhalten hatte, so lange, dass sie sich nicht einmal mehr genau erinnern konnte wann genau das letzte Mal gewesen war.
Erinnerungen -- auch sie waren jetzt nicht wichtig, alles was zählte, war das Hier und Jetzt. „Lebe den Moment!", hatte ihr einmal jemand gesagt, nun spürte sie mit all ihren Sinnen, was es bedeutete. Sie spürte, sie roch, sie schmeckte ihre eigene Erregung, wie war ebenfalls nicht wichtig. Alles in ihr streckte sich jenem besonderen Moment entgegen, den sie lange vermisst hatte.
Ein unerwarteter aber intensiver Schauer durchfuhr ihren gesamten Körper, als sie etwas an ihrem Heiligtum berührte, ja, dieses Wort passte. Es war das Tor zum Himmel, der Eingang in die Welt der Träume. Ein kurzer Luftzug strich darüber und brachte einen weiteren Schauer mit sich. Obwohl sie nichts sehen konnte, spürte sie, wie ihr Eingang zum Himmel im Mondlicht wie ein heller Stern erstrahlte, sie war bereit für alles, was geschehen konnte.
Kurz darauf kam die lang ersehnte Erlösung, ein kräftiger Luftzug verließ ihre Lungen, als sie etwas dort berührte, wo es den größtmöglichen Effekt hatte. Es bewegte sich nicht, sondern lag einfach nur mit sanftem Druck darüber, es genügte um eine unzählige Anzahl von Wellen durch sie hindurch zu schicken.
Gerade, als sie sich fast daran gewöhnt hatte, drang etwas in sie ein, unbeirrt, aber unglaublich sanft, wie sie es noch nie erlebt hatte. Nach einem kurzen Stück stoppte es, sie spürte seine Berührung ganz tief in ihr. Weitere Wellen durchliefen ihren Körper, ihr Atem ging nur noch stoßweise.
Etwas in ihrem Kopf explodierte, als die Berührung auf und in ihrem Heiligtum erst langsam, dann schneller begann sich zu bewegen. Sie hörte sich selbst schreien, als sie einen unendlich intensiven Höhepunkte erlebte, es war egal, wer sie hörte. Nur ihre Lust zählte, die Erlösung, die sie wie ein Gewittersturm überrollte.
*****
Schwer atmend öffnete sie die Augen, sie lag auf ihrer rechten Seite, fest an eine Seite der Zeltwand gepresst. Ihre linke Hand befand sich immer noch in ihr, sie fühlte wie sie von ihrer eigenen Nässe getränkt wurde. Es war ein Traum gewesen, es gab keinen behütenden Anderen, nur sie selbst.
Draußen hörte sie schnelle Schritte und wie jemand hastig den Zelteingang zurückschlug. Das Einzige, was ihr übrig blieb, war ihre Hände möglichst schnell wieder in eine neutrale Lage zu bringen, ihr Gewand jedoch war durcheinander und verbarg durch ihre vorangegangenen Tätigkeiten nichts, jedenfalls fühlte sie sich so.
„Was ist los? Was ist passiert?", hörte sie aufgeregte und besorgte Rufe, sie kamen von Quinn, wie ihr erst jetzt bewusst wurde. In einer blitzschnellen Bewegung verbarg sie ihre Blöße, als er sie mit einem besorgten Blick ansah. Sie hoffte inständig, dass er nicht ahnte, was gerade eben passiert war, sie wusste selbst nicht genau, wie es dazu gekommen war. Gefangen in einem Traum aus einer Welt der Wünsche, das Erwachen daraus ließ jedoch Zweifel daran, ob es das wert gewesen war.
„Nichts, es ist alles in Ordnung..." versuchte sie möglichst glaubhaft zu versichern, doch ihre Stimme zitterte und ihre Atmung ging nach wie vor nur stoßweise. Er konnte ihr nicht glauben, das wusste sie. Sein Blick drückte auch aus, dass er ihr kein Wort glaubte, zu ihrer Überraschung sagte er jedoch nichts. Ob sie ihm dafür dankbar war, wusste sie nicht, tief in ihr sehnte sie sich danach, dass er sich zu ihr setzten würde und das wiederholen würde, was sie eben geträumt hatte.
Er sah sie einfach weiter an und betrachtete sie von Kopf bis Fuß. Sie hatte es gerade noch rechtzeitig geschaffte, ihr Gewand wieder in eine Position zu bringen, die ihre Brüste und ihre freigelegte Mitte bedeckte, nun hoffte sie, dass man die Nässe darunter nicht durch das Gewand sah.
Der Gedanke, sich nicht vor ihm zum blamieren hielt sie wenigstens davon ab, darüber nachzudenken, wie verzweifelt ihr Traum eigentlich gewesen war. Es war eine unerfüllbare Fantasie gewesen, nur ihrem Wunschdenken entsprungen und ohne Bezug zur Wirklichkeit. Wurde sie verrückt? Vielleicht, aber einen Ausweg gab es nicht.
Sie folgte seinem Blick, beobachtete ihn dabei, wie er sie betrachtete. Es dauerte nicht lange, doch für sie zogen sich Sekunden zu Stunden, und als sein Blick ihre Mitte streifte und dort einen kaum merklichen Augenblick verweilte schien ihr Herz für einen Moment auszusetzen. Kurz fragte sie sich, wo die behütende Hand hingegangen war.
Dann jedoch erinnerte sie sich wieder, dass auch diese nur ein Produkt ihrer Wahnvorstellungen gewesen war, nichts von alledem existierte wirklich. Leere, unendliche Leere machte sich in ihrem Inneren breit, niemand war in der Lage sie zu beschützen. Sie selbst wehrte sich gegen alles, was dies vermochte, den Preis dafür bezahlte sie nun.
Wieder löste sich eine einzige Träne aus ihrem Auge und hinterließ eine glänzende Spur. Wieder schloss sie die Augen, um sich nach Außen hin abzuschotten, um ihm ihre Gefühle nicht zeigen zu müssen. Es war schon so schwer genug, sie musste seinen unwissenden, bedauernden Blick nicht sehen.
Auf ihrer Schulter spürte sie auf einmal, wie sich sanft eine Hand darauf legte. Sie tat nichts, lag einfach nur da. Mit einem Schütteln warf sie sie ab, es war wieder nur ein Wunschtraum, eine unerfüllte Sehnsucht, die sie Dinge spüren ließ, die nicht existierten.
In einer Art Schutzreflex drehte sie sich wie ein kleines Mädchen von Quinn weg, den sie immer noch im Zelteingang stehend glaubte, rollte sich zusammen, um nichts mehr spüren zu müssen. Niemals war der Schmerz so stark gewesen, er machte ihn unerträglich, doch sie gab ihm keine Schuld. Sie allein war die Schuldige, die nun immer mehr innerlich zerfiel. Das Einzige, was sie bedauerte war, dass er dies mit ansehen musste, er hatte es nicht verdient.
Sie spürte, wie ihr jemand mit einer sanften Bewegung die Haare aus dem Gesicht strich und ihr sacht über die Wange streichelte. Diesmal drehte sie sich nicht wieder weg, sondern ließ es über sich ergehen und wünschte sich, dass sie entweder sterben oder aber sie aus diesem Alptraum entfliehen würde. Doch es war real, es gab keinen Traum, aus dem sie aufwachen konnte.
In ihrem Hinterkopf hörte sie Worte, eine leise, warme Stimme, die vorsichtig auf sie einredete. Sie verstand ihren Sinn nicht, alles schien verschwommen und verzerrt. Doch sie spürte, dass diese Stimme ihr gut tat, hoffte, dass sie nicht aufhören würde. Sie heilte jedenfalls oberflächlich die tiefen Wunden, die sie an den Rand des Wahnsinns gebracht hatten.
Versuchsweise öffnete sie die Augen, sah nur die glatte Zeltwand vor sich. Die Stimme redete weiter beruhigend auf sie ein, also entspannte sie vorsichtig ihre verkrampften Muskeln. Was war mit ihr passiert, zu was war sie geworden? Zu einem seelischen Wrack. Sie würde Quinn bitten, die Reise alleine fortzusetzen, er musste ihren Tod nicht mit ansehen. So sah also das Ende aus.
Bilder von der toten Heilerin in ihren Armen schossen ihr in den Kopf, war ihr Tod ebenso schmerzhaft gewesen? Sie hatte das Leben aus ihr heraus weichen sehen, hatte gesehen, wie ihre Augen von einem leblosen grauen Schimmer überzogen wurden. Es schien ihr, als würde sie den Schmerz der Vergangenheit noch einmal durchleben, dies war ihr wirkliches Ende gewesen. Sie war nicht mehr als eine leere Hülle geworden, die auf ihren Tod wartete.
Sie wollte aufstehen, sich von der stetig über ihre Wange streichelnden Hand befreien. Sie tat ihr gut, doch aus diesem Grund wurde sie unangenehm. Früher oder später würde sie von alleine verschwinden, jetzt war sie wenigstens darauf vorbereitet. Doch als sie sich wegdrehen wollte, hielt sie die Hand sanft fest. Es war nur eine leichte Berührung, wie alles, was sie tat, aber es ließ sie wieder auf den Boden zurücksinken.
Wieder begann die Stimme auf sie einzureden, sie strengte sich an, ihren Sinn zu erfassen. Es schien beinahe unmöglich, nur einzelne Wortfetzen drangen bis zu ihr durch. Beinahe hätte sie aufgegeben, dann jedoch hörte sie etwas, was es ihr verbot, ihre Bemühungen aufzugeben: „...du...ich...Leben...Liebe..."
Sie strengte sich an, weitere Worte zu verstehen, doch die Bruchstücke die sie verstand, waren längst nicht mehr so eingängig wie die vorigen. Vorsichtig versuchte sie ihren Kopf zu drehen, um die Quelle der Worte sehen zu können. Während der Bewegung verschwand die Hand kurz, ein unverständliches Stöhnen entwich ihr. Sie durfte nicht weg sein, nicht jetzt, sie brauchte sie!
Sie seufzte dankbar, als die Hand wieder auf ihrer Stirn auftauchte und ihr über den Haaransatz strich. Ihre Augen waren wieder geschlossen, zu schön war das Gefühl, einfach nur die Berührung spüren zu können, zu spüren, dass sie nicht alleine war.
Mehrere Minuten lag sie einfach nur so da und hinter ihren geschlossenen Liedern tauchten wieder Bilder aus ihrer Vergangenheit auf, Erinnerungen aus der Zeit, als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war und nicht ahnte, was sie würde miterleben müssen.
*****
Sie stand auf einer Lichtung, um sie herum war saftig-grünes Gras, unzählige kleine Blumen wurden von noch mehr kleinen Insekten umschwirrt, am Himmel zog ein Greifvogel seine Bahn, aufmerksam nach einer Maus oder ähnlichem Ausschau haltend.
Ihre Füße waren nackt, sie fühlte deutlich den kühlen Waldboden unter sich, das Leben, welches dieser beherbergte. Dies war ihr Zuhause, ihre Kindheit. Am Rand der Lichtung sah sie eine Frau, sie hatte wahrscheinlich um die 30 Winter hinter sich. Bei ihr war sie aufgenommen worden, sie nannte sie Mutter, weil sie das für ihr kindliches Empfinden war. Dass nicht sie es war, die sie geboren hatte, zählte in jenen Tagen nicht.
In ihre Nase stieg der Duft von frischen Kräutern, gepaart mit dem unverwechselbaren Geruch des Waldes. Er war alt und egal wo sie war, begleite er sie. An verschiedenen Orten war er mal ein wenig strenger, dann wieder ein wenig süßlicher, über alles erstreckte sich die unendliche Weisheit der Bäume.
Es zauberte ihr ein kaum merkbares Lächeln auf die Lippen, auf dieser Wiese fühlte sie sich geborgen. Doch es waren nichts weiter als Erinnerungen, die ihr Verstand ihr vorhielt und sie verfluchte sich dafür, gerade jetzt aus diesem kurzen Traum herausgeworfen zu werden.
Ihr Lächeln verschwand genauso schnell, wie es gekommen war, was die sie streichelnde Hand falsch interpretierte. Mit dem Verschwinden ihres Lächelns hörte sie sofort auf, über sie zu streifen, entfernte sich sogar ein wenig von ihr, sodass sie nur einige noch Fingerspitzen berührten.
„Nein...", brachte sie über die Lippen, sie durfte nicht aufhören. Wieder interpretierte die Hand dies falsch und beendete die für sie so lebenswichtige Berührung. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass die Hand höchstwahrscheinlich zu einem Körper gehörte, sie musste ihn nur dazu bringen, weiter zu machen. Sie realisierte, dass die Stimme ebenfalls verschwunden war, für einen Moment fühlte sie sich wieder vollkommen alleine.
Ein wenig wütend öffnete sie die Augen, warum wurde sie jetzt wieder alleine gelassen? Über sich sah sie nichts, erst als sie ihren Kopf ein wenig zur Seite legte, erkannte sie eine Gestalt, sie hockte geduckt neben ihr, das Zelt reichte gerade aus, dass sie nicht über ihr lehnte. Es war ein Mann mit einer kräftigen Gestalt und wettergegerbtem Gesicht -- Quinn.
Mit beiden Armen griff sie nach seiner rechten Hand, ergriff sie und wollte sie wieder zu sich ziehen, doch er bot ihr Widerstand. Langsam wurde ihr Verstand wieder klarer, erlaubte ihr Worte zu formulieren. „Hilf mir!" flehte sie ihn an, doch er blieb nach wie vor unbeweglich.
Sie sah, wie er den Kopf ein wenig zur Seite neigte, sein Gesichtsausdruck bekam etwas leicht Verwundertes, Fragendes. „Wobei? Ich kann dir nicht helfen,... ich habe es nie gekonnt." Sie wollte ihn anschreien, ihm etwas entgegensetzten, doch ihr Mund blieb geschlossen, als sie nur stumme Gedanken formulierte: „Du bist der Einzige, der mich retten kann!"
*****
Er hatte ihre Schreie gehört und war zum Zelt gerannt, er hatte gesehen, wie sie sich ängstlich vor eetwas Unsichtbaren versteckte, in sich zusammengerollt, als stünde der Tod direkt vor ihr. Er fragte sie was los sei, doch sie log ihn an. Er hatte nichts weiter tun können, als sie zu betrachten, er konnte ihr nicht helfen. Sie hatte die Augen zusammengekniffen, doch sie konnten ihre Tränen nicht verbergen. Ihr Anblick hatte irgendetwas in ihm ausgelöst, er kannte sie als eine starke und selbstbewusste Waldläuferin. Was war geschehen, dass sie in diesem Zustand zurückblieb?
Aus einem Impuls heraus hatte er eine Hand auf ihre Schulter gelegt, er wusste selbst nicht warum er das tat, aber er hatte sie vorsichtig gestreichelt. Er hatte oft gesehen, wie Mütter ihre weinenden Kinder streichelten, um ihnen Trost zu spenden, es schien ihm irgendwie das Richtige zu sein. Er hatte völlig außer Acht gelassen, dass er nach wie vor nichts weiter als ein einfacher Reisegefährte war, doch es schien einfach nicht wichtig. Sie brauchte jetzt seine Berührung, das spürte er.
Für einen kurzen Moment lang schien es, als hätte sie sich beruhig, dann jedoch hatte sie sich gegen seine Berührung gewehrt, erschrocken hatte er seine Berührung relativ schnell beendet. Dazu war er nicht berechtigt, er kannte sie kaum, wie kam er darauf, dass er ihr so nahe kommen durfte?
Nein, er konnte ihr nicht helfen, hatte es nie gekonnt. Sie schien so weit weg wie nie zuvor, sein Wunsch sie einfach in die Arme schließen zu können, war dafür umso größer. Sie würde ihre Tränen an seiner Schulter trocknen können, er würde sie einfach nur halten, sie beschützen vor den Dämonen, gegen die sie kämpfte.
Doch das durfte er nicht, konnte er nicht. Sie empfand nichts für ihn, woher auch? Nein, er durfte sich nicht seinen eigenen Dämonen hingeben, es war besser, erst gar keine Hoffnung aufkommen zu lassen, es war nichts weiter als eine Illusion.
Vorsichtig bewegte er sich ein wenig nach hinten, wieder aus dem engen Zelt heraus, entwand seinen rechten Arm aus ihrem Griff. Sie stammelte etwas, doch er konnte den Sinn nicht verstehen, wollte ihn nicht verstehen. Die Sonne schickte ihre ersten Lichtstrahlen, doch für ihn schien alles dunkler als zuvor. So dunkel wie sein Herz.
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Nun war sie wieder alleine, alleine mit ihrer Sehnsucht. Er hatte sie einfach alleine gelassen, hatte ihr Flehen ignoriert und war wieder gegangen. Für einen Moment war sie ihm näher gewesen, als sie es je für realistisch gehalten hatte, für einen Moment lang hatte sie die Hoffnung gehabt, dass er sie wirklich verstand, ihre Sehnsucht sah. Doch sie war in weniger als einem Augenblick wieder zerstört worden, als er sich ihr entzogen hatte. Für sie gab es keine Rettung.
Eins hatte er jedoch bewirkt: Er hatte sie vor dem Wahnsinn bewahrt, dafür war sie ihm dankbar, auch wenn der Schmerz nicht weniger geworden war. Sie war nun wieder da angelangt, wo sie die letzte Zeit gewesen war. Am Rand zwischen Leben und Tod, zwischen Wahnsinn und messerscharfem Verstand.
Um sich abzulenken ordnete sie ihre Kleidung, so dass sie sich fähig fühlte, aus ihrem schützenden Zelt herauszutreten. Automatisch nahm sie ihren Bogen mit der Sehne mit hinaus und begann direkt damit, ihn wieder einsatzbereit zu machen. Ohne nach Quinn zu sehen begann sie damit, sich reisefertig auszurüsten, sie befestigte ihren Köcher wieder am Gürtel, reinigte soweit es eben ging ihren Schlafsack von der Erde und verstaute ihn im Rucksack.