Lajana

byAldebaran66©

Es gibt Momente im Leben, die man nie vergisst. Einen solchen hatte ich vor wenigen Tagen. Wenn ich heute darüber nachdenke, versetzt sich mein Körper in eine Spannung, die ich zuvor noch nicht erlebt habe. Ein einmaliges Erlebnis, was sich tief in meine Gedanken eingegraben hat, sich dort verankerte und mir vorkommt, als wenn es niemals wiederholt werden kann. Das erste Mal ist das Intensivste, kann in derselben Situation nicht mehr erreicht werden.

Es machte mich fröhlich und zugleich traurig. Froh es erleben zu dürfen, traurig, da es vorbei war. Dabei hatte alles harmlos angefangen.

Ich kannte sie noch nicht lange, kannte nicht mal ihren Namen, wusste nicht, wo sie wohnte. Ein Zufall ließ uns zusammentreffen, zumindest hatte ich den Eindruck. Aber es war keiner, davon bin ich heute überzeugt. Es hatte für mich nur den Anschein gehabt.

Wenn ich von der Arbeit kam und mir die Decke auf den Kopf fiel, musste ich raus, musste Menschen um mich herum haben. Dazu ging ich in mein Stammkaffee. Im Winter schlürfte ich einen oder zwei Kaffee drinnen, im Sommer ein Eis und einen Kaffee draußen. Hierbei genoss ich die extrem unterschiedlichen Geschmäcker und Aromen. Zuerst das kalte Eis, süß und fruchtig, danach den heißen Kaffee, schwarz und stark.

Zwei Gegensätze, die sich im ersten Moment nicht vertrugen, die Geschmacksnerven jedoch auf Hochleistung trieben.

Der Sommer hatte einen weiteren Vorteil.

Nach dem geschmacklichen Hochgenuss, gönnte ich mir eine gute Zigarre, konnte mich eine halbe Stunde damit vergnügen. Den Rauch langsam aus den fermentierten Blättern zu saugen, den würzigen Duft riechen und sich Zeit lassen. Das war Entspannung pur. Vollkommen anders als die hastig angezündete Zigarette zu rauchen, sie kaum Wahrgenommen, achtlos im Aschenbecher ausgedrückt wurde.

Diese Zeit war für mich die Wiederentdeckung der Langsamkeit. Schon die Vorbereitung musste zelebriert werden. Das Anschneiden der Zigarre wurde zu einem Ritual der Vorfreude, das Entzünden der vorgesehenen langen Streichhölzer zur quälenden Vorfreude, der erste Zug aus dem angefeuchteten Ende, eine Offenbarung. Lange hatte ich nach der Richtigen gesucht und sie nach vielen Experimenten gefunden. Pikant, mit einer leichten Note von Vanille, nicht zu weich.

Sich im Stuhl zurücksinken lassen, die Menschen beobachten, ab und zu einen Zug zu nehmen, und zusehen, wie sich das helle Deckblatt verdunkelt, danach zu Asche wird, kam für mich einer Religion nah.

Hätte ich dazu einen guten Whiskey gehabt, wäre es perfekt gewesen. Leider hatte sie in dem Kaffee nur einen, um damit Eis zu machen. Ich kannte ihn aus meiner Jugendzeit und würde ihn heute höchstens noch benutzen, um meine Füße damit zu waschen. Geschmack ging anders. Die Ansprüche und Möglichkeiten stiegen im Alter.

Kommen wir zurück auf das, was ich erzählen wollte.

An einem dieser Tage passierte was Außergewöhnliches, für mich zuerst Seltsames.

Ich hatte gerade die ersten Züge getan und saß verträumt im Sonnenschein, hatte gerade meine Augen für einen Moment geschlossen, als ein Schatten darauffiel. Nichts Außergewöhnliches, wenn um einen herum Tische stehen. Es war ein Kommen und Gehen, von daher normal. Nur wollte dieser Schatten nicht weggehen und ich war ehrlich gesagt verärgert, da es der erste Tag im Jahr war, an dem man draußen sitzen konnte, ohne Frostbeulen zu bekommen. Ich wollte Sonne, war hungrig danach. Also öffnete ich meine Augen und wollte gerade einen entsprechenden Spruch aufsagen, als ich innehielt.

Seitlich an meinem Tisch stand eine Frau, die mich anlächelte und auf einen der freien Sitze zeigte, die um meinen Tisch herum standen. Blitzschnell dachte ich darüber nach, dass sie einen der Stühle haben wollte, um sich damit an einen anderen Tisch zu setzten, aber zu meiner Überraschung war es anders.

„Entschuldigen sie, ist der noch frei? Heute ist die ganze Stadt auf den Beinen und alle Tische besetzt. Bei dem Wetter kein Wunder!"

Ich beäugelte sie aus meiner Position, nahm einen kurzen Zug aus der Zigarre, stieß den Rauch langsam aus und machte eine einladende Handbewegung. Egal wie es ausgesehen hatte, ich wollte ihr nur zeigen, worauf sie sich einließ. Es gab viele Menschen, die den Duft nicht mochten, den ich produzierte.

Zu meiner Überraschung setzte sie sich hin, neben mich und zusätzlich in der Richtung, dass sie den ausgestoßenen Rauch teilweise abbekam.

Mir war es egal, solange sie nicht anfing zu meckern. Ich hatte es ihr angedeutet und würde mein Ritual nicht für sie beenden. In dieser Angelegenheit war ich ein kleiner Egoist.

Ich sah noch, wie sie eine dieser Hochglanztüten abstellte, die man nach erfolgreichem Einkauf in Boutiquen bekam, und schloss erneut meine Augen.

Zwischendurch kam eine Kellnerin und sie bestellte sich eine Eisschokolade ohne Sahne. Dabei fiel mir ihre angenehme Stimme auf. Nicht laut aber klar verständlich, weich und nicht störend.

„Sie sind öfters hier!", hörte ich sie und war innerlich am Fluchen. Sie bemühte sich anscheinend um Konversation und genau das war es, was ich in diesen Minuten nicht haben wollte. Also nickte ich, reagierte sonst mit keiner Faser auf ihre Feststellung. Damit dachte ich, dass ich jedes aufkeimende Gespräch abgewürgt hätte, doch hatte ich mich getäuscht.

„Die Zigarre riecht übrigens angenehm. Was ist das für eine?"

Ich dachte nur: „Mist!", sie kennt die Fragen mit dem W. Eine Frage, auf die man nicht mit einem Nicken oder Schütteln des Kopfes antworten kann. Ja oder nein fielen aus.

„Cohiba Siglo VI", ließ ich hören, nannte den vollständigen ganzen Namen, um weiteren Fragen aus dem Weg zu gehen.

„Montecristo finde ich ein wenig würziger!", hörte ich zu meiner Überraschung an mein Ohr dringen.

Jetzt war ich überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet und öffnete meine Augen. Ich musste einen Blick riskieren. Ein Mensch, ob weiblich oder männlich in dieser Zeit, die diese Feststellung treffen konnte, war selten geworden. Das, was ich zwischen den Fingern hielt, war in den letzten Jahren zu einem Nischenprodukt geworden und nur wenigen geläufig, besonders den Jüngeren.

„Bitte?", fragte ich, glaubte nicht richtig verstanden zu haben.

„Ich mag Montecristo lieber!", wiederholte sie in einer neuen Antwort.

„Geschmackssache!", meinte ich kurz und bündig, um einen letzten Versuch zu unternehmen, meine Ruhe wiederzuerlangen.

Doch das konnte ich mir abschminken, das wurde mir Sekunden später klar und auch nicht mehr möglich. In den vorigen Zustand würde ich nicht mehr zurückfinden.

„Jemand den ich mochte, hat sie geraucht und es erinnert mich an ihn. Außerdem benutzen sie denselben Duft wie er!"

Ich sah sie an, erkannte ein feines Lächeln auf ihren Lippen und erblickte strahlende, lebhafte Augen. Anscheinend hatte sie gute Erinnerungen an diesen Menschen und das übertrug sich in gewisser Weise auf mich.

Um ihre Aussage zu unterstreichen, hob sie ihren Kopf an und sog schnuppernd die Luft ein, die ihr entgegen wehte.

„Ich habe sie schon oft im Kaffee gesehen und gerochen. Als ich sie heute hier draußen rauchen gesehen habe, konnte ich nicht widerstehen. Ich hoffe es stört sie nicht, wenn ich hier sitze?"

Ich überlegte, ob ich sie mir zuvor aufgefallen war und je länger ich darüber nachdachte, umso mehr kam sie mir bekannt vor. Wahrscheinlich hatte sie im Kaffee in meiner Nähe gesessen, doch direkt konnte ich mich nicht erinnern. Es kamen und gingen viele Menschen. Das Kaffee war beliebt, da konnte ich mir nicht jeden merken.

„Nein, im Gegenteil. Es ist mir angenehm. Menschen, die Genuss zu schätzen wissen, mag ich in meiner Nähe. Sie sind was besonders, entfliehen der Hektik der Zeit, nehmen sich die Freiheit dieser zu entkommen, auch wenn es nur für eine kleine Weile ist!

Ich sehe, sie waren, was einkaufen?"

Mir war nichts Besseres eingefallen, um das Gespräch aufrechtzuerhalten und da Frauen gerne über ihre neusten Einkäufe sprachen, war es nur natürlich sie darauf anzusprechen.

Sie sah zu ihrer Tüte und ihr Grinsen wurde breiter als zuvor.

„Sind sie sich sicher, dass sie mit mir über meine Einkäufe reden möchten? Männer sprechen nicht gerne über das, was Frauen in ihren Einkaufstüten haben, besonders wenn es um Mode geht!"

„Warum nicht? Ein Thema wie jedes andere. Ich bin an allem interessiert und auf alles neugierig. Würden sie zuhören, wenn ich über meine Vorlieben sprechen würde?"

Sie überlegte einen winzigen Moment und nickte.

„Sehen sie, geht ihnen genauso. Also los. Keine Scheu. Was haben sie eingekauft, was ist gerade angesagt. Überzeugen sie mich, dass das, was sie eingekauft haben, dass Richtige für sie ist!"

Sie stockte für einen Moment und man konnte an ihrem Gesicht ablesen, dass sie von meiner Antwort überrascht worden war. Unsicher hob sie die große Tüte auf ihren Schoß und holte ein leichtes, luftiges Top heraus und hielt es mit spitzen Fingern vor sich hin.

„Ich habe für den Strand eingekauft, wobei es eher der Baggersee werden wird. Ob sich das lohnt, kann ich nicht sagen. Es gibt nicht viele Menschen in der Gegend, die Geschmack haben!"

Ich sah sie mit gerunzelter Stirn an.

„Heißt das, dass sie ihre Bekleidung für andere kaufen und nicht für sich selber?", fragte ich sie und hätte mir am liebsten auf die Zunge gebissen. Doch dafür war es zu spät. In einem normalen, leichten Gespräch, solche Fragen zu stellen, war nicht gut. Sie war tiefgründig, philosophisch, konnte auf verschiedene Arten interpretiert werden.

Sie starrte mich an und ließ das Top auf die Knie sinken.

„Wissen sie was?"

Jetzt kam es. Das große Donnerwetter würde über mich kommen, davon war ich überzeugt. Frei nach dem Motto: „Was soll die Frage?", doch es kam nicht. Im Gegenteil.

Ich schüttelte unsicher meinen Kopf, wusste es natürlich nicht.

„Irgendwie habe ich damit gerechnet, dass eine solche Frage kommt. Immer wenn ich sie gesehen habe, habe ich mich gefragt, was sie für ein Mensch sind. Dabei war ich mir sicher, dass sie genauso sein würden, wie sie jetzt sind. Tiefgründig, wissbegierig und erfahren. Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll!"

Ich fühlte mich geschmeichelt, anders konnte man es nicht sagen. Gleichzeitig erleichtert, denn inzwischen empfand ich ihre Anwesenheit als angenehm. Sie hatte was an sich, was ich nicht begründen konnte, was sie in dieser kurzen Zeit sympathisch machte, die wir zusammensaßen.

Was ich nicht für möglich gehalten hatte, geschah. Wir vertieften unser Gespräch, loteten unsere Interessen aus und schlürften währenddessen zwei weitere Getränke. Sie freute sich, als ich eine weitere Zigarre aus dem Etui nahm, ließ es sich nicht nehmen, sie mir anzuzünden.

Die erste Rauchwolke blies ich vorsichtig in ihre Richtung und sie schnupperte übertrieben, wie ein Laubsauger, in der Luft.

Wir verstanden uns hervorragend und es war schade, als sie sich verabschieden musste. Sie hatte noch was vor, dass sich nicht verschieben ließ. Doch ich versprach am nächsten Tag an derselben Stelle zu sein, um unser Gespräch weiterzuführen. Zum Glück war am nächsten Tag genauso gutes Wetter angesagt und dazu Freitag.

Fröhlich pfeifend ging ich nach Hause und freute mich über den kommenden Tag. In der letzten Zeit hatte ich selten so gute Laune gehabt.

Später saß ich in meinem bequemen Lesesessel, nahm mir ein angefangenes Buch und goss mir reichlich von einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit ein, die 18 Jahre darauf gewartete hatte, sie aus der Flasche gelassen zu werden.

Ich konnte mich jedoch nicht auf das Buch konzentrieren, meine Gedanken ließen es nicht zu. Sie waren auf meine neue Bekanntschaft gerichtet, deren Namen ich nicht kannte. Seltsam. Ich hatte nicht gefragt und sie nicht nach meinem. Es hatte keine Rolle gespielt, war in unserem Gespräch irrelevant. Es war um alles und nichts gegangen, wollten keine Freundlichkeiten austauschen.

Nachdenklich dimmte ich meine Leselampe auf ein Minimum, ließ meinen Drink im Glas kreisen und nahm einen ersten Schluck, als dieser die richtige Temperatur hatte.

Leicht erwärmt, verströmte er ein süßlich herbes Aroma, was mir erst in die Nase stieg, um sich später mit den Eindrücken meiner Geschmacksnerven zu verbinden.

Als ich den ersten Schluck durch meine Speiseröhre rinnen ließ, dass leichte Brennen verfolgte, das sich fühlbar in den Magen ergoss, schloss ich meine Augen und sah sie vor mir sitzen. Ein genießerisches Lächeln legte sich auf meine Lippen in der Gewissheit, sie am nächsten Tag zu sehen, vielleicht noch öfter. Hatte sie doch gesagt, mehrmals im Kaffee gewesen zu sein.

Dem ersten Drink folgte ein Zweiter, und wenn ich mich nicht zusammengerissen hätte, wäre es nicht der Letzte gewesen. Doch es war nicht gut für mich. Am nächsten Morgen wollte ich auf unseren Markt gehen und ausgewählte Leckereien kaufen. Das war mit schwerem Kopf keine gute Idee, zumal die Geschmacksnerven an Empfindlichkeit verloren.

Mit einem begehrenden Blick auf die Flasche, erhob ich mich, hatte die richtige Bettschwere erreicht und trat meinen Matratzenhorchdienst an.

Die Drinks taten ihr Übriges, um mich schnell einschlafen zu lassen. Das Letzte, an das ich dachte, war sie.

Pünktlich am nächsten Morgen, stand ich auf, wollte um neun auf dem Markt sein. Dusche, Zehntagebart trimmen, damit es ein Dreitagebart wurde. Man wollte schließlich nicht aussehen wie ein Urmensch. Dazu duschen und von dem Duft auftragen, den sie an mir mochte, was keinen Sinn machte, da wir uns erst am Nachmittag treffen würden. Doch ich mochte den Duft gerne, tat es für mich.

Pünktlich um Viertel vor neun, stand ich vor dem Haus, machte einen kleinen Spaziergang zum Markt. Er war zehn Minuten um die Ecke und daher war ich früher dort als gedacht.Die Luft fühlte sich wunderbar erfrischend an. Es war noch kühl, trotzdem trug ich nur ein weites T-Shirt. Gänsehaut machte sich auf meinem Arm breit, verging genauso schnell, wie sie gekommen war.

Es hatte was Gutes, um diese Zeit auf dem Markt zu sein. Es war nicht voll, man kam gut durch und brauchte weniger Zeit beim Anstehen. Ich ging zu meinen bekannten Ständen, unter anderem zum Metzger meines Vertrauens und andere. Besonders lange hielt ich mich bei einem Stand auf, in dessen Auslage diverse Oliven und andere Köstlichkeiten angeboten wurden. Ich kaufte unter anderem gefüllte mit Frischkäse und in Grappa eingelegten Aprikosen. Dazu ein größeres, mit frischen Kräutern belegtes Stück Schafkäse, in Öl. An einem andern Stand kamen drei verschiedene Stücke Hartkäse dazu, die ich mir am Abend genüsslich einverleiben wollte.

Ein Meterbrot dazu und der Abend war gerettet.

Zum Schluss zu meinem Metzger um verschiedene Sorten von Schinken zu kaufen. Geräuchert und luftgetrocknet. Meine Geschmacksnerven würden am Abend Schwerstarbeit leisten müssen.

Als ich meine letzten Einkäufe in die Tasche packte und mich umdrehte, blieb ich wie angewurzelt stehen.

Sie stand vor mir und lächelte mich an.

„Sieht ja unheimlich lecker aus was sie dort gekauft haben. Da wird sich jemand freuen, wenn sie er hervorzaubern!"

Wie es aussah, glaubte sie, dass es nicht für mich alleine war und ich schüttelte den Kopf: „Alles für mich! Ach ja, guten Morgen erst einmal!"

Sie überhörte meinen Gruß, legte jedoch ihren Kopf leicht schräg und sah mich fragend an: „Alles für sie? Das ist viel zu viel. Sie sollten jemanden dazu einladen. Zusammen essen macht mehr Spaß. Ich fände es langweilig, alleine dort zu sitzen und es in mich hinein zu futtern!"

Damit hatte sie recht, aber das war das Schicksal eines Singles. Man gewöhnte sich daran.

Jetzt kam mir eine Idee. Ich musste es versuchen, wenn ich auch davon ausging, dass es negativ ausfallen würde.

„Wenn sie wollen, können sie mir Gesellschaft leisten!"

Zuerst war ich davon ausgegangen, dass ich diesen Satz nur gedacht hatte, doch ich erschrak, als mir klar wurde, dass ich es tatsächlich gesagt hatte.

„Gerne!", antwortete sie mit einem einzigen Wort und nickte zustimmend.

Ich war von der Rolle, hatte nicht damit gerechnet.

„Es würde mir sogar noch besser passen, als am Nachmittag. Später habe ich nichts vor und sozusagen Open End. Stellen sie sich nur vor, wir unterhalten uns gut und ich muss terminlich wohin. Heute Abend passiert das nicht. Sie müssten mir nur sagen, wo sie wohnen!"

Ich sagte ihr automatisch meine Adresse. Dabei wurde mir erst bewusst, was passiert war. Es kam mir wie ein kleines Wunder vor, damit hatte ich nicht gerechnet.

Kaum hatte ich geantwortet, drehte sie sich um und sagte wie nebenbei: „Gut, bis heute Abend um acht. Ich erscheine pünktlich, versprochen!"

Jetzt drehte sie sich um und war mit wenigen, schnellen Schritten zwischen den anderen Marktbesuchern verschwunden. Ich sah nur noch, wie sie sich ein letztes Mal umdrehte und mir mit einer Hand winkte.

Nachdenklich ging ich noch einmal über den Markt, kaufte zusätzliche Sachen ein, da ich der Meinung war, dass es für zwei nicht reichen würde. Dabei übertrieb ich wie immer. Wenn ich Gäste hatte, war noch niemals jemand hungrig aus meiner Tür gegangen. Das Gegenteil war der Fall. Meistens kaufte ich zu große Mengen und konnte davon noch tagelang leben.

Als ich Zuhause ankam, stellte ich meine Einkäufe auf den Tisch, bereitete mir einen Cappuccino zu und saß mit der Tasse in der Hand am Küchentisch. Hier überlegte ich, was ich für den Abend vorbereiten sollte, kam aber auf keinen Nenner. Ich kannte ihren Geschmack nicht.

Also musste das warten, bis sie da war. Solange wusste ich nicht, was ich machen sollte. Den Nachmittag hatte ich für meinen Gang zum Kaffee verplant und der fand nicht in der Art statt, wie ich es mir gedacht hatte. Ich räumte alles weg und machte einen ausgedehnten Spaziergang in der herrlich warmen Sonne, die von einem wolkenlosen Himmel schien.

Der Weg wurde länger als gedacht, was nichts ausmachte. Ich hatte genügend Zeit und sonst nichts vor. Zwischendurch probierte ich eine andere Eisdiele aus, als meine, empfand das Eis für nicht so gut, wie das von meinem Kaffee. Entweder war es wirklich nicht zu vergleichen, oder ich hatte mich an den anderen Geschmack gewöhnt. Trotzdem war es gut, soweit ich das beurteilen konnte.

Als ich zurück nach Hause kam, war es gerade 15 Uhr. Schon spät in dem Sinne, dass ich lange unterwegs gewesen war, viel zu früh, um auf ihre Ankunft zu warten.

Also Buch her und einen neuen Versuch starten. Doch auch dieses Mal wurde nichts draus. Auch wenn ich es mir nicht erklären konnte, war meine Anspannung zu groß. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Dabei sagte ich mir selber, dass ich ein dummer, alter Mann war, der auf den Teppich zurückkommen sollte. Sie war an einem Gespräch interessiert, einem schönen Abend, nichts anderes. Darüber musste ich mir keine Illusion machen. Es half trotzdem nichts. Auch wenn ich mich mehrmals einen Dummkopf nannte, blieb die Aufregung vorhanden, als wenn ich ein Jüngling war, der auf die Liebste wartete. Eine solche Dramatik hatte ich lange nicht mehr erfahren und schüttelte über mich meinen Kopf.

Eine Stunde vor dem angepeilten Zeitpunkt, ging ich in die Küche, hole die Sachen aus dem Kühlschrank, damit sie nicht mehr frostig waren. Zu kalt schmeckte es nicht. Ich richtete es in kleinen Schälchen an, versah Teile davon mit essbaren Kräutern oder anderer Deko. Dabei fiel mir immer mehr ein, was ich noch tun konnte, dass ich darüber die Zeit vergaß. Als es an der Tür klingelte, erschrak ich fürchterlich. Die Zeit hatte sich davongestohlen und ich hatte sie nicht gehen gesehen.

Ein Blick zur Uhr verriet mit, dass es tatsächlich acht Uhr war.

Mit klopfendem Herzen ging ich zur Tür und öffnete diese.

Sie stand wie vorausgesagt pünktlich vor der Tür. Eine Eigenschaft, die mir zusagte.

Sie grinste mich an, und ich ging beiseite, um sie eintreten zu lassen.

„Schickes Outfit!", meinte sie und grinst über beide Ohren.

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