tagSchwuleDunkel ist nur die Nacht 02

Dunkel ist nur die Nacht 02

byLysyana©

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Matt lag wach in seinem Bett. Er wusste nicht wie spät es ist oder wie lange er geschlafen hatte. Ein kurzer Handgriff zeigte, dass auf der rechten Seite des Bettes die Gitter wieder nach Oben geschoben worden waren. Da er keine Ahnung hatte, wie man sie wieder hinunter bekommt, wartete er schon, nach seinem Zeitgefühl, ziemlich lange. Ihn drückte die Blase, denn am Morgen oder Gestern oder vielleicht auch erst vor einer halben Stunde wurde der Katheder entfernt. Er hatte keine Ahnung, wo der Schalter war, um das Pflegepersonal zu bestellen und auf sein Rufen hat bisher niemand reagiert. Er wartete gefühlte fünf Minuten, die in Wahrheit aber nur zwei waren und rief nochmals: „Hallo? Ist da jemand?"

Langsam breitete sich wieder das Gefühl der Hilflosigkeit aus. Wenn nicht bald jemand kommen würde, dann würde er einfach über die Gitter klettern - jedenfalls würde er es versuchen - sich dabei mit Sicherheit sämtliche Knochen brechen und überhaupt vertraute er der Kraft in seinen Beinen nicht.

„Wie kann ich helfen?", eine piepsige Stimme Betrat den Raum. Sofort hatte er das Bild einer blonden, dirndeltragenden kleinen Frau vor Augen und musste lächeln. Es war ihm schon aufgefallen, dass er nun viele Menschen über die Stimme betrachtete. Er stellte sich sofort einen passenden Körper dazu vor. Wenn er mit dem Menschen ein paar Worte gewechselt hatte, dann kam auch eine fiktive Vergangenheit dazu. Die komplexeste Vorstellung hatte mittlerweile Sam angenommen. Doch bei Sam war etwas anders, im Gegensatz zu allen anderen, hatte er keinen Körper, kein Gesicht, keine Haare. Er war eine Silhouette aus seiner Stimme, seinem Geruch und den kräftigen Armen. Er wusste, dass Sam in etwa so groß war wie er, dass seine Hände Schwielen hatten, aber gleichzeitig sehr Weich waren. Aber er hatte keinen Körper, war nur ein Schatten von all den anderen sinnlichen Eindrücken, die auf Matt gewirkt hatten.

„Ich muss auf die Toilette.", sagte Matt.

„Warum benutzten Sie nicht die Schelle?", fragte das Mäuschen.

„Hätte ich gerne, aber ich konnte sie nicht sehen."

„Hmm. Ähm, wollen Sie, dass Sie ein Pfleger zur Toilette begleitet?", fragte sie schüchtern.

„Wieso, ist das Vorschrift?", fragte Matt belustigt.

„Nein ...", antwortete sie unsicher.

„Ich meine, ich kann Sie eh nicht sehen. Sie können also gerne stundenlang starren. Ich muss nur wirklich dringen.", er konnte förmlich hören, wie ihr das Blut in die weißen Wangen schoss und einen rosa Hauch zauberten, der perfekt zu ihren blonden Zöpfen passte.

Matt hatte die gesamte Zeit über einen riesen Spaß. Ihm war es absolut egal, ob sie ihn nackt sah, oder nicht. Er wusste ganz genau, dass er dafür Hilfe benötigen würde und daher war es ihm nicht peinlich. An der ganzen Sache war nichts, wofür man sich hätte schämen müssen. Also beschloss er ihre peinliche Berührung zu seinem Vorteil zu nutzen. Das einzige, womit er nicht zurecht kam, mal abgesehen von den schwachen Beinen, war das Gleichgewicht. Er hatte ständig das Gefühl zu fallen. Das nahm seine gesamte Konzentration ein und hielt ihn davon ab sich besser darauf zu konzentrieren, was er mit seinen Füßen tat. Er hatte darauf bestanden zum Bad zu laufen.

Sie half ihm sich auf die Toilette zu setzen, dann ging sie. So viel wollte Matt ihr auch nicht zumuten, denn er war sich bewusst, dass es dem Mädchen wohl sehr peinlich sein muss. Bei dem Gang hatte er bemerkt, dass sie weder schlank, noch besonders klein war. Sie war kräftig, roch ein wenig nach einem billigen Shampoo und viel Desinfektionsmittel. Ihre Stimme passte nicht zu ihrem Aussehen, aber zu ihrer schüchternen Art.

Nachdem Matt wieder im Bett lag, er wollte eigentlich noch ein wenig auf dem Stuhl daneben sitzen, aber die Schwester hatte es ihm mit fester Stimme verboten. Darauf hörte er sofort, denn mit einer solchen hatte er nicht gerechnet und war dem entsprechend überfallen.

„Dr. Raund wird in etwa einer Stunde vorbeikommen. Er sagte, ich möchte Ihnen ausrichten, dass er mit Ihnen reden muss. Haben Sie Angehörige, die ich verständigen soll?"

„Reden? Nein. Doch halt. Könnten Sie Johannes Märchen anrufen? Sie Nummer muss in meiner Akte liegen."

„Ja, natürlich.", sie drehte sich um, Matt hörte die Schritte zur Türe.

„Moment.", rief er sie zurück, „Wo ist denn jetzt das Notrufteil?"

Sie legte es ihm links neben sein Kissen. Matt fragte noch nach der Uhrzeit, sie sagte es sei halb vier. Dann ging sie raschen Schrittes aus dem Zimmer. Jetzt lag Matt da, keine Musik, nichts zu tun. Den Fernseher, den es irgendwo geben musste, so hatte es Sam gesagt, konnte er nicht einschalten, da die Fernbedienung weit weit weg lag. Im tiefen Dunkel des Raumes verborgen.

Matt musste wieder eingeschlafen sein, als eine sanfte Stimme und eine kräftige Hand ihn weckte.

„Matt? Bist du wach?"

„Jetzt schon. Wie spät ist es?"

„Kurz nach vier.", antwortete Jo.

„Kannst du dieses beschissene Gitter weg machen?!"

Jo schob es ohne Worte nach unten. Er setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett und nahm wieder Matts Hand. Sie saßen schweigend beisammen. Jeder ging seinen Gedanken nach. Während Matt an nichts anderes denken konnte, als an die Dankbarkeit, die er für Jo empfand, war er hingegen überhaupt nicht bei Matt. Seine Gedanken kreisten um das Seminar, das er jetzt verpasste. Aber er war im Grunde froh, dass Matt ihn hat rufen lassen. Er wollte ihn eh besuchen, nach dem Seminar, nur deshalb war er so schnell hier gewesen. Er machte sich noch immer Sorgen, auch wenn Matt ihm gesagt hatte, dass er das lassen sollte. Dass das alles nicht seine Schuld war.

„Warum sollte ich so schnell kommen?", fragte er nach einer Weile. Matt schwieg, atmete tief ein. Er drückte Jos Hand, zog sie etwas näher zu sich, nur um sich zu vergewissern, dass er tatsächlich nicht alleine war.

„Ich weiß nicht. Der Arzt kommt gleich. Er muss mir etwas erzählen. Und dann sagte sie, dass ich einen Angehörigen verständigen soll ... ich habe Angst.", sagte er ruhig, seine Stimme frei von Nervosität.

„Du klingst aber nicht so. Du hast da was ...", Jo strich einen Fleck auf Matts Lippe weg. Er war hartnäckig, aber Matt freute sich über diese Berührung. Ohne dass er es wollte, hatte er wieder ein Bild vor sich. Es war ein Bild, das sehr lange zurück lag. Es ließ einen weiteren Knoten in seiner Brust schwellen. Aber dieses Mal einen vor Freude, Dankbarkeit und in gewisser Weise auch Liebe. Er schüttelte den Kopf, wie um das Bild zu verscheuchen. In Wahrheit dachte er, dass es so weit eh nie wieder kommen würde. Und er wusste, dass es gut so war.

Kein Klopfen, kein Laut, kündigte die Ankunft des Arztes an. Die Türe ging so lautlos auf, dass er die Gegenwart der neuen Menschen in Raum erst bemerkte, aber die Türe zugeschlagen wurde. Die Stimme erkannte er sofort.

„Entschuldigung.", murmelte sie.

Dr. Raund, seine Studentin und ein Pfleger traten Jo entgegen. Matt versteifte sich und drückte Jos Hand umso fester.

„Hallo. Ich bin Dr. Raund. Das sind Frau Müller und Sam."

Jo schüttelte die ihm entgegen gestreckten Hände, ließ Matts Hand dabei los.

„Johannes. Ich bin Matts Mitbewohner.", antwortete Jo mit rauer Stimme. Er war nun auch nervös, Matt hatte es bemerkt, als seine Finger innerhalb von Sekunden kalt geworden waren. Das war seine Art es zu zeigen. Wieder flackerte ein Bild in seinem Kopf auf, in dieser Sekunde, wo sie sich die Hände gaben, er schob den Gedanken fort.

„Wie geht es Ihnen heute?", fragte Dr. Raund Matt. Er wusste erst nicht, dass er angesprochen worden war.

„Ich denke ganz gut.", antwortete er nach einer kurzen Pause, als er bemerkte, dass niemand anders sprach.

„Keine Schmerzen?"

„Naja ... Doch, beim Wasserlassen vorhin. Und meine Beine ..."

„Das ist völlig normal. Das Brennen beim Urinieren werden Sie bald verlieren. Für die Beine werden wir eine Reha bemühen. Aber dazu später.", er machte eine kurze Pause, „Nun, wir haben die Bilder aus dem CT gesichtet. Ich denke ich habe gute und schlechte Neuigkeiten."

Es war so still in dem Raum geworden. Matt atmete hörbar ein und wieder aus. Sein Herz raste.

„Ich fange mit den guten an. Der Druck in ihrem Kopf hat sich komplett normalisiert. Es könnte sein, dass Sie hin und wieder mal Kopfschmerzen haben, aber nichts, was sie einschränken würde."

„Also werde ich wieder sehen?", fragte Matt leise.

„Was das angeht -- nein. Es tut mir leid, aber Sie sind blind. Lassen sie es mich erklären.", er fachsimpelte, aber abgesehen von der Studentin hörte ihm niemand wirklich zu. In Matts Kopf hallte der letzte Teil immer wieder hoch und runter: „Sie sind blind. Blind. Blind.", immer wieder. Doch was ihn verwirrte war nicht, dass er nun Angst hatte. Nein, damit hatte er gerechnet. Irgendwie hatte er auch gewusst, dass er Blind sein würde. Für immer im Dunkeln gefangen. Nein, in verwirrte nicht diese gewisse Tatsache. Was ihn verwirrte war die Stille. Die einfache Stille in seinem Kopf. Er hatte gedacht, dass die Bestätigung einen Schrei in ihm auslösen würde, ein Schrei, so laut, dass er auch noch taub werden würde. Doch er hörte nur die Stimme des Arztes, die, so erkannte er jetzt, einen indischen Akzent hatte. Ob er wohl Inder war? Aber das tat nichts zur Sache.

Langsam drangen die Stimmen wieder in sein Bewusstsein.

„... bedeutet, dass durch die Schwellung, den Druck ihr Sehzentrum im Gehirn beeinflusst wurde. Das liegt im hinteren teil des Gehirns, dort wo das Hämmatom war. Im Grunde sehen Sie noch, mit Ihren Augen ist alles in Ordnung, aber Ihr Gehirn kann die Bilder, die sie ihm senden, nicht mehr deuten. Das ganze nennt man Rindenblindheit. Es ist nicht heilbar.", Dr. Raund hörte auf zu reden.

„Okey.", antwortete Matt ruhig, „Was folgt jetzt?"

Jo sah ihn verblüfft an. Selbst matt selbst war erstaunt, obwohl er wusste, dass er damit leben würde müssen und dass er keine Ahnung hatte, wie die Zukunft für ihn aussehen würde, war seine Stimme so gefasst, dass alle ihn erstaunt ansahen. Dr. Raund schien es sogar in gewisser Weise aus dem Takt geschlagen zu haben.

„Ähm, nun ja, Sie kommen in eine schnelle Reha hier in der Uni-Klinik, damit sich Ihre Muskulatur wieder erholt. Langfristig müssen Sie natürlich lernen mit ihrer neuen Blindheit umzugehen. Die Kosten übernimmt die Versicherung des Unfallverursachers. Sie haben Glück, er ist vorzüglich versichert."

„Wann beginnt meine Reha?", fragte Matt.

„Heute ist Donnerstag. Ich würde sagen Sie erholen sich dieses Wochenende noch einmal, dann werden wir am Montag sehen.", antwortete Dr. Raund.

„Wie lange wird es dauern?", Jos Stimme war flach und rau.

„Das kann ich auch nicht beantworten."

„Ich meine, wann kann ich Matt mit nach Hause nehmen?"

Sam atmete, von den anderen unbemerkt, tief ein. Also waren sie nicht nur ein Paar, sie wohnten auch zusammen. 'Man, Sam, nimm dich zusammen. Matt ist ein Patient. Man fängt mit Patienten nichts an. Halt dich aus der Sache heraus. Das geht dich nichts an.' Sams Gedanken überschlugen sich, als er bemerkte, dass er einen Faustschlag in die Magengegend spürte, als Jo sagte, dass sie zusammen wohnen. Er konnte das nicht tun. Er konnte sich nicht zu einem Mann hingezogen fühlen, der erstens einen so schweren Schlag erlitten hatte und zweitens in einer Beziehung war. Das richtete sich gegen alle seine Prinzipien. Aber es änderte nichts daran, dass sein Herz sich danach sehnte, matt helfen zu können.

„In ein oder zwei Wochen."

„Ja Jo, ich muss so viel neu lernen. Das kann ich nur, wenn ich Hilfe bekomme."

Es war still geworden. Die Studentin hielt sich im Hintergrund, bewunderte aber die Rationalität mit der der Patient an sein Schicksal heran trat.

Jo nickte und hauchte ein „Ja", kaum hörbar.

„Haben Sie noch Fragen?", sagte der Arzt nach einer Weile.

„Bestimmt. Aber nicht jetzt.", antwortete Matt.

„Ich komme am Montag wieder zu Ihnen. Falls am Wochenende noch Fragen auftauchen, die nicht warten können, hat Sam meine Telefonnummer. Auf Wiedersehen, Herr Schaff.", er gab Matt und Jo die Hand und rauschte, dich gefolgt von Annika, aus dem Krankenzimmer.

-5-

„Es ist spät. Willst du nicht gehen?", fragte Matt.

„Noch nicht.", murmelte Jo verschlafen, „Noch nicht." Er legte seinen Kopf wieder an Matts Brust und schlief wieder ein. Matt war wach. Er strich langsam über Jos Arm. Seine Gedanken waren wieder in Erinnerungen versunken. Er fühlte die vertraute Nähe seines Freundes; dachte daran, wie sie immer füreinander da gewesen sind und war dankbar einen solchen Freund zu haben. Er hatte Matts Leben zu etwas gemacht, dass er liebte. Nur wegen ihm war er überhaupt noch da. Eine Erinnerung ließ ihn einfach nicht los. Es war die, die er hatte, als er vierzehn war. Die eine, die letzte in der er weinte. Er wusste er würde heulen wie ein Schlosshund, wenn es nicht so lange her gewesen wäre. Eine Träne hier eine andere da, das kam vor, aber so sehr wie an diesem Tag hatte er seit acht Jahren nicht mehr geweint. Seit diesem Tag hatte er sich auch nie wieder so elend gefühlt. Und es war genau wie damals. Eine Erkenntnis, eine Nachricht, die ihn aus der Bahn warf, die sein gesamtes Leben veränderte. Eine Sache, die so durchdringend war, dass sie Matt und Jo zusammen brachte. Jetzt fühlte er es wieder und mit Jos Vorhaben zu bleiben, obwohl bald keine Züge mehr nach Hause fahren würden, wusste er, dass er damals die richtige Entscheidung getroffen hatte. Eine Entscheidung, die nie so viel Kummer hätte heraufbeschwören sollen, wie sie es tat. Auch jetzt bescherrte das Schicksal ihm Kummer. Er sorgte sich dieses Mal wieder um Jo. Um Jo, der so verständnisvoll, einfühlsam war. Er wollte nicht, dass er alles verliere, wegen etwas, das er getan hatte. Etwas, das ihn betraf. Wie damals.

Nur eines war anders. Dieses Mal war Jo da, als er über sein Leben nachdachte. Er war an seiner Seite. Er war da. Nur für ihn. Er lächelte und drückte seinen besten Freund in seinen Armen. Jo wachte wieder auf.

„Ich muss los. Es tut mir leid. Ich habe morgen ..."

„Sch .. Ich weiß. Grüß die anderen von mir."

„Sie würden gerne kommen."

„Nein. Bitte, nur du. Niemand anderes. Verstehe das."

„Das tue ich. Aber .."

„Kein Aber. Bitte. Sie müssen das verstehen. Niemand."

„Gute Nacht."

„Nacht.", Jo drückte Matts Hand ein letztes Mal und ging schweren Herzens aus dem Zimmer. Zur U-Bahn, zum Bahnhof, zurück nach Hause. Eine Stunde Fahrt. Eine Stunde, die ihn jedes Tag von Matt trennte. Eine Stunde. Die Türe schloss sich und Matt lag wieder alleine.

Seine Hände ballten sich zu Fäusten im Laken.

„Scheiße.", rief er laut.

„Hey, nicht so laut. Du weckst alle anderen auf.", Matt wäre beinahe aus dem Bett gefallen. Er hatte sich durchgesetzt, dass die Gitter wegkommen. In seiner Wut hatte er nicht bemerkt, dass jemand das Zimmer betreten hatte. Oder war Sam schon länger hier. Woher sollte er es wissen?

„Sorry.", entschuldigte er sich kleinlaut.

„Nicht so schlimm. Die Wände sind dick. Das ist ein Altbau.", lachte Sam.

„Du bist doch doof. Woher soll ich das wissen?", sagte Matt gespielt wütend. Doch Sam hörte das gespielte nicht. Seine Gedanken waren zu weit fort, darum entschuldigte er sich.

„Das war ein Witz.", erklärte Matt.

Sam kam zu ihm herüber, schaute in Matts Gesicht. Seine Augen hielt er wieder geschlossen. Durch das Neonlicht konnte Sam jede Kleinigkeit auf Matts Gesicht erkennen. Er sah die Freude ihn auf den Arm genommen zu haben. Er sah die Sorge, wenn auch sie gut versteckt war.

„Wie geht es dir?"

„Gut.", antwortete Matt, „Aber ich müsste mal."

Sam half Matt zur Toilette, hielt ihn unter dem Arm fest. Matt bemerkte sofort, dass es Sam nicht unangenehm war, im Gegensatz zu der Dirndl-Schwester. Also verkniff er sich jeden Witz, zumal er Sam ja schon aufs Korn genommen hatte. Noch einmal wollte er das nicht, immerhin war e kein Witzbold, der sich ständig an anderen ergötzte, wenn sie in eine seiner Fallen traten, zumal man leicht selbst in eine solche Falle treten konnte.

Zurück am Bett, fragte Matt ihn, ob es nicht etwas gäbe, dass er tun könnte, um schneller als in zwei Wochen zu Hause zu sein.

„Nun, ich könnte dir dabei helfen die Kraft in deinen Beinen zurück zu gewinnen. Ich bin eh erstaunt, dass du damit überhaupt laufen kannst."

„Wieso?"

„Na, einen Monat stillliegen tut den meisten Beinen noch schlechter, als deinen. Ich bin nur erstaunt. Hast du Sport gemacht?"

„Schwimmen.", antwortete Matt knapp, „Etwas das ich auch nicht mehr kann."

„Wieso? Natürlich kannst du noch schwimmen. Warte ab, das gehört mit zur Reha.", prophezeite Sam ihm.

„Wenn du das sagst ...", schloss Matt das Thema. Er konnte daran nicht glauben.

„Wie kannst du meinen Beinen helfen?", fragte er in die peinliche Pause, die entstanden war.

„Ein wenig Training. Das würde dich bis Montag schon einen weiten Schritt voran bringen."

„Wie?"

Sam gebot ihm durch leichten Druck auf seinen Oberkörper sich hinzulegen. Matt ging der stummen Aufforderung nach und legte sich zurück in seine Kissen. Die Arme lose an der Seite, die Beine gerade nach unten gestreckt. Er fühlte sich etwas, wie eine Puppe, die auf einem Regal arrangiert wird.

„Mist. Du musst die Hose ausziehen.", bat Sam ihn, „Ich hole eben etwas. Leg dich gleich wieder so hin.", er verschwand aus dem Zimmer.

Matt zog sich die dünne Schlafanzughose hinunter, die ihm Jo mitgebracht hatte. Einen von Jos lächerlichen Schlafanzügen. Matt hatte lachen müssen, als er ihm sie am Morgen mitgebracht hatte. Aber sie trotzdem angezogen, weil er nicht weiter in dem weißen Nachthemd der Klinik schlafen wollte; und weil es sicher verboten war nackt zu schlafen, was er für Gewöhnlich tat.

Er legte sich in einer seiner Unterhosen wieder ins Bett und war erstaunt, wie weich die Bettwäsche sich an seinen Beinen anfühlte. Sie schmerzten wie bei einem heftigen Muskelkater, nur von dem kurzen Weg zum Klo und zurück. Er fühlte jeden Muskel in ihnen, wie auch in seinem Rücken. Er stöhnte leicht auf, als er eine bequeme Lage in den Kissen fand. In diesem Moment kam Sam zurück. Er ging Wortlos auf Matt zu, dieser hörte etwas, das auf seinen Nachttisch gelegt wurde.

„Wir bewegen die Beine jetzt nur ein wenig. Das beansprucht die Muskeln genug.", ohne weitere Worte nahm er Matts linkes Bein und knickte es im Knie. Er schob es hoch zu seinem Becken und ließ es langsam wieder nach unten gleiten. All dies geschah schwebend in der Luft. Es war eine Bewegung, wie beim Fahrradfahren, nur einseitig. Nach fünf Minuten ließ er von diesem Bein und widmete sich dem anderen. Matt fühlte, wie er sich nach der Behandlung dieses Beines auf das Bett setzte. Er schob die Bettdecke komplett zur Seite. Dann nahm er beide Beine setzte sich auf seinen eigenen rechten Oberschenkel, Matts Knie leicht gebeugt.

„Drücke dagegen, wenn ich es dir sage."

Sam nahm Matts linkes Bein und hob es leicht an. Den Winkel im Knie verstärkte er, die Fußfläche in seiner Hand.

„Jetzt."

Matt trat kräftig gegen Sams Hand.

„Stopp."

Matt hörte auf, während Sam das Knie jetzt komplett anwinkelte und wieder ganz gerade machte. Dann kam er zurück in die Ausgangsposition und der Vorgang wiederholte sich. Das machte er mit beiden Beinen unzählige Male.

„Ich kann nicht mehr.", stöhnte Matt irgendwann auf., „Es tut zu weh."

Sam ließ von seinen Beinen, legte sie lediglich auf seine. Matt sah nicht wie er nach dem Etwas auf seinem Nachttisch griff, bevor er Sams Hände, glitschig, an seinem Fuß fühlte.

„Was machst du?"

„Ich entspanne deine Beine. Lehne dich zurück, entspanne dich. Lass mich einfach machen.", damit begann Sam Matts Füße zu massieren. Es dauerte ewig, aber Matt konnte ein Stöhnen dann und wann nur schwerlich unterdrücken. Es war himmlisch.

„Kannst du dich umdrehen?"

„Hmm.", Matt drehte sich auf den Bauch, seine Beine flach auf dem Bett. Jetzt massierte Sam seine Waden. Erst langsam mit wenig Druck, dann immer fester. Matt konnte fühlen, wie sich seine schmerzenden Muskeln entspannten. Aber gleichzeitig fühlte er, wie sich etwas in ihm anspannte. Etwas, das er nicht kontrollieren konnte. Sein Kopf lag auf seinen Armen und er schaute in die Richtung,wo das Fenster war, die Augen geschlossen. So sehr er sich auch versuchte zu konzentrieren, es ging nicht fort. Sams Berührungen machten es gar noch härter für ihn.

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