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Senta

byErpan©

Vorbemerkung: Dies ist die Fortsetzung der Geschichte „Der siebte Himmel"

*

Als Marie Claire aufwachte, wusste sie nicht sofort, wo sie war. Es fröstelte sie, doch erst als sie sich bewegte, merkte sie, dass sie nackt war. Erschrocken richtete sie sich auf. Sie war wie ein Embryo zusammengerollt in einer Pfütze gelegen, ihre Seite war ganz nass. Und während die Nässe an ihr warm herunter rann, kehrte die Erinnerung zurück, Marie Claire erkannte plötzlich, dass sie in ihrem eigenen Urin saß, und die tiefe Nacht, die sie umgab, könnte wahr sein oder aber nur die von der Kappe verursachte Blindheit. Auf einmal war alles wieder da: der Kampf mit dem Entführer, die Fahrt und die Vergewaltigung. Vor allem die Vergewaltigung. Sie fühlte sich wund zwischen den Beinen, ganz zu schweigen natürlich von dem Brennen, das von ihrem Poloch ausging und das sich jetzt, in dem Urin sitzend, noch verstärkte. Aber sie war nicht mehr gefesselt. Sie überlegte gerade, ob sie die Kappe von ihrem Kopf entfernen sollte, als eine Tür aufging und jemand herein kam. Die hell klingenden Schritte kamen schnell näher, Marie Claire zog instinktiv ihre Beine an und umarmte sie mit beiden Armen. Sie starrte mit vor Angst geweiteten Augen in die Richtung, wo sie zuerst die Schritte hörte, jetzt aber völlig still war.

„Auf die Knie!"

Es war eine Frauenstimme, die das lange Schweigen brach. Sie sprach sehr langsam, jedes der Wörter einzeln betonend. Marie Claire folgte ihr sofort.

„Komm her!"

Auch das war langsam gesprochen, doch keinesfalls zögerlich. Marie Claire versuchte aufzustehen, doch sie wurde scharf zurückgewiesen.

„Bleib' auf den Knien! Ich habe nichts vom Aufstehen gesagt!"

Einen Moment verharrte Marie Claire in ihrer Haltung, dann setzte sie sich in Bewegung, wenn auch nicht sehr schnell; aufrecht knien und sich fortbewegen war ihre Sache nicht.

„Gut! Bleib' so!"

Marie Claire spürte die Frau genau vor sich, sie meinte sogar, sie riechen zu können. Die Frau machte sich an Marie Claires Kappe zu schaffen und schon ein paar Sekunden später blendete gleißende Helligkeit die Augen der Knienden. Nur allmählich traute sie sich, die Augen ein wenig mehr zu öffnen, vielleicht, weil schon das, was diese nur blinzelnd sahen, zu unglaublich war. Marie Claire blickte direkt in ein nacktes und total enthaartes Geschlecht. Es war geschlossen, eine der inneren Lippen war jedoch etwa einen Fingerbreit herausgezogen und beringt. An diesem Ring war ein rundes Metallplättchen von der Größe einer Hundemarke angebracht, Marie Claire war sogleich klar, dass sein Gewicht das Herausziehen der Lippe bewirkte. Das Plättchen schien, wie der Ring, aus Stahl zu sein, auf seiner blank polierten Oberfläche war etwas eingraviert, doch was das war, konnte Marie Claire nicht entziffern, sie sah praktisch nur die schmale Seite der Scheibe.

Sie schämte sich für das Geschlecht, das ihr gar nicht gehörte, sie war sprachlos ob seiner befremdlichen Haarlosigkeit, die dem Betrachter alles offenlegte. Anders als bei einem von Haaren bedeckten, machte dieses herausfordernd vorgewölbte Geschlecht ihr unmissverständlich klar, dass es ein eigenständiges Organ war. Tief eingeschnitten und von zwei stämmigen Schenkeln nach vorne gedrängt, prangte da eine Handvoll Fleisch vor ihren Augen, Marie Claire wusste nicht, ob sie es schön oder hässlich finden sollte. Auf jeden Fall ließ es sie nicht gleichgültig, vor allem der Anblick der grausam herausgezogenen Lippe faszinierte sie irgendwie, sie konnte nicht umhin, sich vorzustellen, sie selbst trüge die schwere Marke.

Sie zwang sich, wegzuschauen, doch sie kam vom Regen in die Traufe. Ein kurzer, dünner, mit schwarzem Leder überzogener Reitstock tauchte in ihrem Blickfeld auf. Er hing der Frau von einem breiten Gürtel locker an der Seite, halb versteckt hinter der Rundung der Hüfte. Eigentlich war dieser Gürtel kein Gürtel, sondern ein aus schwarzem Stoff gearbeitetes Korsett, das sogar von Marie Claire, die wenig Erfahrung in diesen Dingen hatte, schon an dem fehlenden Verschluss unschwer als solches erkannt wurde.

„Na, zufrieden? Hast du genug gesehen?"

Als ob sie bei etwas Verbotenem ertappt würde, zuckte Marie Claire zusammen. Sie blickte hinauf und entdeckte zwischen weit auseinanderstehenden und eher kleinen Brüsten ein hämisch grinsendes Gesicht, das von schwarzen, wild wuchernden und durch ein Gummiband nur unzureichend in Form gehaltenen Haaren umrahmt war. Die Frau schien zu lächeln, zumindest um ihre schwarzen Augen gab es ein paar Lachfältchen.

„Ich habe dich was gefragt, Marie Claire!"

Wenn auch die Augen der Frau noch lächelten, ihr Mund tat das nicht mehr. Die vollen Lippen waren zusammengepresst, und die leicht nach unten gebogenen Mundwinkel signalisierten Ungeduld, wenn nicht Schlimmeres. Marie Claire musste etwas sagen.

„Ich ..." begann sie, „Ich ... ich ..."

„Ja? Weiter, weiter, sage es!"

„Ich ... ich weiß nicht, was ich sagen soll?"

„Nein?" eine Augenbraue der Frau hob sich, „Du weißt nicht, ob du genug gesehen hast?"

„Ja, das heißt, nein ... ich meine, ... ich ... ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll."

Die Frau schwieg. Sie schwieg lange. Dann stellte sich etwas breibeiniger hin, griff sich den Kopf des von ihr knienden Mädchens und drückte ihn gegen ihr Geschlecht.

„Hier hast du sie! Wenn du nicht genug gesehen hast, dann musst du sie schmecken. Los, leck' mich! Leck' mir die Möse!"

Marie Claire wusste nicht, wie ihr geschah. Sie hielt den Mund geschlossen, als ihr Gesicht hart an das glatte, weiche Fleisch gedrückt wurde. Die Frau bewegte ihr Becken, stieß es immer wieder nach vorne.

„Öffne dein Maul, sonst ..."

Sie tat es. Was blieb ihr anderes übrig.

„Die Zunge raus! Steck' sie in die Spalte! Sofort!"

Marie Claire tat auch das. Widerwillig, wohlgemerkt, doch sie tat es.

„Tiefer! Steck' sie tiefer rein!"

Es schmeckte zu ihrer Verwunderung gar nicht so schlecht. Es gab auch keinen Brechreiz, wie bei dem Mann, sie musste sich nicht überwinden, mit ihrer Zunge tiefer hineinzugehen.

„Bah! Eine Anfängerin!" rief die Frau und stieß sie von sich, „Du hast wohl noch nie eine Fotze geleckt, was?"

„Nein", sagte Marie Claire leise und starrte auf das Geschlecht vor ihr; sie überhörte das vulgäre Wort.

„Das dachte ich's mir. Aber wir werden dir das schon beibringen, keine Sorge."

Wer ist wir? fragte sich Marie Claire, gehören der Mann und diese Frau zusammen?

„Doch zunächst," setzte die Frau etwas ruhiger fort, „zunächst werden wir dir Manieren beibringen. Verstanden?"

Marie Claire sagte nichts, sie nickte nur.

„Schon falsch! Wenn du nicht geknebelt bist, musst du laut mit ja oder nein antworten, klar? Und dazu kommt noch der Titel und der Name des Fragenden. Der Titel und der Name sind nicht nur bei den Antworten, sie sind immer zu nennen, bei jeder Gelegenheit und bei allen Bewohnern dieses Hofes. Eine Ausnahme gibt es nur beim Großbauer. Er hat keinen Namen, ihn sprichst du nur mit dem Titel an. Wenn er dich was fragt, hast du mit ja, Großbauer, oder mit nein, Großbauer zu antworten. Auf keinen Fall, darfst du noch etwas dazu sagen oder erklären wollen. Wenn du etwas sagen willst, musst du erst um Erlaubnis fragen. In etwa so: Darf ich Sie etwas fragen, Großbauer. Oder, darf ich etwas sagen, Magd Sowieso. Ich bin Großmagd Elvira und du bist ab sofort Mägdlein Marie Claire. Verstanden, Mägdlein?"

„Ja, Großmagd Elvira."

„Noch irgendwelche Fragen?"

„Ja, ich wollte ... Verzeihung ... Ja, Großmagd Elvira."

„Bitte!"

„Wie weiß ich, wie ich wen anreden muss, Großmagd Elvira?"

„Das ist ganz einfach: den Großbauer kennst du schon, mich jetzt auch, alle anderen sind Mägde, du wirst sie noch kennenlernen. Begegne ihnen mit Respekt, sie stehen alle über dir. Du bist neu und die jüngste hier, deswegen musst du allen in diesem Hause gehorchen. Allen. Bedingungslos. Ganz gleich, was von dir verlangt wird, du musst gehorchen. Immer. Sonst wirst du bestraft. Wenn du dich ungerecht behandelt fühlst, kannst du zu mir kommen und dich beschweren. Aber immer erst hinterher! Zuerst muss du tun, was dir gesagt wird, verstanden?"

„Ja, Großmagd Elvira."

„Gut. Jetzt wirst du diese Schweinerei, die du dort in der Ecke angerichtet hast, beseitigen. In der Kammer da sind Eimer, Wasser und was du sonst noch brauchst. Der Fußboden ist abzuwaschen, die Möbel feucht abzuwischen, alles ist trockenzureiben, die Metall- und Glasteile sind zu ledern. Mach' es schnell, denn dich müssen wir vor dem Frühstück auch noch säubern. Schnell heißt aber nicht schlampig. Gib dir also Mühe, jede Magd, die ihre Arbeit nicht ordentlich erledigt, wird bestraft. Und zwar immer und ohne Ausnahme. Wenn du fertig bist, wartest du, bis jemand kommt."

Sie drehte sich um und wollte schon gehen, als sie sich eines anderen besann.

„Ach ja," sagte sie, „Du weißt noch gar nicht, wie eine Magd zu warten hat. Komm, ich erklär's dir und du führst es gleich zur Probe aus. Also hier kniest du dich hin, immer in die Mitte eines Raumes, mit gespreizten Beinen und mit dem Gesicht zur Tür, ... jetzt setz' dich auf die Fersen, ja, und leg' die Hände auf die Schenkel, nein, mit den Handflächen nach oben, den Kopf leicht nach vorne beugen, ja, nur den Kopf, dein Rücken hat gerade zu bleiben. Und jetzt das Wichtigste: dein Blick, Mägdlein. Immer wenn du so wartest, schaust du auf den Boden vor dir, hier ungefähr bis zur Tür, also bis zum unteren Rand der Tür. Dein Blick darf nie höher gehen, egal, was passiert. Wenn jemand reinkommt, du schaust ihn nicht an, verstanden? Kein Gruß oder Ähnliches. Du kniest da, bis jemand von dir Notiz nimmt und dir sagst, was du zu tun hast. Wenn nicht, du bleibst knien. Bewegungslos. Und wortlos. Du bleibst stumm, beim Warten ist auch das Um-Erlaubnis-Fragen nicht erlaubt. Außer im Pferdestall oder wenn nicht anders angeordnet, hat eine Magd nach getaner Arbeit automatisch in diese Wartestellung zu gehen. Immer. Damit zeigt sie jedem, der hereinkommt, dass sie frei verfügbar ist ... Das wär' wohl alles. ... Noch Fragen?"

„Ja, Großmagd Elvira."

„Sprich, Mägdlein!"

„Warum ... warum bin ich hier?"

„Um dem Großbauer zu dienen."

Es ist nicht wahr! rief Marie Claire innerlich aus, während sie mit den Augen Elvira folgte, die hinausging und dabei trotz fast völliger Nacktheit kein bisschen lächerlich wirkte. Die extrem hohen Absätze ihrer Schuhe schienen der Großmagd keine Schwierigkeiten zu bereiten, lediglich das ein wenig stärkere Schwingen der Hüften zeugte von dem Kraftaufwand, der nötig war, das Gleichgewicht des hochgewachsenen und von hinten fast knabenhaft wirkenden Körpers zu halten. Als die auf dem Hintern der Großmagd tänzelnde Reitgerte schon längst aus ihrem Blickwinkel verschwand, rang Marie Claire immer noch um Fassung. Sie konnte einfach nicht glauben, dass jemand sie gekidnappt hätte, nur um eine weitere Magd auf seinem Hof zu haben.

Als ob es nicht genügend Arbeitslose gäbe!

Marie Claire wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Einerseits war sie froh, vorerst dem sicher geglaubten Tod entronnen zu sein, andererseits aber erschien ihr ein Leben als Dienerin eben jenen Mannes, der sie entführt und so grausam vergewaltigt hatte, nicht gerade als eine wünschenswerte Alternative. Angesichts der bisherigen Erfahrungen in diesem Hause konnte sie sich ausmalen, wie dieses Dienen in Zukunft aussehen würde. Sie würde missbraucht werden, immer wieder, und in den Pausen, wenn der Schwanz des namenlosen Großbauern schlapp wäre, würde sie zum Putzen abkommandiert.

Sie besann sich des Auftrags und stand mühsam auf. Sie befand sich in einem fensterlosen und normalerweise groß zu nennenden Raum, da jedoch die Decke aus einem auf zwei Säulen ruhenden Gewölbe bestand und von der gesamten Raumhöhe mehr als ein Drittel auf diese Gewölbezone entfiel, wirkte der Raum wenn nicht klein, so doch gedrungen. Durch die Metallstäbe, die in über zwei Metern Höhe die beiden Säulen miteinander und mit dem Mauerwerk verbanden, wurde dieser Eindruck noch verstärkt, auch, weil die rötlichbraun gestrichenen Wände und der hölzerne, mit einer glänzenden und minimal helleren Schutzschicht überzogene Boden dem nicht gerade entgegenwirkten. An dem dunklen Anstrich lag es wohl auch, dass es trotz starken Lampen, die von der Decke hingen und deren Wärme Marie Claire an ihrer nackten Haut spürte, nicht sehr hell war im Raum. Natürlich war das ein sehr subjektiver Eindruck, denn die Möbel, die außer der Polsterung gänzlich aus Metall gefertigt waren, leuchteten funkelnd, das gleiche galt auch für einige Gerätschaften aus hellerem Material sowie für die in die Wände und den Boden eingelassenen Ringe.

Nicht der Raum schien hier wichtig, sondern die Geräte.

Von den größeren Gerätschaften war Marie Claire lediglich der gynäkologische Stuhl bekannt, von der kleineren, die in allen möglichen Größen fein säuberlich geordnet an den Wänden hingen, erkannte sie jedoch auf Anhieb die meisten. Außer bei den Peitschen und Ruten, den Ketten und Seilen, deren Bestimmung sie teilweise schon am eigenen Leib erfahren hatte, gab es da eine Vielzahl von Schnüren, Zangen, Gewichten, Klammern und Schläuchen, für die alle ihr allerdings keine sinnvolle Verwendung einfiel. Als sie daran ging, die Reste der Urinlache zu beseitigen, fand sie auch die wie achtlos weggeworfene Kopfmaske und den Knebel, mit denen sie in der Nacht blind und stumm gemacht wurde. Während die Maske aufwendig gearbeitet und aus dem gleichen schwarzen Material wie der Korsett der Großmagd gefertigt schien, bestand der Knebel nur aus einem leuchtend roten Gummiball, durch dessen Mitte eine Schnur führte. Sie suchte nach den Spuren ihrer Zähne, doch es war nichts mehr zu sehen. Das wunderte sie nicht wenig, denn sie erinnerte sich, wie stark sie hineingebissen hatte, als der Mann sie in den Arsch fickte und es ihr währenddessen kam. Beinahe wäre sie dabei ohnmächtig geworden, ob vor Wonne oder wegen des Sauerstoffmangels, das wusste sie nicht mehr, wahrscheinlich war beides mit im Spiel gewesen. Sie erinnerte sich an keine Einzelheiten mehr, das letzte, woran sie sich erinnerte, war der wahnsinnige Schmerz, als er ihren Schließmuskel durchbrach, der sich aber glücklicherweise bald in einen nie dagewesenen Genuss verwandelte. Sie zweifelte nicht, dass daran vor allem ihre gerade entjungferte Möse schuld war, durch sie allein war sie zuvor am Rande des Orgasmus angelangt. Glücklicherweise genügten nur wenige Schläge seiner Eier auf das erregte Fleisch ihres geschwollenen Geschlechts, bis dieses wieder Lust produzierte und den Schmerz ihres Arschlochs nicht nur vergessen, sondern es auch an der Lust teilhaben ließ. Und diese Lust war stärker als alles, was sie sich bis dahin selbst verschaffen konnte, sie hätte nie gedacht, dass der Unterschied zwischen ihrem Zeigefinger, den sie sich gelegentlich in den Po gesteckt hatte, und dem großen Schwanz des Mannes, der so unverhofft in ihr wütete, soviel ausmachen würde, schließlich stand es doch im Bravo immer, beim Geschlechtsverkehr käme es auf die Größe des Schwanzes überhaupt nicht an. Und nun war alles anders als erwartet, der dicke Schwanz kam und ließ ihre Möse aufschäumen wie eine frisch geöffnete Champagnerflasche, hätte ihr jemand früher gesagt, das Ficken wäre derart schön, sie wäre schon mit elf oder zwölf bei den Doktorspielen über die Jungs hergefallen oder hätte sich in der Schule von ihrem geliebten Turnlehrer beschlafen lassen.

Das Säubern des Bodens und der Geräte war für Marie Claire ungewohnt, kaum jemals zuvor in ihrem Leben hatte sie einen Putzlappen in der Hand gehabt. Die Lache auf dem Boden wurde größer statt kleiner, beim Versuch, das Wasser mit dem Lappen wieder aufzusammeln, verspritzte sie ungewollt neue Tropfen, die natürlich wieder beseitigt werden müssten. Die Arbeit ging und ging nicht voran, vor allem aus den kleinen Vertiefungen, die massenweise den sonst glatten Boden bedeckten und von den pfenniggroßen Absätzen der Schuhe stammen mussten, ließ sich das Wasser nicht so leicht entfernen. Hockend und kniend kroch Marie Claire umher, bis sie den Dreh mit dem Wringen des Lappens heraus hatte, war der Boden fast zu einem Viertel nassdunkel gewischt. Und nicht nur der Boden, auch die Wand bekam einiges ab, um von ihr selbst ganz zu schweigen. Sie war nassgespritzt, ihre Knie waren rot und taten ihr weh, sie war froh als die Ketten drankamen und sie sich setzten konnte. Nach kurzem Überlegen tauchte sie die von Urin stinkenden Ketten einfach ins Wasser und rieb sie anschließend mit Leder ab. Als sie fertig war, verstaute sie das Putzzeug in der Kammer und wischte sich selbst in Erwartung der angekündigten Dusche nur notdürftig sauber.

Dann ging sie hin und setzte sich auf ihre Fersen wie befohlen. Anfangs hatte sie keine Schwierigkeiten, den Blick geradeaus zu halten, doch je länger sie da saß, desto größer wurde die Versuchung, ihre Augen umherwandern zu lassen. Sie haderte mit sich selbst, warum sie nicht schon zuvor, als sie noch putzte und nach Belieben umhergehen durfte, den Raum und die Geräte genauer untersucht hatte. Es fiel ihr nämlich ein, dass sie den langen Tisch, der sich jetzt hinter ihr befand, schon einmal gesehen hatte. Plötzlich, wie aus dem nichts auftauchend, kam ihr eine Illustration in den Sinn, die sie als Kind einmal in einem Buch über die Hexenverfolgungen gefunden hatte. Das Bild zeigte eine nackte Frau auf einer Streckbank, ein vermummter Mann stand daneben und drehte an einem Rad, auf das sich ein Seil wickelte, dessen anderes Ende die Füße der Frau fesselte. Marie Claire erinnerte sich, dass sie das Bild damals sehr lange angeschaut hatte, denn als sie das Buch endlich weggelegt hatte, war sie nass zwischen den Beinen. Es war fast so, als ob sie sich in die Hosen gemacht hätte. Auch beim nächsten Mal, als sie sich wieder das Buch aus Vaters Bücherschrank ansah, geschah genau das Gleiche. Beim dritten Mal ging sie vorher aufs Klo, doch es nützte nichts. Sie hielt daraufhin ihr Nasswerden für eine Zauberei, schließlich handelte das Buch von Hexen und schwarzer Magie. Bei jeder passender Gelegenheit schlich sie sich ins Vaters Arbeitszimmer, um in dem Buch zu lesen, das sie faszinierte und auf eine ihr unerklärliche Weise erregte. Sie war noch klein damals und Vieles darin blieb ihr unverständlich, aber womit sie keine Schwierigkeiten hatte waren die Bilder. Begierig schaute sie sich die Szenen aus dem Leben der Hexen an, es schauderte sie, als sie sah, wie sie kleine Kinder zusammen mit Schlangen, Kröten und anderem Getier zu einer Salbe kochten, mit der sie sich unter den Achseln und zwischen den Beinen rieben, um anschließend nackt auf einem Besen davonzufliegen.

Sie nahm alles für bare Münze, versuchte manches sogar nachzuahmen. Einmal, als sie allein zu Hause war, versuchte sie aus Teilen von tiefgefrorenem Huhn, einigen Regenwürmern und Käfern sowie aus Armen und Beinen ihrer alten Puppe eine Hexensalbe zu kochen. Sie zog sich nackt aus und schmierte sich die stinkende Suppe, die nach stundenlangem Kochen übrig blieb, überall ein, doch als sie den Besen nahm, um wie gesehen durch die Luft zu reiten, geschah nichts. Oder so gut wie nichts. Sie wurde lediglich erregt. Sie wurde von einer Erregung erfasst, die ähnlich der beim Lesen des Buches war. Das gab ihr Mut, sie war überzeugt, dass ihr damit Hexen aus dem Buch zeigen wollten, dass sie auf dem richtigen Weg war. Unermüdlich ritt sie den Besen durch die Wohnung und kurz bevor sie vor Erschöpfung zusammenbrach hatte sie tatsächlich das Gefühl, zu fliegen. Sie fand sich auf dem Boden liegend wieder, zwischen ihren Beinen war alles geschwollen und rot, sie war nass wie noch nie. Vielleicht kam es ihr damals zum ersten Mal im Leben, wer weiß, es war auf jeden Fall sehr schön, ja schöner als alles, was sie bis dahin erlebte.

Danach betrachtete sich eine Zeitlang als Hexe, denn dass sie nicht wirklich durch die Luft flog, führte sie auf die falsche Zusammensetzung der Salbe zurück, die Puppe und die Regenwürmer schienen ihr ein zu schwacher Ersatz für ein richtiges Kind und die Schlangen. Trotzdem machte ihr das Hexensein Spaß. Sie zauberte und beschwör unentwegt alles, was ihr in den Weg kam, es verging kaum ein Tag an dem sie nicht eine ihrer Freundinnen bannte oder eines der Nachbarskinder zum Teufel wünschte. Alles, was in ihrer Umgebung geschah, deutete sie als Ergebnis ihres oder anderer finsteren Mächte Wirkens, mit der Zeit steigerte sie sich so sehr in ihre Rolle, dass sie nicht mehr zuverlässig zwischen Realität und Phantasie unterscheiden konnte. Zum Beispiel passierte es ihr regelmäßig, dass sie, sobald sie eine Szene im Buch länger betrachtete, selbst zu derjenigen wurde, die da gefangengenommen, gefoltert und verbrannt wurde. Sie war die Hexe, die da nackt ausgezogen, kahlgeschoren und anschließend auf Muttermale untersucht wurde. Sie wurde gepeitscht und mit glühenden Eisen traktiert, sie wurde gestreckt und mit Gewichten an den Füßen unter die Decke gehängt, und es war sie, der so große Mengen Wassers gewaltsam eingeflößt wurden, dass ihr Bauch wie ein aufgeblasener Ballon zu platzen drohte. Sie schauderte zwar ob der dargestellten Grausamkeiten, doch merkwürdigerweise empfand sie auch Lust dabei. Natürlich, es war leicht, keine Schmerzen zu empfinden, wenn man gemütlich auf dem Boden saß und das alles nur in Form von Bildern aufnahm, gleichwohl meinte sie manchmal die Hände der Henkersknechte an sich zu fühlen.

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