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Das Geheimnis von Thomas - Teil 01

by6secrets©

Das Geheimnis von Thomas -- Teil 1



Es hilft für das Verständnis von Thomas vorher meine Geschichte 'Das Geheimnis von Maria' zu lesen, aber es ist nicht unbedingt nötig.

1 Thomas

Ich habe im Laufe meines Studiums oft darüber gerätselt, wieso Heinrich mit Huberta zusammen gekommen ist, aber noch mehr, warum sie zusammen geblieben sind. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Insbesondere warum Heinrich mit der viel jüngeren Huberta auskam, wo sie doch als Studentin ein ganz anderes Leben als er lebte. Im Laufe von weniger als sechs Wochen des aktuellen Jahres lernte ich mehr darüber, als ich in den vergangenen sechs Jahren je verstanden hatte.

Zu dem damaligen Zeitpunkt kannte ich Heinrich und seine Verlobte Huberta seit sechs Jahren durch das Studium. Huberta hatte als Lehramtsstudentin an der Uni Hamburg angefangen und sie war in meiner ersten Lerngruppe für den chemischen Grundkurs, den ich für mein Studium der Naturwissenschaften brauchte. Aus der Lerngruppe heraus geriet sie in den Kreis meiner Studienfreunde, weil sie sich mit meiner Cousine Mara, die auch Lehramt studierte, schnell befreundete. Es entwickelte sich zu einer ständigen Gruppe - jeden zweiten Freitag im Monat gab es einen sogenannten Spieleabend und man ging auch ab und zu in Untergruppen aus. Ich war einer der wenigen in unserem langjährigen Kreis, die sowohl Huberta als auch ihren Verlobten näher kannten. Bei Heinrich kam das durch das gemeinsame Hobby des Segelns und bei ihr durch meinen guten Kontakt mit meiner Cousine Mara, mit der ich schon im Sandkasten gespielt hatte.

Heinrich war zu dem Zeitpunkt mit seinem Leben sehr zufrieden. Er hatte einen Landsitz mit dem Stammhaus, ein riesiges Grundstück mit einer repräsentativen Villa und eine schöne Segelyacht im Hafen sowie einen rassigen Mercedes. Bis auf die Villa hatte er alles von seinem Vater geerbt. Danach hatte er aber auch bisher alles richtig gemacht, um das alles erhalten zu können. In der Beratungs-Firma, die er gegründet hatte, lief es inzwischen prächtig. Der Umsatz wuchs stetig und sein kaufmännischer Geschäftsführer besorgte ihm jedes Jahr eine neue, junge und elegante Sekretärin, wenn die derzeitige seine Anzüglichkeiten nicht mehr hinnahm. Er war nach meiner Ansicht ein Filou, aber auch einer, dem man das nicht so richtig übel nehmen konnte. Er war einer der Männer, die wahre Meister im Flirten waren. Huberta ärgerte sich zwar darüber, aber er gab ihr in ihrer Anwesenheit nie einen Anlass daran zu zweifeln, dass er sie unbedingt heiraten wollte.

Und das erzählte er auch mir immer wieder mit dem bekannten Spruch über Baumpflanzen, Hausbauen und Sohn zeugen. Er wollte jetzt sein Werk vollenden. Er hatte einen Eichenbaum auf seinem Grundstück gepflanzt, seine Villa gebaut und er hatte in Huberta eine Verlobte von adeliger Abkunft, mit der er nach seiner baldigen Heirat endlich einen Sohn zeugen würde.

Zu der Zeit fand ich das alles spießig und war eigentlich auch abgestoßen von seiner Besessenheit wegen der entfernten Verwandtschaft von Huberta, deren Großvater bürgerlich war, während nur ihre Großmutter mit dem Haus Hannover direkt verwandt war. Aber das war eine Marotte von ihm, die ich akzeptieren konnte. Er war ja kein enger Freund, sondern nur ein Segelkamerad mit dem unbestrittenen Vorteil, Besitzer einer Segelyacht zu sein. Und das war für einen BAföG-Studenten wie mich damals durchaus ein Grund großzügig über einige ‚merkwürdige Ansichten' seinerseits hinwegzusehen.

Damals erzählte mir Heinrich, wie er so langsam ungeduldig wurde mit Huberta. Den Einzug von Huberta in die neue Wohnung nahe der Schule in Hamburg unterstützte er nur halbherzig. Die hatte doch ihr Referendariat abgeschlossen, damit war ihre Ausbildung beendet. Warum wollte sie dann noch weitermachen? Inzwischen bereute er es, dass er ihr damals zum Studium geraten hatte, so sagte er es jedenfalls. Aber zuerst war es für ihn eher ein netter und reizender Flirt gewesen, sich mit einer so jungen Frau einzulassen, wobei er damals knapp doppelt so alt wie sie gewesen sei. Das gehörte auch zu den ‚Ansichten', die mich zu dem Moment noch befremdeten. Ich meine, wie konnte sich ein damals bald Vierzigjähriger mit einer Abiturientin einlassen? Mir wäre es nie eingefallen, so ein unreifes Mädchen anzubaggern -- und ich war jetzt gerade über dreißig!

Eigentlich war sie damals nach seinen Worten noch so mädchenhaft, dass er sich zunächst in die Rolle des Herrn mit väterlichen Ratschlägen gedrängt gefühlt hatte. Aber nun war sie eine gestandene Frau. Sie sollte sich deshalb nicht länger hinter dem beendeten Studium verstecken.

Er hatte es bis dahin eingesehen, dass sie mit meiner Cousine und ihren gleichaltrigen Studienkollegen gerne zusammen war und ihn als bedeutend älteren nicht immer eingebunden hatte. Aber nun war nach seiner Ansicht diese Zeit des Studentenlebens vorbei. Jetzt sollte sie als seine Frau für ihn sorgen und auch die gesellschaftlichen Verpflichtungen mit seinen Freunden und Bekannten voll wahrnehmen. Er hatte doch genügend Geld. Warum sollte sie dann arbeiten wollen? Zähneknirschend hatte er ihr eine Teilzeittätigkeit zugestanden, weil sie im Beruf bleiben wollte. Aber sie konnte sich immer noch nicht so richtig entscheiden. Wo war das Problem?

Mara hatte mir so einiges im Detail erzählt, was mir von Huberta nur durch vage Andeutungen bekannt war. Daher erschien es mir plausibel, dass Huberta durchaus Probleme mit Heinrich hatte. Aber das konnte und wollte ich ihm doch nicht sagen! Das sollten Huberta und Heinrich unter sich ausmachen. Und ich war mir auch nicht sicher, ob Huberta es mir danken würde, wenn ich mich einmischte. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich allerdings noch viel weniger von dem tatsächlichen Stand der Beziehung zwischen den beiden, als ich dachte. Und ich ahnte auch noch nicht, dass ich mich doch noch einmischen würde.

Das mit dem noch-nicht-Ahnen war vielleicht nicht ganz ehrlich. Dazu muss man wissen, dass ich damals vor ein paar Monaten mit meiner damaligen Freundin Schluss gemacht hatte oder hatte sie mit mir Schluss gemacht? Das war nicht so ganz klar, jedenfalls hatten wir uns auseinander gelebt. Und wie das so ist, hielt ich so bewusst oder unbewusst Ausschau nach einer neuen Freundin. Na ja, es war vielleicht nicht sehr nett, aber was ich von Heinrich und Mara über den Stand der Beziehung hörte, ließ in mir langsam den Gedanken hochkommen, dass Huberta eine Kandidatin sein könnte. Schön, sie war immer noch verlobt -- aber sie war noch nicht verheiratet! Natürlich hatte ich Skrupel, sogar so viele Skrupel, dass ich diesen Gedanken vor mir selber eigentlich gar nicht eingestehen wollte, aber ich hatte ihn trotzdem. Im Nachhinein denke ich auch, dass dies nur menschlich ist.

Huberta hatte nicht so eine gertenschlanke Figur, wie die Modelle, die in der Werbung heutzutage überall die Seiten füllen. Aber auf ihre Art war sie eine attraktive Blondine, die mit ihrer ausgeprägten Birnenfigur durchaus dazu angetan war, männliche Fantasien anzuregen. Das einzige, was ihre Attraktivität bremste, war ihre Körpergröße und ihre dazu noch ausgeprägten Hüften und Schenkel. Sie war rund 1,80 m groß und das führte letzten Endes dazu, dass selbst bei Partys im vertrauten Spielkreis viele männliche Tanzpartner sie doch nicht aufforderten, insbesondere wenn sie Absätze trug. Rein vom tänzerischen her war das kein großes Problem, solange der Größenunterschied nicht mehr als 10 - 15 cm betrug. Ich verstand aber schon die Männer, die Hemmungen hatten mit einer Frau gesehen zu werden, die einen halben oder einen ganzen Kopf größer erschien als sie selber. Tanzen war dabei schon einfacher, als sich vorzustellen, mit einer Freundin Hand in Hand durch die Straße zu gehen, die sichtbar größer als der Mann war. Heinrich war hingegen eine Art Hüne, dem es sehr gut passte, eine große, stattliche Frau als Verlobte zu haben.

Mich störte ihre Größe nicht so sehr, aber ich war ja auch 1,82 m groß und konnte es mir leisten darüber hinweg zu sehen. Und zum aktuellen Zeitpunkt störten mich auch ihre kräftigen Schenkel nicht wirklich, obwohl ich damals mehr auf schlanke Frauen mit langen, ranken Beinen zu stehen glaubte.

Als ich von Huberta zur Einweihungsparty ihrer Wohnung eingeladen wurde, konnte ich den Gedanken nicht unterdrücken, der mir in den Kopf schoss, als ich hörte, dass Heinrich wegen einer Dienstreise verhindert war. Der Gedanke war illoyal gegenüber meinem Segelkameraden, aber er war so klar in meinem Gehirn aufgetaucht, als würde er in Großbuchstaben an der Wand auftauchen:

‚Freie Bahn bei Huberta!!'.



Ich schämte mich einerseits über den Gedanken, konnte aber eine klammheimliche Freude nicht unterdrücken. Soviel zu den Gedanken der Nichteinmischung...

2 Ilka

Ilka kam mit knapp zwanzig Jahren nach Hamburg, als sie begriff, dass sie als Krankenschwester in Deutschland nur mit Fortbildung weiterkommen würde. Ihre Ausbildung war bedeutend besser als die von einer typischen deutschen Krankenschwester, aber die Ärzte ignorierten diese erweiterten Kenntnisse komplett.

Ihren Kolleginnen war sie am Anfang immer jeweils suspekt gewesen. Sie sah für die älteren deutschen Schwestern wohl total exotisch und fremdartig aus, was diese reserviert reagieren ließ. Genau das machte sie wiederum für deutsche Männer attraktiv. Am Anfang war ihr es nicht so schwer wie den anderen Koreanerinnen gefallen, die ‚Ausländerin' zu sein. Sie war auch in Korea als Tochter eines Russen und einer Koreanerin als ‚Ausländerin' nur schwer akzeptiert worden. So brauchte sie sich nicht so stark wie die anderen daran zu gewöhnen. Es war schon in Korea nicht einfach gewesen, sich als ‚Fremde' durchzusetzen -- und in Deutschland war es nicht viel anders.

Ilka verdankte der Erziehung ihrer Eltern sehr viel, das wurde ihr mit der Zeit immer deutlicher. Auch ihre freie Sexualität war das Ergebnis einer Erziehung, die ihr Freiräume verschafft hatten, die für ein koreanisches Mädchen beileibe nicht selbstverständlich waren. Dank ihrer selbstbewussten, koreanischen Mutter hatte sie ein gutes Vorbild. Auch ihr deutsch-russischer Vater war kein typischer Vertreter der Kategorie „Macho-Mann", sondern einer, der seiner Ehefrau für Korea oder auch Russland oder selbst Deutschland ungewöhnliche Mitspracherechte einräumte. Vielleicht lag es auch am ausgeprägten Altersunterschied, der ihn eher als fürsorglichen und beruhigenden Partner und weniger als autoritätsbewussten Mann auszeichnete. Oder es lag daran, dass seine zweite Frau Ahri eine so junge Mutter gewesen war.

Er war rund fünfzehn Jahre älter als seine Frau. Die Temperamentsausbrüche ihrer Mutter hörte er sich in aller Ruhe an und nahm berechtigte Gründe mit Selbstkritik an, während er unberechtigte Beschwerden nur aufnahm, um sie später noch einmal zu diskutieren. Es war extrem selten, dass er selber einmal einen Wutausbruch hatte, für den er sich dann auch sofort nach Verrauchen seiner Wut entschuldigte. Ilka konnte sich auch nur einen älteren Ehemann vorstellen. Er war der ruhende Pol in der Familie.

Das war es wohl auch, was ihre Mutter dazu brachte, ihrem Mann immer wieder offen Liebesbeweise zu zeigen. Ilka hatte keine andere Familie in Korea gesehen, in der sich Mann und Frau vor den Kindern ‚richtig' küssten. Ihre Eltern taten es. Es gab für Ilka keinen Zweifel daran, dass sie ein Kind dieser Liebe war und deshalb auch selber so von den Eltern geliebt wurde.

Ihre Halbschwester Mara wuchs bei deren Mutter Marianne in Deutschland auf, so dass ihr Vater ihre Halbschwester nicht nur weniger gut kannte, sondern sie ihm auch nicht so vertraut war. Sie bedauerte Mara, weil Marianne nur eine wechselnde Reihe von Liebhabern hatte -- und so Mara nie in den Genuss eines echten Vaters kam.

Mit der Zeit nahm die Anzahl der Temperamentsexplosionen ihrer Mutter ab, aber sie war auch dann jeweils konsequent genug, sich zu entschuldigen, wenn es unberechtigt gewesen war. Und wenn es zu arg gewesen war, bat sie sogar ihren Ehemann um ein Povoll wie ein unartiges Kind. Ihr Vater konnte dann nie ein Lächeln unterdrücken, sobald er ihr spielerisch einen Klaps gegeben hatte und sie in sein Arbeitszimmer mit der Doppeltür verschwanden.

Früher oder später realisierte Ilka, dass dies ein eingespieltes Versöhnungsritual zwischen den beiden war. Und bald danach wusste sie auch, dass es im Arbeitszimmer zwischen den beiden nicht bei dem einen Klaps blieb, sondern sie mitunter richtig gezüchtigt wurde. Jedenfalls begriff sie einmal, weshalb ihre Mutter nach einer solchen ‚Unterredung' auf einmal Probleme mit dem Sitzen hatte. Dafür war auch der Streit wie weggeblasen und ihre Mutter war bester Laune, und ihre Eltern küssten sich häufiger als sonst.

Ihre Mama leugnete die Bestrafungen nicht, sondern erklärte ihr offen, dass es solche Szenen in abgemilderter Form auch dann gab, wenn sie keinen Wutanfall gehabt hatte, sondern nur das Gefühl hatte, dass sie ihren Mann nicht so respektiert hatte, wie er es verdient hatte. Sie wollte ihrem Mann damit zeigen, wie sehr sie ihn liebe und achte. Ilka würde das auch irgendwann verstehen, fügte sie dann jeweils hinzu. Ilka hatte diese Frage wieder und wieder gestellt, weil es sie faszinierte, aus irgendeinem ihr damals nur schwer verständlichen Grund. Sie hörte erst mit dem Fragen auf, als ihre Mama ihr nach einem ihrer Wutanfälle auf ihre Frage halb verschämt und halb stolz ihren knallroten Po zeigte und ihr erklärte, dass dies ihr Zeichen und ihre Erinnerung daran sei, dass ihr Mann ihr diesen letzten Wutanfall vergeben habe und ihn nicht mehr erwähnen würde. Ilka hatte in dieser Nacht einen erotischen Traum gehabt -- und nie mehr gefragt.

Ihre Eltern hatten ihr prophezeit, dass sie doch Lust am Studium bekommen würde, wenn sie nach Deutschland gehen würde -- und sie hatten Recht behalten. Sie wollte jetzt das Abitur in Deutschland machen, um Medizin zu studieren. Sie würde es diesen Halbgöttern in weiß schon zeigen!

3 Thomas

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die meisten Leute auf der Party kannte ich aus meiner Clique sehr gut. Die meisten davon waren knapp unter oder über 30. Die deutlich davon abweichende Ausnahme war ein junges Paar. Ich hatte weder sie noch ihn je erblickt. Mara stellte sie mir vor. Zuerst ihre rund zwanzigjährige Halbschwester Ilka, von der ich zwar schon etwas gehört hatte, sie aber noch nie gesehen hatte, dann deren Begleiter Pierre. Höflich begrüßte ich beide:

„Ich freue mich Sie endlich kennenzulernen, Ilka. Mara hat mir schon viel von Ihnen erzählt. Und guten Abend, Pierre."

Ilka nickte nur, während Pierre sich an einer ebenso höflichen Entgegnung versuchte. Nicht nur ihr Alter ließ sie aus der Menge hervorstechen, sondern auch ihr Aussehen. Ilkas Gesicht war mit den prominent ausgeprägten Wangenknochen und dem ausgesprochen runden Gesicht mit den Mandelaugen eine exotische Mischung von russischem Starlet und koreanischer Niedlichkeit. Ihre sehr helle Haut kontrastierte mit den dunkel geschminkten Augenbrauen und dem bordeauxroten Lippenstift. Ungeschminkt hätte sie sicherlich noch sehr viel jünger ausgesehen, als sie jetzt schon aussah. Dazu trugen sicherlich noch ihre geringe Körpergröße und ihre sehr jugendlich wirkende Kleidung bei. Praktisch alle anderen Frauen waren zumindest fünf Zentimeter größer als sie, ganz zu schweigen von Huberta, die alle anderen Frauen überragte.

Alle anderen Frauen trugen typische Partykleidung, während Ilka mit einem kurzen, dunkelblauen Faltenrock und einer weißen Bluse eher wie in einer Schuluniform wirkte. Die einzige Konzession war eine feine Strumpfhose. Inmitten all der rund 30-jährigen mit den typisch deutschen Gesichtszügen und der eleganten Kleidung sah sie im Vergleich dazu sehr unkonventionell aus.

Ihr Begleiter wirkte noch fremdländischer. Er war klein für einen Mann, aber das war nicht das exotische, sondern es trug nur dazu bei. Er war dunkelhäutig und hatte schwarzes, gekräuseltes Haar. Das Augenweiß blitzte regelrecht aus seinem tief kakaofarbenen Gesicht heraus. Er hatte einen zierlichen Knochenbau, aber sein muskulöser Hals schien anzudeuten, dass er körperliche Arbeit gewohnt war. Die zu enge Stoffhose sah so aus, als ob sie noch von seiner Konfirmation stammen würde und dasselbe galt für sein Sakko, das zu knapp saß.

In puncto Hautfarbe hätte der Kontrast zwischen den beiden nicht viel größer sein können. Sie war wachsweiß mit einem Schuss ins gelbliche und er so dunkelhäutig wie Ebenholz. Ich war nicht der einzige, dem dieses ungewöhnliche Paar auffiel, das so aussah, als ob sie auf den ersten Abschlussball ihres Lebens gingen. Beim anschließenden Gang zum Buffet bemerkte ich, wie auch andere Leute öfter hinschauten, als sie es bei anderen machten. Ilka schien das nichts auszumachen -- im Gegenteil, sie schien die Aufmerksamkeit zu genießen.

Am Buffet hatte ich endlich Gelegenheit Huberta anzusprechen, die bisher mit ihren Gastgeberpflichten beschäftigt gewesen war. Ich gratulierte ihr zur Einweihung und zum neuen Job. Ich frotzelte sie auch gleich darüber an, dass Mara sich jetzt mit ihr gut stellen müsse, wenn ihre Halbschwester Ilka jetzt ihre Schülerin sei.

„Tom, Ilka ist zwar als Schülerin an meiner Schule, aber ich habe sie noch nicht in einer meiner Klassen gesehen. Also kann ich Mara noch nicht so richtig in die Pflicht nehmen. Ilka vielleicht eher, denn ihr Begleiter ist tatsächlich mein Schüler in einer meiner Französisch-Klassen."

„Hubi, vielleicht kannst du mir ja beim Tanzen auch Unterricht in Französisch geben. Ich meine so ein ‚french Kiss' erfordert doch immer wieder Übung."

Sie war zuerst überrascht und runzelte leicht die Stirn, aber dann lachte sie. Keine Frage, ich war einfach kein Meister im Flirten. Aber hallo, sie hatte es nicht abgelehnt zu tanzen. Tatsächlich kam es nach dem Nachtisch zum Tanzen mit ihr, als sie als Gastgeberin die Stimmung etwas anheizen wollte. Dazu hatte ich noch den Eindruck, dass sie leicht geschmeichelt war, dass ich mich so offensichtlich im Flirten versuchte.

Beim Tanzen ließ sie sich dann tatsächlich auch richtig in den Arm nehmen. Es machte Spaß mit ihr zu tanzen. Dann kam richtig fetzige Rock ‚n' Roll-Musik und ich konnte mit den gelernten Schritten aus dem Tanzkursus vor Urzeiten glänzen. Mara war auch am Tanzen und sie musste irgendjemanden im Auge haben, denn Mara verkündete lauthals „Paarwechsel beim nächsten Tanz".

Das war eigentlich nicht meine Absicht, aber vorsichtshalber schaute ich mich schon mal in meiner Umgebung um. Mara tanzte neben uns, mit einem Altstudenten in Philosophie, der wohl schon über das dreißigste Semester hinaus war. Er war ein liebenswerter Spinner, den Mara mal mochte und ihn dann wieder abstoßend fand. Dann wurde mein Auge plötzlich von dem jungen exotischen Paar gefangen. Der junge Afrikaner - jedenfalls nahm ich an, dass er aus Afrika kam - musste ein gutes Rhythmusgefühl haben. Es sah nicht so aus, als ob er das im Tanzkurs gelernt hatte, denn einige seiner Tanzfiguren waren unkonventionell.

Es schien aber seine Partnerin Ilka zu inspirieren, ebenso ausdrucksvoll zu tanzen. Bei den schnellen Drehungen des Tanzes flog ihr Faltenrock hoch. Sie hatte doch keine Strumpfhose an, sondern Strümpfe mit Haftband, was ich ungewöhnlich fand. Unter dem so braven Rock blitzte dann zweimal kurz hintereinander ein sehr stramm sitzendes, weißes Höschen mit einem feinen Spitzensaum hervor. Sie merkte beim zweiten Mal, wo ich hinschaute und warf mir einen leicht irritierten Blick zu. Ich fühlte mich ertappt, war aber wie hypnotisiert.

Der voll geschnittene Satinschlüpfer hatte zwiespältige Erinnerungen an meine fülligen, italienischen Beziehungspartnerinnen aus der Schulzeit in mir ausgelöst. Nach den lange zurück liegenden, aber sehr unangenehmen Erfahrungen hatte ich mir geschworen, nur noch schlanke - und vor allen Dingen unkomplizierte - Frauen ohne südländisches, überschwappendes Temperament als Freundinnen zu wählen. Ich hatte zwar ihre üppigen Kurven gemocht, aber nicht die damit einhergehenden Komplikationen.

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